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jeden Tag in tiefer Trauer um meinen Papa

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Ich möchte dir erstmal auch mein herzliches Beileid aussprechen.

Ich kann mich in euren Beiträgen genau wiederfinden. Vor 1,5 Jahren ist mein Vater an plötzlichem Herztod verstorben und mir ging es genauso wie du es beschrieben hast. Ich habe zwar noch keine Kinder, aber denke ständig daran, dass mein Vater nie seine Enkelkinder kennenlernen wird.

Mein Vater war auch so ein Mensch wie du deinen beschreibst und ich vermisse ihn sehr.

Wie geht es dir denn mittlerweile? Und deiner Mutter?

Auch wie ihr es mit euren Freunden beschrieben habt, bei mir war es ähnlich. Die ersten 2 Wochen waren alle da, so dass es mir schon fast zu viel wurde, aber dann? Ich habe nicht erwartet, dass sie mich täglich anrufen und fragen wie es mir geht, aber wenigstens mal ab und zu fragen oder ein Gespräch anbieten. Eine Freundin hat mich bei einem Anruf mal tatsächlich gefragt, wie es dem Hund geht?! Ich kann so etwas nicht nachvollziehen und finde das alles sehr oberflächlich. Ich habe mich irgendwie gar nicht getraut zu trauern und bin auch irgendwann mit mir selbst so umgegangen. Gerade merke ich aber, dass es so nicht weiter gehen kann und versuche mir bewusst Zeit zum Trauern zu nehmen.

Trotzdem kommt zu dem Verlust noch die Enttäuschung über das Verhalten der Freunde, die man schon sein halbes Leben lang kennt...

Ich bin mir aber sicher, dass deine Vater gewollt hätte, dass ihr euch in dem Haus wohlfühlt und dass du das Haus eher mit positiven Erinnerungen an ihn füllst. Und er ist bei euch. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Vater, der mir auch sehr viel in meiner Wohnung geholfen hat, ist bei mir und blickt von Zeit zu Zeit in mein Leben. Das ist schwer in Worte zu fassen. Die Liebe zwischen euch geht über den Tod hinaus, auch wenn die Trauer immer wieder überwiegt...
 
Hallo,

ich bin diejenige, die dieses Thema eröffnet hat und heute ist wieder so ein Tag, an dem alles so schwer fällt. Dabei haben mein Sohn, Freunde und deren Kinder und ich heute einen tollen Ausflug in die Natur gemacht. Alle hatten Spaß, doch in mir ist dieser dunkle Teil, der alles so dumpf macht. Als ich zu Hause war und der Kleine schlief, musste ich wieder mal weinen darüber, dass mein Vater das alles verpasst. Und ich finde es auch so ungerecht, dass wir nur so wenig Zeit als Familie mit dem Kleinen hatten und alles nie wieder so sein wird, wie es einmal war, nämlich einfach schön.
Hier gibt es ja viele, die Verlusterfahrungen gemacht haben. Ich frage mich, wie lange es wohl dauert, bis ein Tag einfach mal wieder "gut" ist ohne irgendeinen traurigen Beigeschmack.....

Danke fürs Zuhören!
 
Hallo liebe Unbekannte

Ich habe meinen überalles geliebten Vater am 19. August verloren!

Von Anfang an habe ich versucht, das "Gute" zu sehen, wie schwer es auch fällt.
Denk daran, dass dein Papa Deinen Sohn kennenlernen konnte - und waren es auch nur 10 Monate. Es sind 10 Monate, die Du in Bilder und Erinnerungen hast. Die Du Deinem Sohn zeigen und erzählen kannst. Stell Dir nicht vor, was er alles noch verpasst. Versuch Deinen Papa an Allem teilhaben zu lassen. Stell ein Foto auf wenn Du etwas wichtiges mit Deinem Sohn tust z.B. seinen 1. Geburtstag feiern. Schreib Deinem Vater Briefe oder führe ein Tagebuch. Denk an ihn, lächle über ihn, weine wegen ihm. Verdräng ihn nicht. Sei nicht glücklich wenn Du es nicht bist. Aber freue Dich wenn Du glücklich bist. Dein Papa wäre stolz auf Dich.

Ich begreife erst heute, 4 Wochen später, dass mein Vater wirklich weg ist. Es tut unheimlich weh. Die Realität kommt langsam langsam auf mich zu.....

Ich wünsche Dir viel Kraft !
 
Hallo , man braucht natürlich zeit zum Trauern, aber irgenwann MUSS diese auch vorbei sein, das leben geht weiter
die Kinder werden größer , das Leben stopt nicht und nimmt auch keine Rücksicht.

Ging mir genau als meine Eltern gestorben sind, mir hat geholfen alles alte raus aus dem haus, komplett renovieren
und jetzt wohne ICH hier und nicht mehr meine Eltern. Ausser ein paar Bilder und ein Paar Möbel
erinnert nicht mehr an meine Eltern , von da an ging es mir dann viel besser.

gruss Joachim
 
Natürlich ist man durch die unmittelbare Trauer irgendwann durch, wenn alles seinen richtigen Weg geht und man die Trauer auch zulässt. Trotzdem trifft der Tod bestimmter Menschen uns so sehr, dass einfach eine Narbe verbleibt. Die Tode meiner Eltern haben auch Lücken gerissen, die kaum mehr ausgefüllt werden können, und wenn noch 100 Jahre ins Land gehen. Ich könnte noch so viel wegräumen, es würde in meinem Fall auch nicht funktionieren. Der Threadstarter kann ja auch schlecht das neue Haus wieder abreißen, obwohl es wie ein Anker wirken dürfte.

Mein Vater ist auch bereits vor 12 Jahren verstorben, ab diesem Zeitpunkt war ich mit meiner Mutter alleine, jedenfalls, was die nahen Verwandten angeht. Ich habe zwar noch ein paar Blutsverwandte, doch praktisch keinen Kontakt (den gab es nie). Wir waren mal eine sehr große Familie, doch sind leider alle Familienmitglieder sehr früh verstorben. Als einziges Kind, in der, bis dato, letzten Generation, war natürlich absehbar, dass ich eines Tages wohl jedes Familienmitglied überlebt haben würde.
Dieser Tag kam dann schlussendlich diesen März, als meine Mutter verstarb. Sie war zwar schon bereits erkrankt, doch hat es mich trotzdem kalt erwischt. Wir, meine Verlobte und ich, wollten eigentlich dieses Jahr, mit meiner Mutter, zusammen ziehen, da sie alleine nicht mehr so wirklich gut konnte. Ich dachte, bis kurz vor ihrem Tod, dass sie, entsprechende Pflege voraus gesetzt, wieder auf mehr auf die Beine kommen würde. Leider kam es nicht mehr dazu, da sie eines Morgens tot aufgefunden wurde. Seit diesem Tag hatte ich zudem noch Probleme mit Bekannten und Nachbarn, die denken sie hätten den Durchblick gehabt, was unsere familiäre Situation angeht. Meine Mutter schwatzte zwar sehr gerne, doch behielt sie stets Dinge für sich, die, außer uns, niemanden etwas angingen. Trotzdem schien plötzlich jeder periphere Bekannte meine Mutter besser kennen zu wollen, als ihr eigener Sohn. Schon am Todestag meiner Mutter war klar, dass wir hier nicht mehr bleiben wollten. Es war wirklich unglaublich, wie respektlos sich einige sogar am Totenlager meiner Mutter benommen haben. Ich hätte es vorher nicht geglaubt, aber es gibt tatsächlich Menschen, die sich sogar über den Tod anderer Menschen profilieren wollen. Während mein Herz innerlich zerriss, wurde so getan, als wäre meine Trauer nicht echt, und die "Traueransprüche" anderer Leute wichtiger. Besonders übel war, dass diese Personen noch nicht einmal bei der Beerdigung waren. Obwohl meine Mutter zeitlebens den Menschen geholfen hatte, kam nur eine Handvoll zur Messe und Beisetzung. Gefühlt waren es sogar noch weniger, da ich den Eindruck hatte, dass es nur uns, und zwei alten Freunden meiner Mutter, wirklich wichtig war. Seit diesem Moment mischte sich, zu der Trauer, auch immer eine gewaltige Portion Wut. Wer meine Mutter von früher kannte, dem war klar, dass sie dergleichen nicht verdient hatte. Es gab so viele Menschen, die eigentlich tief in ihrer Schuld standen, und es trotzdem nicht für nötig erachteten, ihr das letzte Geleit zu geben. Ich glaube einige waren sogar froh, dass die kranke Frau, der man eigentlich etwas schuldete, endlich nicht mehr da war. Selbst Leute, die es meiner Mutter zu verdanken hatten, dass ihr Leben nicht komplett den Bach herunter gegangen ist, haben nicht mal zurück gerufen.

Für mich war besonders schlimm, dass sie nicht nur meine Mutter war, sondern, dazu noch, das letzte Bindeglied zu meiner geliebten Familie. Als ausgeprägter Familienmensch ist es einfach extrem schwer, wenn man einen Verlust nach dem anderen zu betrauern hat. Trotzdem hatte der Tod meiner Mutter eine eigene Qualität. Ich bin zwar im richtigen Alter, um meine eigene Familie zu gründen, doch war ich trotzdem noch lange nicht bereit, meine Mutter gehen zu lassen. Zum Glück leben wenigstens die Verwandten meiner Verlobten noch, es würde mich sehr traurig machen, wenn unsere Kinder keine Großeltern kennen lernen dürften. Mir hat auch sehr zugesetzt, dass meine Mutter nur wenige Jahre nach ihrer eigenen Mutter gestorben ist, die mehr als 30 Jahre älter wurde, wie so oft stirbt der herzensgute Mensch viel zu früh, während die totalen Egoisten den Tod einfach zu ignorieren scheinen.

Der März ging ins Land, der Sommer kam und zog vorbei, doch eine wirkliche Besserung meiner Gefühlslage war und ist nicht in Sicht. Es ist weniger die Trauer selbst, die mir zu schaffen macht. Vielmehr habe ich jetzt jeden Tag, besonders spät Abends, schwermütige Gedanken an Tage, an denen noch alle da waren. Ich würde unheimlich viel für einen Tag mit meiner Familie geben, und muss oft an unsere Familienfeiern denken, als ich noch ein Kind war. Ich glaube hier liegt auch ein Teil des Problems, als ich erwachsen wurde, hatte ich nur noch meine Eltern, und mein Vater verstarb, als ich gerade knapp über die 20 war. Heute habe ich Gedanken, die ich, als Erwachsener, gerne mit meinem Vater, Großvater und Großonkel teilen würde. Es wurde mir die Möglichkeit genommen, Gedanken eines Erwachsenen Mannes mit Leuten zu wälzen, die mich seit meiner ersten Tage kannten. Für andere mag dies nicht wichtig sein, doch ich habe diesbezüglich ein Bedürfnis, das nie befriedigt werden kann. Es sind gerade diese unausgesprochenen Gedanken und Fragen, die mich einfach nicht loslassen wollen. Ich glaube man kann nur lernen damit zu leben, denn eine wirkliche Lösung gibt es für diese Art von Problemen ja nicht.

Eine Lösung oder Erleichterung kann ich also auch nicht bieten. Es bleibt nur die Gewissheit, dass viele Menschen in einer ähnlichen Gefühlslage sind. Auch wenn es manchmal nicht fair scheint, gehört der Tod zum Leben. Ich frage mich nur, wie Atheisten mit dieser Gewissheit umgehen. Ich hege die Hoffnung, dass es nach dem Tode nicht vorbei ist, und dass wir, eines Tages, wieder mit allen geliebten Menschen vereint sein werde, die vor uns gehen mussten, auf welche Art auch immer.


Gruß
Nova11
 

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