Ihr Lieben
So, jetzt hatte ich ein bisschen Zeit für mich und es ist etwas ruhiger geworden. Es tut gut, Eure Beiträge zu lesen, da kann ich das mit mir abgleichen, nachfühlen, ja, so was hilft.
Lieber grisou,
meine erfahrung. gerade in solchen momenten kommen viele gefühle von früher hoch die einfach noch mal gefühlt werden wollen. beachtung brauchen. und die man dann ziehen lassen kann. es ist wie eine welle am strand. da werden noch mal die füße nass. dann kommt die sonne wieder. 🙂
Anfangs konnte ich damit gar nichts anfangen. Aber heute kann ich schon sagen, ja, darum geht es wohl.
🙂
Liebe cucaracha,
Nun ist sie alt, schwächer, kränker und lebensweiser geworden und plötzlich behandelte sie mich freundlich.
Sie entschuldigte sich für damalige (teilweise recht grausige ) Verhaltensweisen und bat mich um Verzeihung.
Meine Mutter hat mich nie um Verzeihung gebeten. Aber sie ließ sich nach vielen erfolglosen Jahren dann doch mal auf ein Gespräch ein. Das war sehr wichtig für mich, hat mir sehr viel gegeben, im Grunde hat sie damit meine Wahrnehmung bestätigt. Sie wollte sich nicht um Kinder kümmern, sie war selbst schwerst bedürftig und ausgehungert nach Liebe, die ihr niemand gab. Und so hat sie andere immer nur verbittert und neidisch angesehen. Sie hat mir viele Erfolge kaputt gemacht. Ich war früher bei so vielen Gelegenheiten die Sängerin. Ganze Programme waren auf meine Beiträge aufgebaut. Und dann durfte ich zum Auftritt nicht hingehen. Es war so grausam. Vielleicht hat sie es mir nicht gegönnt, weil sie als Kind von der Ballettschule genommen wurde, damit sie sich um ihre Geschwister kümmert, sie war damals 6. Aber nur so als ein kleines Beispiel, das war eins der einfachsten.
Auch wenn ich froh bin, dass sie nun freundlicher geworden ist, mich sehr wertschätzt und mein Leben dadurch leichter wurde, will ich sie jetzt nicht zu sehr idealisieren und mich wieder wie als Kind emotional verletzbar und emotional abhängig machen, da ich im Hinterkopf weiss wie schlimm sie früher sein konnte...
Ja, so geht es mir auch. Es funktioniert auch nicht, dass ich mich abhängig mache, dafür bin ich zu stark. Es ist für mich nur eher ein sanfter Abschluss. Wenn sie jetzt sterben würde, würde ich mich ruhiger im Herzen fühlen. Ich durfte sie „SEHEN“.
Ich glaube, es liegt bei ihr nicht nur daran, dass sie älter wird und hofft, dass ich sie pflege. Da gibt es keine Fragen mehr, ich werde das nicht tun, ich kann es auch nicht tun. Sie hat jetzt einfach mehr Zeit, um nachzudenken. Das, was für mich mal sehr bezeichnend und wirklich wichtig war, als sie eines Tages da stand und sagte, sie hat jetzt erkannt, sie hatte gar nicht so furchtbar schreckliche Kinder, wie sie immer dachte. Ja, es ist furchtbar, so was noch mal nachgewiesen zu bekommen, aber es ist erleichternd, seine eigene Wahrnehmung bestätigt zu bekommen. Ich war nicht schrecklich. Ich war nur völlig unverstanden und dadurch als Monster behandelt. (Auf Einzelheiten möchte ich da gar nicht eingehen).
Meine Mutter ist kein Stück anhänglich und kann auch jetzt noch eine bösartige Krähe sein. Aber ich mache das nicht mehr an mir fest, lasse ihr das und sehe zu, dass sie sich wieder einkriegt, ich lasse so was nicht mehr über mich ergehen.
Meinen Vater lernte ich kaum kennen, er hatte viele unangenehme Charakterzüge....fand ich damals.
So geht’s mir auch. Ist noch mal ne andere Baustelle, mit der ich mich nie beschäftigt habe.
Liebe Kimi,
Gefühl - hmm...meinst Du vllt. tiefen inneren Frieden, Liebe - angekommen sein?
Ja. Irgendwie schon. So richtig greifen kann ich es noch nicht, aber Du hast da noch was geschrieben, was mich richtig getroffen hat – später dazu.
Kann es sein, dass da ein Teil in Dir immer noch zweifelt, dass Deine Ma es auch so meint? Dass es diesem Teil an Vertrauen mangelt und Angst hat, dass sie Dir mit wenigen Worten, Blicken, Gesten das Geschenk wieder wegnehmen könnte?
Nein. Ich vertraue darauf und denke, das ist auch richtig so. Ich überbewerte es nicht und mache auch nichts davon abhängig. Es ist nur einfach schön, es erlebt haben zu dürfen. Meiner Mutter dürfte überhaupt nicht klar sein, was sie da gemacht hat und welchen Wert es für mich hat. Sie bemüht sich, liebevoll zu sein, schon seit einiger Zeit, hat sogar meine Tochter schon bemerkt, die sie auch immer schei*e behandelt hat. Da musste ich immer sehr aufpassen, ich habe sie ihr nicht anvertraut, wenn ich nicht dabei war.
Möglicherweise ist da auch ein Anteil (ein ganz junger Anteil) der so etwas, wie Trotz erlebt? "Is ja toll - nun brauch ich deine Annahme auch nicht mehr."
Nein. Gar nicht.
Und vllt. ist da auch Trauer darüber, was Dir all die Jahre entgangen ist.
Ja. Ich denke, hier ist der Punkt. Jedes Mal wenn ich diesen Satz lese, schießen mir die Tränen in die Augen und ein tiefer Schmerz durchfährt mich. Dieses „was hätte sein können“, „was hätte aus mir werden können“ mit etwas Unterstützung meines Wesens. Erlebt habe ich Vernichtung. Heute die Bestätigung meines tiefsten, inneren Wissens, das man aber in der Not selbst verdrängt hat, dass ich zwar anders, aber nicht schlecht bin, zu bekommen, das ist einfach überwältigend. Ich konnte kein Stück meines noch nicht erwachsenen Lebens selbst bestimmen. Ich erlebte nur Drill und Folter. Nichts für einen Menschen, der nur lieben und für andere da sein möchte. Ich habe schon von klein auf gespürt, dass es ihr nicht gut geht, ich „sah“ ihren tiefen inneren Schmerz und habe IMMER versucht, ihre inneren Löcher zu stopfen, ich habe mir ein Bein dafür ausgerissen, doch nie Erfolg gehabt, sie hat nie was bemerkt und mich nur für zutiefst schlecht empfunden, daran bin ich kaputt gegangen. Es hat mich zerstört und es hat Jahrzehnte gebraucht, bis ich nun zu mir gefunden habe. Und nun so was zu hören, hat jetzt so viel hochkommen lassen, deshalb wohl auch noch mal die Alpträume. Die sind jetzt wieder weg.
Hallo Kurti, danke auch für Deine Gedanken. Ich weiß nicht, wie Du zu Deinem Eindruck gekommen bist, es passt kein einziger Satz auf mich. Ich sehe da auch keinen Vorwurf.
Als ich deinen ersten Beitrag las, kam in mir ein merkwürdiges Gefühl auf und ich habe an meine Mutter gedacht und wenn die so etwas zu mir sagen würde...
Ja, vielleicht hat das Ganze auch mehr mit Dir zu tun als mit mir, aber das ist völlig okay, ich bekam noch mal neue Gedanken, konnte dem nachspüren und für mich feststellen, nein, da passt für mich nichts. Ich bin viel weiter.
Würde sie es aber jetzt zu mir sagen, würde ich es ihr vermutlich nicht glauben, denn meine Mutter verachtet mich und kann noch nicht ein Mal das zugeben und es wäre mir auch egal.
Meine Mutter verachtet mich nicht. Das zeigt sie mir seit geraumer Zeit.
Egal, weil ich auf sie und ihre Gefühle zu mir nicht mehr angewiesen bin. Ich bin dabei, mich selbst zu lieben, denn ich bin ein liebenswerter Mensch und ich weiß das und ich fühle das. 🙂
Das freut mich für Dich, allein schon weil ich weiß, wie sich das anfühlt, denn ich bin nicht mehr angewiesen auf äußere Bewertungen.
Ich glaube, du bist noch nicht so weit und dieses "Eingeständnis" deiner Mutter hat dir auch genau das gezeigt. Du bist noch immer von der Meinung, dem Wohlwollen oder auch nicht von deiner Mutter abhängig. Du bist als Erwachsene noch nicht in der Lage, dich selbst in den Arm zu nehmen und dich selbst von ganzem Herzen zu lieben, so wie du jetzt bist und so, wie du einst warst.
Deswegen kommst du jetzt nicht an das Gefühl heran, an das du heran möchtest.
Nein. Ich kann mir seit geraumer Zeit selbst geben, was ich brauche, ich kann mich sehr gut um die kleine Kia kümmern, sie in den Arm nehmen und spüren, was sie braucht und ihr auch wieder Sicherheit geben. Ich spüre auch, wenn es um die Kleine geht und nicht um die Erwachsene und hier geht es auch viel um die Kleine, wir stehen in gutem Kontakt.
Warum ich an das Gefühl nicht herankomme – einerseits habe ich jetzt sicher erkannt, es ist Trauer. Eine Trauer, die dran ist. Die Trauer um die Vergangenheit, um schmerzlich Vermisstes. Wenn das jetzt hochkommt, dann ist es auch wert, sich darum zu kümmern, es zuzulassen.
Und auf der anderen Seite – das, was ich erwartet hatte, nämlich, dass sich da was integriert, eben in das Loch noch fällt und da was schließt, das geht gar nicht. Eben, weil es das Loch nicht mehr gab/gibt. Es ist geschlossen, es ist gefüllt mit meiner eigenen Wertschätzung. Es ist stabil, da ist kein Platz mehr, das, was meine Mutter mir da jetzt geschenkt hat (ganz unbewusst), wurde ganz einfach nicht mehr gebraucht und dennoch ist es von großem Wert und es gibt mir auch ganz viel. An meinem erarbeiteten Selbstwert jedoch ändert es nun nichts mehr. Es ist komisch, das jetzt so zu fühlen, aber ich spüre richtig, wie dieses Geschenk sozusagen oben drauf liegt. Es hat keinen Platz mehr in meinem Selbstwertloch, weil da keiner mehr ist. Ich werde es nun in den Herzensschrank für Geschenke liebevoll einsortieren. Und trotz der Tränen für die Trauer fühle ich ein Lächeln für dieses Geschenk.
Ich gehe davon aus, dass alles, was wir im Leben erfahren Prüfungen/Abenteuer sind. Deswegen kann der Mensch an sich auch nicht scheitern, denn er gewinnt immer an Erfahrungen.
Ich nehme schon lange alles, was mir passiert, als etwas, woran ich wachsen und lernen kann. Keine einzige Erfahrung ist umsonst, ich habe noch niemals gefragt „Warum ich“, auch, wenn mir ganz böse Dinge passieren, kann ich noch glücklich sein, weil ich daran glaube, dass ich Stück für Stück meine Probleme lösen kann und wenn ich einen Schritt weiter gekommen bin, kommt einfach nur das Glück. Ich weiß, wie man Hilfe holen kann und ich leiste mir, das auch zu tun, wenn ich allein gerade nicht weiter komme.
Ganz lieben Dank für all Eure Beiträge. Ein bisschen muss ich wohl noch arbeiten an diesem Erlebnis, Ihr habt mir mit Euren Gedanken sehr geholfen.
Und jetzt kann ich noch traurig sein, dem Ganzen einen Platz geben und auch das Glück fühlen.
Danke, dass es Euch gibt. kia