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Jemand hat zu viel Zeit

  • Starter*in Starter*in anthropoid
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anthropoid

Gast
Noch mal 60 Jahre. Ich weiß nicht, wie ich diese gähnende Leere überstehen soll. Ich höre immer wieder, wie kurz, das Leben doch sei, wie wertvoll und ich sehe nur eine endlose Einöde, die sich seit meiner Kindheit durch mein Leben erstreckt. Der Horizont ist grau wie der Weg selbst, nicht dass die Farbe von Belang wäre, sie ist einfach überall die selbe. Ach was grau, sagen wir doch grün. Erfahrungsgemäß erwarten meine Lieben Mitmenschen schließlich von mir, dass ich mich selbst belüge. Wenn man genug S**** frisst, schmeckt es schließlich irgendwann nach Schokolade. Grüne S****. Klingt nicht gesund.
Das ist nur eine Momenterscheinung, sagen sie und fühlen sich bestätigt, wenn ich dann doch mal lächle und nicht ganz so bekümmert daher rede. Menschen mögen es eben, wenn man sie belügt. Dass man niemandem erzählen darf, wie man sich wirklich fühlt, habe ich schon immer gewusst. Dann muss man sich auch noch dafür rechtfertigen, dass man sich schlecht fühlt und muss diese lästigen Tröstversuche über sich ergehen lassen. Geteiltes Leid ist doppeltes Leid. Ich fühle mich danach schlechter und der andere auch, darum lüge ich nur noch, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht. Na, heute schon an Selbstmord gedacht? Na sicher doch, wenn es dich glücklich macht.
Es ging alles erst so richtig los mit Bertrand Russel und einer Katze. Für ein halbes Jahr lag ich auf dem Fußboden meines Zimmers und starrte an die Decke. An dem Ende des halben Jahres hatte ich ohne die alten Meister zu lesen den kompletten Skeptizismus durchdacht ohne zu wissen, was das ist. Unser Philosophielehrer hielt sich schließlich am liebsten damit auf immer die selben Zitate irgend welcher Philosophen zum besten zu geben, uns auch noch etwas beizubringen war wohl zu viel verlangt. Zum Glück fingen gerade die Sommerferien an, als ich freiwillig in die geschlossene Psychiatrie gegangen wurde, weil ich meinem Arzt zu viel an Selbstmord dachte. Seitdem bekam ich immer mal wieder eine neue Diagnose, wurde ich weniger gemocht, war ich ein schizoider Narzisst, mochte man mich mehr, war ich ein hoch intelligenter junger Mann mit einer Dysthymie. Oder so ähnlich. Also eigentlich ist ohnehin nichts von dem, was ich hier schreibe wahr. Die Wahrheit ist ... . Das fasst es am Besten zusammen. Was ich bin, was ich fühle. Ich habe nie existiert, wie die anderen es taten. Ich bin ein Konglomerat aus Zwängen, die mir meine Mitmenschen im Laufe meiner Kindheit aufbürdeten. Und als ich es merkte, war nichts anderes mehr da. Liebe ist, wenn man jemandem erzählt, man würde nicht ohne ihn leben können, obwohl derjenige von einem aus ruhig sterben könnte, ohne dass es einem etwas ausmachen würde. Mal abgesehen von gewissen Unannehmlichkeiten. Freundschaft ist, wenn man Viel Zeit mit Leuten verbringt, die einem tierisch auf den Keks gehen und sie ab und zu mal anlächelt und so tut, als würde man ihre Gesellschaft schätzen. Wenn ich es nicht so unerträglich fände andere Menschen zu verletzen, wäre ich ein eiskalter Bastard. Was andere Menschen Menschlichkeit nennen kommt mir vor wie eine Zwangserkrankung. Ich bin leider ein netter Mensch, aber dieser Mensch kommt mir vor wie eine Fassade, die mein eigentliches Ich vor der Welt versteckt.
Und all das wäre egal, wenn es etwas gäbe, mit dem ich gerne meine Zeit verbringen würde. Ich studiere etwas, das ich langweilig finde um später mal einen Job zu machen, den ich langweilig finde um ein Leben zu führen, das ich langweilig finde und Menschen zu treffen, die mich anöden, um Orte zu sehen, die so unbedeutend sind, dass es die reinste Energieverschwendung ist sein Zimmer zu verlassen. Ich möchte schlafen. Und wenn ich eines Tages wieder aufstehe, will ich alt sein und sterben. Passivagressiven Selbstmord nennt man sowas dann wohl.
 
Das kommt mir vor, als hätte ich das geschrieben. Und weil ich da auch keinen Weg raus weiss, kann ich dir auch keinen Tip geben. Wozu auch - die Welt hat halt nur eine bestimmte Anzahl an Ressourcen und wenn man mit all diesen Ressourcen nichts anfangen kann, dann langweilt man sich eben. Man kann ja schließlich nicht zum Mars auswandern - auch wenn das wirklich mal was anderes wäre. Ich kann dir nur sagen: Ich verstehe dich. Und es bringt nichts, sich selbst zu belügen.
 
Ihr Denkt zuviel nach über dass was euch anödet ...

Der Beste weg daraus ist der weg zurück in die Steinzeit ...

Dass möchte ich mal kurz erklären ...

Ich weiss nicht ob mein eigener werdegang wirklich 100% identisch mit deinem bzw. eurem ist aber, ich saß oder lag so um die 18 stunden am Tag nur rum. Mal am PC mal einfach so, vorm Fernseher um die fassade von Zeitvertreib aufrecht zu erhalten. ich hab Geraucht weil man ja irgendetwas tun muss ... nur rumsitzen und Atmen reicht ja nicht ...

Ich bin ziemlich schnell süchtig geworden und hab bald mein Geld (war damals sehr wenig) nurnoch für Zigaretten und als ich mehr geraucht hab für Tabak ausgegeben.

ich weiss nicht ob dass Rauchen schon der beginn der Selbstheilung war aber immerhin als ich süchtig war musste ich hin und wieder Raus um nachschub zu holen ...

Versteht ihr, ich hatte keinen Bock mich überhaupt zu bewegen aber ich musste weil dass gefühl ohne Zigaretten zu sein noch schlimmer war, meine Standart einstellung zum leben und dann noch keine kippen dass wäre zuviel gewesen für mich ...

naja was soll ich sagen ... irgendwann ist mein Körper mal "geil" geworden und ich hab mir nen Weib gesucht was ich zur befriedigung meiner Gelüste nehmen konnte ... (war auf Freiwilliger Basis) ...

Ich bin dann ziemlich schnell Sexsüchtig geworden (zum glück wie sich später rausstellte nur Temporär) ...

Und letztendlich hab ich so ins Leben zurückgefunden durch Süchte und am ende meiner Sexsucht ein Kind ...

Jetzt gehts mir manchmal immernoch so aber mein Leben lässt es nicht zu dass ich irgendetwas versäume nur weil ich keinen Bock hab ...

ich bin auch nen Netter Mensch deswegen geh ich immer zu meinem Sohn damit er nicht ohne vater aufwachsen muss und der kann mich dann auch zum Lachen bringen oder zum weinen ... aufjedenfall regen sich gefühle in mir wenn ich ihn sehe ...

Naja und die zeit die ich meinen Sohn nicht habe kann ich immernoch auf weiberschau gehen (jetzt nurnoch mit Kondom) ...

Arbeiten muss man auchnoch um seinen Reichtum zu häufen (was nie passieren wird bei meinem Job XD )

Letztendlich braucht man nur einen Ausschlaggebenden Punkt der einen schrittweise ins Leben führt ...

Bei mir wars dass Rauchen und später die Sexsucht ...oder einfach Serotonin ...
 
alter schwede
hör sofort auf!

brech dein studium ab - du hast keine lust dazu und es macht dich depressiv und du weisst nicht mal warum du das machst!

geh auf die strasse!
machs, wie das auch in anderen ländern der welt is und geh einfach auf die strasse und gehe spazieren und sag hallelulja is das leben geil, ich kauf mir ne bratwurst und n grill und hock mich in den park und chill und fertig aus
und dann werd gärtner oder so, irgendwas, wo leben drin steckt!!
 
Wozu in die Ferne schweifen.. In einer Steinwüste verhungern kann man auch auf diesem Planeten, dazu bedarf es nicht des Mars. Neue Orte machen keine neuen Menschen, man nimmt sich selbst überall hin mit. Ich war mal ein halbes Jahr in Afrika, geändert hat das auch nichts.

Ich habe kein Interesse an Sex. Ich bin Jungfrau und habe kein Problem damit auch so zu sterben. Ein Kind zu zeugen wäre überhaupt der GAU. Ich kann mit Kindern nichts anfangen. Man muss seinem Leben ja nicht unbedingt auch noch unnötige Beschwerlichkeiten hinzufügen. Es gibt ja Leute, die behaupten steif und fest, es wäre ganz was anderes, wenn es die eigenen Kinder wären, aber das Experiment will ich ganz sicher nicht eingehen. Irgendeine Mutter hat auch mal gesagt, wem es nur ums Glücklichwerden geht, der soll sich einen Hund anschaffen und keine Kinder. Aber auch wenn ich Hunde mag, lebenswert machen sie diese Welt auch nicht.
Dass Süchte da irgendwas bringen sollen, lese ich auch zum ersten Mal. Man fügt doch nur ein weiteres Lebensmittel seiner Einkaufsliste hinzu, was soll das bitte bringen? Kann es sein, dass du Korrelation und Kausalität verwechselst? Ich sehe nicht, was ich von irgendwelchen Suchtstoffen haben soll. Ich mag das Gefühl nicht, betrunken zu sein, andere Drogen habe ich nie probiert und sehe dazu auch keinen Anlass. Ach doch, ich schaufle Süßigkeiten in mich rein und gebe dafür auch einiges an Geld aus. Vielleicht bin ich da ja doch auf dem richtigen Weg.
 
Nun weißt du, wie verheerend Erkenntnis ist, was sie aus einem Menschen macht. Deine Nüchternheit lässt dich am Leben leiden. Warum schreibst du hier? Es gibt nichts zu sagen.
 

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