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Ich habe noch nie "ich liebe Dich" gesagt...

  • Starter*in Starter*in Eudaimonia
  • Datum Start Datum Start
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    liebe
[... es folgt keine Handlung, sondern ein Dialog - nicht jedermanns Geschmack]

Emo: "Was bedeutet Treue für dich?"

Tioni: " Eines dieser Zauberwörter in Beziehungen. Für viele unverzichtbar, häufig als synonym für Vertrauen. Treue bietet sicher einen wichtigen Halt in einer Beziehung, eine Art sicherer Hafen, in den man immer kommen kann. Aber in der heutigen Gesellschaft ist treue häufig nur noch ein leere hülle, eine Worthülse um
Sicherheit zugeben, wo keine Sicherheit ist, um Vertrauen zu erzeugen, wo schon lange keines mehr ist.
Treue beginnt bei mir im Herzen, wenn ich liebe, dann liebe ich richtig. Den
(oder die) eine für den ich vorbehaltlos sterben würde, der alles von mir
verlangen könnte, dem ich alles geben möchte. Treue bedeutet nicht zu
belügen, betrügen oder zu hintergehen.
ob sich dies auf Sex, auf das zusammenleben, das miteinander umgehen
bezieht, muss jeder selbst bestimmen.
wenn mein Partner mit alkoholbenebelten Kopf einem anderen Mädel nachschaut,
weil er für fünf Minuten seine Hormone nicht im griff hat, dann hat das
nichts mit treu oder nicht treu zu tun.
Leider weiß ich nur zu genau, dass Sex nichts mit Treue zu tun haben muss."

Emo: "Wie würdest du das Verhältnis zu dir selbst beschreiben?"

Tioni: "Wenn es mir nicht so gut geht, kann ich mich selbst kaum wahrnehmen. Einsamkeit bereitet mir körperliche und seelische schmerzen. ich versuche mich abzulenken, Sport zu machen oder Freunde zu treffen, aber manchmal kann ich es nicht aufhalten, gerade wenn vielleicht noch
Streitigkeiten mit Menschen hinzukommen, die mir viel bedeuten und ein
Kontakt schwierig wird. Irgendwann habe ich das Gefühl vollkommen verloren zu sein und dann muss ich irgendwas machen, um mich wieder zu finden, mich zu spüren, um nicht verrückt zu werden oder einfach aus dem Fenster zu springen.

Alkohol kann helfen, kann es aber auch schlimmer machen. Selbstverletzungen helfen meist, um zumindest zunächst wieder ruhe zu finden. In diesen Momenten ist das Verhältnis zu mir wohl selbstzerstörerisch.

Wenn es mir hingegen gut geht, mag ich mich, sowohl physisch als auch psychisch.ich mag meinen Körper."


Emo: "Ja, den mag ich auch!"


Tioni: "Und wie siehst du mich?"


Emo: "Wie ich dich sehe? Ich glaube ich sehe dich als jemand, der das Kämpfen gelernt hat, der in vielen Bereichen eine unglaubliche Kraft an den Tag legt. Eine
enorme Ausstrahlung hat, du weiß, was du willst. Andere Bereiche scheinen vom
langen Kämpfen ausgehärtet zu sein. Du scheinst Rückzugbereiche oder Trutzburgen
für dich zu beanspruchen, mit denen du dir auch nach Niederlagen das ÜberleBen
sicherst. Irrgärten in denen kein Krieger ein Durchkommen findet, in denen nur
ganz kleine, schmale verletzliche Wesen ihren Weg finden....
Ich denke du hast viele Seiten, eine Seite von dir ist die attraktive,
erfolgreiche, gutaussehende, sportliche Frau. Eine andere die intellektuell
interessierte, nach Wissen strebende Frau. Wieder eine andere ist die Tioni, die
vor ihren innersten Problem wegläuft, sie irgendnur aus ihrem geregelten Alltag
verbannen möchte.
Ich denke auf viele Männer wirken Teile der ersten beiden Seiten anziehend.
Andere Seiten verlangen Mut, ich weiß nicht wieviel ich von diesen Seiten schon
zu sehen bekommen habe, aber nichts aber auch garnichts davon belastet meine
Gefühle oder lässt mich zurückschrecken. Ich spüre die Angst, aber wieviel mehr
Angst ist dann deine? Wieviel mehr Angst ist damit allein zu sein? Ich möchte
mit dir sein und für dich da sein, wenn du mich brauchst."


Tioni: "Wie weit denkst du?"


Emo: "Denken ist mein Hobbie. Kreativ ist eine meiner grössten Leidenschaften. Auch Gedanken in hypothetischer Weise anzusprechen, gehört dazu.
Es gibt allerdings auch momente da fühle ich mich in meinem Denken gefangen...
ganz eigenart... da habe ich das Gefühl, dass ich kurz vor einem wichtigen
Gedanken stehe, aber nicht drauf komme.
Wie weit ich in Punkto Beziehung denke? Vielleicht zu weit. Eine Beziehung ist
mir sehr wichtig. Vielleicht habe ich alles in meinem bisherigen Leben nur
gemacht, um es in eine Beziehung mitbringen zu können?
Vielleicht dienten die Erfahungen meines bisherigen Lebens dazu, reif für eine
Beziehung zu werden? Vielleicht habe ich mein bisheriges Geld verdient, um einen
Rahmen für gemeiname Unternehmungen zu haben? Vielleicht habe ich gelernt, um
Stoff für gemeinsame Gespräche zu haben? Mich psychologisch interessiert, um
mich intensiver um eine Beziehung kümmern zu können?

Das mündet irgendwann in die Frage: Was ist wichtig im Leben.

Momenan bist du es."


Tioni, leicht erötet: "Danke. Aber kannst du mir auch etwas zu deinen Schwächen sagen?"


Emo: "Du hast recht gehabt, die Fragen werden immer schwieriger zu beantworten... wie um alles in der Welt soll ich Schwächen in Bezug zu meiner Persönlichkeit
setzen?
Wäre es nicht leichter einen Afrikaner einen Vortrag über Schnee halten zu
lassen?

Nun gutmütig wie ich bin, will ich es trotzdem versuchen.
Eine meiner größten Schwächen ist, dass ich meine schwächen immer in den
Vordergrund spiele. So wie hier grade. Eine große Schwäche von mir ist nämlich,
dass ich nicht gerne über sie rede... und genau das veranschauliche ich damit.

Kannst du mir folgen? Vielleicht wäre es einfacher ich würde meine Schwächen
direkt benennen... was heißt eigentlich Schwäche? Über Schwächen reden bedeutet,
dass man einen Mißstand (z.B. charakterlicher Art) erkannt hat. Hätte man ihn
beseitigt, wäre es keine Schwäche, folglich könnten man vielleicht sagen, dass
Schwäche heißt einen Missstand erkannt zu haben, man aber zu schwach ist diesen
zu beseitigen.
Was aber dann, wenn die eigentliche Schwäche darin besteht, dass die Missstände
nicht erkennen kann? Spricht es daher nicht für die Selbstkenntnis, wenn jemand
viele Schwächen benennen kann und für die Zielorientiertheit, wenn sich darunter
viele ehemaligen befinden?
Als eine meiner Schwächen würde ich mangelnde großzügigkeit mir selbst gegenüber
bezeichnen. Ich würde mir wünschen, mir selbst mehr verzeihen zu können und in
einigen Situationen mehr Weitblick bewahren zu können.
Ansonsten kann man vielen Schwächen positive Aspekte abgewinnen. Oft handelt es sich um zwei Seiten ein und derselben Medaille (wie z.B. beim Neid und
Nacheifern), Egoismus und Durchsetzungsvermögen, Selbstaufopferung und
Hilfsbereichtschaft). Ist es wirklich eine Schwäche, wenn jemand leicht anfängt
zu weinen? Oder eine Stärke aufgrunde der besonderen Sensibiltät und des Sinns
für Gefühl?
Ich weiß es nicht, vielleicht kannst du mir mehr dazu sagen."



Tioni: "Ich habe das Gefühl wir sind uns in vielen Punkten sehr ähnlich. Wie ist denn dein Verhältnis zu dir selbst?"


Emo: "Kurz und knapp gesagt: Fordernd. Ich fordere Leistung, Charakter und
Rechenschaft darüber.
Manchmal würde ich mir wünschen ich könnte von meinen eigenen Ansprüchen
absehen und großzügiger mir selbst gegenüber sein. Mich zufrieden geben, mit dem
was ich habe und versuchen damit ein ausgefülltes Leben anzustreben. Desweiteren
würde ich mir wünschen, dass ich mich selbst mit meinen Fehlern mehr akzeptiere
und mich wie eine "liebende Mutter" behandeln könnte, statt mich selbst dafür zu
entwerten, dass ich mein bestes versucht habe.

Selbst wenn es im Nachhinein nicht mehr danach aussieht, so ist doch eins klar:
Die Fehler, die ich begehe, begehe ich nicht vorsätzlich. Und wenn ich sie
vorsätzlich begehen würde, dann wäre ich bereit die Konsequenzen zu tragen. Also
handelt es sich um Fehler, die wider besseres Wissen passiert sind. Sich
deswegen Vorwürfe zu machen geht rational überlegt an der Realität vorbei.

Ich glaube auch ehrlich gesagt nicht daran, dass das Verhältnis sich änderen
würde, indem ich die Fehler nicht begehen würde. An ihre Stelle rücken andere
Fehler. Genau wie an die Stelle erfüllter Wünsche neue Wünsche rücken. Mein
sehnlichster Wunsch bisher war es, so eine Partnerin wie dich zu treffen, zu der
ich mich voll bekennen kann. Und auch wenn ich mich jetzt unermeßlich glücklich
fühle, höre ich nicht auf mit meinen Ansprüchen, oder anders formuliert ändert
sich mein Selbstverhältnis nicht oder die Art zu leben.
Das soll nicht heißen, dass du nicht einen großen Einfluss auf mich und mein
Leben hättest. Den hast du, bereits nach dieser kurzer Zeit. Damit will ich vielmehr
betonen, dass ich immer mehr feststelle, dass es wirklich um einen inneren Drang
geht, der sich sehr eigen in der äußeren Welt zeigt.
Wie genau kann ich dir nicht sagen... wie ich damit umgehen soll, weiß ich
selbst nicht. Ich weiß bisher nur, dass er da ist und dass er mich auf
Leistungsebene voran bringt.

Wenn ich es anstreben würden wollen, das Verhältnis zu mir selbst zu verbessern,
dann sollte ich mir ab und zu mal Ruhe gönnen. In mich hineinhorchen und einfach
alleine sein. Zudem sollte ich mich unangenehmen Gedanken stellen... und
vielleicht mit dem Menschen, der mir am nächsten steht, meiner Partnerin über
genau diese Dinge sprechen.

Vielleicht geht es dir ähnlich. Und wir können uns für genau solche Gespräche
einen bestimmten Rahmen überlegen?
Dann stehen uns sicher sensible und spannende Unterhaltungen bevor..."


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Zuletzt bearbeitet:
[Eine Woche Trainingslager für Emo und eine Woche körperliche Distanz...]

Tioni hatte Samstag abend vergessen die Pille zu nehmen. Emo erfuhr davon, nachdem sie Sonntag morgen zusammen geschlafen hatten. Im folgenden klammern wir die Frage aus, warum die beiden miteinander geschlafen haben und warum sie das ohne zusätzliche Verhütung getan hatten... warum? Weil die Antwort darauf eine rational argumentierende Person voraussichtlich in ernsthafte Bedrängnis bringen würde.

So saßen sie im Auto vor der Apotheke.
Emo: "Springst du schnell rein und holst die Pille für danach?"

Tioni: "Ich wusste, dass du das sagst... du bist genauso ein A****, wie alle anderen Männer!"

Emo: "Wie bitte?! Bin ich mit dir zur Apotheke gefahren oder nicht...??"

Tioni: "Alles was mit Verhütung zu tun hast, wälzt du auf mich ab!"

Emo: "Ich beteilige mich gerne an den Kosten der Pille, aber soweit ich weiß hat Schnubbel erzählt, dass er sie dir immer mitbringt, wenn er zu seinem Arzt geht..."

"Das macht er jetzt nicht mehr!" sagte Tioni, verließ das Auto in Richtung Apotheke und knallte die Tür zu.

Zwischen dem Sex und der "Pille danach" war schon einige Zeit vergangen, so dass es die nächsten Tage spannend bleiben sollte, ob bei Tioni ihre Periode einsetzen würde. Zu allem Überfluss hatte Emo geplant für eine Woche mit seinen Freunden ins Beach Volleyball Trainingslager in der Nähe von Rimini zu fahren.

Tioni versucht zuerst Emo dazu bewegen, sein Trainingslager abzusagen, dann überlegten beide, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, dass sie mitkäme... sie schien sehr große Angst davor zu haben, eine Woche ohne ihn zu verbringen. Emo war darüber auch nicht glücklich, aber vielleicht würde ihnen eine Woche abstand auch nicht schaden?

Montag 5 Uhr morgens ging es los, mit dem Minibus nach Italien! Emo küsste Tioni, die noch im Halbschlaf war... in zwei bis drei Stunden würde sie bei ihm zuhause aufwachen und er wäre wahrscheinlich schon nahe der schweizer Grenze.
Nach 10 Stunden erreichten sie ihr Hotel. Sie hatten Glück, die Zimmer waren hell, mit gläsernen Duschkabinen und für die 3-Sterne-Kategorie sehr schön. Und es gab eine Telefon...

Tioni meldete sich am nächsten Abend: "Ich hatte es mir schwierig vorgestellt, wenn du nicht da bist. Ich hatte Angst vor dem allein sein, dem Gefühl des Verlassenseins und den Gedanken, die sich vielleicht einschleichen könnten, dass es dir gut geht und du sieben Tage feierst, ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden."

Emo: "Ich bin hier um Sport zu machen. 8 Uhr aufstehen, 20 min Aktievierungslauf am Strand, danach frühstücken und den restlichen Tag verbringe ich mit Training. Und abends warte ich auf deinen Anruf!"

Tioni: "Ich bin froh, dass du für mich da bist. Meine Periode setzt noch aus. Heute früh habe ich mir einen Termin bei meiner Frauenärztin geholt. Keine Sorge, ich werde keine Entscheidung ohne dich treffen, aber ich möchte endlich Gewissheit haben und die Unwissenheit frisst mich auf."

Emo: "Was machen wir, wenn du Schwanger bist?"

Tioni: "Keine Ahnung, weiß es ehrlich gesagt nicht. Wir beide wollen kein Kind... "

Emo: "Hast du mit Schnubbel gesprochen? Was meint er dazu?"

Tioni: "Wir hatten Streit, er hat darüber gelacht...er hat gefragt, wie du in Urlaub fahren kannst und mich zuhause mit den Problemen im Stich lassen kannst. Ich habe ihm gesagt, dass das nicht so ist und dass ich damit einverstanden war, dass du fährst..."

Emo: "Mhm, ich hoffe es hilft dir, wenn ich am Telefon für dich da sein kann. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Schnubbel gegen mich polarisiert."

Tioni: "Nein, er macht sich nur Sorgen um mich. Er hat mitbekommen, wie ich nachts weine und dass du nicht da bist. Er hat mir zugehört und Hilfe angeboten. Er hat sogar gesagt, dass er mich selbst dann noch zurücknehmen würde und sich auch um das Kind kümmenr würde, wenn wir uns deswegen trennen würden!"

Emo: "Das geht mir grade alles ein bisschen schnell!"

Tioni: "Bitte nicht falsch verstehen! Schnubbel liebt mich, auch jetzt noch und es bedeutet ihm unendlich viel, dass es mir gut geht. Trotzdem brauchst du nie eifersüchtig auf ihn zu sein. Ich habe dich lieb."

Emo: "Habe dich auch lieb. Lass uns morgen wieder telefonieren."

Danach verabschiedeten sich die beiden. Sie telefonierten jeden Abend, oft wartete Emo auf Tionis Anruf, während seine Freund essen oder feiern gingen. So sparte er wenigstens etwas Geld und schließlich konnte er sich auch einige Kleinigkeit auf das Zimmer holen.
Tioni war am Samstag abend auf der Geburtstagsfeier ihres Prüfungsprofessors eingeladen, so telefonierten die beiden ein letztes mal am Freitag abend. Und es sollte ein sehr harmonisches Telefonat werden, nicht zuletzt, weil Tioni Emo bereits am Nachmittag die (positive) Nachricht verkündet hatte, dass ihre Blutungen inzwischen eingesetzt hatten.

Emo: "Schön deine Stimme durch das Telefon zu hören. Noch zweimal schlafen bis wir uns wieder berühren können. Ich sehne mich nach diesem Moment, genauso wie ich mich darauf freue. Sehnsucht ist ein wunderschönes Gefühl und es zerplatzt mit der Erfüllung... ist das nicht paradox? Und dennoch steigert jede Erfüllung die kommende Sehnsucht... beinahe fühle ich mich süchtig nach dir."

Tioni: "Ich wünsche mir so sehr, dass du bei mir bist. In der vergangenen Woche hatte ich manchmal das Gefühl, dass es vielleicht gut ist, wenn wir uns eine Woche nicht sehen. Inzwischen denke ich, dass es tatsächlich so ist. Wenn ich jetzt über Dinge nachdenke, über die wir uns gestritten haben, erscheinen mir die Auseinandersetzungen fast an den Haaren herbeigezogen. Da war soviel Spannung zwischen uns, soviele Missverständnisse. Es wird Zeit, dass wir uns wieder auf uns besinnen, auf die unglaublichen Gefühle und die wunderbaren Gemeinsamkeiten, die uns verbinden. Ich hoffe inständig, dass die Ereignisse der eltzten Wochen keine Überbleibsel in uns hinterlassen, die unsere Beziehung schwieriger gestalten könnten. Ich möchte dich wieder so nehmen wie du bist, ohne vorbehalte und ohne Angst vor Verletzungen oder Vertrauensbrüchen. Ich möchte dir wieder uneingeschränkt zeigen, wieviel du mir bedeutest und was ich für dich empfinde.
Und momentan möchte ich dich am liebsten auffressen vor lauter Gefühlen in mir. Ich habe dich so unendlich lieb, dass dieses verdammte "ich hab dich lieb" es schon lange nicht mehr richtig ausdrücken kann. Ich sehne mich so sehr nach dir, deiner Nähe, deinen Worten, den Gesprächen mit dir, deinem Lachen, deiner Art und Weise über Probleme zu reden, deinen Küssen, deinem nachdenklichen Blick, deinen wunderschönen Augen... Hilfe! Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl, dass etwas entscheidendes wichtiges fehlt, aus meinem Herzen bekommen soll!"

Zwei Tage später lagen sie sich wieder in den Armen. Solange bis Tioni Emo keuchend darauf aufmerksam macht, dass er gerade dabei war, sie zu erdrücken...

[...]
 
Zuletzt bearbeitet:
[...]

Inzwischen war viele passiert, auf Emos Schreibtisch hatte sich die Post von einer Woche angesammelt, zudem quoll sein Email Postfach über. Das lag nicht nur an den zahlreichen Mitgliedschaften in Mailverteilern, sondern auch an Tioni: Sie hatte ihm während jedem Tag seiner Abwesenheit eine mail geschrieben.
Emo machte sich aufgeregt und begeistern daran alles zu verschlingen, was sie geschrieben hatte. Dann entdeckte er eine andere mail. Sie war auch von Tioni, aber sie wurde ihm weitergeleitet... eigentlich war sie von Schnubbel: Er hatte an Tionis Mutter und ihren Lebensgefährten geschrieben.

Emo wurde noch aufgeregter. Er begann die Email zu überfliegen.
Schnubbel: "Eben noch haben wir telefoniert. Tioni hat mir gesagt, dass sie euch alles gesagt hat und dass ihr Bescheid wisst.
Es tut mir so leid wie alles gekommen ist und bitte glaubt mir ich habe es definitiv nicht so gewollt."
Ich habe Tioni von ganzem herzem geliebt, sie war die Liebe, sie ist die Liebe meines Herzens...ich hätte alles für sie getan und wollte immer das es ihr gut geht. ich wollte, dass dieses gefühl und dieser Zustand für immer anhält. Nun ja, leider kam Emo dazwischen und nun ist er der Mann an ihrer seite.
Wie es jetzt weitergeht kann ich euch nicht sagen. Seit februar beschäftigt mich dieses Problem nun schon und seit April ist es offiziell. Es tut mir leid, dass wir euch an Ostern eine show vorgespielt haben, ich schäme mich dafür. Aber bitte glaubt mir, ich habe wirklich gedacht es wäre zu eurem besten und Tioni und ich waren überzeugt, dass es so vielleicht für euch leichter ist."

Emo dachte: "Was ist eine Liebe wert, die nicht auf Gegenseitigkeit beruht, in der sich ein Partner dem anderen unterordnet? Was haben die beiden an Ostern vorgespielt? Das glückliche, reife Paar, das in der Öffentlichkeit keine Zärtlichkeiten austauscht? Oder haben sie sich geküsst, Händchen gehalten, um das Schauspiel realistischer zu gestalten? Und was soll das heißen: Tioni und ich waren überzeugt... sind die beiden zu einer Einheit verschmolzen?"

Emo las weiter.
Schnubbel: "Es tut mir leid! Sicherlich seid ihr jetzt enttäuscht und traurig, aber bitte seid nicht böse. Tioni hat nach ihrem Herzem gehandelt und ich hoffe es war die richtige Entscheidung.
Wie es jetzt mit uns weitergeht, weiß ich nicht. Die Situation ist nicht leicht für mich , auch nicht wie es dazu kam. Leider wurden durch die Umstände wie es rauskam...da habe ich mich auch nicht mit Ruhm bekleckert...erhebliche Schäden angerichtet. Ich spürte im Februar, das s etwas nicht stimmte und habe ihr e-mail Passwort geknackt...und dann habe ich die Wahrheit erfahren...es hat dann noch bis April gedauert bis offiziell die Wahrheit ans Licht kam und klar wurde...der Versuch einer Freundschaft mit Schnubbel und die Beziehung mit Emo sind die nächsten Ziele...."

Emo war überrascht: "Sogar jetzt spricht Schnubbel noch von eigenen Schuldgefühlen, dabei hätte er allen Grund sauer zu sein."

Schnubbel: "Meine träume sind erstmal zerstört, das Verhältnis zwischen uns ist in vielen punkten stark zerrüttet. Bitte ich möchte, dass ihr versteht, dass ich versuche ein normales Verhältnis mit ihr aufzubauen, aber der Schmerz, wie es geschehen ist, welche Vorstellungen, Hoffnungen und vielleicht auch Träume so schlagartig beendet wurden lassen es nicht immer zu, dass ich rational reagiere. Ich bin leider sehr oft zu Tioni sehr ungerecht und derzeit böse aber manchmal kann ich nicht anders. Ich bin so verletzt und wütend. Bitte sie wird euch nie davon erzählen, aber gebt ihr Kraft und bitte akzeptiert ihre Entscheidung."

Emo: "Wie selbstlos! Meint er das jetzt ernst oder ist es ein Versuch sich einzuschleimen??"

Schnubbel: "Es ist nicht einfach für mich zu sagen: Beziehung vorbei! Aber ich habe ja noch die Freundschaft, die Gefühllage war und ist leider noch immer anders.
Wie geht es jetzt weiter? ich weiß es nicht, Tioni wünscht sich eine WG. Ich wünsche mir das in manchen momenten auch und in anderen ist es einfach die gefühlte Hölle für mich mit ihr so nah zu sein und zu wissen doch nicht mehr das zu sein, was ich mir so gewünscht habe."

Emo dachte: "Mein Gott, wie kann ein Mensch das aushalten? Wieviel Schmerzen muss es ihm bereiten, mit ihr zu wohnen. Und vorallem: Was heißt das für unsere Beziehung? Wird er für sie dasein? Sollte er darauf bestehen, dass die beiden auseinanderziehen? Wäre es fair, wenn er einige Monate später sein Auslandssemester antreten würde?"
All diese Fragen mussten geklärt werden. Im Moment fühlte sich Emo gespalten zwischen Mitgefühl mit der Gefühlslage von Schnubbel und Angst um seine Beziehung. Er hatte keine Angst vor Schnubbel als Konkurrent, aber er hatte Angst vor Schnubbel als Spielverderber. Emo hatte Angst vor Intrigen, von Unehrlichkeit und vor einer erneuten 3er-Situation.

Schnubbel: "Ich habe jetzt folgende Bitten an euch:
- Bitte sagt Tioni nichts von dieser Mail
- Bitte akzeptiert ihre Entscheidung, sie braucht euch. Es ist in ihrem Freundeskreis nicht gut angekommen und einige reagieren nicht mit großem Verständnis darauf und wie alles kam.
- Bitte akzeptiert auch Emo, selbst wenn er erst so alt ist wie Tionis kleiner Bruder. so ist er doch schon in vielen Bereichen sehr vernünftig."

Emo musste grinsen, soviel Komplimente von einem anderen Mann bekam er selten.
Und ok, Schnubbel wollte verhindern, dass Tionis Mutter, sie über die Mail informierte. Aber Tioni hatte ihm die Mail weitergeleitet. Also wußte es Tioni wohl - seltsam. Emo hasste solche Versteckspiele! In ihm brodelte es. Er wollte Schnubbel sein Mitgefühl ausdrücken und Tioni von seiner Angst berichten.
Emo wählte genau diese Reihenfolge, er schrieb erst Schnubbel und dann Tioni. Im Nachhinein vielleicht ein taktischer Fehler oder ein Akt des Protestest; ein Protest gegen Taktieren in Beziehungen.

Emo schrieb: "Hallo Schnubbel, Tioni hat mir vorhin die Mail, die du an ihre Eltern geschrieben hast, weitergeleitet. Wenn ich lese, wie es dir geht, dann fühle ich mich sehr betroffen. Zugegeben, wir sind zwei sehr unterschiedliche Menschen und ich weiß nicht, ob ich in der
Lage gewesen wäre soviel runterzuschlucken, wie du es in der Vergangenheit und auch in der Zeit, in der ich da war, praktiziert hast.

Ich wüsste gerne wieso... wieso du das alles machst für Tioni... irgendwas sagt mir, dass ihr euch sehr nahe seid, dass ihr sehr viel gemeinsam habt. Ich merke, wie du viel davon fühlst ,was in ihr vorgeht.

Wie auch immer, ich danke dir, dass du dich mir gegenüber so fair verhälst. Auch dafür, dass du deinen guten Kontakt zu Tionis Eltern nicht negativ
ausnützt.
Ich weiß nicht, ob es wirklich viel gibt, was ich tun kann, um deine Situation
zu erleichtern (wenn es etwas gibt, zöger bitte nicht, mich darauf
anzusprechen). Ansonsten möchte ich dir gerne eine Geschichte schicken. Sie hat mir sehr geholfen, auch was die Aufrichtigkeit und Qualität meiner Gefühle anbetrifft...
ich weiß nicht, ob sie für dich genauso hilfreich ist. Ich hoffe es."

Das Echo kam prompt. Aber kein Wort des Dankes von Schnubble, sondern Vorwürfe von Tioni darüber, dass er sie bei Schnubbel verraten hätte.

Sie leitete ihm Schnubbels mail weiter:
"Ich hatte dir die Mail an deine eltern weitergeleitet, damit DU informiert bist, nicht damit du sie weiterleitest.
Du weiß genau wie schwer es mir fällt über Gefühle zu reden oder zu schreiben und du gibst sie Emo!
Danke dafür! Du hast mich enttäuscht! sehr!.
Du möchtest eine freundschaft? Was soll das hier für eine sein?"

Das fragte sich Emo auch. Hatten sie nicht vor einigen Wochen Offenheit vereinbart? Hatte Schnubbel nicht in seiner Mail darum gebeten, sie nicht an Tioni weiterzuleiten und jetzt schickte er sie ihr, damit sie informiert war? War sie deshalb so unterwürfig und selbstkritisch formuliert gewesen: "akzeptiert Emo... gebt Tioni Kraft... sie hat sehr viele Freund verloren..." Nicht von dem konnte man als unwahr identifzieren, aber es klang fahl unter dem Aspekt, dass Schnubbel selbst ihr diese Mail weitergeleitet hatte. Wenn es hier um Offenheit ging, warum war er denn ausgeschlossen? Dieses Gefühl frass an ihm herum, verdrängte die positiven Gefühle. Es wurde Zeit etwas zu unternehmen.
Emo setzte sich ins Auto und fuhr an den Rhein. Dort angekommen suchte er sich ein lauschiges Plätzchen und begann einen Brief an Tioni zu formulieren.

[...]
 
Liebe Tioni

es tut mir leid, wenn ich, wie vorhin, einfach auf mails antworte, die dir Schnubbel weitergeleitet hat. Ich möchte damit nicht unser Vertrauensverhältnis belasten.
Gleichzeitig bin ich immer öfter hin und her gerissen. Ich mag Schnubbel, und auch die Art, wie er mit der Situation umgeht. Deshalb möchte ich ihm so oft, wie es nur irgend möglich mit Offenheit begegnen.

Ich möchte ihm damit nicht wehtun, weder damit, dass ich ihm zeige wie eng unser Verhältnis ist, dass zwischen uns keine Heimlichkeiten bestehen, noch damit, dass ich ihm vielleicht Dinge mitteile, die ihn verletzen könnten.
Wäre er mir egal, so würde ich mir nicht mal die Mühe einer Mail machen. Ich würde keine Gedanken verschwenden... aber er ist es nicht. Ich schätze ihn. Und das nicht dafür, wie er Intrigen spinnt oder wie er dich anschreit oder auch nur im geringsten dafür, was er für dich aufgegeben hat, was er für dich getan hat.
Sondern dafür, wie er mit sich kämpft in einer Situation wie dieser. Die ihm
wohl mehr als aussichtslos erscheinen muss, die eine große Zeitspanne seines bisherigen Lebens in Frage stellt.

Ich weiß nicht, ob wir dieselben Wertevorstellungen haben was Ehrlichkeit und Diplomatie betrifft. Diplomatie will ich all das nennen, was es heißt, dem
anderen Wahrheit vorzuenthalten, um Verletzungen zu vermeiden.

Vielleicht haben wir auch ähnliche Vorstellungen, nur ist es leider nicht immer möglich die Vorstellungen umzusetzen. Ich stelle mir immer wieder die Frage, wie würde ich handeln, wenn ich in deiner Situation wäre? Und ich kann sie nicht beantworten... . Vielleicht kannst du es mir irgendwann sagen.

Du bist kein Engel. Wer das sagt lügt... und trotzdem gibt es nichts böses an dir. Und deshalb nenne ich dich Engel.
Warum hast du Freunde, die weinen, wenn sie Knutschflecke an dir bemerken?
Weil sie dich so sehen, wie du dich ihnen zeigst. Für sie bist du unannahbar. Für sie bist du nett, begerehnswert und es ist eine große Ehre für sie, Zeit mit dir zu verbringen. Was du sonst noch bist, sehen sie nicht... - und irgendjemand hat diesem Engel Knutschflecke verpasst. Und mit ihm gepoppt. Ganz weltlich... ganz vulgär... wenn es doch nur keinen Mann gäbe, der bei dir eine Chance hat...

Aber was ist mit dem Rest deiner Persönlichkeit. Wer hat die zu Gesicht
bekommen? Schnubbel? Sicher er hat dich in vielen schwierigen Situationen erlebt, aber erfasst er wirklich wie du denkst? Warum steckt er so oft ein? Was sieht er in dir? In was hat er sich verliebt, was hast du ihm gezeigt von dir?

Ich bin kein Engel, ich bin auch nicht besonders intelligent (auch wenn ich mich manchmal so darstellen will). Aber manchmal glaube ich, dass ich ein Gefühl für gewisse resultierende Tendenzen anderer Personen habe... ok vergiss den Satz.
Wir sind beide keine Engel und unser Leben besteht mehr aus Kampf, als wir uns beide eingestehen wollen. Auch wenn es darin viele nette Gesten, Freuden und schöne Momente gibt, nichts davon ist ein Geschenk.

Wenn du mich fragen würdest, warum das so ist, so könnte ich wahrscheinlich eine Antwort für dich finden, bei mir allerdings blieben 3 Fragezeichen stehen.
Wen hast du für dich? Was hast du?
Das was du für dich gewonnen hast, das was du aufgebaut hast (was nicht wenig ist). Ich bin stolz auf dich, unheimlich stolz, dass du soviel geschafft
hast... aber hättest du es auch ohne "Not" geschafft? Wenn deine Persönlichkeit früh Akzeptanz gefunden hätte? Wenn du unterstützung deiner Eltern bekommen hättest? Elternliebe?

Wenn jemand unter Spannung steht, dass kann aus ihm ganz schnell eine
Leistungsmaschine werden... du hast diese Spannung und Intelligenz oder damit steht dir in unserer Leistungsgesellschaft ziemlich viel offen. Ich
empfinde eigenartiger Weise ähnliches. Ich kann mich puschen. Uni, Arbeit,
Sport, Freunde und das Wort "Faulenzen" existiert nicht mehr. So wie im übrigen auch das Wort "Reflexion".
Aber warum nicht verharren, nachdenken, zu sich finden? Haben wir Angst davor? Stoppen = Rückschritt?
Ich glaube wir sind uns in der Hinsicht sehr ähnlich, auch wenn ich noch nicht verstehe, worin unsere gemeinsame Geschichte liegt. Warum sich das bei mir und bei dir zu entwickelt hat. Und ich vermute, es würde ein Zeichen von Reife darstellen und uns helfen, wenn wir den Schwung in unserem Leben drosseln...
wenn wir es schaffen würden einen Tag garnichts zu tun. Nachzudenken, ruhig zu sein, zu uns zu finden... uns so zu akzeptieren. Zu aktzeptieren, dass wir einen Tag VERSCHENKEN, verschenken an UNS.

Es ist nicht mehr nötig zu kämpfen. Wir haben bewiesen, dass wir jederzeit den Kampf mit einem würdigen Gegner aufnehmen können. Und wir habe bereits eine große Schlacht gewonnen.
Die Schlacht nämlich eine wichtige Person für uns zu gewinnen. Uns einen
ständigen Platz an ihrer Seite zu schaffen und das kann uns niemand mehr
streitig machen (außer wir selbst).

Wie sehr ich dich lieb habe passt in keine mail...
 
...wenn dein großer Wunsch ist, zur Ruhe zu kommen, dann kannst du das auch leben.
Was meinst du mit "resultierende Tendenzen anderer Personen "...denk den Satz mal zuende.
Manchmal ist es besser auf die eigenen Grenzen zu achten.
"Aber warum nicht verharren, nachdenken, zu sich finden? Haben wir Angst davor? Stoppen = Rückschritt?"
Nach den ganzen Gedanken und Erlebnissen wird es kein Rückschritt sein...du bist schon ein anderer Mensch.
Pass auf dich auf. Überlege genau was dir guttut und wie weit du gehst-und ob du dich von dir selber entfernst.
 
Hallo Eudaimonia,

hab grad eben all deine Beiträge auf einmal durchgelesen.

Ganz schön anstrengend, puuhhh 🙂

Aber ebenso faszinierend. Bitte schreib weiter, ich kann mich so sehr in dich hineinversetzen, obwohl ich eine so verworrene, scheinbar ausweglose Situation noch nie erleben musste. Aber die Sucht nach dem Anderen, mit allen positiven und negativen Konsequenzen - die kenne ich 🙄

Wie sieht es eigentlich mit dem Titel deines Threads aus?

<<Ich habe noch nie "ich liebe dich" gesagt>>

Warum hat Emo es zu Tioni eigentlich nie gesagt? Hast er es nicht empfunden und hat einfach nur das nötige stabile Gerüst gefehlt, um die letzte Gefühlsmauer fallen zu lassen? Aus den Nachrichten an sie lese ich jedenfalls mehr als "hab dich lieb"...

Beschäftige mich schon seit Wochen damit, wann es soweit ist, sich einer Beziehung mit letzer Konsequenz zu stellen, indem man diesen einen Satz ausspricht.
"Ich liebe dich" sagen viele Menschen ja bereits nach kurzer Zeit. Vielleicht haben sie es nie wirklich empfunden? Oder sollte man weniger zurückhaltend diesbezüglich sein?

Gute Nacht...
 
[...]

Die kommenden Wochen waren geprägt von universitärem Stress in Form von näher rückenden Prüfungsterminen. Zudem von zahlreichen Diskussionen über die Wichtigkeit von Beruf, Beziehung und Freundschaften. Alles verschärfte sich zusätzlich durch den, in den Gedanken immer präsenter werdenden, Termin des Beginns des Auslandssemesters und der damit verbundenen Trennung.
Tioni war inzwischen vorsichtig optimistisch: "Wir schaffen das schon und ich komme dich zweimal Besuchen. Die Zeit zwischen den Besuchen überbrücken wir mit Telefonaten und Emails." So versuchte sie sich selbst und Emo zu beruhigen.
Emo hingegen war froh, dass sie ihm keine Vorwürfe mehr machte; von dem so plötzlich aufkeimenden Optimismus war er etwas überrascht. Er wollte sich keine Sorgen machen, aber wenn er sich Sorgen machte, schien es, als ob er es ausschließlich war, der sich Sorgen machte.

Teilweise hatte er sogar das Gefühl, dass die Sorgen von Tioni induziert waren.
Tioni hatte schon seit längerem einen Urlaub an der Ostsee mit ihrer besten Freundin geplant. Emo wäre auch gerne nochmal mit ihr in Urlaub gefahren. Emo begann zu quengeln... aber er merkte bald, dass er mit seinem Wunsch mit Tioni wegzufahren, dabei war, offene Türen einzurennen. Schlussendlich fanden sie einen Kompromiss. Tioni verlängerte ihren Urlaub und so fuhren die beiden fünf Tage zusammen in Urlaub und anschließend kam ihre beste Freundin hinzu.
Was für eine wunderbare Gelegenheit für Emo sie kennenzulernen. Es wurde ein schöner letzter Tag für ihn. Sie erkundeten den Strand, erfrischten sich mit einem Blitzbad in der eisigen Ostsee und spielten am Abend gemütlich Schache; nicht zu vergessen die Nacht: Ein Doppelbett und Emo durfte in der Mitte schlafen! Glücklich wie ein König schlief er ein...

Nun war nicht alles so rosig während dieses Kurzurlaubs: Tioni berichtete ihm von neuen Entwicklungen in ihrem Unternehmen:
"Hier in der Bank verändert sich einiges gar sehr. Muss mal in Ruhe mit dir sprechen. Werde mich in den nächsten Wochen auf eine neue Stelle bewerben können. Zumindest erwartet man, dass ich mich darauf bewerbe. Die stelle ist im Stab. Da hätte ich die Chance richtig etwas zu bewegen. Aber schwierig in der Zeit, in der meine Abschlussarbeit ansteht. Andererseits wäre ich abgelenkt und könnte mich richtig in meiner Arbeit vergraben, wenn ich dich vermisse!"

Emo: "Freut mich für dich, dass du die Chance bekommst befördert zu werden. Hast du denn schon die Pro's und Contra's gegeneinander abgewogen?"

Tioni: "Ich würde eine anspruchsvollere Tätigkeit bekommen, die mich mehr fordern würde, ich würde mehr Gehalt (für uns beide) bekommen. Schnubbel hat mir dazu geraten, er meinte, wenn ich als Frau in jungen Jahren nicht schaue, dass ich nach oben komme, werde ich keine Gelegenheit bekommen. Außerdem erwartet mein Chef von mir eine Bewerbung!"

Emo: "Eigentlich hatte ich nach Pro's und Contra's gefragt!"

Tioni: "Nun es könnte sein, dass ich vielleicht nur einmal und nicht solange in die USA fliegen könnte. Es könnte zu großem Stress mit meiner Abschlussarbeit führen. Und es könnte passieren, dass ich viele Überstunden wegen Projektarbeit ableisten muss. Wozu würdest du mir raten?"

Emo hatte das Gefühl, dass die Antwort auf diese Frage für Tioni sehr wichtig sein könnte. Die Art, wie sie ihm die Situation schilderte, zeigte ihm, dass ihr ihre berufliche Zukunft sehr nahe ging. Für sie schienen die damit verbundenen Chancen zu überwiegen.
Im lag die Antwort schon auf der Zunge: "Mach was du für dich selbst am besten hälst, ich werde hinter dir stehen".
Aber moment mal: War das seine ehrliche Einstellung? Und hatte sie ihn nicht um Rat gebeten? Oder hatte sie vielleicht nur aus Höflichkeit um Rat gebeten, aber insgeheim auf seine bedingungslose Unterstützung gehofft?

Er besann sich auf die Beantwortung von zwei Fragen:
(1) Was löste die Art, wie Tioni ihm die Aussicht auf eine Beförderung nahe gebraucht hat, bei ihm aus. Wie bewertete er die Konsequenzen für sich?

(2) Was würde er sich für Tioni wünschen?

An diesem Abend bekam Tioni keine ausführliche Antwort mehr von Emo. Emo verschloss sich und bemühte sich ein neutrales Gesicht auszusetzen. Es gelang ihm nicht ganz seine Angst und Enttäuschung zu verbergen. Auch Tioni schien wenig begeistert und so schlitterten die beiden haarscharf an einem Streit vorbei.
Emo begann erst nach und nach bewusst zu werden, dass es sich bei seine Stellungnahme um einen Drahtseilakt handeln würde. Würde sie ihn für egoistisch halten, wenn er sich kritisch äußern würde? Inwieweit wäre es angemessen seine eigenen Bedürfnisse in seine Stellungnahme einfließen zu lassen? Und zu guter letzt: Wie müsste er sein Statement formulieren, dass es Tioni aufnehmen könnte? Er wollte sich nicht darauf zurückziehen, zu sagen: "das ist meine ehrliche Meinung, wenn du soviel Ehrlichkeit nicht verträgst, Pech gehabt!". Er wollte den Dialog aufrecht erhalten, und ihr nicht eine schmerzhaft seine Ansicht vor den Kopf knallen.
Aber was war seine Ansicht?

zu (1): Tionis Art von ihrer Beförderung zu sprechen, löste bei ihm Beklemmung aus. Einerseits fand er ihre Art zu formulieren - "man erwartet von mir, dass ich mich bewerbe" - sehr passiv. Was sollte er darauf entgegnen? Er kannt nicht die Umstände bei ihr auf der Arbeit, somit gab es nichtmal einen Ansatzpunkt mit ihr darüber zu diskutieren, ob und inwieweit es von ihr erwartet wurde. Vielleicht könnte er sie fragen, aber sie könnte ihm die Antwort nach belieben geben. Es war wie ein Totschlag Argument. Die Alternative wäre gewesen, zu sagen: "Ich möchte mich bewerben", darüber hätte sich einfacher diskutieren lassen.
Aber wollte er mit ihr diskutieren? Wollte er ihr von ihrer Beförderung abraten? Womöglich überwog momentan die Enttäuschung, dass sie ihn nicht solange besuchen käme, die Angst, dass die Beziehung darunter leiden könnte und weniger die Chance, dass Tioni und die Partnerschaft davon profitieren könnten. Um es auf den Punkt zu bringen: Emo wünschte sich (für sich), dass Tioni möglichst viele neue Erfahrungen in den Staaten mit ihm teilen können würde. Für ihn hatte die Beziehung mit all den möglichen gemeinsamen Erlebnissen Vorrang.

zu (2): So hilfreich es ist, seine eigene Position ausgemacht zu haben, so hilfreich kann es sein, seine eigene Position für kurze Zeit zu verlassen um sich in die Schuhe anderer zu versetzen.
Beruf und Alltag waren ein wichtiger Halt für Tioni. Selbst wenn sie niemand mehr hatte, gab es immer noch die Arbeit, die sie jeden Tag auf's neue aufstehen ließ. Arbeit war für sie mehr als Geldverdienen. Ihre Tätigkeit vermittelte ihr Stabilität, Selbstvertrauen und Freude.
Gleichzeitig neigte sie dazu, sich selbst Raum zu nehmen: Arbeit, Studium, Nebenjob an der Uni, Beziehung, Sport... da blieb kaum Zeit zum Reflektieren. Ihre Abschlussarbeit stand für den Zeitraum nach der Beförderung an und die Beziehung, die sie führen wollte, war nicht die Art von Beziehung, die sich auf das Wochenende beschränken ließ.
Auf den ersten Blick, schien es Emo naheliegend, Tioni in ihren Bestrebungen zu unterstützen, auf den zweiten Blick, fragte er sich, ob es nicht besser wäre, sie in ihren Ambitionen zu bremsen.
Ihre Leistungen waren bewundernswert, gleichzeitig bezahlte sie - in ihrem Inneren - einen schrecklichen Preis dafür.

Nachdem Tioni von der Ostsee zurückgekehrt war, sprach Emo das Thema direkt an:
"Was hätte ich damals anderes tun können, als dir zu sagen, dass ich hinter
deiner Entscheidung stehen werde, dass es nicht leicht für mich ist, über dieses Thema zu sprechen, dass ich in Ruhe darüber nachdenken möchte und dass es mir um das Beste für dich geht?
Was hätte ich anderes tun können, als dir all meine Gedanken vorwurfsfrei und aus meiner Sicht druckfrei offenzulegen und dir zu sagen, dass ich deine Argumente akzeptiere.
Wie soll ich mit meiner Enttäuschung umgehen? Sie überspielen? - Habe ich
versucht. Dir zu sagen, dass ich enttäuscht bin und das es nichts mit dir zu tun hat - habe ich getan.
Sie abstellen? Rational sagen, dass ich keinen Grund habe
enttäuscht zu sein? Das erste ist leider nicht möglich und das zweite nicht
wahr.

Warum bin ich enttäuscht?
Nicht nur, weil ich mir gewünscht hätte, zwei Monate zusammen mit dir in San Diego zu verbringen. Vielmehr noch, weil ich es mir für dich gewünscht habe. Ich gebe zu, es ist vermessen Thesen aufzustellen, was man selbst für das Beste für andere Personen hält. Du kannst das sicherlich komplett anders sehen, aber ich habe den Eindruck, dass du die letzten Wochen unter enormen Druck stehst.
Wer oder was existiert für dich? Besitzt für dich nur die Leistung und dein Partner einen Stellenwert?
Und wenn ich innerlich wegfalle, dann zählt nur noch die Leistung?

Du hast bisher immer Partner gehabt, die dir gegenüber sehr tolerant waren. Dich dich unterstützt haben, dir arbeit abgenommen haben, wie eine großzügige Mutter für dich waren. Die vielleicht mehr von deinen Stimmungen geschluckt haben, als ein mit normalem Fell ausgestatteter Mensch. Die dir keine Kritik entgegen gebracht haben: Entweder weil sie, sie aus Liebe heruntergeschluckt haben oder weil sie dir verbal und intellektuell nicht gewachsen waren.
Was hast du ihnen entgegengebracht? Kleine Aufmerksamkeiten? Dein ansonsten bezauberndes Verhalten?

Was auch immer es war, ich werde das nicht leisten können. Dazu bin ich weder in der Lage, noch bin ich wirklich der Überzeugung, dir mit so einem Verhalten helfen zu können.
Ich werde dir weder die ganze Hausarbeit abnehmen, noch alles was mir auf der Seele brennt herunterschlucken.
Ich möchte eine Beziehung auf einer Ebene führen. Wenn du aus irgendeinem Grund der Meinung bist, dass du mehr Unterstützung verdient hast oder dass dir nicht ausreicht was ich mitbringe, dann möchte ich, dass du mir das schnellst möglichst sagst!"

Tioni: "Was die Hausarbeit und den Alltag betrifft, so bin ich mir ist bewußt geworden, wie abhängig ich mich von Schnubbel zum Teil gemacht
habe, und wie unselbständig ich geworden bin. Deshalb habe ich auch manchmal so wahnsinnige Angst, dass ich es jetzt - allein - nicht mehr hinbekomme. Ich habe in dieser Beziehung mit Schnubbel so viele Ansprüche entwickelt, die du unmöglich alle erfüllen kannst. Ich hoffe ich mache dir damit keine Angst oder erdrücke dich!
Wir müssen einen gemeinsamen Weg finden unsere Bezeihung zu gestalten und wir müssen sie so gestalten, dass sie uns beiden gut tut!
Ich habe dich wahnsinnig lieb und diese gefühl wird jeden tag größer, auch
wenn es immer mal wieder Rückschläge gibt.
Das einzig Wichtige für mich ist, das Gefühl zu haben, dass du mich
wirklich lieb hast und dass du für mich da bist. Alles andere ist
nebensächlich für mich, egal ob Freunde oder Familie, auch wenn das
vielleicht nicht so sein sollte. Du bist unheimlich wichtig für mich
geworden. Jede Sekunde mit dir ist wundervoll und es gibt noch tausend dinge, die ich gern mit dir machen mag. Bitte stell unsere Beziehung niemals in Frage!
Was meine Beförderung betrifft, so habe ich beschlossen mich darauf zu bewerben, aber nur, wenn ich dich mindestens für einige Wochen besuchen kommen darf. Wäre das in Ordnung für dich?"

Emo: "Wenn du unter Berücksichtigung aller Einwände, die ich ins Spiel gebracht habe, diese Entscheidung für die beste für dich hälst, unterstütze ich dich gerne dabei.
Die Verunsicherung, die ich heute in mir spüre, hat mehr mit uns zu tun, als mit den mich umgebenden Problemen. Alles was ich mir gewünscht habe, ist mich dir anvertrauen zu können. Ich wünsche mir so sehr eine Person zu haben, zu der ich gehen kann, auch wenn ich mich meiner Probleme
schäme oder noch nicht einmal weiß, was mich belastet.

Der Wunsch das zu tun, ist es nicht, der es einem so schwer macht das zu tun, - eher die Angst vor Enttäuschung. Vielleicht war es ein Fehler von mir, nicht gleich meine Probleme vor dir auszukippen. Vielleicht hätte ich dieses Gespräch, das mir übrigens sehr geholfen hat, schon früher suchen sollen.
Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht braucht auch ein solches Gespräch einen gewissen Rahmen, eine Gewisse Stimmung, ein gegenseitiges spürbares Vertrauen in der Luft. Womöglich hatte ich weniger Vertrauen, als viel mehr Angst, dass du meine Probleme abtuen würdest, das alles nicht ernst nimmst oder mir Lösungen präsentierst, bei denen ich mir vorkomme wie ein kleiner Junge, der über noch nichts nachgedacht hat...
Jetzt bin ich sehr erleichtert, dass du mir zugehört hast und dass du so aufnehmend mit meinen Einwänden verfahren bist, - danke."


[...]
 

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