Liebe Ishaak,
unabhängig, wie du dich entscheiden wirst: wenn das einzige, was dein Freund zu deiner Schwangerschaft zu sagen hat ist, dir zu drohen und dich emotional zu erpressen, solltest du ihn definitiv vergessen und abschießen. Zum Sex gehören immer zwei und er sollte sich da nicht so rausziehen und dich vor allem nicht so abfertigen.
Dir so zu drohen ist eine ganz krasse und widerliche Art sich zu verhalten. Sorry, das geht überhaupt nicht. Ich würde diese Situation auch zum Anlass nehmen, um zu hinterfragen, welche Rolle ich eigentlich für meinen Freund einnehme, wie er mich sieht und welchen Stellenwert er mir und der Beziehung gibt.
Wenn du dich für deine Schwangerschaft entscheidest, würde ich ehrlich gesagt nicht auf den Vater des Kindes zählen. Triff diese Entscheidung für dich. Fakt ist aber, dein Freund und auch seine Familie dürfen dich weder bedrohen, noch erpressen und dir auch nicht "Das Leben zur Hölle machen".
Er kann sich ebenfalls nicht komplett rausnehmen als Vater. Auch hier hat er Pflichten - und Rechte, wenn er diese möchte.
Es gibt Unterstützung für dich. Auch wenn es als alleinerziehende Mutter nicht leicht ist, man steht nicht völlig alleine da. Auch finanziell gesehen nicht. Ich fände es gerade jetzt sehr wichtig für dich, dass du dir jede erdenkliche Hilfe holst, die es gibt. Auch dann, wenn du dich für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden solltest. Das ist kein einfacher Eingriff.
Informiere dich über deine Möglichkeiten und Optionen. Eine gute Anlaufstelle ist immer das anonyme Beratungstelefon von "Schwanger und viele Fragen". "Schwangere in Not" bietet auch eine Online-Beratung an. Hier findest du alle wichtigen Infos und die Kontaktdaten:
Schwangerschaftsberatung: Schwangerschaftsberatung
Ebenfalls kannst du auf dieser Seite nach Beratungsstellen in deiner Gegend suchen. Beratungsstellen sind in der Regel kostenlos und wenn du dort anonym bleiben willst, wird dies häufig respektiert.
Eine gute Beratungsstelle wäre noch die Pro Familia. Diese gibt es in jeder Stadt. Auf der Homepage kannst du nach Adressen in deiner Umgebung suchen:
https://www.profamilia.de/
Das Personal kennt sich oft mit vielen Fragen und Problemen aus, die Frauen in deiner Situation haben. Und sie wissen, wie sie dir helfen und dich unterstützen können. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen und nicht alles alleine auf dich gestellt abklären.
Es ist schon so, dass 20 Jahre noch sehr jung ist - aber es ist auch kein Weltuntergang. Mit 20 bist du eine junge Erwachsene und du hast selbst geschrieben, dass du eine abgeschlossene Ausbildung hast. Du hast dir also schon ein Fundament geschaffen, auf dem du bauen kannst und stehst nicht ohne Abschluss oder Ausbildung da. Das finde ich ganz wichtig! Das ist für mich eine ganz andere Ausgangssituation, als wenn du jetzt z. B. eine 14-jährige Schülerin wärst. Die Geduld und Reife kommt auch oft erst, während man Mutter ist. Man wächst an seinen Aufgaben. Keine Mutter hat als "Profi" angefangen.
Viel wichtiger ist die Frage für dich, ob du es dir für dich jetzt vorstellen kannst, Mutter zu werden. Und ob du mit dem Fakt klarkommst, dass so ein Kind viele Jahre von dir abhängig sein wird. Lass dich nicht von anderen verunsichern. Es ist deine ganz eigene, persönliche Frage, ob du das Kind bekommen willst oder nicht.
Wenn Abtreibung für dich nicht in Frage kommt, wäre eine weitere Option für dich, das Kind zur Adoption freizugeben. Du musst es nicht abtreiben, du musst es aber auch nicht aufziehen, wenn du dir das nicht vorstellen kannst.
Ob du die Familie deines Freundes prinzipiell jetzt schon erfahren lässt, dass du schwanger bist, ist deine Entscheidung. Aber wenn du das Kind austragen möchtest, musst du es ihnen mitteilen. Denn hierbei geht es auch um ihr Enkelkind oder Nichte/Neffe und du solltest ihnen die Möglichkeit geben, reagieren zu können und eine Wahl zu treffen, wie sie zu dir und dem Kind dann stehen wollen. Vorallem ist dies auch wichtig, damit sie später nicht sagen können, sie wussten ja von nichts und hätten nie eine Chance bekommen. Und du kannst dir dann ebenfalls nichts vorwerfen oder nachsagen lassen.
Wenn du persönlich das Gespräch suchen willst, würde ich ehrlich gesagt eine Begleitperson mitnehmen. Sicher ist sicher. Wenn dein Freund schon so dämlich reagiert hat, weißt du nicht, wie sich seine Familie verhalten wird - vor allem, da er schon angesprochen hat, dass diese aufgrund ihrer Kultur nochmal eine eigene Perspektive zu deiner Schwangerschaft haben könnte.
Ich wünsche dir viel Kraft und Mut für die nächste Zeit. Und ich bin mir sicher, dass die Leute hier im Forum auch ihr möglichstes tun werden, dir zumindest virtuell beizustehen!