Bellatrix
Mitglied
Die meisten von euch werden sicher denken ich spinne oder übertreibe ... ich schreibes es trotzdem: Ich hasse meinen Job.
Dabei ist es nichtmal ein richtiger Job.
Ich versuche mich mal kurzzufassen - es wird mir wahrscheinlich kaum gelingen. 😉:
Ich habe diesen Sommer Abitur gemacht und alles was ich danach angepackt habe und anpacke läuft bisher nur schief. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass ich vor wenigen Monaten noch so glücklich über die guten Prüfungsergebnisse und den Abschlussball gewesen bin. Im Moment bin ich gar nicht mehr glücklich.
Direkt nach dem Abi habe ich einen Au Pair Aufenthalt im Ausland begonnen - diesen aber nach einem Monat wieder abgebrochen. Die ganze Hausarbeit und drei kleine Kinder waren doch mehr gewesen, als ich mir hätte zutrauen sollen. Ich war kreuzunglücklich und sehr unsicher in dem Job. Vielleicht wäre ich besser klargekommen, wenn ich schon von Natur aus extrovertiert, selbstbewusst und optimistisch wäre, aber das bin ich einfach nicht.
Okay, hab ich gedacht, blöd gelaufen ... kommt vor. Dann ist Au Pair eben nichts für dich ist ja auch nicht jedermanns Sache.
Leider waren zum Zeitpunkt meiner Rückkehr auch schon die allermeisten Fristen für die Unis verstrichen und ich hatte mir zwar vor der Abreise bereits ein paar Optionen für den kommenden Sommer überlegt (dann wollte ich Au Pair eigentlich beenden) aber eben noch nicht alle. Ich habe mich dann noch beworben - und dann Absagen bekommen (haarscharf am NC vorbei) ...
Ich wohne zwar indirekt nicht mehr zuhause, aber meine Familie hat trotzdem enormen Druck auf mich ausgeübt, dass ich mir jetzt etwas Sinnvolles suchen muss bis zum nächsten Sommer. Ist mir auch klar.
Als mir das alles zu viel wurde und immer noch nichts in Sicht war, habe ich eine Verwandte gefragt, die an einer Grundschule im sozialen Brennpunkt arbeitet, ob die auch Praktikanten nehmen.
Ja, schon, aber eigentlich nur für länger.
Nach ein Bisschen hin und her und den üblichen (Selbst-)zweifeln im Bauch habe ich dann zugesagt an der Schule bis auf Weiteres als Praktikantin zu arbeiten ... so ähnlich wie bei einem sozialen Jahr, nur dass ich für 32 Wochenstunden 25€ also 100€ im Monat bekomme.
Ich mache den Job jetzt einen Monat - alle sagen, dass sei zu wenig um ein Urteil zu fällen, aber das ist mir so ziemlich egal: Ich hasse diesen Job.
Ich habe eindeutig festgestellt, dass ich nicht mit Kindern arbeiten kann und will.
Der Lärm und das Chaos gehen mir an die Substanz. In dem Job, ganz egal ob im Unterricht, der Ganztagsbetreuung, beim Mittagessen oder bei der Pausenaufsicht - ständig muss ich 200% present sein, damit die Flöhe sich nicht gegenseitig umbringen oder alles demolieren. Ich bin ständig gefordet dazwischen zu gehen, den Lauten zu machen, mich durchzusetzen. Blitzschnell reagieren, auf alle Fragen eine Antwort haben, immer wissen was zu tun ist ...
das ist ja eigentlich nichts Schlimmes, aber dazu muss man eben sehr offen, selbstsicher, willenstark, spontan und extrovertiert sein.
Das alles bin ich nicht. Ich bin ruhig, schüchtern, introvertiert, lieb und habe eigentlich nichts gegen feste Abläufe einzuwenden.
Der Job zwingt mich aber den Großteil des Tages so zu sein, wie ich nicht bin. Immer nett und bestimmt durch die Gegend laufen und so tun als hätte ich den absolouten Durchblick und die Autorität hier. Das ist unglaublich anstrengend und ich komme mir wie ein verdammter Schauspieler vor. Ich verbiege mich total und das ist super-anstrengend und tut irgendwo weh.
Wenn ich nach hause komme bin ich so fertig, ich könnte umfallen.
Ich habe darüber mit meinen Eltern gesprochen, denn ich habe ziemliche Skrupel davor den Job einfach wieder abzubrechen. Ich will der Verwandten nicht auf die Füße treten, ich will nicht von der Familie als Versagerin abgestempelt werden.
Meine Mutter sagt das was ich hören will : "wenn du es nicht willst, dann lass es doch. Was kümmert dich was andere (Vater, G. -Verwandte) denken. Ist doch dein Leben." . Aber sie sagt das nicht, weil sie das meint, sondern nur weil sie sich denken kann, dass ich das hören will und sie damit aus dem Schneider ist und nicht weiter mit mir darüber reden oder darüber diskutieren muss.
Mein vater bezieht den Gegenposten: "Du kannst nicht schon wieder den Kopf in den Sand stecken und sagen 'ich kann das nicht' . Das hast du als Kind schon gemacht. Das geht aber nicht. Arbeit muss keinen Spaß machen. NAch der Arbeit ist man eben fertig. Ich will, dass du weitermachst!"
Das sind auch die zwei Stimmen, die in meinem Kopf rumstreiten.
Einerseits weiß ich, dass Arbeit eben kein Kinderspielplatz ist. Ich weiß, dass es schwierig wird einen Nebenjob zu bekommen, wenn ich jetzt einfach aufhöre und dass der mir nicht zwingend besser gefallen muss. Ich weiß, dass es nicht gut ist vorschnell aufzugeben. Ich weiß, dass ich dazu neige genau das zu tun. Ich weiß, dass auch dieses Jahr mit der blöden Arbeit an der Schule irgendwann vorbei geht. Ich weiß, dass ich vermutlich gestärkt bin, wenn ich durchhalte und hinterher sagen kann: es war S**** pur, aber ich habs überlebt.
ABER das änder rein gar nichts daran, dass ih mich von Montagmorgen bis Freitagnachmittag einfach nur hundeelend, überfordert und augelaugt fühle. Mein Herz ist bleischwer, wenn ich den Tag beginne und ich könnte singen, wenn der Feierabend näher rückt. Bis ich merke, dass ich in ein paar Stunden schon wieder alles von vorne durchmachen muss. Abends ist meine Laune im Keller. Gerade Sonntagabend. Montag mag ja ohnehin wohl niemand so recht, aber das ist doch auch so kein Zustand. Ich weiß wohl, dass sich das von außen nach einem feigen, jammernden Huhn anhört. Vielleicht bin ich das ja auch.
Aber ich habe den Job doch nur angefangen um zu gucken, ob ich nun mit Kindern kann oder nicht und ob Lehramt eine Option wäre für mich, wenn ich mich nächsten Sommer wieder bewerbe. Ich habe bei Au Pair schon, und jetzt hier festegestellt: Ich bin lieber eine Schreibtischstute als ein Flohzirkusbändiger.
Das sollte doch eigentlich positiv sein.
Aber jetzt komme ich aus dem Flohzirkus nicht mehr raus und soll die Suppe auslöfgfeln, die ich mir eingebrockt habe. Dabei habe ich nichtmal einen Arbeitsvertrag.
Das einzige, was mich vom Kündigen abhält sind die verächtlichen Blicke der Familie im Nacken. Das ist so eine wahnsinnige Instanz in meinem Gewissen, dass ich Manschetten davor habe meinen Kopf durch die Wand zu rammen und zu machen wonach mir ist.
Ich muss natürlich meine Motive hinterfragen: Da ist ne Menge Unsicherheit und Frust. Und dieses Gefühl von Pflicht und müssen ... auch wenn es keinen Spaß macht.
Die extrovertierten, sicheren haben es heutzutage sicher überall einfacher und ich kann später auch nicht einfach einen Job hinwerfen nur weil er mir gegen den Strich geht ...
aber muss ich mich deswegen jetzt auf Teufel komm raus in diesem Job selber überfordern und brechen? Es geht mir doch nicht gut dabei.
Und es ist ja auch gar kein echter Job. Es ist ein verflixtes Praktikum. Und verdienen tue ich auch (fast) nichts dabei ... wieso will meine Familie daran jetzt ein Exempel statuieren?!
Und mein Stiefbruder (der noch zuhause wohnt und genauso alt ist) macht gar nichts und da kräht kein Hahn nach. Ach ... (ja, dass ist die eingeschnappte Schwester hier).
Ich könnte es als Chance sehen mich zu beweisen (wem denn? diesen Idioten die sich Familie nennen??) oder daran zu wachsen...
Der richtige Weg ist nicht immer der einfachste ...
und lauter so kluge Sachen, aber ich bin so kreuzunglücklich dabei, dass ich mich frage, ob es das noch wert ist - ob ich es noch wert bin.
Warum kann ich nicht sein wie ich bin? Warum muss ich mir diesen Job aufhalsen damit ich Dinge lerne die meinem Innersten wiederstreben? Warum darf ich etwas (mehr oder minder) freiwillig beginnen, aber nicht wieder beenden?
Auf welche Stimme soll ich denn nun hören und wie um Himmelswillen soll ich die nächsten Wochen, Tage, Stunden, Rotzblagen überleben???
🙁🙁🙁
Bellatrix
Dabei ist es nichtmal ein richtiger Job.
Ich versuche mich mal kurzzufassen - es wird mir wahrscheinlich kaum gelingen. 😉:
Ich habe diesen Sommer Abitur gemacht und alles was ich danach angepackt habe und anpacke läuft bisher nur schief. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass ich vor wenigen Monaten noch so glücklich über die guten Prüfungsergebnisse und den Abschlussball gewesen bin. Im Moment bin ich gar nicht mehr glücklich.
Direkt nach dem Abi habe ich einen Au Pair Aufenthalt im Ausland begonnen - diesen aber nach einem Monat wieder abgebrochen. Die ganze Hausarbeit und drei kleine Kinder waren doch mehr gewesen, als ich mir hätte zutrauen sollen. Ich war kreuzunglücklich und sehr unsicher in dem Job. Vielleicht wäre ich besser klargekommen, wenn ich schon von Natur aus extrovertiert, selbstbewusst und optimistisch wäre, aber das bin ich einfach nicht.
Okay, hab ich gedacht, blöd gelaufen ... kommt vor. Dann ist Au Pair eben nichts für dich ist ja auch nicht jedermanns Sache.
Leider waren zum Zeitpunkt meiner Rückkehr auch schon die allermeisten Fristen für die Unis verstrichen und ich hatte mir zwar vor der Abreise bereits ein paar Optionen für den kommenden Sommer überlegt (dann wollte ich Au Pair eigentlich beenden) aber eben noch nicht alle. Ich habe mich dann noch beworben - und dann Absagen bekommen (haarscharf am NC vorbei) ...
Ich wohne zwar indirekt nicht mehr zuhause, aber meine Familie hat trotzdem enormen Druck auf mich ausgeübt, dass ich mir jetzt etwas Sinnvolles suchen muss bis zum nächsten Sommer. Ist mir auch klar.
Als mir das alles zu viel wurde und immer noch nichts in Sicht war, habe ich eine Verwandte gefragt, die an einer Grundschule im sozialen Brennpunkt arbeitet, ob die auch Praktikanten nehmen.
Ja, schon, aber eigentlich nur für länger.
Nach ein Bisschen hin und her und den üblichen (Selbst-)zweifeln im Bauch habe ich dann zugesagt an der Schule bis auf Weiteres als Praktikantin zu arbeiten ... so ähnlich wie bei einem sozialen Jahr, nur dass ich für 32 Wochenstunden 25€ also 100€ im Monat bekomme.
Ich mache den Job jetzt einen Monat - alle sagen, dass sei zu wenig um ein Urteil zu fällen, aber das ist mir so ziemlich egal: Ich hasse diesen Job.
Ich habe eindeutig festgestellt, dass ich nicht mit Kindern arbeiten kann und will.
Der Lärm und das Chaos gehen mir an die Substanz. In dem Job, ganz egal ob im Unterricht, der Ganztagsbetreuung, beim Mittagessen oder bei der Pausenaufsicht - ständig muss ich 200% present sein, damit die Flöhe sich nicht gegenseitig umbringen oder alles demolieren. Ich bin ständig gefordet dazwischen zu gehen, den Lauten zu machen, mich durchzusetzen. Blitzschnell reagieren, auf alle Fragen eine Antwort haben, immer wissen was zu tun ist ...
das ist ja eigentlich nichts Schlimmes, aber dazu muss man eben sehr offen, selbstsicher, willenstark, spontan und extrovertiert sein.
Das alles bin ich nicht. Ich bin ruhig, schüchtern, introvertiert, lieb und habe eigentlich nichts gegen feste Abläufe einzuwenden.
Der Job zwingt mich aber den Großteil des Tages so zu sein, wie ich nicht bin. Immer nett und bestimmt durch die Gegend laufen und so tun als hätte ich den absolouten Durchblick und die Autorität hier. Das ist unglaublich anstrengend und ich komme mir wie ein verdammter Schauspieler vor. Ich verbiege mich total und das ist super-anstrengend und tut irgendwo weh.
Wenn ich nach hause komme bin ich so fertig, ich könnte umfallen.
Ich habe darüber mit meinen Eltern gesprochen, denn ich habe ziemliche Skrupel davor den Job einfach wieder abzubrechen. Ich will der Verwandten nicht auf die Füße treten, ich will nicht von der Familie als Versagerin abgestempelt werden.
Meine Mutter sagt das was ich hören will : "wenn du es nicht willst, dann lass es doch. Was kümmert dich was andere (Vater, G. -Verwandte) denken. Ist doch dein Leben." . Aber sie sagt das nicht, weil sie das meint, sondern nur weil sie sich denken kann, dass ich das hören will und sie damit aus dem Schneider ist und nicht weiter mit mir darüber reden oder darüber diskutieren muss.
Mein vater bezieht den Gegenposten: "Du kannst nicht schon wieder den Kopf in den Sand stecken und sagen 'ich kann das nicht' . Das hast du als Kind schon gemacht. Das geht aber nicht. Arbeit muss keinen Spaß machen. NAch der Arbeit ist man eben fertig. Ich will, dass du weitermachst!"
Das sind auch die zwei Stimmen, die in meinem Kopf rumstreiten.
Einerseits weiß ich, dass Arbeit eben kein Kinderspielplatz ist. Ich weiß, dass es schwierig wird einen Nebenjob zu bekommen, wenn ich jetzt einfach aufhöre und dass der mir nicht zwingend besser gefallen muss. Ich weiß, dass es nicht gut ist vorschnell aufzugeben. Ich weiß, dass ich dazu neige genau das zu tun. Ich weiß, dass auch dieses Jahr mit der blöden Arbeit an der Schule irgendwann vorbei geht. Ich weiß, dass ich vermutlich gestärkt bin, wenn ich durchhalte und hinterher sagen kann: es war S**** pur, aber ich habs überlebt.
ABER das änder rein gar nichts daran, dass ih mich von Montagmorgen bis Freitagnachmittag einfach nur hundeelend, überfordert und augelaugt fühle. Mein Herz ist bleischwer, wenn ich den Tag beginne und ich könnte singen, wenn der Feierabend näher rückt. Bis ich merke, dass ich in ein paar Stunden schon wieder alles von vorne durchmachen muss. Abends ist meine Laune im Keller. Gerade Sonntagabend. Montag mag ja ohnehin wohl niemand so recht, aber das ist doch auch so kein Zustand. Ich weiß wohl, dass sich das von außen nach einem feigen, jammernden Huhn anhört. Vielleicht bin ich das ja auch.
Aber ich habe den Job doch nur angefangen um zu gucken, ob ich nun mit Kindern kann oder nicht und ob Lehramt eine Option wäre für mich, wenn ich mich nächsten Sommer wieder bewerbe. Ich habe bei Au Pair schon, und jetzt hier festegestellt: Ich bin lieber eine Schreibtischstute als ein Flohzirkusbändiger.
Das sollte doch eigentlich positiv sein.
Aber jetzt komme ich aus dem Flohzirkus nicht mehr raus und soll die Suppe auslöfgfeln, die ich mir eingebrockt habe. Dabei habe ich nichtmal einen Arbeitsvertrag.
Das einzige, was mich vom Kündigen abhält sind die verächtlichen Blicke der Familie im Nacken. Das ist so eine wahnsinnige Instanz in meinem Gewissen, dass ich Manschetten davor habe meinen Kopf durch die Wand zu rammen und zu machen wonach mir ist.
Ich muss natürlich meine Motive hinterfragen: Da ist ne Menge Unsicherheit und Frust. Und dieses Gefühl von Pflicht und müssen ... auch wenn es keinen Spaß macht.
Die extrovertierten, sicheren haben es heutzutage sicher überall einfacher und ich kann später auch nicht einfach einen Job hinwerfen nur weil er mir gegen den Strich geht ...
aber muss ich mich deswegen jetzt auf Teufel komm raus in diesem Job selber überfordern und brechen? Es geht mir doch nicht gut dabei.
Und es ist ja auch gar kein echter Job. Es ist ein verflixtes Praktikum. Und verdienen tue ich auch (fast) nichts dabei ... wieso will meine Familie daran jetzt ein Exempel statuieren?!
Und mein Stiefbruder (der noch zuhause wohnt und genauso alt ist) macht gar nichts und da kräht kein Hahn nach. Ach ... (ja, dass ist die eingeschnappte Schwester hier).
Ich könnte es als Chance sehen mich zu beweisen (wem denn? diesen Idioten die sich Familie nennen??) oder daran zu wachsen...
Der richtige Weg ist nicht immer der einfachste ...
und lauter so kluge Sachen, aber ich bin so kreuzunglücklich dabei, dass ich mich frage, ob es das noch wert ist - ob ich es noch wert bin.
Warum kann ich nicht sein wie ich bin? Warum muss ich mir diesen Job aufhalsen damit ich Dinge lerne die meinem Innersten wiederstreben? Warum darf ich etwas (mehr oder minder) freiwillig beginnen, aber nicht wieder beenden?
Auf welche Stimme soll ich denn nun hören und wie um Himmelswillen soll ich die nächsten Wochen, Tage, Stunden, Rotzblagen überleben???
🙁🙁🙁
Bellatrix