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Ich kann mich zuwenig von beleidgenden Klienten abgrenzen

Abgrenzen konnte ich mich auch nie. Und wenn ich es versuchte, im Büro z.B., wurde ich von Kolleginnen ausgelacht. Denn die waren in der Mehrheit und hatten sich wohl darauf eingeschossen, mich als Sündenbock, Blitzableiter und Person, die man nicht zu respektieren braucht (wohl weil ich immer sehr gute Arbeit ablieferte) sehen zu wollen. Immer wieder und überall habe ich Disrespekt erfahren, wahrscheinlich auch durch Neid oder Eifersucht auf mein Aussehen, so dass ich am Ende nichts mehr habe, nur noch das Existenzminimum, keine Freunde, keinen Partner und keinen Bock mehr auf Frauen in meiner Nähe, es sei denn, sie respektieren mich.
 
Hallo zusammen,

erstmal danke für eure Antworten.

Ich arbeite in einer Institution, die versciedene soziale Dienstleistungen anbietet. Das Hauptklientel sind eigentlich nicht Menschen mit Alkohol/Drogenporblemen, sondern Familien und Studenten. Das sind die erwähnten 95% die normalerweise super sind. Diese schwierigen Klienten sind nur die restlichen 5%.

Und ich stimme Mandrake zu dass eine Anzeige nicht in Frage komme würde, aus erwähntem Grund, dass das alles schnell Runde machen würde.
Und ständig anwesende Sicherheitskräfte sind leider auch keine Option, da a) diese Klienten die Minderheit sind und b) s für Familien mit Kindern abschreckend wäre, wenn sich immer Security in den Räumen aufhalten würde. Es gibt immer eine Securitykraft im Haus, diese hält sich aber in einem Büro auf und kommt nur auf Anruf.

Wie gesagt ist es für mich keine Option gleich denJob zu wechseln. Es gäe wh keine andere Stelle, an der ich so vielseitige Erfahrungen mchen könnte als in dieser Institution. Und nur mit Kindern oder nur mit Senioren möchte ich nicht arbeiten. Und ausserdem denke ich, dass auch in diesen Bereich Zwischenfälle vorkommen, die unschöne Gedanken im Kopf kreisen lassen. Ich denke da jetzt an Kinder mit psychischen Problemen die auch ausfallend werden oder Senioren. Ich habe auch scho in einem Kinder/Jugendwohnheim gearbeitet und da musste ich mir als Betreuerin auch alle möglichen Beschimpfungen anhören...

In ein Büchlein aufschreiben mache ich schon. Aber irgendwie genügt das nicht....
 
In ein Büchlein aufschreiben mache ich schon. Aber irgendwie genügt das nicht....

Hm. So blöd das klingt, aber dann mußt du eine andere Strategie für dich finden. Mir fällt noch spontan zusätzlich zum Büchlein ein ordentlicher Lauf durch die Natur ein, das macht auch häufig den Kopf noch etwas freier.
Aber das wird dir wohl auch nicht reichen, nehme ich jetzt einfach mal an.
Ich würde mir an deiner Stelle nicht scheuen, mal zu einem Therapeuten zu gehen um nach anderen Verarbeitungsstrategien zu suchen. Lieber direkt und zu Anfang, als daß sich etwas aufstaut. Hättest du dabei Bedenken?

Ich habe nämlich den Eindruck, du bist an der Stelle an der du grad arbeitest genau richtig udn es wäre ein großer Verlust wenn du das aufgeben würdest. Sowohl für dich, als auch für die Klienten. Ich finde es super, daß du nach Strategien suchst anstatt direkt die Flinte ins Korn zu werfen 🙂
 
Wenn das also nicht Euer Hauptklientel ist, Eure Arbeit nicht aus niedrigschwelligen Angeboten für Schwerstsuchtkranke besteht, dann ist die Haltung "gewähren lassen" umso unverständlicher. Gerade, wenn sich dort Familien mit Kindern aufhalten, sollte solchen ausfälligen/ handgreiflichen Menschen umgehend die Tür gewiesen werden.

Security verschafft nicht unbedingt Abschreckung, sie kann auch beruhigend wirken.Was nützt denn ein Sicherheitsmann, der im Büro sitzt und den man erst irgendwie herbeischaffen muss?

Gut fand ich auch den Tipp, in Situationen, in denen Deine Unterstützung nicht angefragt wird, sich erst einmal zurückhaltend zu verhalten.
 
seit Februar mache ich ein Praktikum

Das ist vielleicht auch Teil des Problems. Du bist erst relativ kurz da und es ist "nur" (<= in großen Anführungszeichen) ein Praktikum. Selbst wenn du etwas im sozialen Bereich studierst oder eine entsprechende Ausbildung machst, hat man dich ja wahrscheinlich nicht wirklich auf solche Situationen vorbereitet. Ich wüsste zumindest nicht, wie man das machen sollte. Selbst wenn man so eine Situation im Rahmen der Ausbildung glaubhaft simuliert, ist das immer noch was komplett anderes als die reale Situation, in der man tatsächlich angespuckt oder beleidigt wird.

Dass dir solche Erfahrungen nach so kurzer Zeit immer noch zusetzen, versteht sich eigentlich von selbst. Ich fände es eher erstaunlich, wenn du das einfach so abschütteln könntest. Ich könnte das nicht. Wahrscheinlich konnten die, die schon länger da sind, in den ersten Monaten auch nicht besser damit umgehen als du.
 
@Konnyblume: Ich werde jetzt nicht das schreiben was einige hier schreiben würden "Als Sozialarbeiter müsstest du das wissen bla, bla", da jeder SA anders ist und auch in anderen Bereichen tätig. Von daher. Ich kann mit deiner Ansicht leben.

@january: Du kannst für dich klar machen, wie viel du aushältst und wo die Grenzen liegen. Wahre sie!

Ich habe jetzt erstmal gelesen, dass es nur ein Praktikum ist. Irgendwann gehst du eh.
Mich wundert eher, dass dir da bereits so viel überlassen wird.

Wenn es jetzt noch 95 Prozent sind okay. Wenn das weniger wird und irgendwann die andere Seite höher, solltest du vielleicht aktiver werden.

Letztendlich kannst du überall Klienten haben wie diese. Das ist richtig. Ich würde dennoch behaupten, bei den Intoxikierten sind es mehr Problemfälle. Bei Kindern ist es eine ganz andere Hausnummer, weil da andere Maßnahmen greifen.
Von einem Zweimetermann geht mehr Schaden aus (im Extremfall) als von einem 10 Jährigen.

Hast du mal angeregt, ob ihr eine Supervision machen könnt?
Ich finde es schon sehr gefährlich, Menschen in diesem Feld arbeiten zu lassen und keine Supervision anzubieten.
Was ist mit Fallbesprechungen?

Ich war zuerst davon ausgegangen, dass du dort fest arbeitest. Aber wenn du im Praktikum schon nicht zu hundert Prozent überzeugt bist, solltest du überlegen, ob es langfristig das Richtige bezüglich Bereich ist.

Bezüglich deines Praktikums (hier haben wohl viele überlesen, dass du noch nicht fest arbeitest): Was ist dein Aufgabenbereich? Wie hat dein Anleiter darauf reagiert, dass du von Klienten angepöbelt wirst? Hat er überhaupt darauf reagiert? Hast du es ihm mitgeteilt?
 
Also es ist mein studienabschliessendes Praktikum, nicht einfach so ein Überbrückungsprakti, wie viele es im sozialen Bereich machen.

Meine Aufgabe ist es vor allem, Klienten in Empfang zu nehmen, ihre Daten aufzunehmen und erst Mal abzuklären, zu wem ich sie weiterleiten muss. (Es gibt bei uns Wohnberatung, Finanzberatung, Beratung zur Arbeitssituation, Familienberatung, Studienberatung, Immigrationsberatung, Familientreff, Mittagstisch und Seniorenberatung) und gelegentlichauch Klienten begleiten, z.B. zu Wohnungsbesichtigungen.

Ich glaube, das problem ist, dass die mir vorgesetzten Personen alle seit Jahren dort arbeiten und abgehärtet sind. Beim Übergriff auf meinen arabischen Kollegen meinte dieser selbst nur schulterzuckend "joah, passiert halt manchmal, aufregen nützt auch nichts."

Offenbar können die alle abschalten nach der Arbeit....
 
Also es ist mein studienabschliessendes Praktikum, nicht einfach so ein Überbrückungsprakti, wie viele es im sozialen Bereich machen.

Willkommen im realen Berufsleben.
Ich finde, dass du das Praktikum überbewertest. Auch die staatliche Anerkennung, die du damit erwirbst, ist kein fester Job.
Du wirst nach einem überschaubaren Zeitraum gehen und weißt danach, ob der Job in diesem Bereich entweder etwas für dich ist oder ob es nichts ist.

Als ich deinen Beitrag zuerst gelesen habe, dachte ich du arbeitest fest dort. Ich denke, dass du die Sache zu ernst nimmst und überbewertest.

Kennst du den Spruch? "Was nicht kaputt ist, sollte nicht repariert werden."

Ich war selbst an deiner Stelle, habe sehr viel Energie in mein Praktikum gesteckt, weil ich damals dachte, es öffnet mir weitere Türen oder bringt mir Vorteile.
Es hat genau eins gebracht: Nämlich die staatliche Anerkennung.
Heute arbeitet eine andere Sozialarbeiterin auf meinem damaligen Posten.
Ich habe viel Mühe und Energie in meine Arbeit gesteckt

Was ich damit sagen will. Beiß dich nicht zu sehr an dieser Stelle fest. Es ist nur ein Praktikum. Schön, wenn du dich mittlerweile zum Teil des Teams zugehörig fühlst. Du bist es letztendlich aber nicht. In 6 Monaten sitzt vielleicht ein Anderer auf deiner Stelle.

Gerade die Soziale Arbeit ist extrem vergänglich. Befristete Arbeitsverträge sind an der Tagesordnung.
Nimm es auf in deinen Erfahrungsschatz, aber bewerte es nicht über.

Wenn du bereits als Praktikant überfordert bist bzw. dir diese Frage stellst, versucht dich in jemanden hinein zu versetzen, der bereits 20 Jahre dort arbeitet.
Es wird nicht besser.

Ich weiß, dass man als Praktikant viel Liebe und Fleiß in seine Arbeit steckt.
Auch mir ging es so. Zum einen sind Klienten aber eher undankbar und zum anderen wirst du dort nicht die einzige Praktikantin sein. Behalte das im Hinterkopf.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich kann jetzt nur sagen, wie meine Ansicht dazu ist und ich finde, dass du viel zu schnell und zu sehr in die Rechtfertigungs-Position gehst in den von dir genannten Fällen.

Wenn man in so eine Position kommt - egal, ob man sich selbst diese gibt oder von anderen diese aufgedrückt bekommt - gibt man dem Gegenüber eine gewisse Dominanz oder überlegenere Position an die Hand, die unter Umständen negativ ausgenutzt wird. (Ich schreibe von rein kommunikativen Aspekten und aktiver Kommunikation, weniger von dauerhaften Ist-Zuständen oder wirklichen Konstellationen)

Manchmal ist zu höflich und zu nett sein nicht gut. Wenn man konsequenter und bestimmter auftritt, heißt das ja auch nicht, dass man zwangsläufig beleidigend sein muss.

Ich würde wirklich mal gutes Kommunikationstraining anpeilen. Da lernt man Gesprächsführung und wie man mit schwierigen Gesprächspartnern umgehen kann oder dafür sorgt, dass eine Situation nicht eskaliert. Das kannst du auch schon alleine für dich machen. Und wenn das ein wirklich gelernter und erfahrener Kommunikationstrainer ist, kann der dir viel vermitteln und auch mit dir bestimmte Situationen üben.

Ich finde auch so wie die Vorschreiber die Sicherheitsaspekte, bzw. die Absicherung in deiner Arbeit nicht in Ordnung. Sorry, manche Sachen gehen da gar nicht. Und alleine durch mehr Sicherheitsleute, die auch wirklich präsent sind, könnte man da was bewirken, weil auch jemand unter Suchtdruck sich mitunter zweimal überlegt, so krass auszuticken, dass er gleich jemanden würgt, wenn der weiß, dass innerhalb kürzester Zeit die Security auf der Matte stehen kann und es dann unangenehm wird.
 

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