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Ich habe mein Leben versaut

  • Starter*in Starter*in zerstörtekinderseele
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zerstörtekinderseele

Gast
Ich bin Mitte 27 und mein Leben ist ein ziemlicher Scherbenhaufen.
Ich bin allein mit meiner Mutter aufgewachsen. Mein Vater hat sich nie um mich gekümmert.
Meine Mutter hat versucht mir vieles zu bieten, vermittelte mir aber oft das Gefühl, dass aus mir nichts wird und ich genau wie mein Vater bin.
Ich wurde sehr oft durch Verwandte betreut, weil meine Mutter arbeiten war (irgendjemand musste ja das Geld verdienen)
Als eine der Verwandten starb, musste meine Mutter als ich 12 war erstmals ihre Mutterrolle einnehmen, der sie nicht gerecht wurde.
Sie stürzte sich in die Arbeit. Ich blieb auf der Strecke. Auch wenn sie das bis heute abstreitet.
Ich wurde zeitgleich sehr stark in der Schule gemobbt, wovon ich mich nie erholt habe.
Die Unterstützung von meiner Mutter blieb aus. Sie vertrat stets die These: Ich müsste eben selbst auch mal etwas ändern.
Ich zog mich dann sehr zurück, begann mich mit 14 zu schneiden.
Sie bekam das über Jahre nicht mit, bis meine schulischen Leistungen so sehr absackten, dass meine Versetzung in die nächste Klasse des Gymnnasiums gefährdet war.
Ich würde sagen, zu dieser Zeit wurde der Grundstein für meine Depressionen gelegt und wenn ich heute an die Zeit zurück denke, fühle ich eine tiefe Einsamkeit.
Ich war eines der Kinder, das man nie sah oder schnell mal übersehen hat.
Später wechselte ich auf die Realschule, machte auch Abitur. Dennoch zogen sich meine Probleme mit Gleichaltrigen durch meine gesamte restliche Schullaufbahn.
Irgendjemand kannte immer jemanden, der wusste, dass ich das typische Opfer war und so ging in der Oberstufe wieder das Mobbing los.
Das hat Narben hinterlassen. Ich bin bis heute extrem gehemmt, was Gleichaltrige anbelangt und vertraue: So blöd es klingt nur noch Tieren oder älteren Menschen jeneseits der 30.

Im letzten Jahr vor dem Abitur bekam ich dann erstmals richtige Panikattacken. Ich bekam nichts mehr auf die Reihe. Wie ich ein 2er Abi geschafft habe, ist mir bis heute ein Rätsel.
Nach dem Abitur brach erst einmal alles ein. Ich hatte kein Ziel mehr und konnte nicht mehr das Haus verlassen. Angst war mein ständiger Begleiter.
Nach einem Jahr rappelte ich mich dann auf und begann meiner Mutter zu liebe das Studium.
Die Zeit zu Hause hatte mir auch sehr gut getan und ich hatte neue Kraft geschöpft.
Sie drängte mich darauf endlich etwas zu beginnen und auch abzuschließen.
Rückblickend war das wohl mein größter Lebensfehler, denn ich wählte ein soziales Studienfach.
Ich studierte eher nach dem Motto: Das ist jetzt nur für den Übergang bis du dich erholt hast und danach machst du was richtiges.
Tja, leider wurden aus dem Studium durch finanzielle Probleme schnell mal 6 Jahre.
Erst zu spät erkannte ich, dass diese Richtung überhaupt nichts für mich ist. Da war es aber schon zu spät und alle Messen gesunken und ich hatte den Bachelorabschluss bereits in der Tasche.

Befristete Arbeitsverträge, mieses Gehalt, schlechte Bedingungen, schon wieder Mobbing, meist nur Teilzeitstellen.
Eigentlich wollte ich immer Lehrer werden und erkundigte mich hoffnungsvoll bei der Studienberatung und den entsprechenden Stellen.
Neben der Tatsache, dass ich bis heute schockiert über die fragwürdigen Kompetenzen derjenigen bin, die eigentlich kompetent beraten sollten wurde schnell klar, dass ich mir mit dem Abschluss des 1. Studienganges ein Eigentor geschossen hatte.
Bafög für ein Zweitstudium bekomme ich nicht, Unterhalt erst recht nicht. Arbeiten neben dem Studium geht nur auf 450 Euro Basis und das reicht dann vorne und hinten nicht, um ein Zweitstudium zu finanzieren. Nicht davon zu erwähnen, dass die Plätze fürs Zweitstudium extrem rar sind.
Aus der Traum vom Lehrerjob. Leben versaut.

Ich bin jetzt seit 6 Monaten arbeitslos und merke wie mir immer mehr die Kräfte ausgehen. Wenn ich die Stellenanzeigen lese, wird es mir richtig schlecht. Ich hasse mich dafür dieses Fach gewählt zu haben. Mein Selbsthass wächst mit jedem Tag. Wie konnte ich so dämlich sein, blind in dieses Studium zu stürzen?
Ich habe das Gefühl, dass ich auf der Stelle trete und aus dieser Zwickmühle nie mehr raus komme.
Ich wache merhfach nachts auf und grübele und kann nicht mehr durchschlafen. Kein Vergleich zu früher. Da konnte ich schlafen wie ein Baby.
Alles ist so dunkel in mir.


 
Hallo,

wie das mit den Chancen im Berufsleben aussieht - darüber macht man sich eigentlich vorher so seine Gedanken.
Ich hatte auch eine sch,.-- Kindheit aber alles auf die Mutter schieben bringt nichts.
Sorry - du bist erwachsen.

Ob es sinn macht eine Lehre zu machen? Es ist dein Leben. Du solltest die Entscheidungen für dein Leben treffen.
 
Da hast du einiges missverstanden. Ich habe nichts auf meine Mutter geschoben.
Es war allein meine Entscheidung. Ich habe das getrennt voneinander betrachtet.

Vorhaltungen bringen mir auch nichts.
Für eine Lehre ist es längst zu spät.
 
Huhu,

In vielen Bundesländern kann man an Berufsschulen Lehrer als Quereinsteiger werden. In deinem Fall würde ich dann entsprechend an Schulen mit dem Schwerpunkt "Sozialwesen" gucken.

Lg
 
Du hast nicht gelesen.
Der hat sein Studium abgebrochen.
Ich habe meins beendet und bin damit leider überqualifiziert.
 
ja, die Sache mit der Finanzierung ist ein Problem. Ich würde auch so gerne nochmal Vollzeit studieren, kann es mir aber nicht leisten. Wie soll das gehen? 20Stunden arbeiten, davon Miete, Krankenversicherung (bin 30, heißt 170€) Verpflegung, Semesterticket zahlen. Geht doch nicht. Zumal man auch erstmal einen Job 20/Std. über Mindestlohn finden müsste.

Wo wohnst du denn? In Berlin gäbe es bspw. die Möglichkeit diverser BWL-Fernstudiengänge oder eines Teilzeitstudiums an der HTW bei Berufstätigkeit. Lehramt wird leider nicht angeboten. Ich hatte zwischendurch selbst überlegt, in Lehramt zu wechseln (habe Jura 14 Semester studiert, alle Scheine, aber nur einen teil abgeschlossen), in Jena bspw. könnte man sich viel anerkennen lassen und es gäbe das Fach Recht...

Naja, vielleicht käme Leipzig oder Dresden als Studienort für dich in Betracht? Dort sind die Mieten derart niedrig, dass man vielleicht irgendwie überleben könnte. Die NCs sind dort aber leider recht hoch....

Achja, Zweitstudium müsste begründet werden. Welche Fächer würdest du denn Wählen und welche Schulform? evtl. gäbe es die Kombi irgendwo zulassungsfrei, dann könntest du dich einfach immatrikulieren
 
Bewirb Dich bei der Öffentlichen Verwaltung (d.h. werde Beamter) als Quereinsteiger bei der Zollverwaltung oder beim Finanzamt. Du solltest durchaus Chancen haben da reinzukommen. Ich kenne welche die das genau so gemacht haben.
 
Du hast nicht gelesen.
Der hat sein Studium abgebrochen.
Ich habe meins beendet und bin damit leider überqualifiziert.

So ein Quatsch. Du bist niemals überqualifiziert um dich neu zu orientieren. Wenn du auf einmal eine Ausbildung als Tierpfleger machen willst, dann bewirbst du dich für solche Stellen und gut ist, da spielt dein Studium doch keine Rolle dabei.
 
sie will aber Lehrerin werden und dazu bedarf es nunmal eines universitären Hochschulstudiums.
Ausbildungen im Betrieb wären auch nichts für mich. Soll man mit Ende 20 nochmal mit 16-jährigen Azubis mit mittlerer Reife die Schulbank drücken? Das Niveau in diesen Ausbildungen ist leider auch unterirdisch. Dies kann ich behaupten, da ich sowohl universitäres Flair als auch Azubiniveau kenne. Hatte ja mit 16 auch mal so eine schulische Lehre vor Abi und Studium gemacht. Dort ist man nach gewissen Werdegängen leider tierisch unterfordert.
 

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