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Ich habe das Gefühl ich bin mit Jura überfordert

Hallo liebe Community,

Ich habe mich entschieden mein Probleme einfach mal hier reinzuschreiben.
Ich studiere jetzt Jura im 2. Semester. Es war mein Wunschstudium und ich möchte auch immer noch Anwältin werden. Ein Abbruch kommt für mich auch eigentlich nicht in Frage, allerdings habe ich im Moment das Gefühl, dass ich mit meinem Studium einfach überfordert bin.

Das erste Semester lief für mich einheitlich ganz gut, außer dass ich Strafrecht ein bisschen vernachlässigt habe, da ich nur eine Zivilrechtsklausur schreiben musste. Ich habe mich voll darauf konzentriert und wollte das alles in den Semesterferien nacharbeiten.
Aber dann kam Corona dazwischen. Ich habe ewig für meine erste Hausarbeit gebraucht, da alle Bibliotheken zu hatten und meine Uni keine nennenswerte Fristverlängerung gewehrt hat. Also habe ich es nicht geschafft. Dieses Semester habe ich dann recht schnell gemerkt, dass ich nicht mehr hinterherkomme und dass ich das schnellstmöglich wiederholen muss.
In öff. Recht und Zivilrecht habe ich bisher alles ganz okay aufgearbeitet, aber die Situation überfordert mich einfach und ich weiß nicht, was ich machen soll.

Ich habe schreckliche Angst, dass ich das Studium nicht packe. Ich bin nicht dumm, aber leider auch keine sehr fleißige Person. Ich habe einfach schreckliche Probleme, mich zu motivieren mit etwas anzufangen.

Ich bin jetzt 22 und habe Angst, dass ich mich jetzt die nächsten Jahre durch das Studium quäle und am Ende dann ein Exam nicht bestehe.
Ich muss sagen, es war immer mein großer Traum Anwälten zu werde und ich kann mir auch nichts anderes vorstellen, aber ganz ehrlich, ich möchte auch nicht mit 30 in meiner 1 Zimmerwohnung sitzen und als sonst was jobben, weil ich ewig für mein Staatsexamen brauche.

Ein Abbruch kommt für mich eigentlich nicht in Frage, aber ich habe im Moment einfach das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst!

Nur als Sicherheit hätte ich auch noch die Frage, stimmt es, dass man, wenn man seine ZWischenprüfung bestanden hat,sich auch später (also z.B. 5 - 10 Jahre) noch für das Hauptstudium bewerben könnte?

Ist jemand Jurastudent und kann mirvielleicht helfen? Hattet ihr auch so eine Phase? Ist das normal?
 

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dr.superman

Aktives Mitglied
Mal aus Dozentensicht;
wir gehen bei den Studenten immer von drei Semestern Eingewöhnung aus,
Du bist nicht alleine.
Allerdings von "es war schon immer mein Traum" wird es nicht besser...
ein Kollege von mir, Jura-Professor, meinte, dass man für Jura eigentlich gar nichts lernen müsste, denn es wäre alles in sich logisch...
ähnliches höre ich auch von den Informatik-Kumpels....
das erzähle ich, weil Du meinst, Du wärst nicht die Fleissigste.... das scheint es ja nicht alleine zu sein, bei Jura....
und das mit der Bib ist ein bisschen ne Ausrede, nicht? :) Man kann sich Bücher z.B. auch abfotografieren.... und Gesetzestexte und Kommentare gibt es im Netz.
aber ganz ehrlich, ich möchte auch nicht mit 30 in meiner 1 Zimmerwohnung sitzen und als sonst was jobben, weil ich ewig für mein Staatsexamen brauche.

in dem Tempo wird das aber darauf hinaus laufen - dafür verwirklichst Du Dir doch "Deinen Traum".
Oder nimm Abstand, z.B. mit einem Bachelor of laws (den ich sowieso parallel empfehlen würde!!!!), dann geht es schneller.
 
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K

Kollegin

Gast
Hi liebe anonyme Jurastudentin,
ich bin voll bei dir. Jura verlangt einem einiges ab, der Kampf um das Vergessen wird in den höheren Semestern nicht besser und vor dem Examen wirst du sicherlich ähnliche Probleme haben, allerdings auf einem ganz anderen Level. Es ist also wirklich viel Durchhaltevermögen und Kraft gefragt ;)
Ich erinnere mich noch genau daran, wie es war in den ersten Semestern zu stecken. Die Zusammenhänge der einzelnen rechtlichen Gebiete sind einem (oder waren mir zumindest) noch nicht klar, denn das juristische Denken muss man erst erlernen und das passiert nicht innerhalb der ersten Jahre. Die meisten Rechtsgebiete überfordern einen sehr und man muss sich erst in das Studium einfinden. Ich kann dir nicht versprechen, dass dir das gelingen wird, aber ich kann dir zumindest sagen, dass es mir damals auch so ging und heute habe ich zumindest mein erstes Examen schonmal in der Tasche.
Vieles was man in den ersten Semestern hart auswendiglernen und üben musste, bringst du später plötzlich ohne Mühe aufs Papier und denkst noch nicht einmal darüber nach.

Wenn es dein Traum ist, dann ist das schon einmal etwas sehr Gutes, denn das zeigt, dass es die Mühe, Arbeit und das Risiko wert ist. Was würdest du mehr bereuen? Den vorzeitigen Abbruch oder im schlimmsten Fall ein Scheitern?

Hier noch meine Tipps und Erfahrungen:
- weg mit den Lehrbüchern! Suche dir Skripte, die du gut und leicht verstehen kannst. Sie fassen das Wesentliche zusammen und helfen dir beim Wiederholen und Nachschlagen
- ich persönlich stehe auf Youtube-Videos. Viele Probleme (oder sogar kurze Crashkurse für ein Rechtsgebiet) gibt es dort gut und leicht erklärt. Das hilft, wenn man gerade beim Lesen nicht aufnahmefähig ist
- wenn du nicht zu den Fleißigen gehörst (ich habe es auch nicht) empfehle ich dir später definitiv ein Repetitorium. Dort kriegt man den nötigen Tritt in den **** ;)
- zum Schluss noch ein etwas wagemutiger (aber auch wirklich aufrichtiger) Tipp: ich selbst bereue es, dass ich nicht früher in ein Rep gegangen bin. Ich dachte, dass ich erst die großen Übungen machen sollte und mich auf das Rep "vorbereiten" müsste. Rückblickend war das für mich nicht optimal. Vielmehr würde ich schon nach dem Grundstudium damit beginnen und die großen Übungen nur nebenbei machen. Ich persönlich habe im Rep viel mehr gelernt als in der Uni. Könnte ich es noch einmal machen, würde ich ab dem 5. Semester das Rep einfach zweimal durchlaufen. Dann hätte ich es zum Freischuss locker geschafft mit dem Stoff und wäre mit mehr Selbstbewusstsein ins Examen. Ich verstehe aber, dass das während dem Studium schwer zu entscheiden ist
- letzter Tipp: plane dein Studium inkl. Examensvorbereitung so, dass du zum Freischuss einigermaßen mit dem Stoff hinkommst und schreib ihn! Egal, ob du dich vorbereitet fühlst oder nicht ;) Solltest du ihn bestehen, nimmt das enorm den Druck und wenn nicht hast du noch deine 2 Versuche

Halt durch, es wird besser (und dann wieder schlechter und auch wieder besser ;) ). Damit bist du nicht alleine,
liebe Grüße,
eine Kollegin
 
Hallo liebe Kollegin,

Vielen Dank für deine Antwort. Das macht mir wirklich Hoffnung.
Ich werde mir deine Tipps jeden Fall umsetzen und mir fürs erste ein paar gute Skripte besorgen vor allem um meine Defizite im Strafrecht auszugleichen. Das ist dann doch etwas realistischer als das 800 Seiten Strafrechtsbuch während des Semesters komplett durchzuarbeiten und selbst zusammenzufassen.

Auf YouTube Viedeos bin ich wirklich nicht nicht gekommen, aber das ist ein wirklich toller Tipp für ein bisschen Abendlektüre, wenn man selbst nicht mehr viel zu Stande bringt.

Ich wünsche dir auf jeden Fall noch alles Gute und viel Erfolg beim zweiten Exam.

Viele liebe Grüße
 

Bodenschatz

Namhaftes Mitglied
Hallo.
Ich mag rechtliche Sachverhalte. Seit längerem schon(...)
*Rest gelöscht*
Grund: Etwas weiter unten gibt eine Volljuristin zielführende Ratschläge, mit denen ich keinesfalls mithalten kann.
 
Zuletzt bearbeitet:

Catley77

Aktives Mitglied
Warte Corona erstmal einfach ab. Vielleicht legst du, wenn es dir komplett zu viel wird, ein Freisemester ein und betätigst dich karitativ? Nur ein Gedanke, käme dir später aber auch zugute im Berufsleben.
Wenn es nach wie vor dein Wunsch ist, Anwältin zu werden, schaffst du das auch.
 

Sarnade

Aktives Mitglied
Ich bin Volljuristin, habe 1990 mein erstes und 1993 mein zweites juristisches Staatsexamen bestanden und bin seit 1994 Verwaltungsbeamtin des höheren Dienstes im Landesdienst.

Nach meiner Erfahrung ist Jura ein Studium mit "dickem Ende". Die Scheine im Studium sind noch relativ leicht zu erwerben; erst in der Examensvorbereitung steigen die Anforderungen rapide an und schreibt man in den Klausurenkursen an der Uni zunächst ein "Mangelhaft" nach dem anderen, bis es sich allmählich bessert und man ins Examen gehen kann. Die Noten kann man mit denjenigen auf dem Gymnasium nicht vergleichen. Ein "Vollbefriedigend" in einer juristischen Arbeit ist mehr wert als ein "Sehr gut" im Abitur. Ich kenne Leute, die im Abitur eine Eins vor dem Komma hatten und in einem oder beiden juristischen Staatsexamina dennoch nur ein "Ausreichend" erzielt haben. Aber das reicht, um sich als Feld-Wald-und-Wiesen-Anwältin das Schild vor die Tür zu kleben. Fragt sich allerdings, ob und ab wann man davon leben kann. Für den Staatsdienst, insbesondere den richterlichen Dienst, werden wesentlich bessere Noten verlangt, auch für den Fall, dass du in eine renommierte Großkanzlei eintreten willst. Da hast du allerdings später auch eine 80-Stunden-Woche.

Die juristische Methodik muss man sich erst aneignen. Dem einen liegt diese Denkweise, dem anderen weniger oder gar nicht. Man braucht dazu eine stark ausgeprägte Fähigkeit zum logischen Denken, eine überdurchschnittlich große Sprachkompetenz (man muss sehr prägnant und elegant formulieren können, einen großen und gehobenen Wortschatz besitzen), Ausdauer, Fleiß, Selbstdisziplin, Eigenständigkeit, Fähigkeit zur Selbstmotivation auch bei Rückschlägen und eine große psychische Belastbarkeit. Man muss sich selbst und das Studium gut und selbstständig organisieren können und in der Lage sein, selber Struktur in komplexe Sachverhalte zu bringen und das Wesentliche herauszuarbeiten. Man muss sehr viel lesen - Lehrbücher und Skripten, juristische Kommentare, Fachaufsätze, Gerichtsurteile etc. - und komplizierte Texte richtig verstehen und zutreffend interpretieren können. Auch sollte man sich für Politik, Wirtschaft und Geschichte sowie für die Digitalisierung interessieren und insgesamt eine gute Allgemeinbildung haben. Vielen ist das auf Dauer zu hart. Jura ist aber nun mal kein Kuschelstudium.

Siehe auch: https://www.lto.de/recht/studium-re...er-falsche-vorstellungen-schlechte-betreuung/

Rückblickend gesehen, würde ich heute nicht mehr unreflektiert und brav in jede Vorlesung gehen (ein Studium ist nämlich nicht wie Schule, wo einem alles vorgegeben wird), sondern schneller in ein Repetitorium gehen und dieses ggf. noch einmal wiederholen. Allerdings kann ich persönlich nur ein ganz bestimmtes Rep empfehlen, in dem auf das methodische Handwerkszeug besonders großer Wert gelegt wird. Diesen Hinweis gebe ich bei Interesse gern, aber eher per PN, sonst wäre das Schleichwerbung. Auch schickt sich eines nicht für alle - manche Studierende mögen mit einem anderen Rep besser zurecht kommen. Heute gibt es ja auch schon wieder viele neue Repetitorien, die es zu meiner Studien- und Referendarzeit noch nicht gab.

Es ist eigentlich eine Schande, dass die juristische Methodik und das wissenschaftliche Arbeiten an der Uni nicht hinreichend vermittelt, sondern im Grunde schon vorausgesetzt werden. Aber Volljurist wird man nun mal nur über ein Hochschul- und nicht über ein total verschultes FH-Studium. Wer in der Verwandtschaft oder Papis und Mamis Freundeskreis schon Juristen hat, ist klar im Vorteil und bekommt schon im Vorfeld die Geheimtipps, worauf es ankommt. Ich hatte diesen Vorteil leider auch nicht. Ich bin Bildungsaufsteigerin, und diese haben es gerade in den klassischen Studienfächern wie Jura und Medizin auch heute noch schwer. Auch ich bin froh, diese Tortur letztlich heil überstanden zu haben, aber das weiß man ja vorher nicht. Zwischenzeitlich hatte ich große Prüfungsangst (aber erst in den letzten Semestern vor dem Examen) und große Existenzängste. Friss oder stirb.

Meyer-Kretschmer schreibt in dem von mir angehängten Aufsatz (Link weiter unten) zu Recht:
"Jura ist nicht irgendeine Ausbildung, sondern einer der härtesten und herausforderndsten Studiengänge überhaupt."

Im ersten oder zweiten Semester kann man allerdings noch gar nicht beurteilen, ob einem Jura liegt. Ich sage dir nur gleich: Einfacher wird es in den höheren Semestern auf keinen Fall, sondern noch schwieriger. Gehe daher frühzeitig in ein Rep, das die Methodik vermittelt. Und wenn du dann nach wie vor das Gefühl hast, dass dir alles über den Kopf wächst, dann ist Jura nicht das Richtige für dich. So einfach, dass es jeder schafft (wie heute das Abitur), ist Jura nämlich nicht. Die Durchfallquoten gerade im ersten Staatsexamen sind enorm hoch (Mittelwert aller Bundesländer im Jahr 2006: 30 % http://www.juraindividuell.de/blog/durchgefallen-masterplan-fuer-den-letzten-versuch/#:~:text=Ein Beispiel: Die Mediziner stöhnen,im zweiten Staatsexamen liegen die Und dieser Wert dürfte auch jetzt noch in etwa gelten ). Dem einen liegt es, der andere besteht diesen Härtetest nicht, und das lässt sich auch nicht einfach durch gut gemeinte Phrasen herbeireden.

Warum willst du eigentlich unbedingt Anwältin werden? Bist du sicher, dass du realistische Vorstellungen von dem Beruf hast? Hast du Anwältinnen oder Anwälte in der Verwandtschaft oder im Bekanntenkreis? So wie in amerikanischen oder kitschigen deutschen Serien läuft der Arbeitsalltag von Anwälten jedenfalls nicht ab. Jura hat auch nichts mit Gerechtigkeit zu tun, dafür viel mit Logik, Strategie, Taktik, Sprachkompetenz und der Abwägung sowie dem Ausgleich widerstreitender Interessen.
 
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Sarnade

Aktives Mitglied
Das ist dann doch etwas realistischer als das 800 Seiten Strafrechtsbuch während des Semesters komplett durchzuarbeiten und selbst zusammenzufassen.
Warum arbeitest du mit einem 800 Seiten umfassenden Lehrbuch? Das ist doch eher ein Nachschlagewerk für Spezialfälle. Auch was du dir von einem Selbst-Zusammenfassen versprichst, verstehe ich nicht. In meinen Augen ist das eine sinnlose Fleißkärtchenarbeit. Du bist nicht mehr im (schlechten) Geschichtsunterricht in der Schule, in der - jedenfalls zu meiner Schulzeit - von bequemen, didaktisch inkompetenten Lehrkräften noch mit dieser fragwürdigen Methode gearbeitet wurde.

So wird das nix, du musst erst das "Grundgerüst" verinnerlichen, und wenn du das beherrschst, kannst du dich um die Spezialprobleme kümmern. Gewöhne dir ab, vorzugsweise mit den dicksten "Schinken" zu lernen. Kein Wunder, dass du dich damit verzettelst, da siehst du ja den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr!

Ich habe damals gern mit kompakten Lehrbüchern gearbeitet, Strafrecht AT und BT von Wessels (heute Wessels/Beulke/Satzger bzw. Wessels/Hillenkamp/Schuhr) und BGB von Brox (heute wohl Brox/Walker). Der heutige Wessels AT hat immerhin schon mal 300 Seiten weniger als dein Mammut-Lehrbuch. Vielleicht gibt's ja inzwischen sogar noch was Besseres.

Bei Jura musst du nichts "zusammenfassen", und - von ein paar strafrechtlichen Definitionen abgesehen - ganz überwiegend auch nichts auswendig lernen, sondern das Gelesene/Gelernte verstanden haben und in der Lage sein, es auf einen konkreten Lebenssachverhalt anzuwenden. Steige so früh wie möglich in die Methodik der Fallbearbeitung ein.
 
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