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Ich bin 25.

T

Topfpflanze

Gast
Gestern war mein 25ter Geburtstag und wie jedes Jahr befinde ich mich in einem emotionalen Loch.
Ich hasse Geburtstage, weil sie mich daran erinnern das ich in meinem Leben absolut NICHTS erreicht habe.
Keine Ausbildung, keine Berufserfahrung, keine Lebenserfahrung, keine Liebe, kein Garnichts. Null. Nada. Ich bin ein Tabula Rasa.
Es macht mich krank zu sehen was andere Gleichaltrige in ihrem Leben schon erreicht haben und wenn ich Liebespaare sehe möchte ich sowieso brechen.

Ich habe die letzten 10 Jahre meines Lebens vor einem Bildschirm verschwendet und bin in eine elektronische Scheinwelt geflüchtet, habe mich vor der Realität versteckt in der Hoffnung dass mein Dasein dadurch erträglich wird.
Aber natürlich funktioniert das nicht, man kann sich vor der Wirklichkeit nicht verstecken, man kann nur zusehen wie die Lebensjahre langsam den Bach runtergehen.

Ich fühle mich einfach so bedeutungslos unter den 7 milliarden Menschen. Wie ein Tropfen im Meer.


Zu mir selbst: Ich bin männlich und wohne noch bei meinen Eltern, ich versuche gerade die Matura nach zu machen und selbst das gelingt mir nur miserabel. Ich war schon immer depressiv und ich kann mich nicht daran erinnern wann ich das letzte mal wirklich glücklich war. Ich habe es schon mit Therapie und Antidepressiva versucht, was beides nicht funktioniert hat.

Ich frage mich einfach nur was für einen Sinn es macht weiter zu existieren, da mein Leben bis jetzt nur Kreislauf aus Scham, Selbsthass und Leere war. Und ich glaube kaum dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird.
 

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Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Warum versuchst Du es nicht mal mit großem Fleiss? Gute Ziele setzen... und für das Erreichen kämpfen.
Keine (eigenen) Ausreden akzeptieren. Es gibt nichts Gutes, ausser Du tust es.

Du hast schon mit dem Nachholen der Matura begonnen. Das erscheint mir der genau richtige Weg zu sein.
Wenn Du weiterhin so zielstrebig vorgehst, wird auch irgendwann der Erfolg kommen. Und ab dann geht es sichtbar aufwärts.

Viel Mut, viel Erfolg,
Nordrheiner
 
G

Gast

Gast
Ganz ehrlich, mit Mitte 20 fängt das Leben erst an. Ich bin jetzt über 40, und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, daß es erst so ab 26 so RICHTIG gut wurde.

Das Leben ist kein Wettrennen. Wenn andere in Deinem Alter schon mehr erlebt oder gemacht haben, dann ist das so. Das bedeutet aber nicht, daß DEIN Leben deswegen vorbei ist. Es wird immer andere Menschen geben, die "weiter" gekommen sind als man selbst. Davon darf man sich aber nicht abwerten lassen.

Mach Deinen Abschluß und geh Deinen Weg. Alles Gute dafür! :)
 
G

Gast

Gast
Es hilft zwar nicht unbedingt, aber du bist nicht allein. In Japan ist das sogar ein richtiges Phänomen. xD

Aber nicht nur in Japan gibt es Menschen wie dich. Ich bin/war genauso.

Irgendwann wurde ich vollkommen antriebslos, ging nur noch sporadisch zur Schule, auch weil ich mich gelangweilt habe. Das Resultat war, dass ich aus dem Abitur flog. Auf Druck meiner Eltern damals bin ich dann zur Höheren Handelsschule, um zumindest mein Fachabitur zu machen. Anfangs ging's, aber letztlich obsiegte meine Lustlosigkeit und ich bekam die gleichen Probleme wie zuvor. Ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Ich zog mich immer mehr aus dem sozialen Leben zurück und "flüchtete" in Online-Spiele. Nachdem ich ebenfalls aus der HH flog, war ich im Grunde nur noch Zuhause vor dem PC. Ambitions- und perspektivlos. Ich ging zum Psychologen. Nach 6 Sitzungen legte er mir nahe mich umzubringen. Er hätte keine Kraft und vorallem keinen Willen mein Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Dafür wäre ihm seine Zeit zu schade. Als er dann eine Weile nichts von mir hörte, rief er an, wieso ich denn nicht mehr kommen würde. Als hätte er tatsächlich etwas erwarten nach solch einer Ansage...

Von da an gab es im Grunde nichts mehr in meinem Leben. Ich wurde einfach nur noch älter während das Leben an mir vorbeizog. Der Gedanke an den Tod tröstete mich, aber ich wusste, dass ich es niemals durchziehen könne. Ich lebte wie in einer Blase. Ich vermied den Kontakt mit meinen Eltern weitestgehend. Man sah sich höchstens zum Abendessen oder wenn mein Vater einen seiner Wutanfälle aufgrund seines missratenen Sohnes bekam, der nichts mit seinem Leben anfängt. Während einer dieser Anfälle sagte er mir, dass er sich schäme, mich als Sohn zu haben. Das war sicherlich der Tiefpunkt.

Meine Mutter überredete mich es noch einmal mit einer Therapie zu probieren. Ich ging zu einem Neurologen/Psychiater für ein Erstgespräch. Neben dem Gespräch wurde auch eine Blutprobe entnommen. Ein paar Tage später sagte man mir, dass mit meinem Blut etwas nicht stimme. Letztlich stellte sich heraus, dass ich Krebs hatte - mit 25, so alt wie du jetzt bist. Nach einigen Untersuchungen sagte man mir, dass ich mich darauf vorbereiten solle zu sterben. Man tue zwar, was man kann, aber man wolle mir trotzdem eine Art Sterbebegleiter zur Seite stellen, der einem hilft es zu verarbeiten. Ich lehnte ab. Die meisten Menschen wären nach so einer Nachricht wahrscheinlich am Boden zerstört, aber für mich war es ein gelegener Ausweg, so als ob mein Wunsch erhört wurde.

Trotzdem sagte mir etwas, dass ich nicht so viel "Glück" haben werde, den "easy way out" nehmen zu können. Und genauso kam es auch. Die anfängliche Prognose entpuppte sich nach der OP und dem histologischen Befund als falsch. Ich hatte zwar Krebs, aber bei Weitem nicht so schlimm wie angenommen. Ich brauchte nicht einmal eine Chemo- oder Strahlentherapie. Nach zwei Wochen Krankenhausaufenthalt war ich geheilt. Das Schlimmste jedoch war, dass ich mich genauso fühlte wie vorher auch. Menschen mit Nahtoderfahrungen sprechen immer von der zweiten Chance und das sie etwas aus ihrem Leben machen wollen. Ich hingegen fühlte mich genauso leer und bedeutungslos wie zuvor.

Ein Jahr später begann ich eine kaufmännische Ausbildung. Die Arbeitsbedingungen in der Firma waren wirklich mies und aufgrund meines Alters behandelte man mich auch von Anfang an nicht wie einen typischen Azubi. Teilweise arbeite ich 12-14 Std. am Tag. Ich kann nicht sagen, dass ich mich groß anders gefühlt habe oder glücklich war, aber zumindest meine Eltern bemerkten eine Veränderung und mein Verhältnis zu ihnen besserte sich ebenfalls schlagartig. Ich zwang mich wieder an sozialen Dingen teilzunehmen; so kam ich auch wieder in Kontakt mit einem Mädchen aus meiner Vergangenheit. Wir verstanden uns auf Anhieb wieder super. Ich konnte mit ihr über all die Dinge reden, die in mir vorgingen - über die Leere, die Antriebslosigkeit, über alles. Sie verstand es. Sie kannte die Finsternis in mir und mochte dennoch den Menschen, der ich war.

Wir führten zunächst eine Fernbeziehung. Es war nicht einfach, aber es ging. Sie half mir herauszufinden, was ich im Leben will. Ich wusste, dass ich nicht mein ganzes Leben in dieser Firma arbeiten will. Ich wollte immer studieren. Sie ermutigte mich. Nachdem ich die Ausbildung abgeschlossen habe, schlug ich das Übernahmeangebot aus und zog mit 28 von endlich von Zuhause aus in meine eigene Wohnung in der Stadt meiner Freundin. Ich holte im 3. Anlauf inzwischen das Abitur nach, das ich mit 'nem Schnitt von 1,2 bestand.

Ich dachte immer schon, dass etwas mit mir nicht stimmt und fasste den Mut einen Intelligenztest zu machen, was ich damals ausschlug, als es mir meine Lehrer empfahlen. Es stellte sich heraus das ich hochbegabt bin. Nicht das es etwas nützen würde jetzt noch, aber es erklärt einige meiner Probleme damals in der Schule und war eine große Erleichterung für mich.

Mittlerweile haben diese Frau und ich uns getrennt, aber es ist okay. Ich verdanke ihr viel. Ich bin dieses Jahr 30 geworden und studiere. Ich lebe alleine, habe aber einige Freunde gefunden. Das Leben ist auch jetzt nicht immer einfach für mich, aber wenn ich daran zurückdenke, wie ich quasi Jahre in meinem Zimmer verbracht habe, dann kommt mir das heute so unendlich weit entfernt vor.

Das ist ein sehr langer Text geworden, aber ich wollte dir einfach meine Geschichte erzählen. Damals dachte ich wie du, aber es gibt einen Weg da raus, man muss einfach nur anfangen etwas zu tun. Tag für Tag da zu sitzen und das Leben an sich vorbeiziehen zu lassen ist wie auf die Stopp-Taste zu drücken. Manche Menschen brauchen das vielleicht. Ich brauchte es. Ich wollte den Stillstand, aber irgendwann muss man aufstehen und "Play" drücken, ganz gleich, ob man einen Sinn in dem sieht, was man tut oder ob es einen mit Freude erfüllt. Das kommt... irgendwann. Nur im Pauseland kommt es nie!

Ich wünsche dir viel Erfolg! Es ist nie zu spät.
 

Nikolaus Myra

Aktives Mitglied
Gestern war mein 25ter Geburtstag
Mehr als nur einen Blickwinkel zulassen. Wenn du nur das siehst, was du meinst, wie es sich so gehört, dann wirst du diese Sicht noch mit 50 haben. Ich bin 38 und hatte noch keinen "eigenen" Geburtstag. Mit 12 hatte ich den ersten Ungeburtstag. Bis auf einige Pflichtgeburtstage, hab ich bis heute jeden ignoriert. Einmal hab ich ihn sogar vergessen.

Jeder, der meint, sich anpassen zu müssen, wird straucheln, wenn seine Talente nicht im gesellschaftlichen Nullpunkt liegen.
 

Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Hallo, Gast - aus Beitrag 4,

klasse Beitrag! Du hast die Kurve gekratzt... irgendwann eben angefasst und getan, was zu tun war.
Ich denke: Nur so geht es!

Hoffentlich geht es Dir heute gut. Jedenfalls hoffe ich es auch für Dich.
Für Dich weiterhin alles Gute!

LG, Nordrheiner
 

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