Ich hatte eben ein schweres Trigger-Erlebnis und ich vermute anhand der Antworten, dass auch andere hier dieses plötzliche und intensive Wiedererleben eines früheren, schlimmen Gefühlszustandes hatten.
Die Neurowissenschaft hat große Erkenntnisse zum sozialen Gehirn gemacht. Sie unterscheidet bei Empathie und Mitgefühl sogar zwischen zwei neuronalen Netzwerken. Das eine ist die Fähigkeit, sich in den anderen einfühlen und mitleiden zu können. Das andere ist, dass man dem anderen gutes möchte und dass dieser glücklich ist, weil dieses auf einen zurückwirkt und man sich dadurch besser fühlt. (Ich hatte hierzu mal eine sehr interessante TV-Sendung gesehen.)
Viele Menschen verlieren den Zugang zu ihrer Empathie und ihrem Mitgefühl. Das kann z.B. bei stark traumatisierenden Erlebnissen im Krieg passieren. Aber besonders auch kann dies durch frühkindliche Prägung passieren. Als Kind, bzw. Kleinkind, ist man unfähig, die Verhaltensmuster der Eltern bzw. des Umfeldes in Frage zu stellen. Die Androhung von Liebesentzug, wenn man ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Leistung nicht zeigt, wird als existentielle Bedrohung wahrgenommen: Ein Kind erlebt die Unterstützung durch die Eltern als absolut lebensnotwendig und wird Bestrafung als eigenen Fehler interpretieren. Um das eigene Überleben zu sichern, spaltet sich das Kind von seiner Gefühlswelt ab und identifiziert sich stattdessen mit der seelischen Gewalt der Eltern (bzw. des Umfeldes) und übernimmt dieses unreflektiert bis ins Erwachsenenalter. Fügt anderen also schwere seelische Verletzungen zu. (In anderen Fällen betrifft das auch körperliche Gewalt.)
Den Mitmenschen zuliebe appeliere ich, sich hierüber dringend weitere Gedanken zu machen. Die Bereitschaft sehe ich durch Erstellung dieses Threads als gegeben.
Tipp: Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, zielt darauf ab, verschüttete Konflikte aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Ich denke, es kann sich lohnen, sich auch mit psychologischen Themen auseinanderzusetzen.