AW: internetfreundschaften+beziehungen
Hallo Ramona,
das ist ein interessantes Thema. Also ich finde es kommt darauf an, was das eigentliche "Endziel" ist. ich meine ob du gleich mit der Einstellung reingehst "Ich will eine Beziehung" oder ob du "nur eine Freundschaft" willst.
Wenn es eine richtige Beziehung werden soll, dann kann das Internet ja nur ein Startschuß sein. Dann muß man sich irgendwann dazu überwinden, auch mal den virtuellen Raum zu verlassen und sich der Realität zu stellen. Es ist dann natürlich um so schwerer für jemanden, der ein völlig falsches Bild von sich aufgebaut hat, also jetzt nicht nur was Aussehen & Co. betrifft, sondern auch was Hobbys usw. angeht.
Was eine Freundschaft angeht, ist meine persönliche Erfahrung (leider) die, dass meine "realen" Freunde von früher mir nie zugehört haben, wenn ich mal über Probleme reden wollte. Aber ich war gut genug, den seelischen Mülleimer für sie zu spielen. Ich mußte zuhören, wenn sie Liebeskummer hatten. Was heißt ich mußte, eigentlich mußte ich natürlich nicht, aber ich finde einfach es gehört auch zu einer Freundschaft dazu, einander mal zuzuhören. Mal ganz ehrlich: Wie viel ist eine "Freundschaft" wert, in der es nur um Spaß haben und Hallo Galli geht? Und wenns einem mal nicht so gut geht alle "Tschüss!!!" sagen und verschwunden sind? Und da muß ich sagen, dass ich gerade hier im Forum unheimlich viele nette Kontakte aufbauen konnte. Es sind natürlich wie du schon sagst oftmals Kontakte darunter, die kommen und wieder gehen, hab mich auch schon öfters gefragt, wo wohl der Unterschied zwischen einer "Bekanntschaft" und einer "Freundschaft" ist. Hab mir schon mal überlegt, darüber einen Thread aufzumachen, ist zwar im Moment nicht wirklich ein Problem, aber mich interessiert einfach mal die Meinung der Leute dazu.
Ich hatte in meinem ganzen Leben erst zwei Freundinnen, wobei ich bei der ersten eigentlich nicht von einer Freundin im Sinne von Beziehung reden kann. Es war eigentlich nur eine Bekanntschaft mit extrem viel Vertrauen und Sympathie, aber es hätte mehr daraus werden können und war schneller vorbei als es begann. Das war damals extrem schlimm für mich. Einerseits weil es die erste Frau war, die ich kennengelernt habe, aber andererseits war es die Art, wie es beendet wurde.
Dann versuchte ich mein Glück über eine Kontaktbörse im Internet. Und hab dort genau ins Schwarze getroffen. Wir haben uns am Anfang lange Zeit nur gemailt, weil wir nichts überstürzen wollten. Aber ich hatte damals schon dieses Gefühl, meine Traumfrau gefunden zu haben, und das obwohl ich sie noch überhaupt nicht live gesehen hatte. Als ich sie dann das erste Mal vor mir sah, da wußte ich sofort "Sie ist es!". Aber auch das ist vorbei, weil es das Schicksal anders wollte. Seit dem bin ich wieder allein. Im Moment will ich keine neue Beziehung, zweifle auch viel zu viel an mir selbst und muß da auch viel dran arbeiten, das lockerer zu sehen. Aber ich bin nun mal ein emotionaler und einfühlsamer Typ, der (viel zu viel) darüber nachdenkt ob er eine Frau glücklich machen kann (das "glücklich machen" ist jetzt aber nicht in sexueller Hinsicht gemeint).
Ich kann dich schon verstehen, dass dir Freunde viel bedeuten. Das sollten sie auch, denn von oberflächlichen Freundschaften kannst du sowieso nicht viel erwarten. Mein Opa hat mal gesagt "Wenn es dir schlecht geht, dann zeigt sich wer deine richtigen Freunde sind". Bei meinem Vater hat sich dieser Spruch bewahrheitet. Als er mal längere Zeit krank war, da rissen dann alle Kontakte auf einmal ab, keiner hatte mehr Zeit. Auf einmal wurde sogar rumerzählt, er wäre gestorben, und das nur, weil man ihn für längere Zeit nicht mehr gesehen hatte.
Und unter diesen Umständen ist mir eine "virtuelle" Freundschaft, in der man sich gegenseitig hilft und füreinander da ist, tausendmal lieber als eine oberflächliche "reale" Freundschaft, in der dir jeder nur ins Gesicht grinst und hinterher über dich schlecht denkt und spricht. Aber ich glaube, solche Menschen gibt es in der Virtualität genauso wie in der Realität. Aber ich muß dir Recht geben: eine virtuelle Freundschaft kann noch so gut sein, so eine virtuelle Person kann dich nicht in den Arm nehmen, du kannst ihre Gefühle nicht "spüren". Das ist der größte Nachteil dieser I-Net-Bekanntschaften. Aber ich denke dass genau deshalb viele Menschen nicht mehr auf längere Zeit in einer Beziehung miteinander auskommen und sich dann eingeengt fühlen, aber ich muß zugeben das geht mir auch so.
Ist dir schon mal aufgefallen, dass heute unheimlich viel telefoniert wird? Oder man schreibt sich e-mails und chattet? Vor allem im Berufsleben fällt mir das auf. Wo man früher noch ein paar Meter gelaufen ist und dann die betreffende Person live vor sich hatte, da wird heute telefoniert oder gemailt. Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, warum das wohl so ist? Liegt es wirklich nur daran, weil mailen oder telefonieren dank Handy und Laptop ja so praktisch und schnell geht? Oder liegt es eher daran, dass man einen "ungeliebten" Menschen per Mail einfach löschen und per Handy einfach "abwürgen" kann? Vielleicht sollten wir darüber mal nachdenken...
Ich wünsch dir alles Gute und drück dir die Daumen, dass du auch eines Tages einen Freund findest, bei dem du weiche Knie bekommst, dich dann aber auch fallen lassen kannst und dich glücklich und geborgen fühlst.
Liebe Grüße vom Lausbub