Hallo noch einmal!! J
Ich bin erstaunt und regelrecht begeistert, dass ich so viele Antworten bekommen habe!! Ich dachte ehrlich gesagt, dass sich niemand durch diesen Brocken von Text durcharbeitet.
Es kamen noch einige Fragen auf und da ihr euch so tapfer durch meinen Beitrag gearbeitet habt, möchte ich euch gerne antworten.
„Was genau liebst du an ihr?“
Eine Frage, die ich aus dem Stehgreif nicht mehr beantworten kann. Ich liebte an ihr, dass sie so spontan und offen war. Man musste nicht alles totalitär durchplanen, man konnte einfach die Hand ausstrecken und sagen: Komm mit! Wir gehen da und da hin.“ Dann liebte ich an ihr, dass sie genauso gerne schmust wie ich. Ich liebte ihren Sinn für Gerechtigkeit, ihre Starke Art, ihr Auftreten und das sie ebenfalls gerne ein Mal über den Rand der Tatsachen hinwegphilosophiert.
Allerdings ist die Identität eines Menschen ja stetig im Wandel und entwickelt sich. So schien es bei ihr auch der Fall zu sein.
„Warum hast Du ihr nicht schon lange gesagt, wie Deine Regeln und Vorstellungen lauten?“
Ohoho. Das habe ich definitiv und das habe ich auch schon mehrfach. Ich bin aber eher der Typ Mensch, der sich mit einem hinsetzt und die Probleme auf den Tisch legt, während bei deren Betrachtung eine Lösung oder ein Kompromiss gefunden werden könnte. Es muss keine Lösung sein, die mit einem Fingerschnipp erscheint. Aber ich möchte zumindest, dass die Problematik im Blick bleibt und etwas Acht gegeben wird.
Meine Regeln und Vorstellungen sind nicht so klar definiert wie ihre. Ich setze lediglich Respekt und etwas Emphatie voraus. Wenn ich etwas nicht möchte, sage ich das auch. Nur wenn ich mit ihr diskutiere, wird die Diskusion zu einer Argumentation und das ist meiner Meinug nach nie Hilfreich, wenn beiden geholfen werden sollte.
„Wenn Du Dich nicht klar artikulieren kannst oder willst, brauchst Du Dich nicht wundern, dass sie Dich in egoistischer Manier dominiert. Sie weiß, wie man seinen Willen durchsetzt. Du anscheinend nicht.
Wie siehst Du das?“
Jaaaaa…. Das ist eines meiner Problemchen. Ich möchte nicht immer alles für mich. Ich gehe gerne Kompromisse ein. Wenn es zum Beispiel heißt: „Die Wohnung sah heute wieder aus wie sau, räum auf.“
Ist meine Antwort etwas in der Art wie: „Okay, mache ich, aber ich möchte nicht der einzige sein, der nach der Arbeit die dreckige Wohnung sieht. Ich möchte, dass du mir hilfst.“
Anstatt: „Räum doch selber auf, wenn es dir nicht passt.“
„Leidet Deine Freundin an einer Kette von Zwangsstörungen ?“
Nein, das denke ich nicht. Es ist bei ihr eher, dass sie zuhause das schlaue Kind war und mit ihrem Wissen und ihrer Art dominiert hat. Sie setzt sich zuhause auch durch, das ist kein Problem. Sie sieht sogar auf ihren Vater herab, da dieser „nur“ Maurer ist und eher praktisch, organisatorisch veranlagt ist.
Heißt das, dass deine Freundin Ausländerin ist, und würdest du sagen, dass sie hierzulande gut "integriert" ist, oder ist sie hauptsächlich nur mit ihren Landsleuten zusammen?
Oh! Nein Ausländerin ist sie nicht, sie ist deutsch. Sie hat lediglich polnische Wurzeln. (Mama)
Sie ist sowohl mit deutschen als auch mit polnischen Leuten gut unterwegs. (und mehr)
Aber für mich ist das kein Problem. Ich habe irgendwie keinen Nationalstolz. Ich bin der Meinung, das so etwas, wie ein Nationalstolz nur hilft in Lagern zu denken und nicht die vielen verschiedenen Menschen hinter einem Volk zu sehen, sondern nur das Klischee oder das was halt in den Medien läuft.
Ich möchte eine Partnerschaft, wo beide das Sagen haben und miteinander reden. Auch ich mache Fehler und ich brauche eine gewisse Resonanz, um zu wissen, wie ich klinge. (Den Satz merke ich mir 🙂 )
Der aktuelle Stand ist, dass ich sie jetzt für 3 Wochen nachhause verbannt habe. Das ergab eine hitzige Diskussion und viele Tränen. Sie wollte zuerst nicht einlenken und meinte zu mir, dass sie es nicht verstehe und warum sie das bitte tun solle. Sie meinte auch zu mir, dass „wenn ich mich unglücklich fühle und ich Abstand brauche, die ganze Sache geritzt ist und wir beide sind getrennte Leute.“ Auf meine Antwort: „Okay, ich respektiere das. Gib mir diese Woche meinen Schlüssel zurück und hole deine Sachen bis Ende der Woche.“ Reagierte sie mit Frustration und ruderte zurück. Sie weinte sehr stark und meinte, ich solle sie nicht verlassen und sie wolle nicht allein sein. Am Ende sah sie es ein und ich habe jetzt 3 Wochen meinen Abstand.
Sie bleibt jetzt erst einmal zuhause bei ihren Eltern.
Ich habe jetzt das Wochenende ohne sie verbracht und ich merke, da fehlt etwas. Aber es ist erträglich, sehr erträglich. Ich habe wesentlich heftigere Trennungen und Schmerzen von Verlust durchlitten. Ich bin nicht mal träge geworden, wie ich es sonst war. Eher bin ich aktiver geworden.
Liebe Grüße
DasWesen