Hallo Magermilch!
Ich kenne leider Deine Situation auch zu gut - vieles von dem was Du über die "Beziehung" zu Deinem Ex-/On-off-Freund schreibst hätte 1 zu 1 von mir kommen können. Ich habe mit meinem Ex, meiner (wie ich dachte) großen Liebe, leider viel zu lange ähnliches durchgemacht. Inzwischen haben wir seit drei Jahren NULL Kontakt... aber nicht weil ich selbst damals den längst überfälligen Absprung geschafft hätte, sondern nur, weil er plötzlich eine neue Freundin hatte und darauf ohne jede Erklärung von heute auf morgen endgültig den Kontakt zu mir abbrach. Letztlich war das wohl nur gut für mich, so brutal und schmerzhaft der "kalte Entzug" und die x-fache Erniedrigung einfach so komplett aus seinem Leben ausradiert zu werden auch waren. Er hatte mir während unserer (sehr, sehr nahen und innigen!) Beziehung unendlich oft Dinge gesagt wie dass ich alles für ihn verändert hätte, er sich mit mir zum ersten Mal wirklich vorstellen könne zu heiraten und Kinder zu bekommen, dass er bis zum Rest seines Lebens nur mich lieben würde und ein tieferes Gefühl als das was er für mich empfand unvorstellbar sei... Ich war aufgrund einer schlimmen Kindheit eigentlich immer ein vorsichtiger, skeptischer Mensch, doch IHM habe ich all das geglaubt, - es waren ja auch 2 Jahre einer schönen, nahen Beziehung. Doch dann fand ich heraus, dass er über Monate ein regelrechtes Doppelleben geführt und mich gleichzeitig mit mehreren Frauen betrogen hatte... er muss allen ernstes neben einer anderen, nackten Frau liegend seine SMS an mich geschrieben haben wie schlecht er allein, ohne mich schlafen könne, wie sehr er mich vermisse... Als ich all das herausfand brach für mich eine Welt zusammen. Er war echt ALLES für mich. Wohl auch, weil ich so wie Du jetzt schreibst, vor meiner Beziehung zu ihm auch noch nie das Gefühl hatte, dass mein Leben mal schön ist... Mit ihm war ich dagegen zum ersten Mal in meinem Leben glücklich, fühlte mich angenommen, geliebt und geborgen. Das bedeutete mir unendlich viel, es war so eine riesen Verbesserung meines Lebens, dass ich glaubte sterben zu müssen, würde ich ihn und damit dieses Gefühl jemals verlieren. Ich wollte auch nicht zurück zu meinem alten, "toten" Leben.
Als ich nun also von seinem Betrug wusste konfrontierte ich ihn natürlich unter Tränen, völlig verzweifelt... und mein sonst so liebevoller Freund wurde auf einmal sowas von kalt, gemein und abweisend. Plötzlich war ICH an allem Schuld - er leugnete natürlich (gegen jede Logik) alles und erklärte mich stattdessen zur kranken Person. Du glaubst nicht wie sehr ich wünschte die Zeit zurückdrehen und aus meinem heutigen Wissen RICHTIG darauf reagieren zu können... Ich hätte mich abwenden sollen, einfach gehen, Stolz zeigen, meine Würde bewahren und ihn stehenlassen. Doch was tat ich? Ich verfiel in extremste Verlustangst und rannte ihm fast bettelnd hintrher... trotz all der Wut und Verletzung die ich eigentlich wegen seines Betruges empfand. Und ich denke er begriff meine Abhängigkeit sofort und nutzt sie einfach schamlos gegen mich und um sich der Verantwortung für das schlimme was er getan hatte zu entziehen... Er war plötzlich sowas von gemein und abweisend, eiskalt und lies mich einfach mit dieser riesen Verletzung und Verzweifelung allein zappeln, ging lieber feiern... Und wie ich heute leider weiß, riss er sich auch gleich mindestens eine neue Frau auf. Während ich Höllenqualen litt und keinen anderen Gedanken hatte als wie ich bloß unsere Liebe retten könnte. Er hatte mich einfach komplett in der Hand und das wusste er leider zu genau... Jedenfalls gab es kein offizielles "Schluss" - er sagte zwar, wenn ich es WAGTE ihn mit seinem Betrug konfrontieren zu wollen, dass er keinen Bock mehr auf mich hätte wenn ich ihn nicht damit in Ruhe lasse und (wie eine Drohung mit geladener Waffe) dass er ja dann vielleicht eh lieber eine "Pause" hätte... im nächsten Moment bekam ich dann aber, wenn ich versuchte mich ein Stück zu lösen, wieder Kontrollanrufe und eifersüchtige SMS von ihm. So machte ich mir immer weiter falsche Hoffnungen daraus ihm doch noch wichtig zu sein und dass wir wieder zusammen kommen könnten. Ich sah nur was ich sehen wollte... Schließlich begann es, dass er mich spät nachts anrief, oft auch heulend, und mich bat bitte, bitte zu ihm zu kommen. Darauf hatte ich ja in meiner Dummheit nur gewartet und hängte mich an jeden solch sinnlosen Strohhalm um ihm nah sein zu "dürfen". Dann waren wir natürlich schnell intim, er war liebevoll, wir schliefen Arm in Arm ein und er hielt mich die ganze Nacht... Gegen Morgen jedoch ließ er mich irgendwann los und drehte mir den Rücken zu... Manchmal hatten wir dann morgens nochmal Sex, wobei er mir oft schon nichtmal mehr in die Augen guckte... aber spätestens danach forderte er mich dann eiskalt, so als wäre ich nicht die der er die große Liebe geschworen hatte, sondern irgendeine x-beliebige, verachtenswerte Schlampe, auf schnellstens zu gehen. Oder er fragte gar "Was willst Du denn hier?!" so dass ich mich unglaublich erniedrigt und dumm fühlen musste. So lief es drei schlimme Jahre lang immer wieder ab... oder aber er war tatsächlich morgens immer noch liebevoll, konnte an der Wohnungstür gar nicht aufhören mich zu küssen und versprach sich gleich abends wieder zu melden, da er mich unbedingt schnell wiedersehen müsse... doch dann ignorierte er mich später ohne Erklärung einfach. Es kam auch vor, dass er mich spät nachts zu sich (auf's Dorf, quasi am Ende der Welt) bestellte, dann aber einfach einschlief oder sich zwischenzeitlich so betrank, dass ich dann im eisigen Winter eine Nacht vor seiner Tür hocken durfte weil kein Zug mehr nachhaus fuhr und er ja einfach nicht öffnete. So etwas war naürlich die Hölle für mich und er entschuldigte sich nicht ein einziges Mal dafür. Es war ihm einfach egal... Ich erfuhr später leider auch, dass er mich im Freundeskreis als eine Art Stalkerin darstellte die ihn nur gegen seinen Willen nerve... Von seinen eigenen Anrufen und Bitten erzähle er natürlich niemandem - und so verlor ich immer schneller jegliche Würde die ich noch hatte.... auch vor allen Freunden.
Und ich schickte ihm noch (aus heutiger Sicht peinlich-schleimige) SMS, dass wir doch zusammengehören würden, dass ich versuche ihn zu verstehen, ihm Zeit lasse, ihn liebe, immer für ihn da sein werde egal was auch geschehen sei... Ab und zu provozierte ich ihn auch bis aufs Blut mir endlich ausdrücklich zu SAGEN dass er mich nicht mehr liebe und dass er mich nicht mehr will, damit ich es endlich schaffen könnte einen Schlussstrich für mich zu ziehen und die Hoffnung zu begraben. Den Gefallen tat er mir natürlich nie... wie ich heute begriffen habe aus reinem Besitzdenken und sich alle Türen offen halten. Doch damals war es für mich praktisch der Beweis, dass er mich noch lieben würde und nur momentan "Angst vor Nähe und Verantwortung" hätte... fast wie Du Dir jetzt das Verhalten Deines Freundes erklärst... Tu das bitte nicht, mach nicht meinen Fehler und erspare Dir das... Bitte! Es ist reiner Selbstbetrug. Jemand der Dich liebt, macht sich in erster Linie auch Gedanken um Dein Wohlergehen. Er würde Dich nie respektlos behandeln oder Dir so willkürlich weh tun.
Das Wesentlichste was ich Dir aus meiner bitteren Erfahrung aber sagen kann ist folgendes: Hat sich ein Partner einmal vom anderen erniedrigen lassen, hat er sich das gefallen lassen, ist die Basis für eine Beziehung zerbrochen. Denn Du hast, so wie auch ich damals, den Respekt Deines (Ex-)Freundes verloren. Und gegenseitiger Respekt und Achtung dem anderen gegenüber ist der Grundstein von Liebe... ohne das geht nichts in einer Beziehung. Eure Beziehung könnte nie wieder ausgewogen und fair sein... Durch die Erfahrung was Du alles mit Dir machen lassen hast, hat Dein Freund mit absoluter Sicherheit Respekt und Achtung vor Dir verloren. Das lässt sich nicht reparieren. Versuche bitte auch nicht Dich selbst zu betrügen indem Du sein Verhalten mit einer "schweren Kindheit" erklärst. Die hatten Du und auch ich ebenfalls und wir treten trotzdem keine Menschen mit Füßen... schon gar nicht nahestehende von denen wir wissen, dass sie uns lieben, oder?? Er hat einen schlechten Charakter, ebenso wie mein Ex-Freund.
Wieso aber hält er an Dir fest? Nun, ganz einfach, weil Du eine sehr bequeme, verlässliche, für ihn allzu leicht zu bekommende Quelle von Sex und Geborgenheit (wenn er,so wie jeder Mensch ab & zu, welche braucht) bist. Und klar "mag" er Dich als Mensch sicher auch irgendwo noch... ihr seid Euch ja vertraut und habt ein Stück gemeinsame Geschichte... deshalb ist ihm Deine Gesellschaft ab und an sicher nicht unangenehm. Doch das sind leider rein egoistische Empfindungen seinerseits die er einfach ohne Rücksicht auf Verluste auslebt so wie ihm eben grade der Sinn danach steht. Dich ganz loslassen wird er nicht, bevor er einen Ersatz für all das gefunden hat... Es stimmt ja in der Regel schon, dass Männer eine alte Beziehung immer erst dann ganz aufgeben, wenn sie bereits sicher in einer neuen sind. Fies... - aber leider wahr. Bitte gehe daher JETZT Du selbst, so lange Du noch die Wahl hast es mit erhobenem Haupt zu tun. Sei nicht wie ich das passive Opfer was verlassen wird und sich danach nur noch wie wertloser, entsorgter Abfall fühlt. Sondern beschließe DU aktiv, dass Du jetzt gehst, weil DU mehr wert bist als das und etwas besseres verdient hast. Glaub mir, dieser Unterschied wird, so hart und schmerzhaft es jetzt auch ist, später eine Menge für Deinen Heilungsprozess ausmachen.
Und stoppe bitte die Ausreden! Du KANNST ein Fitnessstudio auch wechseln, bzw. Du weißt mit einiger Sicherheit ja recht genau wann er trainiert und kannst ihm aus dem Weg gehen. Und Du kannst Dir auch eine neue Handy-Nr. zulegen... Du musst es nur WOLLEN! Sei bitte ehrlich zu Dir selbst.
Wenn Du schreiben magst, bin ich jederzeit für Dich da!
Liebe Grüße!