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Kann eine Generation Familienprobleme erben?

  • Starter*in Starter*in Gast
  • Datum Start Datum Start
Hallo,

"Vererben" im biologischen Sinne seh ich auch eher etwas kritisch.
Allerdings halte ich es schon für möglich, dass Konflikte den nachfolgenden Generationen weitergegeben werden.

Meine Familie väterlicherseits bestand überwiegend aus Männern, die nach außen hin recht gefühlskalt sind , für die nur Leistung zählt, die gerne mobben udn obendrein spielen auch Süchte (alkohol) eine große Rolle.
Ich selbst beobachte schon länger an mir, dass ich dazu neige, mich selbst unbewusst zu sabotieren, weil bei uns Frauen nicht so hoch angesehen sind und daher auch klein gehalten werden.
Daran arbeite ich nun mit einem guten Therapeuten.
Auch war ich früher sehr einsam, hatte kaum soziale Kompetenzen, genau wie mein Vater. Ich habe dann angefangen, an mir zu arbeiten und inzwischen lebe ich ganz "normal" mit Partnerschaften, Freunden, Job und Freizeitaktivitäten.
Ich war lange Zeit medikamentenabhängig und habe einen langen, harten Entzug hinter mir und lasse seitdem die Finger von sämtlichen Stoffen, die Drogen sein könnten. , weil ich nicht wieder in so eine Suchtspirale hineingeraten möchte...ich könnte diese Liste noch ewig lange fortsetzen, was ich damit sagen will ist, dass man es schaffen kann, aus diesen Problemem auszubrechen, dazu gehört allerdings viel Mut, Willen es auch zu schaffen, und nicht zuletzt auch Therapeuten und Freunde, die einen dabei unterstützen.
 
Hallo,
...ich könnte diese Liste noch ewig lange fortsetzen, was ich damit sagen will ist, dass man es schaffen kann, aus diesen Problemem auszubrechen, dazu gehört allerdings viel Mut, Willen es auch zu schaffen, und nicht zuletzt auch Therapeuten und Freunde, die einen dabei unterstützen.

Ganz richtig. Es reicht leider nicht immer aus zu wissen, was schief läuft oder was anders sein sollte. Man muss meistens hart darum kämpfen und wirklich an sich arbeiten. In meiner Familie spielt Gewalt in jeglicher Form eine große Rolle. Das zieht sich schon durch ganze Generationen. Und ein völlig straffes Denkmuster über Leistung, Schönheit, Weiblichkeit und Menschenwürde. Jahrelang habe ich negative Glaubenssätze intus bekommen. Die waren so fest drin, dass ich sie bewusst gar nicht mehr wahrgenommen habe und sie mich zerstört haben. Die jetzt wieder rauszubekommen, ist unglaublich harte Arbeit und dafür muss ich oft bluten. Man weiß, dass es nicht richtig ist, so zu denken und trotzdem hat man diese negativen Glaubenssätze in sich und sie beeinflussen einen. Irgenwann war mir Gewalt und grenzüberschreitendes Verhalten verständlicher und logischer, als dass mich jemand einfach nur liebt und meine Grenzen respektiert. Ich kannte fast nichts anderes mehr und das andere war wie eine eigene Welt, zu der ich keinen Zutritt hatte. Als Kind habe ich unaussprechliche Dinge erlebt, über die ich erst jetzt viele Jahre später langsam sprechen kann. Irgendwann ging es nicht mehr und ich war komplett hinüber. Den letzten Warnschuss habe ich erhalten, als ein engeres Familienmitglied sich umgebracht hat, damals so alt wie ich jetzt. Ein anderes Familienmitglied ist komplett abgerutscht und heute jemand, der man einfach nicht sein will. Deswegen lohnt sich die harte Arbeit, damit man den Kreis endlich als erste Person durchbricht! Auch wenn ich oft so verzweifelt bin, dass ich kein Licht mehr am Ende des Tunnels sehe.
 
Ich denke bei der Headline u.a. an das sogenannte "soziale Erbe".
Konfliktpotential, das weitergegeben wird.
Oder/und Familiengeheimisse, die noch über Generationen nachwirken können.

LG
Landkaffee
 
Ganz richtig. Es reicht leider nicht immer aus zu wissen, was schief läuft oder was anders sein sollte. Man muss meistens hart darum kämpfen und wirklich an sich arbeiten. In meiner Familie spielt Gewalt in jeglicher Form eine große Rolle. Das zieht sich schon durch ganze Generationen. Und ein völlig straffes Denkmuster über Leistung, Schönheit, Weiblichkeit und Menschenwürde. Jahrelang habe ich negative Glaubenssätze intus bekommen. Die waren so fest drin, dass ich sie bewusst gar nicht mehr wahrgenommen habe und sie mich zerstört haben. Die jetzt wieder rauszubekommen, ist unglaublich harte Arbeit und dafür muss ich oft bluten. Man weiß, dass es nicht richtig ist, so zu denken und trotzdem hat man diese negativen Glaubenssätze in sich und sie beeinflussen einen. Irgenwann war mir Gewalt und grenzüberschreitendes Verhalten verständlicher und logischer, als dass mich jemand einfach nur liebt und meine Grenzen respektiert. Ich kannte fast nichts anderes mehr und das andere war wie eine eigene Welt, zu der ich keinen Zutritt hatte. Als Kind habe ich unaussprechliche Dinge erlebt, über die ich erst jetzt viele Jahre später langsam sprechen kann. Irgendwann ging es nicht mehr und ich war komplett hinüber. Den letzten Warnschuss habe ich erhalten, als ein engeres Familienmitglied sich umgebracht hat, damals so alt wie ich jetzt. Ein anderes Familienmitglied ist komplett abgerutscht und heute jemand, der man einfach nicht sein will. Deswegen lohnt sich die harte Arbeit, damit man den Kreis endlich als erste Person durchbricht! Auch wenn ich oft so verzweifelt bin, dass ich kein Licht mehr am Ende des Tunnels sehe.

Stimmt.
Sich die Vorgänge bewusst zu machen und zu lernen, woher das eigene Verhalten oder die eigenen Denkmuster kommen, ist eher nur der erste Schritt.
Danach, wenn man sich der Mechanismen im eigenen Denken und Handeln bewusst ist, ist es Zeit, die alten Muster zu überdenken und an sich zu arbeiten.
Ich weiß, wie hart und schmerzhaft das alles oft ist, aber es lohnt sich.
Seit ich clean bin, fühle ich mich gesünder und besser und auch klarer als je zuvor und dieses Gefühl lasse ich mir nie wieder von irgendwem wegnehmen.
Ich kenne das auch, dass man manchmal verzweifelt ist und das Gefühl hat, kein Land mehr zu sehen. Das tut weh, aber es ist wichtig, dass man durchhält und sich immer wieder bewusst macht, was danach auf einen wartet.
Ich habe oft Phasen, wo ich mich schlecht fühle, wo ich denke, dass ich schwach bin und doch nie etwas schaffen werde, aber dann irgendwann raffe ich mich wieder auf und es läuft wieder.
Es ist ein Kampf, aber lohnt sich.
 
Hallo,

tatsächlich wurde die Kriegszeit an die nachfolgenden Generationen vererbt. Zum einen verändern Stress (seelisch wie körperlich) tatsächlich die Gene, die dann eben so weitergegeben werden und zum anderen entsteht innerhalb der Familie oft ein angespanntes Klima. Meist wird nicht darüber geredet und die Kinder spüren eine unterschwellige Angst und Unsicherheit, die sie nicht einordnen können.

Kinder, die im oder kurz nach dem Krieg geboren wurden, hatten schon in der Gebährmutter sehr viel Stress einerseits durch die Angst der Mutter und natürlich durch das knappe Angebot an Nahrungsmittel. Diese Kinder werden dann oft eher ängstlich. Und das geben sie dann natürlich wiederum an ihre Kinder weiter.

Man sagt, es dauert vier Generationen, bis ein Krieg überwunden ist und die Wunden tatsächlich heilen können.


Tuesday
 
Meine Eltern waren auch durch den Krieg traumatisiert. Mein Vater war dreieinhalb Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft, hatte dann immer Suchtprobleme (Alkohol, Nikotin). Meine Mutter war zusätzlich traumatisiert durch den frühen Tod ihrer Eltern (sie war zehn, als ihre Mutter, und knapp zwölf, als ihr Vater starb). Sie konnte nicht gut Gefühle zeigen, neigte zu hysterischen Ausbrüchen einerseits, Überängstlichkeit, Überbehütung und Verdrängung andererseits. Mit 46 Jahren wurde sie chronisch krank (Diabetes Typ 1 mit häufigen Stoffwechselentgleisungen, weitere Krankheiten). Als meine Mutter ihren Diabetes bekam, war ich erst acht und meine Schwester war fünf Jahre alt. Wir bekamen immer zu hören, dass "Aufregung" für Diabetiker "schlimmer als ein Diätfehler" sei und wir deshalb alles vermeiden sollten, was unsere Mutter "aufregen" könnte. Wenn sie sich schon über unseren Vater "aufregen musste", der allabendlich zu viel Bier trank und auch ansonsten ein schwieriger Mensch war, dann wenigstens nicht auch noch über uns. So entwickelte ich schon als Kind eine panische Angst, dass meine Mutter früh sterben könnte - im Fall ihrer eigenen Eltern war ja schließlich genau das passiert, was uns auch oft genug erzählt wurde. Letztlich starb sie erst mit 86 Jahren, wofür ich in Anbetracht meiner jahrzehntelangen Ängste und Sorgen dankbar bin.

In meiner Familie gab es auch etliche Fälle ungesunder Symbiosen zwischen Müttern und Töchtern (so zwischen meiner Großmutter väterlicherseits und meiner Tante sowie zwischen meiner Mutter und meiner jüngeren Schwester) und den unausgesprochenen Auftrag, dass man das Elternhaus möglichst nicht verlassen und vor allem für die Mutter da sein sollte. Natürlich auf Kosten seines eigenen Lebensglücks.

Traumatisierte, kranke oder stark belastete Eltern erziehen ihre Kinder anders als entspannte und gesunde. Sie sind häufig nicht so für ihre Kinder da, wie das andere können. Das bringt natürlich Ergebnisse in den dann erwachsenen Kindern. Und so setzt sich das Trauma fort.
Genau so ist es!

In meiner Familie entstanden für meine Generation folgende schlimme Folgen:

Meine Schwester ist meines Erachtens seit über einem Jahrzehnt psychisch schwer krank, nach meiner Vermutung schizophren, aber uneinsichtig, daher bis heute nicht therapiert. Ihr Leben geht total den Bach runter und ich fürchte, es wird in absehbarer Zeit zu einer Katastrophe kommen. Bestimmt haben die ungünstigen familiären Rahmenbedingungen dazu beigetragen. Das Thema habe ich hier schon in vielen Threads angesprochen und will es daher an dieser Stelle nicht erneut vertiefen.

Ich war früher extrem ängstlich, krankhaft schüchtern und traute mir trotz guter bis sehr guter Schulnoten nichts zu, habe aber durch Erfolg im Studium, Arbeiten an mir selbst, aber auch Therapie und professionelle Beratung mein Leben inzwischen eigentlich recht gut im Griff, vor allem beruflich. Zumindest lässt es sich aushalten. Leider aber ohne eigene Familie. 🙁

Geradezu beruhigend und tröstlich finde ich es, hier zu lesen, dass es offenbar auch in zahlreichen anderen Familien ähnlich gravierende Probleme gibt. Meine Verwandten (Cousinen) bauen nämlich nur die hier bereits von anderen genannten typischen Heile-Welt-Fassaden auf. Bei ihnen ist alles angeblich ganz toll und alle verstehen sich super und helfen sich gegenseitig, nur ich bin wahrscheinlich zu blöd, um mein Privatleben und das meiner Schwester ebenso in den Griff zu bekommen. Dabei ist keine von ihnen finanziell unabhängig und sie neigen alle zu dem überkommenen Weltbild, was die Rolle der Frau betrifft. 🙄 Damit konnte ich mich noch nie identifizieren und möchte insoweit auch nicht mit ihnen tauschen.

Daher kann dies
Wobei ich immer hochgradig misstrauisch bin, was das so genannte "Gelingen" und "ok sein" betrifft. Wie oft ist das nur Fassade.
nicht genug betont werden.

Ansonsten empfehle ich das Sachbuch von Sandra Konrad "Das bleibt in der Familie. Von Liebe, Loyalität und uralten Lasten", das ich gerade mit großen Gewinn für mich selbst lese.
http://www.amazon.de/Das-bleibt-Familie-Loyalität-uralten/dp/3492055265
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Verrückte bei der Weitergabe mancher Traumata ist, dass es ein Phänomen gibt, das sich schulmedizinisch nicht erklären lässt: Wenn über das Trauma den Kindern gegenüber nie gesprochen wurde, ergibt das eine Anspannung, über die hier schon geschrieben wurde. Manchmal fühlt es sich für die Kinder so an, als gäbe es eine tote Zone rund um den Elternteil oder als könne man ihm nie wirklich nahe sein. Viele Kinder fühlen eine Leere in sich, die sich durch eigene Erlebnisse nicht erklären lässt. Wenn diese (erwachsenen) Kinder dann dieser Leere oder Angst in einer bestimmten Traumatherapie (Kreative Leibtherapie) nachspüren, erscheinen Bilder und körperliche Empfindungen, die zum Trauma des betroffenen Elternteils gehören. Wenn man dann nachfragt, was "damals" passiert ist (oder ob überhaupt) und man Antworten bekommt, kann das Gefühl der Leere, der Unruhe oder Angst aufgelöst werden.
 
Das Verrückte bei der Weitergabe mancher Traumata ist, dass es ein Phänomen gibt, das sich schulmedizinisch nicht erklären lässt: Wenn über das Trauma den Kindern gegenüber nie gesprochen wurde, ergibt das eine Anspannung, über die hier schon geschrieben wurde. Manchmal fühlt es sich für die Kinder so an, als gäbe es eine tote Zone rund um den Elternteil oder als könne man ihm nie wirklich nahe sein. Viele Kinder fühlen eine Leere in sich, die sich durch eigene Erlebnisse nicht erklären lässt. Wenn diese (erwachsenen) Kinder dann dieser Leere oder Angst in einer bestimmten Traumatherapie (Kreative Leibtherapie) nachspüren, erscheinen Bilder und körperliche Empfindungen, die zum Trauma des betroffenen Elternteils gehören. Wenn man dann nachfragt, was "damals" passiert ist (oder ob überhaupt) und man Antworten bekommt, kann das Gefühl der Leere, der Unruhe oder Angst aufgelöst werden.

Dazu gibt es durchaus anerkannte wissenschaftliche Untersuchungen.
Beispiel: Kinder kriegstraumatisierter Eltern. Wobei die Eltern nie beschrieben, was genau damals sie selber erlebten.


LG
Landkaffee
 

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