D
Dr. Rock
Gast
Dabei fühle ich mich schuldig, weil es andere Kinder doch viel schlimmer hatten oder haben. Aber ich komme einfach nicht damit klar. Ich bin jetzt 26 und ich habe das alles immer noch nicht verarbeitet. Bin ich einfach nur extrem labil? Was soll ich tun?
Dir "professionelle" Hilfe holen. In der Kindheit wird die Basis für dein späteres Leben gelegt und wenn diese Basis so verpfuscht ist, wie es ganz offensichtlich leider bei dir der Fall ist, kann man nicht argumentieren, man müsse mit 26 drüber hinweg sein und solle sich "nicht so anstellen", wie andere es dir anscheinend gesagt haben.
Das sind nichts weiter als dämliche Sprüche vom Stammtisch bzw. von Lesern der Blöd-Zeitung. Wenn man keine Ahnung hat...einfach mal die Fresse halten! :mad:
Sich "schuldig" zu fühlen ist der vollkommen falsche Weg, erlittenes Leid lässt sich nicht mit dem Leid eines anderen Menschen vergleichen, denn jeder empfindet seinen "Packen" nunmal anders, jeder besitzt seine eigene Widerstandsfähigkeit, eine andere Konstitution, etc. Und es liegt in niemandems Ermessen zu bewerten, wessen Leid das Schlimmste ist.
Was du erlitten hast, ist dein Packen, an dem du arbeiten musst, um deiner selbst Willen - ein Vergleich mit dem Packen anderer Menschen ist erstmal sinnlos und zweitens bringt es niemandem etwas. Geh also nicht so hart mit dir um sondern gesteh dir ruhig ein, dass du reichlich zu verarbeiten hast. Ist dein gutes Recht.
Meine Mutter bestreitet heute vieles und mein Vater meinte seine Kindheit wär auch nicht toll gewesen. Er will mir bald mal erzählen was da alles so abging. Ich will es aber gar nicht hören. Soll ich meine Kinder irgendwann etwa auch misshandeln und dann sagen:"Ja ich hatte es damals auch nicht schön" Was für ein krankes Denken ist das nur.
Du solltest es dir vielleicht doch anhören denn vielleicht erkennst du dann, dass deine Eltern auch "nur" Opfer waren in ihrer Kindheit und von ihren eigenen Erlebnissen ebenso geprägt wurden, wie du, ich und viele andere Abertausende Menschen auch.
Denn deine Eltern haben wahrscheinlich auch "nur" das weitergegeben, was sie selbst erlitten haben und es war ihnen nicht möglich, aus diesen Verhaltensmustern auszubrechen bzw. sich diesen erstmal bewusst zu werden und zu hinterfragen. Sie fanden ihr Verhalten während deiner Kindheit vielleicht ganz normal, weil sie es aus ihrer eigenen selbst nicht anders kannten.
Das soll nun wirklich nicht wie eine Rechtfertigung klingen, nur kann es für dich persönlich eine Erklärung darstellen und somit den weiteren Umgang mit deinen Eltern erleichtern. Es könnte für somit dich ein kleines Puzzlestück sein, damit du deinen Frieden mit deiner Kindheit findest. 😉
Und wenn du es schaffst, deine Kindheit aufzuarbeiten und den Kreislauf des "Weitergebens" durchbrichst, also deinen Kindern eine sorgenfreie, glückliche Kindheit bietest, hast du sowieso gewonnen. 🙂