Hallo, vielleicht hat jemand einen Rat für mich. Mein Partner und ich haben einen 6 Monate alten Sohn. Und wir haben Beziehungsprobleme, jedenfalls sehe ich das so.
Ich bin während der Schwangerschaft zu ihm gezogen. Nachdem unser Sohn auf der Welt war war zunächst alles gut und schön, so wie es sein soll. Er hatte noch Urlaub, einen Monat später ist er wieder arbeiten gegangen. Seit der kleine auf der Welt ist schläft er auf der Couch und ich hau mir die schlaflosen nächte allein um die Ohren, selbst am Wochenende. Dazu kommt, dass seine Eltern sich ständig in alles einmischen. Sogar wie wir die wäsche waschen. Sie helfen auch indem sie uns Mal was zu essen vorbeibringen. Alles schön und gut, nur kritisieren sie alles (unseren Erziehungsstil - ich soll doch nach Uhr stillen - ihr verwöhnt ihn etc.), den Haushalt... Es kommt NIE ein positives Wort oder ein bestärkendes, was man gerade am Anfang benötigt wie ich finde. Nichts ist gut genug. Trage? Wir kaufen euch einen Kinderwagen (was wir nicht wollen). Die Badewanne? Nicht genug genug, es wird ohne zu fragen eine "bessere" gekauft. Die Mutter beschwert sich warum ich ihn jetzt füttern muss wo sie doch da ist. Setzt man eine Grenze wird's persönlich genommen. Die Schwiegermutter will jeden Termin wissen den der Kleine hat. Mir ist das zu viel!
Hinzu kommt dass mein Partner keine nähe mehr zulässt. Doch, wenn er es möchte. Vor zwei Tagen hab ich es angesprochen, er rastet aus und fährt (Mal wieder) zu seinen Eltern, wie immer. Ich bin wieder tage mit dem kleinen alleine. Ich werde verbal beleidigt, heute wollte ich zum Therapeuten und er hat mir das Auto Mal wieder verweigert. Der Therapeut ist in meiner alten Heimat, 1 Stunde Zugfahrt plus 2 Mal busumsteigen mit dem kleinen. Alles kein Problem, nur wenn man eine erschöpfungsdepression hat, nicht so einfach.
Ich bin so sauer. Ich kann mich auch nicht einfach zurück ziehen und bei meinen Eltern chillen. Mein Therapeut sagte heute er sieht hier eine Person die Verantwortung übernimmt und einer der ständig zu seinen Eltern rennt. Ansprechen bringt nix, er sagt es wäre mein Problem, er sieht keinen Anteil bei sich. Paartherapie will er nicht, Trennung wollte er die ganze Zeit auch nicht nachdem ich es vorgeschlagen habe.
Ich habe vor der Geburt studiert, bekomme aktuell auch kein ALG. Ich bin in seine Wohnung gezogen, habe aber sowas wie einen Untermietvertrag bekommen. Ich habe leider keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter, Vater ist verstorben. Ich will gerade nur noch raus aus der Beziehung aber mir fehlt die Kraft. Hat jemand einen Rat? Danke schonmal fürs lesen...
Wenn ich das alles noch einmal so lese... Du könntest auch erst einmal in der Düsseldorfer Tabelle schauen, wieviel Unterhalt dem Kind bei einer Trennung vom Vater zustehen würde, wenn du sein Einkommen ungefähr kennst.
Und dann kannst du noch einmal versuchen, mit deinem Partner zu reden.
Erklär ihm, dass die Sorge für das gemeinsame Kind nun nicht ausschließlich deine Sache ist und du einfach regelmäßig einen freien Tag brauchst, um dich mal ausruhen zu können.
Handle mit ihm aus, was du brauchst: einen oder zwei freie Abende in der Woche, in denen er den Kleinen mal übernimmt, damit du mal ausschnaufen kannst oder / und die Samstagnacht zum Ausschlafen.
Wenn er da gar keine Zugeständnisse machen will, dann erkläre ihm, wie viel Geld er im Monat bei einer Trennung verlieren wird - vielleicht überlegt er sich das dann doch noch einmal anders.
Was die Schwiegereltern angeht überlege dir, welches konkretes Verhalten du von ihnen wünschen würdest (z. B. Essen vorbei bringen o. K., Ausstattung für das Kind ohne Absprache nicht o. K.), verklickere das deinem Partner und überlasse ihm das, das seinen Eltern zu erklären.
Viele Väter versuchen, für ihre Familie zu sorgen, indem sie besonders viel arbeiten und besonders viele Überstunden machen (ist ein veraltetes Rollenmodell).
Kann dein Partner nicht auch zwei Monate Elternzeit nehmen - das ist doch heutzutage Minimum, dachte ich?
Und auch auf dem Dorf gibt es manchmal Veranstaltungen für junge Mütter (allerdings häufig von der Kirche organisiert).
Vielleicht kannst du da andere junge Mütter kennen lernen - dann bist du nicht mehr so krass isoliert.
Ach so: falls sich dein Partner darauf zurück ziehen sollte, dass allein du für die Kinderversorgung zuständig bist, weil du noch stillst:
Es gibt auch die Möglichkeit Muttermilch abzupumpen - dann kann auch der Vater oder sonst jemand füttern.
Falls das aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, stell auf Flaschennahrung / Babynahrung aus dem Geschäft um.
Dass Stillen Vorteile gegenüber kommerziell erhältlicher Babynahrung bieten kann, will ich gar nicht bestreiten.
Meiner Meinung nach profitiert ein 6 Monate altes Kind aber am meisten von einer glücklichen, psychisch ausgeglichenen Hauptbezugsperson = in diesem Fall Du.
Bei einer Wahl zwischen Babymilch aus dem Geschäft + halbwegs ausgeruhter Mutter oder Stillen + Mutter, die massiv erschöpft, gereizt und nervös ist, wäre für mich die Entscheidung völlig klar.