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Ich weiß nicht mehr weiter...

Halloo01

Neues Mitglied
Hallo erstmal.
Ich bin ein Junge und 16 Jahre alt und habe so einige Probleme.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll; ich glaube ich fange einfach mal mit meiner "Vorgeschichte" an.
Ich war früher ein netter, aktiver Junge, dem es immer leicht gefallen ist, Freunde zu finden und der jeden Tag draußen Fußball spielen war und immer gelacht hat.
Ich war gut in der Schule (damals eben noch Grundschule) und hatte auch einen ziemlich schlauen älteren Bruder (4 Jahre).
Wegen meinem Bruder hatte ich allerdings von Anfang einen ziemlich großen Druck, was die schulischen Sachen betrifft, da meine Eltern eben nur die besten Noten von meinem Bruder gewohnt waren.
Das konnte ich anfangs auch noch gut verkraften; in meinem ersten Jahr auf dem Gymnasium hatte ich einen Schnitt von 1,9 und habe sogar eine Auszeichnung bekommen. Das ging dann so weiter bis zum Ende der 7. Klasse, bis dahin hatte ich immer einen 2,0 Schnitt, was ja vollkommen in Ordnung ist.
Allerdings wurden meine Leistungen schon damals nicht richtig gewürdigt, da mein Bruder einen Schnitt von 1,7 in der 9. Klasse hatte und da war ich natürlich mit meinem 1,9er Schnitt nur Nebensache.
Damals hat mich das (zumindest bewusst) nicht wirklich verletzt oder sowas, aber ab der 8. Klasse (und mit Beginn der Pubertät) wurde mir einfach alles zu viel. Da mich meine Eltern ständig mit meinem Bruder (unbewusst) verglichen haben, habe ich irgendwann angefangen auch so zu denken.
Ich dachte, dass ich das auch schaffen kann oder muss, weil mein Bruder es ja auch geschafft hat.
Ich habe damals mit Fußball aufgehört, obwohl ich sehr talentiert war, weil ich keine Motivation mehr hatte, irgendetwas zu tun.
Ich bekam leichte Depressionen oder zumindest häufig negative Gedanken, die ich vorher eigentlich nie hatte.
Meine Noten in der Schule wurden schlechter, ich war ständig müde und konnte mich in der Schule einfach nicht mehr konzentrieren, weshalb ich oft im Unterricht einfach geschlafen habe und meine Noten dadurch noch schlechter wurden.
Es kam einfach alles ganz plötzlich und ohne "Vorwarnung".
Am Ende der 8. Klasse hatte ich einen Schnitt von 2,6, was für einige hier vielleicht nicht so schlecht sein mag; für mich war es aber schlecht, da mein Bruder nie einen 2,6er Schnitt hatte. Ich glaube er hatte noch nicht mal einen 2,1 Schnitt gehabt...
Ich fing an Computerspiele zu spielen, was (obwohl ich es noch immer mache) vielleicht einer der größten Fehler war.
Meine einzige Motivation bestand nun darin, besser in den Spielen zu werden, weil in meinem echten Leben nichts so lief, wie ich es wollte.
Es ist nicht so, dass ich vergessen hatte, dass ich ein echtes Leben besitze, aber ich wollte nicht mehr in meinem echten Leben sein.
Ich traf neue Leute online, die inzwischen fast schon bessere Ansprechpartner für mich sind, als meine echten Freunde, weil man eben doch noch ein bisschen anonym ist, obwohl sie teilweise auch wissen, wo ich wohne oder aussehe, o.Ä.
Ich hatte schon noch "echte" Freunde, allerdings habe ich mich eben eher auf die "virtuellen" Freunde beschränkt.
In der Zeit war es extrem schlimm, ich hatte teilweise 90-100 Stunden in 2 Wochen gespielt und bin kaum noch rausgegangen.
Versteht mich nicht falsch, ich war nicht wirklich süchtig in dem Sinne, dass ich gezwungen wurde, zu spielen; ich wollte es eher wegen meinen Freunden dort und weil ich auch noch Spaß hatte.
Wie dem auch sei, in der 9. Klasse lief alles noch viel schlechter, meine Noten wurden noch schlechter und ich fing an zu schwänzen, weil ich keine Energie/ Motivation mehr hatte (nicht weil ich am Computer spielen wollte!!)
Ich bin morgens aufgewacht, hatte direkt negative Gedanken und wollte einfach weiterschlafen, was ich dann oft auch einfach gemacht habe.
Dadurch wurden meine Noten natürlich noch schlechter. Am Ende des Jahres hatte ich btw einen 2,9er Schnitt.
Die Depressionen oder Burn-out (oder was es war/ist) wurden schlimmer und ich hatte erste Suizidgedanken.
Es verging kaum eine Minute, in der ich nicht an den Tod oder ähnliches gedacht habe, außer wenn ich etwas mit meinen Freunden (egal ob virtuell oder reale) gemacht habe, weil ich eben abgelenkt war, aber sobald ich wieder alleine war hatte ich wieder die negativen Gedanken.
Dann sind wir allerdings ins Landheim gefahren und das hat mir extrem geholfen, da man eben jeden Tag rausgehen musste und quasi etwas mit seinen Freunden machen musste.
Ich freundete mich mit einem Mädchen an, mit dem ich vorher eigentlich fast gar nichts zu tun hatte und sie wurde zu der Zeit meine beste Freundin.
Und als die Woche im Landheim vorbei war hatte ich plötzlich extrem viel neue Energie, ich bin freiwillig jeden Tag (alleine) Fußball spielen gegangen, um mich zu verbessern und nebenbei Musik zu hören.
Die negativen Gedanken waren alle weg und ich hatte wieder Spaß am Leben.
Ich dachte, dass ich es geschafft hätte, die Depressionen zu besiegen, allerdings hatte ich nach ein paar Wochen nach dem Landheim Streit mit dieser Freundin und außerdem hatte ich mich am Oberschenkel verletzt und konnte nicht mehr Fußball spielen gehen.
Also fing alles wieder von vorne an, ich saß in meinem Zimmer auf dem Bett oder vor dem PC und hatte wieder die negativen Gedanken. Das ging so weiter bis jetzt noch.
Inzwischen bin ich am Ende der 10. Klasse (habe noch 2 Wochen Schule) und wieder waren wir im Landheim und wieder hat es mir geholfen, allerdings nicht ganz so wie beim ersten Mal.
Ich habe wieder guten Kontakt zu einem anderen Mädchen aus der Klasse bekommen, das früher mal auch eine sehr gute Freundin von mir war und habe wieder viel mit meinen Freunden gemacht.
Allerdings lässt die Energie, die ich vom Landheim bekommen habe nach einer Woche schon wieder nach.
In der gesamten 10. Klasse waren die Depressionen so schlimm wie noch nie, ich habe teilweise ganze Wochen gefehlt, weil ich einfach nicht konnte und wenn ich in die Schule gegangen bin habe ich wieder nur geschlafen.
Wie gesagt, im Landheim war es dann besser, aber es lässt schon wieder nach. Ich habe mir wieder vorgenommen jeden 2. Tag Fußball spielen zu gehen, was ich bisher auch durchgehalten habe, allerdings bin ich schon wieder nicht in die Schule, weil mir dort schon wieder die Energie/ Motivation gefehlt hat.
Nach dem Landheim habe ich meine sogenannten "Skins" in dem Computerspiel für viel Geld verkauft (~230€) und wollte sie investieren, um mir neue Kleidung und sowas zu kaufen, also reale Sachen für das reale Leben.
Um es so zu sagen, mein Kopf ist gespalten in "Kämpfen" und "einfach aufgeben". Leider überwiegt der "aufgeben" Teil (Ich würde sagen 3/4 zu 1/4).
Ich habe immer wieder kurze Momente, in denen ich mir denke "Komm, jetzt holst du dir von dem Geld Schuhe, etc. und machst viel mit deinen Freunden draußen" aber dann kommen auch wieder die Gedanken, dass ich schon mal das Gefühl hatte, die Depressionen besiegt zu haben und wie ich am Ende wieder in dieses Loch gefallen bin.
Dieser Gedanke raubt mir im Moment jegliche Motivation irgendetwas zu tun, weil ich Angst habe, dass es wieder so wird wie letztes Jahr.
Ich habe auch schon mit meiner Mutter darüber geredet und ihr gesagt, dass ich mich ab nächstem Jahr zusammen reißen will, weil ich weiß, um wie viel es ab der Kursstufe geht, obwohl ich eigentlich genau weiß, dass ich nicht einfach so tun kann, als hätte ich keine Depressionen.
Ich versuche mir vorzuspielen, dass alles ab nächstem Schuljahr besser wird, aber so wird das nichts.
Ich habe keinen wirklichen Berufswunsch, allerdings würde ich mich etwas wie Psychotherapeut interessieren, aber dazu müsste ich bessere Noten kriegen.
Und dazu habe ich im Moment eben keine Energie, bzw. dieser Berufswunsch motiviert mich nicht genug, um mir aus den Depressionen zu helfen.
Ich weiß ja, dass ich nicht dumm bin und auch mindestens einen 2,0 Schnitt schaffen würde, wenn ich denn volle Energie hätte um mich zu konzentrieren, zu lernen, etc.
Aber das ist eben das Problem und dann kommen wieder die negativen Gedanken ins Spiel.
Immer wenn die 1/4 "Kämpfen" Gedanken da sind und ich denke, dass ich das mit der Schule schaffen kann, kommen die "Aufgeben" Gedanken, die sagen, dass, falls ich das mit der Schule nicht schaffe, ich mich noch immer umbringen kann. Das nimmt mir extrem viel Motivation, weil das eben die Alternative für mich ist, falls ich, wie so oft, versage.
Ich bin auch schüchtern, weshalb ich eigentlich nicht gerne mit Bekannten über Probleme rede und ich allgemein eher jemand bin, der gerne zuhört und versucht zu helfen, wo er kann.
Ich will eigentlich auch nicht zum Psychologen, weil ich Angst habe, dass ich am Ende noch in irgendeine Anstalt gesteckt werde, was ich überhaupt nicht will.
Ich will einfach nur frei (von Depressionen) sein und Spaß mit meinen Freunden haben und wieder gut in der Schule sein, mehr nicht. Ist das so schwierig?

Naja, wurde jetzt ziemlich lange und bestimmt auch durcheinander, aber so bin ich im Moment eben.
Ich hoffe, dass ihr trotzdem meine Probleme versteht und vielleicht ein paar Tipps für mich habt und danke an alle, die bis hier gelesen haben. :)
 

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Kaim Argonar

Mitglied
Hi Gast, erstmal will ich dir sagen wie toll ich es finde das du offen hier über deine Probleme schreibst. Gib nicht dir die schuld für deine Minderwertigkeitsgefühle gegenüber deinen Bruder, versuch mal mit ihm darüber zu reden, schließlich scheint er genau wie du ein kluger und gescheiter Mensch zu sein. Du kannst ihm auch einfach den Text hier ausdrucken und ihm zustecken. Das wichtigste ist jetzt das du und deine Familie wieder ins reine kommen, am besten gehst du erstmal alleine zu einem Psychotherapeuten und redest über alles mit ihm was dir im Kopf so vorsich geht. Auf keinen fall solltest du Medikamente nehmen, deine art von Depression scheint mir noch sehr leicht behandelbar zu sein, da du noch recht jung bist. In der zwischenzeit versuchst du einfach mal mehr über dich herauszufinden (aufschreiben hilft) , mach meditationsübungen um die negativen gedanken loszuwerden, geh raus und treff leute, mal Bilder, schreib Gedichte oder koch dir selber mal was leckeres zu essen. Ich höre nachts immer Musik das hilft mir beim einschlafen, falls die gedanken mal wieder überhand nehmen. Bleib am Ball und versuch positiv zu denken, den rest schaffst du dann auch noch.
 
L

Lenja

Gast
Ich dachte, dass ich das auch schaffen kann oder muss, weil mein Bruder es ja auch geschafft hat.
Ich habe damals mit Fußball aufgehört, obwohl ich sehr talentiert war, weil ich keine Motivation mehr hatte, irgendetwas zu tun.
Doch vielleicht war es der Moment, in dem du dich, deinen eigenen, individuellen Antrieb aufgegeben hast und dich "freiwillig" der Fremdbestimmung, dem Druck vom Vorbildes deines älteren Bruders ausgeliefert hast .. Und vielleicht versucht seit dem deine Psyche dich mit De-pression von diesem allzu großen fremden Druck zu schützen und zu befreien ..?

Ich finde es immer wichtig, die eigene Art, das eigene Tempo, den eigenen Weg zu leben aufzuspüren und ihnen zu folgen. In der Pubertät, durch die vielen äußeren und inneren Veränderungen, kann es leicht zu einer Verunsicherung und Verwirrung kommen, bei denen man den Halt in fremden Vorbildern oder Ablenkungen sucht. Aber es soll nicht so weit gehen, dass man sich von der eigenen Spur gänzlich abtrennt. Wahrscheinlich merkst du das, und willst zu ihr zurück, das finde ich gut! Und mir scheint, du schaffst das. :)

Ich wünsche dir Zuversicht und Kraft dafür!
Lenja
 

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