Hallo, Roger,
jetzt machst Du mir aber doch erste Sorgen. Deine Todessehnsucht hält schon ein bißchen zu lange an.
Es war eigenartig, als ich eben Deine Zeilen las, fühlte ich plötzlich wieder diesen stechenden Schmerz im Herzen, den eingeengten Atem und den permanenten Blick zum Telefon. Ich weiß wieder, wie es war, sich kaum aus dem Haus zu trauen, aus Angst, es könnte doch ein Anruf kommen und ich bin nicht da. Und die Arbeit ging auch nicht von der Hand, weil meine Gedanken dauernd durch den, im wahrsten Sinne des Wortes, Herzschmerz, abgelenkt wurden.
Und habe ich einmal 10 Minuten nicht an ihn gedacht, dann konnte ich es kaum glauben.
Das alles ist jetzt 20 Jahre her, aber heute klang Dein Schmerz so deutlich durch, dass ich es fühlen konnte, als wäre es gestern gewesen.
Mein Gott, wieviel Lebenswertes gab es doch in den 20 Jahren, das ich alles nicht mehr erlebt hätte, wenn ich damals so gedacht hätte, wie Du.
Aber wenn ich mich recht erinnere, gab es sehr oft in meinem Leben, besonders in den letzten Jahren, Situationen, wo ich mir nichts sehnlicher wünschte, als einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Aber vielleicht darf ich Dir kurz das beschreiben, was mich immer abgehalten hat, selbst mein Vollstrecker zu sein?
Ich glaube, es ist Euch allen, die bisher meine Postings gelesen haben, inzwischen aufgefallen, das meine Lebenshaltung sehr vom esotherischen Gedankengut geprägt ist, d.h. Angst vor dem Tod habe ich schon lange nicht mehr, er ist nur der große Bruder des Schlafes, und unser Leben ist die große Schwester des Traums und beides, Schlaf und Traum, gehören genauso unabhänderlich zusammen wie Tod und Leben.
Für mich ist Reinkarnation inzwischen längst kein Glaube mehr, sondern absolute Überzeugung. Dazu gehört aber auch die Tatsache, dass, wenn ich mit eigener Hand die Zeit, die mir für dieses Leben bestimmt ist, verkürze, ich diese Zeit später irgendwie nachholen muss, wie Du auch in der Schule nachsitzen musstest, wenn Du geschwänzt hast.
Also wird Deine Seele unweigerlich nach relativ kurzer Zeit sich wieder einen Leib (Materie) suchen, der ihr behilflich ist, die verkürzte Zeit noch nachzuholen. Das sind dann die kleinen Säuglinge oder Kinder, bei denen man sich fragt, warum mussten diese unschuldigen Kleinen schon sterben, sie hatten ja noch gar nichts vom Leben. Gut das kann dann Dir als kleinem Kind ziemlich egal sein, aber der Schmerz, den Du heute Deinen Freunden und Eltern zufügen würdest, setzt sich dann noch fort, in das neue Leben hinein, wo dann andere Eltern noch schrecklicheren Schmerz empfinden werden, denn gibt es Schlimmeres, als ein geliebtes Kind zu verlieren und nicht zu wissen warum?
Niemand kann sich an die früheren Leben bewusst erinnern und deshalb nicht begreifen, dass Gott einem kleinen Menschlein das Leben nimmt. Aber die Seele dieses kleinen Menschleins hat hierfür ja den Grundstock im früheren Leben gelegt. Die göttlichen Gesetze sind so gerecht und treffen alle, sodass wir fassungslos davor stehen und uns fragen, wieso dieser, wieso trifft das Schicksal jenen so hart., und warum immer ich???.
Wie ist das denn heute, im jetzigen Leben, mit uns allen, haben wir nicht morgen an den Handlungen von heute und gestern zu knabbern? Oder können wir nicht auch morgen die guten Früchte der Vergangenheit ernten?
Kannst Du verstehen, dass ich mich auf meinen natürlichen Tod freue, aber nur aus Neugierde. Ich würde so gerne bewusst mit dem Wissen von heute das nächste Leben beginnen. Und wenn ich nicht will, dass das nächste Leben ein noch größerer Sche.... wird wie das jetzige, dann tue ich sehr gut daran, aus jedem Schicksalsschlag zu lernen, zu hinterfragen, welchen Wink mit Zaunpfahl es mir geben will, damit ich daraus lerne und daran reife, denn nur so kann ich mir ein positiveres Klassenziel erarbeiten, und mit guten, nicht schlechten Voraussetzungen in díe nächste Klasse aufsteigen. Jeder Mensch ist seines eigenen Glückes Schmied! Wie wahr ist doch dieser alte Spruch. In unserer Umgangssprache stecken soviel Wahrheiten, wir denken nur nie darüber nach woher all diese Weisheiten kommen, wir tun sie immer als "fromme " Sprüche ab.
Mit dieser Überzeugung lebe ich nun bewusst seit 20 Jahren, ich glaube aber, dass ich im früheren Leben gegen Schluss auch schon anfing die Dinge so zu sehen, denn es kommt mir alles so vertraut vor, als hätte ich schon früher davon gehört.
Aber glaube nur nicht, dass ich seit 20 Jahren völlig abgeklärt durchs Leben laufe. Weit gefehlt, ich habe zwischendurch so viel Schicksalsdresche bekommen, dass ich oft meinte: is ja gut, hab ja verstanden, dass ich was ändern muss, hab aber keine Ahnung, was Du mir sagen willst.
Ich habe oft und viel mit dem Schicksal gehadert und es verflucht.
Und eigenartiger Weise, als ich endgültig die Zuversicht und die frühere Überzeugung verloren glaubte, da bringt ihr mir meine Überzeugung und die daraus resultierende Kraft zurück. Plötzlich bin ich wieder fähig, die Zusammenhänge im Ganzen zu sehen und das stimmt mich sehr positiv.
Lieber Roger, ich weis nicht, ob Dir meine Sicht der Dinge ein bißchen helfen kann, das hier und jetzt zu meistern, und die Dinge aus einer anderen Warte, in einem anderen Licht zu sehen. Ich wünsche es mir so sehr. Wenn es uns gelingt, Dich davon zu überzeugen, daß es besser ist, jetzt langsam wütend zu werden und Dir zu sagen: Ja spinn ich denn, kein Mensch auf der ganzen Welt ist soviel mehr wert als ich, dass ich mir das Leben nehmen muss!?!, dann haben die unergründlichen unsichtbaren Fäden des Schicksals, oder der inzwischen zufriedenen Seelen, die bereits den Weg in die nächste Ebene gefunden haben, wieder einmal segnend und heilend ihre Arbeit getan.
Roger, kann es nicht ungeheuer aufregend sein, das weitere Leben mit anderen Augen zu sehen. Wie toll kann es sein, die immer vorhandene Neugier in uns, den Forscherdrang in Gang zu setzen, vieviel bisher Unbekanntes werden wir noch entdecken. Willst Du das nicht auch erleben, auf Deine Art? Bist Du neugierig und wissbegierig genug? Hat Dein Schmerz wirklich die Macht, Deine natürliche Neugier, Deinen Wissensdurst zu unterdrücken?
Trauere mit ganzem Herzen um Deinen derzeitigen Verlust, weine den Schmerz aus Dir raus, aber lass auch zu, dass des Menschen Lebenswille auf Dauer stärker sein wird, als der größte Schmerz.
Ich wünsche Dir recht bald, die heilenden Kräfte des Schicksals zu spüren, und es anzunehmen.
Luiserl, die sich um Dich sorgt und all ihren Geist zwischen Dich und die Pistole als Bollwerk stellen wird.