Liebe Sheila,
sehr vieles hast Du in Deinen Antworten jetzt gesagt, was auch für mich vor 10 Jahren so stimmte.
Mein Mann hat auch alles mitgemacht. Ich hatte ebenso das Gefühl, dass niemals etwas von ihm gekommen ist. Obwohl ich selbst sehr wenig Selbstvertrauen hatte, hatte ich in dieser Beziehung das Gefühl, der Stärkere zu sein. Und das ist gar nicht gut für mich...
Aufgrund einer Sache, die ich jetzt hier nicht erwähnen möchte, habe ich aber Jahre nach der Scheidung schriftlich lesen können, was er wirklich die ganze Zeit gedacht hat. Ich war fassungslos und habe mich gefragt, warum er eigentlich nie mit mir gesprochen hat (und das hat er tatsächlich nicht...).
Er hat gesagt, ich wäre immer nur angekommen und hätte Wünsche geäußert und ihn damit beauftragt, meine Träume Realität werden zu lassen. Wenn er dann ankam mit dem, was er meinte, was ich gewollt hätte, hätte ich immer nur gemeckert und sei nicht zufrieden gewesen.
Nun ist das alles zu kurz gegriffen.
Soooo egoistisch war ich nun auch wieder nicht.
Aber es zeigt, dass er doch auch unglücklich und unzufrieden war.
Und doch hat er immer geschwiegen.
WEIL ER MICH FÜR KRANK HIELT...
Was die erste Therapie angeht, war die auch nicht hilfreich, und ich kam mit der Frau auch nicht klar. Aber mir fiel es immer schon schwer, Entscheidungen zu treffen. Also blieb ich damals erstmal bei ihr, bis es sich von selbst zerlief, ohne dass man es konkret beendet hätte. Im Prinzip endete die Therapie mit meiner Entscheidung zur Trennung.
Liebe Sheila,
Du wünschst Dir einen Mann, der Dir Kraft gibt.
Hmm.
Die Kraft muss, so denke ich, eigentlich aus einem selbst kommen.
Und ein Problem, das ich damals auch hatte (und bedingt noch heute habe), ist die Sache mit den fehlenden Freunden. Gibt es keine Kontakte von früher her, die Du versuchen könntest zu reaktivieren?!
Hmmm...
Sei mir jetzt bitte nicht böse, aber einiges, was Du formuliert hast, hört sich schon ein wenig egoistisch an...
Ich denke, auch ich selbst muss mir den Vorwurf gefallen lassen, dass ich so zumindest gewesen bin und zum Teil natürlich auch noch heute.
Wenn Dir, wie Du im Rahmen der Therapie erwähnt hast, schon vor zwei Jahren klar war, Deinen Mann nicht zu lieben, warum hast Du dann mit "ich wollte schon immer ein Kind" vor nicht ganz einem Jahr ein kleines Pflegekind zu Dir geholt? Kinder haben schon das Recht, in einer heilen Familie großzuwerden...
Wenn sie in eine nicht heile Familie hineingeboren werden, ist das schlimm genug. Aber man sollte sie nicht in eine hineinholen...
Kinder haben doch eine feine Antenne.
Die werden doch merken, dass zwischen Euch nicht alles stimmt.
Ich hab sehr darunter gelitten, dass meine Eltern sich nicht geliebt haben.
Übrigens ist die "praktische Seite" nur eine Ausrede...
Wenn man mir Vorschläge macht, etwas zu verändern, bin ich auch immer sehr, sehr gut darin, tausend Dinge anzuführen, weshalb eine Änderung derzeitig nicht möglich ist.
Ein Haus kann man verkaufen.
Auch wegen eines Haustieres bleibt man wohl nicht bei einem Mann, den man nicht liebt.
Sei mir nicht böse, aber das hört sich schon ein wenig - wie soll ich sagen - kindlich? naiv? in meinen Ohren an.
Ich weiß nicht, inwieweit man ein Pflegekindschaftsverhältnis wieder beenden kann.
Aber notfalls solltest Du das wohl tun.
Und eine saubere Trennung durchziehen.
Oder Du machst reinen Tisch und redest mit Deinem Mann offen und ehrlich.
Letztlich gehören ja doch immer zwei dazu. Er muss doch merken, dass er keine ihn liebende Frau an seiner Seite hat. Es ist auch sein Fehler, wenn er sich das alles so gefallen lässt.
Eventuell gibt es ja doch die Möglichkeit eines Neuanfanges?
"Die fünf Sprachen der Liebe" von Gary Chapman finde ich sehr ermutigend. Gut, das ist ein christliches Buch. Aber man kann - theoretisch - auch ganz kaputte Ehen noch retten.
Versuche es doch erstmal noch mal mit einer Therapie!
Ich denke wirklich, Du solltest an Dir selbst arbeiten!!!
Wenn da immer wieder etwas ist, womit Du unzufrieden bist, das sind doch nur Äußerlichkeiten. Wahre Zufriedenheit muss aus Dir selbst kommen. Es kann auch kein Mann Dich glücklich machen. Damit würdest Du ihn ja völlig überfordern.
Wenn Du wirklich so übergewichtig bist, würde ich auch daran etwas ändern. Frustessen?! Das bringt doch nichts. Das ist doch ein Kreislauf. Und je dicker man ist, desto gefrusteter ist man und isst noch mehr...
Sport wäre gut. Irgendein Ausgleich, der positive Energien freisetzt.
Auf jeden Fall musst Du dringend an Deiner Situation etwas ändern.
Du kannst das ganze nicht länger aussitzen.
Aber berate Dich, bevor Du vorschnelle Entscheidungen triffst. Gibt es wirklich keine potentiellen Freunde? Nirgendwo?
Dann versuche doch, über Deinen Hausarzt wieder an einen Therapeuten zu kommen.
Vielleicht wäre auch ein Anruf bei der Telefonseelsorge hilfreich, wenn wirklich gar keiner da ist zum Zuhören. Manchmal hilft es ja, Dinge verbal zu formulieren.
Das ganze ist SO jedenfalls hochgradig unfair Deinem Mann und dem Pflegekind gegenüber. Und letztlich schadest Du Dir selbst. Und je länger Du wartest, desto schwieriger wird es, etwas zu verändern.
Doch es ist nie zu spät!
LG.
Nohope.