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Ich vermisse so meinen Papa...

G

Gast

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Hallo zusammen,
bin schon wach und kann nicht mehr schlafen, ich habe anf. Jan. 06 meinen Vater verloren. (57-jährig)
Er hatte einen Leberkrebs (Diagnose erst am 30.12.05 erhalten!) und hatte bis dahin noch null Anzeichen, dass es so etwas schlimmes sein konnte.
Auch hat er bis Mitte Dez. gearbeitet! Er war rein äusserlich so gesund, dass ich es bis heute nicht fassen kann...bin einfach nur leer und unsagbar traurig..
Dann viel er nach dem Neujahrstag in ein Koma. (Hirnblutung)
Wir waren dann 5 Tagen an sein Sterbebett und konnten uns so ein klein klein wenig von ihm verabschieden...dann ist er von uns gegangen..
Für ihn bin ich froh, dass er so nicht leiden musste, und vom Schlaf in den Tod gehen konnte. Ansonsten hätte er so leiden müssen mit diesem Leberkrebs ich weiss, jedoch für uns ist ein riesiges Loch geblieben..
Zwei Tage bevor er gestorben ist, bin ich noch mit ihm spatzieren gegangen, da meine Mam nicht konnte.(fühlte sich auch nicht wohl)
Ich bin so froh, habe ich das gemacht, ich war ansonsten nie mit ihm alleine spatzieren...
Dort merkte ich auch, dass er die Natur anders ansah, er war auch schwach geworden, nur er zeigte dies nicht, ich sah es aber, und mir zerriss es fast das Herz...
Auch konnte ich mit ihm nicht im Detail über diese Diagnose Krebs sprechen, da er dies nicht wollte. Ich denke es war auch gut so, da er im Leben auch immer ein Kämpfer war, er dachte immer positiv, auch nach der Diagnose.
Nach der Diagnose als wir aus dem Spital gekommen sind, haben wir alle geheult, meine ganze Familie...nur mein Vater hat uns aufgestellt, und gesagt, dass er kämpfen wird..
ich bin so traurig, der Schmerz ist so gross, dass ich manchmal denke, ob ich ihn jemals aushalten werden kann?
Mein Mann und ich wollten vor diesem ganzen Kinder haben, jetzt habe ich Angst, da ich nicht weiss wie es weitergehen soll in meinem Leben...
Meine Mam ist jetzt viel bei uns, ich habe jrgendwie die Vaterrolle übernommen, aber es ist zu streng für mich...
Ich hatte immer eine sehr gute und enge Beziehung mit meinem Vater, auch mit meiner Mutter und es schmerzt so, dass ich nicht nur einen Vater, sondern auch gleichzeitig einen Kolleg verloren habe...
In solchen Situationen frage ich mich oft, wo war Gott? Warum hat er dies zugelassen? Allgemein frage ich mich, warum müssen herzensgute Menschen manchmal so qualvoll sterben mit Krebs?Warum??

Danke euch von Herzen fürs "mitlesen".

Liebe Grüsse,
Yasi.
 
liebe/r yasi

ich finde es wundervoll, daß vater SO begleitet werden durfte u. er DICH um sich haben konnte und sogar noch ein spaziergang möglich wurde.
da hat er ja ganz viel kraft mobilisiert, um sich das zu ermöglichen u. es will mir scheinen, als hätte er gespürt, daß er nun sterben muß u. wollte ganz offensichtlich dann auch nicht mehr darüber sprechen, sondern einfach nur noch seine familie um sich haben u. diese genießen.
und genau DAS habt ihr ihm gegeben, einfach wunderschön.

bedenke, wieviele alte menschen lange zeit in einem altersheim zubringen u. mitunter alleine sterben müssen. da hat es dein vater so ganz anders erleben dürfen.

und vllt hilft es dir, deinem vater viele briefe zu schreiben, in denen du sagen kannst, was bisher ungesagt geblieben ist.
und vllt hilft es dir, eine trauergruppe zu besuchen, wo du mit gleichgesinnten sein darfst u. mit ihnen zusammen deinen schmerz teilen kannst?

hab du dennoch einen lieben sonntag
adele
 
hallo adele,
ich danke dir für deine lieben worte.
ja, ich denke auch, dass er vielleicht schon spürte, dass er gehen musste.
auch hat er beim spatzieren meine hand auf eine seltsame art und weise festgehalten und gedrückt.
das riesige loch ist zurückgeblieben und leider kann man nicht mehr zurück, man muss vorwärts laufen, das ist so hart, aber man muss...
vorallem meine mam, wenn ich sie sehe, dann schmerzt es gleich noch mehr, sie hat ihre zweite hälft verloren, die liebe ihres lebens (30 jahren verheiratet), manchmal denke ich, sie wird nie mehr glücklich sein, und das macht mich fertig....was wird sie ohne ihren mann machen? die vielen kleinen gemeinsamkeiten die nicht mehr sind...ach das leben ist schon ungerecht....

yasi
 
liebe yasi
ja das muß ganz schlimm für deine ma sein, denn ich bin 37 jahre verheiratet u. es geht mir sehr gut mit meinem mann u. ich mag mir eine solche situation auch gar nicht vorstellen, da er auch gleichzeitig mein allerbester freund ist, den ich sehr liebe. für deine ma wäre eine trauergruppe sicherlich gut, wo sie unter gleichgesinnten sein dürfte u. sich vllt auch was privat ergibt, sodaß sie sich nette leute zum kaffee einladen kann usw.

siehst du.... da hat dein vater genau gespürt, was auf ihn zukam u. er hat auf eine so ganz andere art- und weise deine hand genommen mit dem wissen, daß er DAS nicht mehr oft tun kann. so schöööön deine geschichte (SO gesehen).
du verstehst DAS bitte nicht falsch, denn ich weiß schon, wie sehr du von schmerz überflutet bist u. voller trauer bist.

und wegen deinem loch.....
schreib deinem papa u. erzähl ihm doch nochmal, welche begebenheiten so schön für dich waren u. überhaupt deine gedanken und gefühle und auch hier.

wenn du magst, schau ich immer mal nach dir ja...
ich schick dir liebe gedanken
adele
 
hallo adele,
ich danke dir, das ist total lieb von dir..
ja, ich habe ihm auch schon briefe geschrieben, aber manchmal weiss ich echt nicht, ob er das auch alles "lesen" und erfahren wird..
wir auf dieser erde wissen leider nichts von "drüben" und können uns so absolut nichts vorstellen.
ich war heute mit meiner familie auf dem friedhof, jedesmal wenn ich seinen namen auf dem grabkreuz lesen, dann kann ich es immer noch nicht fassen, dass er nie mehr zurück kommt.
das leben ist manchmal wirklich ungerecht und jetzt in meiner situation ärgere ich mich, wenn ich manchmal anderen leuten zuhöre, die z.b. am telefon immer nur streiten mit den eltern.
da denke ich immer:"geniesst eure eltern lieber, denn ihr habt sie nicht für ewig"...
ich habe dich nicht falsch verstanden, sondern finde es auf eine art und weise auch total schön, dass er so jrgendwie abschied genommen hat von uns..aber es tut andererseits auch verdammt weh, es ist so, als ob einem das herz ausgerissen würde...
erst jetzt schätze ich das leben richtig und bin jeden morgen dankbar, wenn ich aufstehen kann.

danke nochmals adele für deine lieben worten!
(ps.: ich bin 28-jährig und du?)
 
Liebe Yasi

Deine Worte könnten meine sein....Es ist eine Leere, ein Loch, unausfüllbar gross und unbegreifbar - und doch, ist in mir irgendwo eine Dankbarkeit, dass mein Papa gehen konnte...Er hatte nach einer Routine-Op einen Hirnschlag erlitten und durfte nach 5 Tagen Koma in Anwesendheit von seinen Liebsten gehen...Das ganz ist nun 3 Wochen her! Ich schaue so gut es geht zu meiner Mam, aber wie du, fühle auch ich mich oft überfordert! Unendlich viele Menschen sind zu mir gekommen, und sagen: Du schaust zu deiner Mutter, ja? Und keiner dachte eine Sekunde daran, dass vielleicht auch ich nicht über endlose Energie verfüge! Es ist hart für meine Mam, wie auch für deine (meine Eltern waren auch 35 Jahre verheiratet und hatten eine wunderschöne respektvolle Beziehung, wie ich sie mir wünschen würde...) aber auch sie müssen ihren Weg - mit Hilfe von uns - wieder selber finden...Meine Beziehung zu meiner Mam ist in dieser Zeit so viel inniger und herzlicher geworden - mein Papa wäre wohl so glücklich darüber!

Es tröstet mich, zu glauben, dass es ihm, wo er jetzt ist, gut geht. Tausend wunderschöner Erinnerungen leben in mir - und somit lebt auch er in meinem Herzen weiter. Es wird noch oft schmerzen, noch viele Tränen werden fliessen (momentan kann ich gar nicht mehr weinen) aber ich glaube, unsere Väter hätten gewollt, dass wir unser Leben weiterhin mit viel Freude gestalten und mit noch mehr Liebe weitergehen. Wie dein Vater war auch meiner ein Kämpfer, ein Optimist und immer gut gelaunt - wenn ich an ihn denke, dann sehe ich ihn immer lächelnd vor mir - und ich hoffe, ich kann genau diese Charakterzüge in meinem Wesen verankern und mich mit seinen Spuren in meinem Herzen weiterkämpfen - denn so wird er für immer unvergesslich bleiben. Ich wünsche dir viel viel Kraft und Mut und Energie! Ich bin zwar nicht sehr religiös, aber ich glaube fest daran, dass wir unsere Väter irgendwann an einem wunderschönen Ort wieder in unsere Arme schliessen können.

Cara

Und immer sind da Spuren deines Lebens, die uns an dich erinnern,
und glauben lassen, dass du bei uns bist.
 
liebe yasi
nun bekomm keinen schreck, liebe yasi, weil ich 1949 geboren wurde.....

ich hab mich damit beschäftigt, was nach dem tod sein könnte u. ich ahne, daß dein- und mein vater alles ganz genau mitbekommen u. uns auch ein stück begleiten.
und ich glaube sehr wohl, daß es sinn macht, deinem vater weiterhin zu schreiben, zu erzählen und ihn zu fragen u. zu danken. also all die sachen, die dir vllt auf dem herzen liegen.

und mit dem schreiben.....
vor 10 jahren kam meine tochter aus USA zurück u. sie war dort 1 jahr lang u. ein kumpel ist in deutschland verstorben u. sie hat ihm gar nicht erzählen können, was sie in USA alles erlebte. es war dann ihre 1. beerdigung u. ich hab sie da begleitet u. immer war sie so untröstlich, ihm nichts erzählt haben zu können.
jedenfalls hab ich meine tochter gebeten alles aufzuschreiben u. dann den brief anzuzünden u. es hat ihr so gut getan.

und ich bin sicher, daß deine gedanken und gefühle, dein dialog mit deinem papa wahrgenommen wird, wenn du stille bist und an ihn denkst u. dich nochmals mit ihm auseinander setzt. gönn dir das ruhig u. plane zeit ein, bis es bei dir verheilt. es ist in ordnung, wenn du dir dabei vorstellen magst, wie er um dich ist, dich hört und versteht u. du wirst spüren, wie es dir dann innerlich besser geht.

an sonsten finde ich die literatur von elisabeth kübler ross sehr tröstlich für mich.

liebe umarmung für dich
und bis morgen?
herzlichst
adele
 
ciao cara,
ich danke dir, auch ich wünsche dir viel viel kraft für die kommende zeit...es ist für uns beide extrem schwierig und es ist eben diese enorme loch, man fühlt sich so unendlich leer und ausgelaugt...
am morgen denke ich mir manchmal, "heute bleibe ich einfach im bett", jedoch ist es auch keine lösung und ich merke, dass mir die arbeit doch gut tut...
arbeitest du auch? was hatte denn dein vater für eine op, wenn ich fragen darf?

ich sende dir ganz liebe grüsse und vielleicht bis bald?

yasi
 
hallo adele,
danke dir für deine zeilen.
ja, ich habe meinem vater auch schon einen brief geschrieben, weiss jedoch manchmal echt nicht, ob er das auch lesen kann....manchmal falle ich nur in ein tiefes loch und denke, das leben hat doch so gar keinen sinn mehr, was wird aus uns, und vorallem was wird aus meiner mutter?
mir bricht es fast das herz zu wissen, dass sie von nun an vielleicht ein leben lang alleine sein wird...das kann es doch wirklich nicht sein, oder?
wenn ich paare sehe, dann werde ich richtig wütend, vorallem denke ich immer "warum ist es bei uns nun so unfair, dass mein vater gehen musste?"
meine grossmutter (mutter der mutter) hat auch ihren mann verloren, und nun erlebt meine mutter dasselbe schicksal wieder....manchmal frage ich mich einfach nur warum? meine mam macht es an und für sich ganz gut, sie geht zumindest jeden tag raus in die natur, und ich denke das tut ihr auch ganz gut...
ich weiss wir alle müssen unseren weg finden, jedoch ist es für meine mam besonderns schwer....
auch wollten mein mann und ich vor dieser ganzen tragödie einmal kinder, wir hatten auch schon geübt, jedoch bin ich jetzt nun froh, hat es nicht "eingeschlagen" denn ich weiss nicht, ob ich das baby hätte behalten können...
wann ist denn dein papa gestorben, wie alt warst du denn?

ich schicke dir ganz liebe gedanken und wünsche dir eine ruhige nacht.

yasi
 
liebe yasi,

ich habe dein erlebnis mitgelesen und kann das voll mitfühlen. mein vater ist gestorben als ich drei jahre alt war. und mein leben lang hab ich mir gewünscht er wäre nicht gestorben und ich hätte ihn kennengelernt. manchmal denke ich auch ich kann mich an die zeit mit ihm erinnern, dann weiß ich wiederum nicht ob ich es mir nur erträumt habe. du hast eine sehr schöne zeit mit deinem vater gehabt und ich finde das sehr wunderbar.
aber das leben und der tod gehören einfach zusammen. anfang und ende. nach jedem ende kommt auch ein neuer anfang.
warum zweifelst du ob du kinder haben möchtest? was macht dir angst und sorgen?
und ich glaube auch ganz fest daran das es gut ist mit dem briefe schreiben, auch wenn man rational das nicht begründen kann.
lg lordana
 

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