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Ich kann Trennung nur schwer akzeptieren

BerryCake96

Mitglied
Hallo zusammen,

mein Freund (25) und ich (23) waren etwa ein Jahr zusammen.
Unsere Beziehung hat sehr harmonisch begonnen, wir waren beide nicht auf der Suche, und trotzdem hat es einfach gefunkt. Wir hatten nie grundlegende Beziehungsprobleme, kleinere Alltagsprobleme konnten wir immer durch Kommunikation lösen. Es gab eigentlich nichts, worüber wir nicht reden konnten. Unsere Beziehung hat auch einige Hürden gemeistert z.B. dass ich zu Beginn noch bei meinem (eifersüchtigen) Exfreund in einer anderen Stadt gelebt habe und es dadurch eine Fernbeziehung war, oder danach dass er beruflich sechs Wochen weg war.

Mein Freund hat diagnostizierte Depressionen, schon einige Jahre. Aber eigentlich war das nie ein Problem für die Beziehung. Manchmal hatte er wenig Energie für gemeinsame Aktivitäten, dann gingen wir es langsam an, manchmal brauchte er jemandem zum reden, dann hörte ich zu. Aber alles im Rahmen, in dem ich nicht sagen würde, dass es eine Last für die Beziehung gewesen wäre.
Vor zwei Monaten hat er Stelle gewechselt, bei der vorderen Stelle war er nur befristet angestellt. Seither ist es mit ihm bergab gegangen. Er hat ständig geklagt, wie sehr ihn die Arbeit stresst, er hat physische Symptome bekommen, konnte nicht mehr schlafen etc. Seine Depressionen sind schlimmer geworden. Anfangs hat auch das auf die Beziehung keinen Einfluss genommen. Aber vor drei Wochen hat er plötzlich begonnen sich zu verändern. Er ist ständig angespannt gewesen, irgendwie abwesend im Geist und hat sich nicht richtig Zeit für mich genommen, musste ständig zu irgend einer Verpflichtung weiter. Wir haben darüber gesprochen, und er meinte, dass er jetzt im Moment sehr absorbiert ist wegen den Depressionen und deshalb nicht viel Kapazität habe, aber dass das vorübergehend sei und er sich, sobald sich die Arbeitssituation löst, wieder Zeit für mich haben. Das habe ich absolut verstanden, das kommt in jeder Beziehung vor, dass man manchmal mehr Zeit füreinander hat, manchmal weniger. gerade in AAnbetracht einer psychischen Erkrankung, die die mentalen Ressourcen einschränkt.

Dann kam aber letzte Woche der grosse Bruch: Er hat sich von mir getrennt. Er liebe mich mehr denn je, die Liebe sei da, aber er könne nichts spüren. Das hat mich extrem getroffen. Drei Tage später haben wir nochmal gesprochen, und da hat er das nochmal so bestätigt: dass er wisse, dass die Liebe zu mir da sei, aber diese seit seine Depressionen wegen der Arbeitssituation so viel stärker wurden wie in Watte gepackt und unzugänglich sei. Im Gespräch hat sich dann ergeben, dass es ihm im Moment so mit allem ergeht. Ich habe z.B. eine Veränderung bei ihm im Umgang mit seiner Familie bemerkt, und da hat er mir dann erklärt, dass es da genau gleich wie mit mir aussieht. Dass er weiss, dass er seine Familie liebt, aber diese Liebe nicht spüren kann. Und mit Freunden. Und seinen Hobbys, dass er diese eigentlich gerne macht, dabei aber einfach nichts fühlt.
Da ich mich ein bisschen mit psychischen Erkrankungen auskenne, habe ich ihn gebeten, mit seinem Therapeuten das Thema depressionsbedingte Alexithymie (Gefühlsblindheit) anzusprechen. Dies hat sein Therapeut dann bei ihm auch sogleich bestätigt, dass er eine Alexithymie als Auswirkung der Depression hat.
Ich ahne ihm kommuniziert, dass ich trotz seiner Momentanen Verfassung bei ihm bleiben möchte und ihn unterstützen möchte, da ich ihn sehr liebe. Er hat mich aber weiter von sich weggstossen und gesagt, er möchte das nicht, da er es nicht mit sich versntworten könne, dass er mir keine Liebe zeigen kann im Moment. Ich hätte „etwas besseres verdient“. Und dass er nicht wisse, wie lange dieser Zustand andauern werde und er auch nicht wisse, wie es danach mit seinem Leben aussieht. Darum wolle er mir keine falschen Hoffnungen machen, dass „alles wieder wird wie früher“.

Ich kann das alles nur sehr schlecht akzeptieren. Ich habe das Gefühl, dass einfach die Depression extrem stark aus ihm heraus spricht. Und dass er eigentlich Liebe und Zuneigung braucht, auch wenn er das nicht wahrnimmt. Ich liebe ihn sehr und möchte für ihn da sein, egal was die Zukunft bringt. Ich habe ihm das auch so kommuniziert, aber als Antwort kam nur, dass er nicht wisse was tun, nur dass er mir keine Liebe zeigen könne und das doch für mich genug gründe seien nicht mit ihm zu bleiben... aber ich fühle das halt anders... jetzt weiss ich nicht was tun.

Ich habe ihm kommuniziert, dass ich jetzt auch erstmal Zeit brauche, und darum ein paar Tage keinen Kontakt möchte. Aber ich spüre nur, dass mein wunsch stärker wird, für ihn dazu sein, zugleich aber das Unverständnis, wieso das Ganze überhaupt so sein muss wächst...

Danke fürs lesen, der Text ist echt lang. Aber schon nur das Aufschreiben tat echt gut...

Lg
Linda
 
Hallo Linda, das tut mir leid.

Ich habe mir den Satz, den ich für zentral halte, herausgenommen:
Er hat sich von mir getrennt. Er liebe mich mehr denn je, die Liebe sei da, aber er könne nichts spüren. Das hat mich extrem getroffen. Drei Tage später haben wir nochmal gesprochen, und da hat er das nochmal so bestätigt: dass er wisse, dass die Liebe zu mir da sei,
Ich finde das geht nicht - egal welche Krankheit dahinter steht. Solche Sätze sind ein extremer Widerspruch. Sie binden und stoßen zugleich ab. Eine Herdplatte kann nicht heiß und kalt zugleich sein.

Solche Sätze -bei solch wichtigem Thema- können einen irre machen.
Du wirst dadurch in eine Position manövriert, wo Du nun tagtäglich nach einer Lösung grübelst, wo aber nur er für Ursache und Erfolg verantwortlich ist. Kann also gut sein, dass Du Dich für lange Zeit im Kreis bewegen wirst und er Dir immer neue Ansätze zum Grübeln gibt, aber nie an einer Lösung mitarbeitet.

Ich würde das an Deiner Stelle auf keinen Fall hinnehmen.
Wenn Du mit ihm zusammenbleiben willst, brauchst Du ein eindeutiges Signal, dass er zu Dir steht und am Problem arbeitet.
 
Ich würde das an Deiner Stelle auf keinen Fall hinnehmen.
Wenn Du mit ihm zusammenbleiben willst, brauchst Du ein eindeutiges Signal, dass er zu Dir steht und am Problem arbeitet.

Ich finde, so simpel runterbrechen kann man das nicht. Er hat ihr doch gesagt, das er sie liebt, ist das kein signal? Und er geht zu einem therapeuten, ist das keine arbeit am problem?

@BerryCake96 Ich denke mal du kannst nichts tun, außer abwarten und ihm signalisieren, daß du für ihn da bist. Entweder bessert sich sein zustand irgendwann, oder du deine gefühle werden sich früher oder später von selbst verabschieden.

Letztlich mußt du das selbst entscheiden, ob und wielange du den kontakt aufrecht erhälst, bzw wie geduldig du sein kannst.
 
Oh je
Das kenne ich.
So ähnlich war das bei mir auch, ich habe meine Frau sehr geliebt, konnte aber ihre liebe nicht mehr spüren.
War es einfach leid, alles erklären zu müssen, fiel irgendwann in ein Loch, lebe 2 Jahre wie ein Zombie.
Ich konnte dafür nichts.
Das waren keine Stimmungsschwankungen, kann es nicht erklären, es endete bei mir, in einem Selbstmordversuch.
Es gab Momente, da brauchte ich dringend Gefühle, eine Umarmung, Nachts hatte ich manchmal Angst und musste raus. Meine Frau war mit allem überfordert.
Sie hat mir oft gesagt das sie mich liebt, ich konnte es aber nicht mehr spüren, weil ich in meiner Angst gefangen war. Ich lebe seit 5 Monaten getrennt, wurde frühverrentet. Lebe jetzt alleine mit meinem Sohn, und versuche mein Leben zu meistern. Mir fehlen Berührungen, Nähe und liebe Worte, deswegen bin ich auch hier.
 
Wir alle kennen das Phänomen der Black Box.
In einem schwarzen Kasten befindet sich ein Gegenstand, wir können ihn nur fühlen, aber wir können ihn nicht in uns spüren bzw wahrnehmen, auch wenn wir wissen - wir kennen diesen Gegenstand.
Auch wenn es etwas ist, was wir lieben - erkennbar an Form, Oberfläche und Gewicht - fehlt uns das Gespür der Wahrnehmung.

Stell Dir vor, Du sitzt in dieser Black Box und flüsterst immer lauter werdend die Worte - ich bin es doch, ich liebe Dich.
Er kann Dich berühren und fühlen, aber dieser schwarze Kasten hindert ihn daran etwas zu spüren, obwohl es ihm danach drängt. Er wendet sich ab, weil er es nicht mehr ertragen kann - mit etwas berührt zu werden, was er in sich nicht mehr zu identifizieren vermag. Er möchte Dir und sich selbst diese Qual der inneren Stille ersparen - er sucht die äußere Stille - damit das Außen mit dem Innen eine Einheit bilden kann - einen Ruhepol der Ausgeglichenheit.

Im Moment scheint dies die einzige Option der Befreiung für ihn zu sein, aber die Wahrscheinlichkeit das er sich darin verliert ist größer, wie die Chance, das er zu sich selbst zurück findet.
Trotz allem solltest Du ihm diese Chance geben, aber dann ist Dein Einfühlungsvermögen gefragt, genau an dem Punkt wieder aktiv zu werden, bevor er nach dem freien Fall auf dem Boden aufschlägt. Du musst sein Auffangnetz sein.
 
Danke für Eure Antworten!

Für mich ist ganz klar, dass ich für ihn da sein möchte. So gut, wie es geht. Aber ich weiss nicht, wie ich das angehen soll. Ich denke, im Moment ist reduzierter Kontakt das einzige richtige. Er scheint extrem absorbiert und niedergeschlagen.
Wenn ich mit ihm Kontakt aufnehme (oder er zu mir), ob per Telefon oder Nachricht, kommt in der Regel eine Art „Rapport“ was ihn an dem Tag bezüglich Arbeit und genereller Situation belastet hat. Und immer noch ein paar liebe Worte, wenn auch nicht wie zuvor. Und das macht es für mich nicht unbedingt einfacher. Er scheint diesen „Rapport“ zu brauchen. Aber auf der anderen Seite ist es mir jedes Mal ein Schlag is Herz. Da es mir wehtut, zu wissen dass er leidet, und weil ich unseren extrem liebevollen Austausch von bis vor zwei Wochen vermisse.

Und ich weiss auch nicht, wann es denn gut wäre, wieder auf ihn zuzugehen? Wenn ich klare Veränderungen bei ihm spüre?
Ich weiss, dass ich ihn am besten selber fragen sollte. Aber in letzter Zeit kann er solche Fragen kaum beantworten, meist kommt dann ein langer Redeschwall an dessen Ende doch kein eindeutiges Fazit steht...
 
Ich war jetzt zwei Tage nicht in sozialen Netzwerken aktiv und Fazit sind drei verpasste Anrufe und mehrer Nachrichten mit Nachfragen, was ich mache und wie es mir geht.

Ich werde ihm kommunizieren müssen, dass das nicht geht. Wenn er sich trennen will, dann muss er akzeptieren, dass ich jetzt nicht mehr Bescheid gebe wie früher.

Aber mir gehts immer noch mies. Zwei Wochen seit der Trennung und ich möchte immernoch einfach wieder mit ihm zusammen sein. Mir fehlen unsere abendlichen Gespräche, unsere Spaziergänge, seine Nähe, sein Geruch...
 
Ich finde sein Verhalten dir gegenüber sehr egoistisch und würde mich da klar abgrenzen.
Sonst nutzt er dich aus.
 

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