Hallo,
meine Schwester hatte auch eine Angststörung, und sie hat an sich ne gute Therapie dagegen gemacht. Zunächst einige Wochen vollstationär, dann teilstationär, also Tagesklinik und dann rd. 3 Jahre ambulante Kombitherapie: psychiatrisch-medikamentös und psychologische Betreuung.....Ziel sollte es ja sein dauerhaft ohne Medikamente sprich Chemie stabil zu werden. Sie erhält derzeit noch Niedrigdosierung eines Neuroleptikums und eine niedrige Dosierung eines Antidepressivums..bis sie ihre Diplomprüfungen hinter sich hat, danach wird nochmals runtergesetzt und danach voll abgesetzt.
Ein Arbeitskollege von mir leidet an Depressionen, bzw. litt früher darunter, heute hat er diese Erkrankung im Griff. Er macht sehr viel Sport, hat sein Leben in einigen Punkten grundlegend umgekrempelt und so gestaltet, dass er mittlerweile gut klar kommt.
Wichtig ist offener Umgang mit der Krankheit, dass man Menschen hat mit denen man drüber reden kann und v.a. auch "angedoct" ist, d.h. für längere Zeit bis man genügend über sich und die Krankheit weiß, sich über die Ursachen und Auslöser klar ist und weiß wie man nen Weg findet mit der Krankheit klarkommt ohne immer wieder "akut" zu werden in fachärztlicher Behandlung ist.
Um gesund zu werden und dauerhaft zu bleiben muss man manchmal schon ne Menge tun. Du solltest dazu bereit sein und ohne Wenn und Aber notwendige Schritte einleiten.
Ganz falsch und ein Mitauslöser für psychische Erkrankungen sind Verdrängen, oder verbergen und sich abisolieren. Die Grenzen zwischen normal und ver-rückt sind eh fließend und normal bleibt man nur in ausreichendem Austausch mit anderen Menschen. Der Mensch ist nämlich grundlegend als soziales Wesen ausgelegt und braucht den Kontakt zu anderen Menschen um normal zu bleiben. Wenn man sich zu sehr absondert wird man halt oft zu absonderlich, grübelt zu viel, oft auch auf ungute und unproduktive Weise und sowas macht letztlich krank. Es braucht auch an ständiger Übung sich unter Menschen zu bewegen...Sozialtraining, etwas was einen fordert und fördert.
Die Psychologin meiner Schwester meinte, dass Überforderung krank machen kann aber Unterforderung genauso und man muss halt nen guten Weg dazwischen für sich herausfinden.
Angstzustände und Depressionen sind an sich relativ einfach zu behandeln. Manchmal muss man in punkto Psychologe halt ein wenig länger suchen, bis man jemanden findet der gut zu einem passt. Wichtig ist dabei die Ansprüche nicht zu hoch zu schrauben und auch nicht dem Irrglauben zu verfallen, dass ne Therapie ein Wundermittel ist. Therapie ist nur Hilfe zur Selbsthilfe..aber ein wichtiges Werkzeug um diese Erkrankungen der Seele auseinanderzunehmen und in den Griff zu kriegen. Therapie ist auch nur erfolgreich, wenn man genügend an ihren Erfolg glaubt und engagiert mit arbeitet. Es muss also grundsätzlich genügend Wille zum Gesundsein und ERfolg da sein und auch genügend Leistungsbereitschaft.
Den Hund kannst du locker in der Zeit, in der du weg bist irgendwo unterbringen..ich würde den nicht als Ausrede dazu missbrauchen, dass du verantwortungslos mit deiner Gesundheit umgehst und nichts gegen diese Angststörungen tust. Wer nicht verantwortungsbewusst sich selber ggü handeln kann ist an sich auch kein guter Hundefreund...klingt jetzt hart, aber so sehe ich das. Selbstachtung ist hier halt wichtig, damit man der Achtung ggü einem von einem abhängigen Lebewesen = dem Hund auch gerecht werden kann. Es ist auch nicht fair ggü dem Hund ihn als Lebensfreudespender zu sehen...klar hängt man an einem Tier, aber an sich auch nur wirklich, wenn man dafür sorgt ihm ein guter = verantwortungsbewusster Freund zu sein, der zusieht dass er gesund durchs Leben läuft! Also tu was für dich, dann tust du auch was für deinen Hund!
Das Problem bei unbehandelten psychischen Erkrankungen ist nämlich oft, dass diese dann so krass werden, dass du irgendwann ggf. derart durchgekachelt bist, dass du zwangseingewiesen wird und dein Püppchen dann ohnehin in irgendeinem Tierheim landet und ggf. dort wo du es nicht gerne hast. Du solltest also solange du noch fähig bist zu managen und selber zu organisieren zusehen nen guten Platz für deinen Hund zu finden um zunächst den stationären Klinikaufenthalt zu organisieren.
An sich finde ich es sauschade, dass es keine Kliniken gibt in denen man seine Haustiere mitnehmen kann...zumal wissenschaftliche Studien ergeben habe, dass Tiere bei psychischen Erkrankungen oft auch Therapiewert haben...aber leider sind so halt die Bedingungen in deutschen Kliniken...nicht optimal, aber da muss man sich halt anpassen und es ist ja auch nur für eine gewisse Zeit..die man sich halt nehmen MUSS.
Also nochmals: wichtig bei akuten Angststörungenmit Panikattacken oder Depression ist sofortige sorgfältige Medikamentation, sprich sofort zum Psychiater und wenn der zur Klinik rät, dann sollte man den Rat beherzigen. Zur Medikamentation ist zu sagen, dass diese auf den Punkt genau erfolgen muss..sonst kann es erneute Akutschübe geben, falls der Medikamentenspiegel nicht erhalten bleibt...also einmal aussetzen oder selber die Dosis verändern etc..ist absolut nicht drin..immer alles in Absprache mit dem Facharzt..in der Anfangsphase immer wieder feedback über wirkung etc..checken ob Medis wirken etc. Zweiter Grundstein neben der psychiatrisch-medikamentösen Therapie sollte dann die psychologische Therapie sein um der Krankheit auf den Grund zu gehen und wegzukommen von den Medis. Die Medis werden jedoch zunächst für einige zeit (ggf. über einige Jahre) genommen werden müssen...sie müssen auch ausgeschlichen werden..d.h. die Dosis schrittweise zurückgefahren...Niemals abrupte Abbrüche! Sowas führt oft direkt in den nächsten "Schub" und je mehr "Schübe" desto schlechter für die Psyche/das Hirn. Ne psychische Erkrankung, diese Angststörungen sind ja im Grunde ein biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn und unbehandelt kann sich das oft noch verstärken.
Bezieh dein Umfeld, deine Eltern und Freunde mit ein...bring den Hund bei Freunden unter, aber zeige auch genügend Eigenverantwortung indem du dich um dich kümmerst und zusiehst gesund zu werden.
Es geht...bei meiner Schwester hat es gut geklappt..sie hatte damals eine Angstpsychose, war krass durchgekachelt mit Wahnvorstellungen etc. hat sich aber zum Glück direkt behandeln lassen...auch wenn es anfangs nicht leicht war und sie anfangs keine Einsicht zeigte, was oft typisch bei psychischen Erkrankungen ist. Während der Behandlung war sie stark wesensverändert...man nennt das Negativsymptomatik...die Medis dämpfen alles runter, der Betreffende kann wenig fühlen, zeigt wenig REaktionen...aber das ist bewusst so, damit das Hirn wieder ein Gleichgewicht findet und durch diese Phase muss man halt irgendwo durch. Mit der Zeit, also bei meiner Schwester klang die Nagativsymptomatik nach ca. 2 Jahren mit dem Ausschleichen des Neuroleptikums wieder ab. Bekannte, Freunde, Eltern etc. wussten alle Bescheid und so konnten sie angemessen reagieren...sie hat keinen ihrer Freunde verloren..damals war ich vor Ort und habe ihre Freunde ausgiebigst aufgeklärt und um Mithilfe gebeten. Hat gut geklappt.
Diese Erzählungen um dir ein wenig Mut zu machen und dich auf deine Eigenverantwortung hinzuweisen. Du stehst in punkto eigener Gesundheit am Machthebel und wie du dich verhälst entscheidet mit ob du halt dauerhaft gesund wirst und bleibst.
Du kannst es gut schaffen, wenn du die richtigen Schritte unternimmst, glaube an dich und dann Augen zu (ähh besser auf) und durch!
Viel Erfolg!
Tyra
P.S Meine Schwester hatte in punkto psychologische Therapie guten Erfolg mit einer Verhaltenstherapie.
Und zu dem Punkt deiner thread-Überschrift kann ich nur sagen: jeder gehört genau da hin, wo man sich selber hindefiniert. Jeder muss halt seinen Platz im Leben selber bestimmen und versuchen auf diesen Punkt hin zu arbeiten.
Bei psychischer Erkrankung ist man jedoch oft verwirrt und irgendwie vom Weg abgekommen..daher ist es wichtig diese Erkrankung behandeln zu lassen damit man seinen eigenen Willen wieder entdeckt und auch den Weg, den man gehen möchte.
Also ein Schritt nach dem anderen: erstmal versuchen die psychischen Probleme in den Griff zu kriegen, dann ergibt sich das mit dem Wissen wo du hingehörst ganz automatisch.