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Ich bin Schuld am Tod meiner Mama

L

Lacrimosa8

Gast
Hallo alle miteinander,

meine Mama ist vor einigen Wochen im Krankenhaus nach Ihrer Einlieferung verstorben.

Ich bin total fertig mit meinem Leben und wünsche mir so sehr, dass ich an ihrer Stelle gestorben wäre, weil sie das einfach nicht verdient hat.

Neben meiner Trauer plagen mich massive Schuldgefühle, ihren Tod nicht verhindert zu haben. Ich bin die schlimmste Tochter, die man sich nur wünschen kann. Dabei habe ich sie wirklich geliebt.

Obwohl ich gefühlt habe, dass es ihr, insbesondere in den letzten Tagen vor ihrem Tod, schlechter ging und sie viel geschlafen hat, habe ich nicht gedrängt, einen Arzt oder den Krankenwagen zu rufen, sondern war nur mit mir selbst beschäftigt. Mir ging es insbesondere in der letzten Zeit aufgrund von Stress psychisch richtig schlecht und wollte einfach nur meine Ruhe von meinem Umfeld haben.

Ob meine Eltern auf mich gehört hätten, ist nochmal eine andere Geschichte, da beide dazu tendieren, solche Sachen unter sich auszumachen und Arztbesuche auf Teufel komm raus vermeiden bzw. vermieden haben. Aber warum habe ich es nicht wenigstens versucht?

Sie war drei Monate zuvor schon wegen Schwellungen in den Beinen und allgemeinem Unwohlsein für einige Stunden im Krankenhaus zur Untersuchung und selbst bis zu diesem Schritt verging eine ganze Weile (als ich davor mal angemerkt habe, dass der Hausarzt vorbeikommen sollte, hieß es nur, der könne doch sowieso nichts machen (???)). Zumindest war lt. Krankenhaus damals aber immerhin alles im grünen Bereich, keine Probleme mit der Lunge, dem Herzen, etc. Deswegen war sie am Abend auch wieder daheim und ich zunächst beruhigt.

Mein Vater hat sich die weiteren drei Monate um die Pflege von ihr gekümmert und da auch alle zwei Tage ein ambulanter Pflegedienst kam (Verbände wechseln, waschen), bin ich davon ausgegangen, dass ich bzgl. der schleichenden Verschlechterung möglicherweise übertreibe und sie ja nun zumindest immer unter medizinischer "Beobachtung" ist. Wenn was ernstes wäre, würde ja sicher mal ein Arzt kommen...aber scheinbar nicht. Sie hat einfach nur weiter Tabletten verschrieben bekommen.

Nach ihrem Tod habe ich erfahren, dass eine Pflegefachkraft schon zwei Tage davor gefragt hat, ob sie nicht lieber ins Krankenhaus möchte, da es ihr sichtlich nicht gut ging. Wollte sie nicht. 🙁 Da es ihr kurz vor dem nächsten Besuch immer noch nicht besser ging bzw. über Nacht auch noch weitere Schwellungen dazu kamen, hat mein Vater sich um einen Arzt bemüht, jedoch wäre das erst nach dem Wochenende möglich gewesen. Da man ja nicht so lange abwarten kann, wurde auf anraten der Pflegefachkraft schließlich der Notarzt geholt. Meine Mama kam auf die Intenivstation und starb am nächsten Tag.

Zu meinem Vater hieß es vom Pflegedienst, er hätte sich super um sie gekümmert und dass sie vermutlich einfach nicht mehr wollte und wohl was in ihr drin war (sie war schon seit langer Zeit krank, allerdings nicht "todkrank" und nur wenige Monate pflegebedürftig). :,( Da ich in die Pflege nicht involviert war, weiß ich nicht, was da sonst so abgelaufen ist bzw. auch mit dem Pflegepersonal so besprochen wurde, aber ich wundere mich, warum er die Schuldgefühle scheinbar nicht auch hat. Wäre regelmäßig ein Arzt gekommen, wäre das vermutlich viel glimpflicher verlaufen? Dieser Gedanke spukt schon die ganze Zeit in meinem Kopf rum. Möchte da aber auch nicht unnötig nachbohren.

Mich macht das so fertig. Warum bin ich nur so ein schlechter Mensch?
 
Der Tod kommt plötzlich und unerwartet. Bei meiner Mutter ging es auch ratzfatz, samstags ins Krankenhaus und sie hat sich geweigert wie verrückt, früher ins Krankenhaus zu gehen. 7 Tage später aus und vorbei. Mach dir keine Vorwürfe, so ist das Leben. Eine Fehlentscheidung, dann ist es aus. Meine Mutter hatte mir stundenlang immer den Kopf voll getrötert, aber nie ernsthaft über ihre Krankheit gesprochen...
 
Hallo, das tut mir sehr leid. Ich denke, dass man oft Schuldgefühle hat und sich fragt, ob man hätte mehr machen können oder was anderes machen können. Und oft redet man sich Dinge ein, dass man Schuld wäre, aber ich sehe da keine Schuld von Dir.

Wenn sie innerlich nicht mehr wollte, dann wäre es sowieso egal gewesen, ob sie nun früher ins KHgekommen wäre oder später und sie wollte ja auch nicht. Du warst mit Dir beschäftigt und es ging Dir nicht gut. Natürlich sieht man im Nachhinein manche Dinge anders, aber in einer bestimmten Situation kann man immer nur so gut oder schlecht handeln, wie man in der SItuation eben fähig ist. Später ist man klüger, weiser, reifer, aber das nützt einem dann nichts, weil man es in dieser Situation dann eben noch nicht war - das meine ich jetzt ganz allgemein.

Also trauere, aber bitte höre auf, Dir einzureden, wie schlimm du seist. Das bist Du bestimmt nicht und Deine Mutter hätte das auch bestimmt nicht gewollt. Du kannst an ihrem Grab mit ihr reden, Trost suchen, eine Kerze für sie aufstellen, ihr einen Brief schreiben. Ich bin sicher, dass Verstorbene sowas spüren können, dass sie noch um uns sind.
 
Hallo du ich sehe das genau so.
Wenn deine Mama nicht mehr wollte, kannst du dich wirklich auf den Kopf stellen.
Ich habe meinen Papa am 3.10 verloren, er sagte mir eine Woche vorher auch, dass er nicht mehr will.
Von da an ging dann eigentlich gar nichts mehr.
Trauer um deine Mama aber mache dir keine Vorwürfe, denn die bringen keinem was.
Am wenigsten aber dir.

Fühl dich mal ganz lieb umarmt.
 
Du bist nicht schuld höre bitte auf dir das einzureden. Einem Menschen der sich nicht helfen lassen möchte kannst du nicht helfen. So sehr du das auch möchtest.
 
Mein Beileid.
So ein Schmerz ist sehr schlimm.
Mich macht das so fertig.
Das ist verständlich, denn es gibt keine Antwort.
Warum bin ich nur so ein schlechter Mensch?
Das bist du mit Sicherheit nicht.

Leider (und zum Glück) ist es so, daß Du/ich/der Mensch nicht alles steuern und beeinflussen kann.

Du hast dich aus meiner Sicht bestens gekümmert.
Mehr kannst du einfach nicht tun.

Deine Eltern scheinen ja noch völlig bei Sinne gewesen zu sein, dein Vater hat die Mutter mitbetreut, die Sozialstation kam auch ins Haus.
Mehr geht leider nicht.

Es gibt leider nicht auf alle Fragen Antworten 🙁

Fühl dich gedrückt.

Gruß Hajooo
 
Mein Beileid, es tut mir sehr leid, dass du deine Mutter verloren hast.

Mach dir bitte keine Vorwürfe Lacrimosa. Du bist kein schlechter Mensch.
Deine Mutter wollte nicht ins Krankenhaus, als die Pflegekraft ihr dies vorschlug. Sie wollte grundsätzlich nicht zum Arzt, wie du so schreibst.

Vielleicht hat dein Vater keine Schuldgefühle, weil er weiß, dass er in ihrem Sinne gehandelt hat.
Deine Mutter wurde Zuhause gepflegt, dein Vater war bei ihr. Sie war gut betreut und versorgt und mehr geht nicht. Der Pflegedienst hat deinem Vater sogar mitgegeben, dass er sich super um deine Mutter gekümmert hat und dass sie vermutlich nicht mehr wollte. Vielleicht kannst du dich an dieser Aussage etwas festhalten.

Man wünscht sich man hätte noch irgendetwas tun können um noch etwas mehr Zeit miteinander haben zu können, aber das geht leider nicht und so steht man am Schluss völlig hilflos vor dem, was man nicht ändern kann.

Fühl dich mal von mir umarmt.
 
Viele Leute wünschen sich, lieber selbstbestimmt und in Würde zu sterben, als unter unwürdigen Bedingungen vielleicht noch Jahre am Leben gehalten zu werden. Deine Mutter hat ihre Wahl getroffen, sowas sollte man akzeptieren. Wahrscheinlich hat sie selbst gespürt, daß sie körperlich zu schnell abbaut und so oder so nicht mehr viel Zeit hatte. Welche Art von Krankheit hatte sie denn konkret?
 
Die schlechteste Tochter aller Zeiten wäre eine Person, die ihre Mutter aus der Ferne mit Gewalt zwingen kann zu leiden, während die Mama selber, der Papa, die Pflegekraft zusammen all das tun, was die Mama sich in ihren letzten Momenten erhofft, und sie so ihren Frieden findet.
Da ich in die Pflege nicht involviert war, weiß ich nicht, was da sonst so abgelaufen ist bzw. auch mit dem Pflegepersonal so besprochen wurde, aber ich wundere mich, warum er die Schuldgefühle scheinbar nicht auch hat.
War es weil er wusste, dass er von niemandem eine Lebensverlängerung kaufen konnte?
Magst du Dich ihm nicht anschließen, weil es Dir auch nicht möglich gewesen wäre?
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Lacrimosa8,

viele ältere und kranke Menschen spüren ganz genau, dass ihre Kräfte sie verlassen und dass sie nicht mehr lange leben werden. Und sie sind mit sich im Reinen und fürchten das Sterben nicht.
Es ist als Angehörige, die ihre Eltern liebt und sie am liebsten immer bei sich behalten möchte, schwer zu verstehen, aber: wenn die Kräfte schwinden und ein Mensch nicht mehr möchte, sollte man ihn gehen lassen, so weh es auch tut.

Du schreibst, dass Deine Mutter in den letzten Monaten pflegebedürftig wurde - was wäre ihre Perspektive gewesen? Ein Fortschreiten der Pflegebedürftigkeit, ein Schwinden der Kräfte, ein zunehmender Verlust an Autonomie und Lebensqualität. Und: eventuell auch noch Schmerzen.
Wäre sie früher ins Krankenhaus gekommen, wer weiß, was man bei den Untersuchungen gefunden hätte? Vielleicht eine Erkrankung, deren Behandlung noch mehr Leid gebracht hätte? Wer weiß, ob sie überhaupt noch nach Hause zurückgekonnt hätte - vielleicht hätte sie auch in ein Pflegeheim gemusst?

Nicht mehr ins eigene Zuhause zurückkönnen und umfassend auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein - das ist (aus meiner Sicht zu Recht) die Albtraumvorstellung vieler Menschen.
Deine Mutter hat einen würdigen Lebensabend und einen kurzen Leidensweg gehabt, bevor sie eingeschlafen ist. Ich denke, Dein Vater wusste, dass sie nicht mehr leiden möchte und hat ihren Wunsch - schweren Herzens- akzeptiert.

Bitte mach Dir keine Vorwürfe, Du bist keine schlechte Tochter und bist keinesfalls Schuld am Tod Deiner Mutter.
Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du diese schrecklichen Schuldgefühle irgendwann loslassen und in Ruhe um Deine Mutter trauern kannst.

Alles Liebe
 

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