Am Leben verzweifeln... ich weiß nicht ob ich das tue. Ich weiß es wirklich nicht. Einerseits gibt es eigentlich nichts, über das ich mich derzeit beschweren könnte (abgesehen von den von mir geschilderten Problemen)... Diese sind aber auch erst kürzlich wieder aufgetaucht. Bis vor einigen Wochen dachte ich wirklich noch, mir ginge es ganz gut... Nicht fabelhaft, aber auch nicht schlecht. Klar gibt es Dinge die mir fehlen. So bin ich zum Beispiel 19 und hatte noch nie irgendwelche sexuellen Erfahrungen (bis auf eine auf einer Party, für die ich mich bis heute schäme...), geschweige denn eine Freundin. Aber ich dachte, ich könnte damit gut leben und würde einfach warten, bis sich so etwas von alleine ergibt...Du kommst nicht wie ein A******* rüber, sondern wie ein Mensch, der am Leben verzweifelt. Vor über 30 Jahren fand ich sogar Ameisen als reinste Zumutung und Beweis, daß das Leben nicht lebenswert sei. Ich hoffe, ich verderbe dir damit deine Weltverachtung nicht zu sehr - all das kann sich legen, wenn du mal aufhörst, so große Worte wie "Haß" für Dinge zu bemühen, die dich ja nicht wirklich beeinträchtigen müßten, wenn du ihnen nicht nachschaust.
Ich habe ja versucht, meine Emotionen beiseite zu lassen. Ich habe versucht, ein möglichst objektives Bild von mir abzugeben. Und das ist nun einmal die Art, wie ich mich in Gegenwart der Menschen verhalte, die ich schon lange und gut kenne. Dabei war ich wirklich nicht wertend, sondern habe schlichtweg mein Verhalten geschildert. Teilweise benehme ich mich wirklich wie ein A*******. Das erschütternde daran ist nur, dass es mich überhaupt nicht juckt. Wenn ich wütend bin, dann bin ich gerne verletzend zu meinen Mitmenschen, ja, es bereitet mir in diesem Moment eine Unmenge an Freude dem anderen verletzende und abwertende Dinge an den Kopf zu werfen. Warum tue ich so etwas?Du bist nicht objektiv, kannst es gar nicht sein. Ganz im Gegenteil: du wertest und du ordnest dir Eigenschaften zu, die du verwerflich findest. Objektiv wäre, wenn du deine Emotionen beiseite ließest und dir überegtest, wie realistisch deine Eigenschaften wirklich sind: du studierst? Gehst unter Leute? Schaffst deine Uni? Machst Therapie? Atmest noch? Kümmerst dich nicht um dich? Hast einen besten Freund? Hast Angst, weil du Symptome hast, die bedrohlich sein könnten?
Aber vielleicht ist das ja auch nur die Art, wie ich schreibe? Wenn du mich auf der Straße angepöbelt hättest, wäre mein Sprachstil und mein Verhalten völlig anders gewesen, und das ist es gerade was mich so irritiert. Bin ich nun ein guter Mensch der nicht weiß was er tun soll, oder ein überheblicher Wichtigtuer (ohne erneut wertend klingen zu wollen, aber mir fielen keine passenderen Worte ein...)?s.o. - du glaubst, Liebe und Zuwendung nicht verdient zu haben, du tust ganz arg gefährlich und ablehnend. Trotzdem schreibst du sehr nett und freust dich über Antwort. Kein Mensch, der wirklich menschenfeindlich ist, würde sich so verhalten.
Darauf, dass meine Psyche weiß was sie tut kann ich mich schon länger nicht mehr verlassen. Ich war schon immer seltsam. Ich glaube ich war noch nie richtig verliebt, stattdessen habe ich mich immer in irgendwelche Schwärmereien hineingesteigert bis ich an kaum noch etwas anderes denken konnte. Mit anderen Menschen bin ich nie gut klar gekommen. Und auf meine eigene Intelligenz war ich schon immer so unglaublich stolz dass ich deswegen alle Menschen die mir nicht das Wasser reichen konnten herabgewürdigt habe, zumindest im Geheimen. Doch seit kurzem zweifle ich sogar daran, ob ich vielleicht noch ganz bei Verstand bin, oder sogar irre werde. Die Erfahrung auf der Party die mir so peinlich war will einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden, weil es die einzige sexuelle Erfahrung in meinem Leben war, denke ich manchmal sogar ABSICHTLICH daran um mich wieder daran zu erinnern. Ich habe verstörende Gedanken und verhalte mich paradox, und ich weiß nicht woher das Ganze kommt, und das ist es was mich an meinem eigenen Verstand zweifeln lässt...Das ist gut so. Natürlich macht das Angst, Veränderungen machen fast immer Angst. Aber du kannst dich darauf verlassen, daß deine Psyche weiß, was sie tut - sie würde diese Emotionen nicht hochkommen lassen, wenn du sie dir nicht leisten könntest. Darin kannst du ganz sicher sein, so wie die Psyche Dinge verdrängen kann, um dich zu schützen, kann sie Dinge auch an die Oberfläche lassen, wenn sie weiß, daß deine Lebenssituation mittlerweile stabil genug ist, um sie zu bewältigen. Ich bezeichne heute so etwas als Art "Wund- und Heilschmerz" - unangenehm, aber im Grunde genommen sehr gut.