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Hört der Schmerz den nie auf???

Bebbel

Neues Mitglied
Hallo Ihr Lieben.

Habe im April letzten Jahres meine 82 jährige Mutter verloren.
Als ich von der Arbeit nach Hause kam lag sie auf ihrem Bett und war nicht mehr ansprechbar. Hirnschlag mit starker Hirnblutung, die Ärzte konnten nichts mehr für sie tun.
Bis heute gebe ich mir die Schuld an ihrem Tod.
Ich bin in der ambulanten Pflege und hatte zwischen zwei Patienten eine halbe Stunde Pause. Da ich sehr Durst hatte wollte ich erst nach Hause weil ich daran vorbei fuhr, habe mich dann aber anders entschieden und mir unterwegs etwas geholt.
Nun denke ich andauernd, wenn ich hoch in die Wohnung gegangen wäre, statt daran vorbei zu fahren hätte ich meine Mutter bestimmt früher gefunden und man hätte ihr noch helfen können. Mein Bruder und meine Freunde meinen es sei quatsch und ich solle mir nichts einreden, dies ist aber leichter gesagt als getan.

Seit dem Tod meines Vaters vor 8 Jahren war Mama zu mir gezogen. Wir verstanden uns sehr gut, nicht nur wie Mutter und Tochter, nein wir waren auch beste Freundinnen und Vertraute.

Sie fehlt mir unendlich und der Schmerz wird immer schlimmer anstatt weniger.

Habe mir jetzt Hilfe beim Psychotherapeuten geholt und momentan tut mir das gut, werde meine Schuldgefühle aber trotzdem nicht los. Gerade am vergangenen Wochenende war es besonders schlimm, habe nur geheult.

Vielleicht gibt es hier Menschen die etwas ähnliches erlebt haben und mit denen ich mich austauschen kann, wäre schön.

L.G. Bebbel
 
hallo, liebe bebbel!!
das wichtigste ist wirklich, von den schuldgefühlen weg zu kommen.du bist auf keinen fall schuld am tode deiner mutter. es hätte auch passieren können, während du zuhause warst. sie war immerhin 82 jahre alt, ihr hattet eine schöne zeit zusammen, ihr habt eure gemeinsame zeit genossen. du bist eine heldin, weil du es gechafft hast, MIT ihr zusammen zu wohnen, mit ihr freud und leid zu teilen!!das ist manchmal nicht der einfachste weg, da ältere menschen ab und an auch ihre "komischen minuten" haben.ich für meinen teil bewundere dich! meine mutter verstarb bereits vor mehreren jahren, mein vater im august 2010. lich dachte mir damals auch, nie wieder ein normales leben führen zu können, aber-es geht mit der zeit..
oft stehe ich in sternenklaren nächten auf meinem balkon, suche mir einen stern aus, und denke mir meine eltern dorthin. ich spreche sehr viel mit beiden, erzähle von meinem tag, aus meinem momentanen leben. auch habe ich eine schöne "ecke" in einem zimmer. dort stehen fotos der beiden, und eine kerze, die eigentlich immer angezündest ist, wenn ich da bin...
ich wünsche dir viel kraft, liebe bebbel, deine frara
 
Hallo liebe Bebbel,

erstmal tut es mir sehr leid, dass du deine geliebte Mutter verloren hast.

Ich hoffe, ein Teil von dir, in dir, weiß trotz deiner Schuldgefühle, dass du keine Schuld hast. Einen geliebten Menschen, gerade einen Elternteil, zu verlieren, ist sehr schlimm, und gerade wenn ihr ein so vertrautes Verhältnis hattet, tut es sicher noch mehr weh.

Aber du musst dich von der Vergangenheit lösen und langsam wieder den Blick nach vorne richten. Das heißt nicht, dass du irgendwelche Gefühle, irgendeinen Schmerz, unterdrücken musst.
Sondern dass du den 'Was-wäre-wenn'-Gedanken nicht mehr so viel Gewicht und Raum gibst.
Denn sie sind nichts anderes. Du denkst dir, wenn ich das und das gemacht hätte, wäre sie vielleicht noch am Leben.
Aber hast du die Sicherheit, dass es wirklich so wäre? Nein.

Ihre Zeit war gekommen. Es ist irgendwann unausweichlich. Leider auch der Schmerz, der damit einhergeht.
Doch führe dir vor Augen, dass sie ein langes, erfülltes Leben hatte.
Sie würde sicher nicht wollen, dass du dich dein Leben lang mit Schuldgefühlen quälst, da sie unnötig sind. Du kannst weder etwas dafür, noch hättest du es über kurz oder lang verhindern können.
Deine Mutter würde dich sicher wieder glücklich sehen wollen.

Gott, das Universum, der Kreislauf des Lebens - wie man es auch nennen mag - hat sie nun zu sich geholt, das Schicksal hat es so vorgeschrieben, und du hättest daran nichts ändern können.

Gib dir die Zeit, um alles zu verarbeiten.. in einer Therapie ist der Wendepunkt der Gefühle oft der schmerzliche Tiefpunkt. Doch dann geht es irgendwann langsam bergauf.

Meine Oma starb, als ich 18 war, wir waren uns auch sehr nahe gestanden.
Ich musste miterleben, wie es schnell bergab ging mit ihr, sie war immer fit und gesund gewesen, doch in ihr hat ein Krebs geschlummert, der plötzlich sehr aggressiv ausbrach.
Meine sonst so lebensfrohe Oma wollte wegen der Schmerzen irgendwann nicht mehr leben, sie wollte aufgeben, und das mitansehen zu müssen, diese Schmerzen... es war für mich verstörend.
Das Schlimmste war für mich, dass ich mich nicht mehr richtig verabschieden konnte und nachher das Gefühl hatte, ich wäre viel zu wenig für sie dagewesen. Sie dämmerte einige Tage in einer Art Koma, bis sie schließlich starb.
Sicher war es erleichternd, dass sie nun befreit war, aber ich habe lange gebraucht, um mich von den Erlebnissen zu erholen und die letzten Bilder, die ich von ihr hatte, wieder durch die schönen Erinnerungen zu ersetzen.

In irgendeiner Form hat das wohl jeder Mensch.. dass man das Gefühl hat, der Tod kam zu früh, hätte man nicht noch etwas machen können, man konnte sich nicht mehr verabschieden, man versteht nicht, wie es so plötzlich geschah, man hätte noch so viel sagen wollen, man hätte sich versöhnen wollen...
Es sind Gedanken, die man eine Zeit lang hat, aber die nicht das restliche Leben vereinnahmen dürfen.

Die Vorstellung, dass die geliebte Person es nicht wollen würde, dass man sich quält, ist das, was mir am ehesten half. Dass man für sie stark bleiben will, sein Leben weiterleben will.

Ich sende dir ganz liebe Grüße und drück dich,

M.
 
Danke vielmals für Eure lieben Worte, hat mir echt gut getan.
Was ich nur nicht verstehe ist, dass ich dachte schon alles recht gut verarbeitet zu haben jetzt aber eigentlich mehr trauere als direkt nach ihrem Tod.
Komisch aber wahrscheinlich ist das auch bei jedem anders.
Nochmals danke an Euch.

L.G. Bebbel
 
Liebe Bebbel,

Ich kann dich nur zu gut verstehen. Mein Vater ist 2008 an Krebs gestorben. Direkt nach seinem Tod kam ich scheinbar besser damit klar, aber jetzt, nach ungefähr 2 Jahren verstehe ich erst das Ausmaß. Oft habe ich das Gefühl das er mich doch eigentlich jetzt anrufen müsste, um mir zum Geburtstag zu gratulieren, oder einfach nachzufragen wie es mir geht. Die Schuldgefühle, von denen du sprachst kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Zwar nicht wie in deinem Fall, aber ähnlich. Als mein Vater erkrankte, war ich noch in Australien. Ich hatte gerade mein Abitur erfolgreich beendet und wollte nicht direkt anfangen zu studieren, er hat mich dazu ermutigt und unterstützt, mich zum Flughafen gefahren und herzlich verabschiedet.
3 Monate in Australien bekam ich einen Anruf, das er schwer an Krebs erkrankt sei und das er vermutlich nur noch wenige Monate zu leben hätte. Dieses Gespräch werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen.
Ich bin natürlich so schnell wie es geht zurückgeflogen um ihn zu sehen. Dennoch, diese 3 Monate, die ich weg war, die hätte ich noch mit ihm verbringen können. Ich mache mir solche Vorwürfe, das ich nicht da war. In der Zeit in der ich dann bei ihm war, konnte ich nicht glauben, was ich da sah. Mein starker Vater, kräftig, sportlich, voller Lebensfreude, war nur noch eine Hülle, eine leere, kaum noch vorhandene Hülle. Ich glaube den Schmerz, den man empfindet, wenn man eine geliebte Person so vor sich sieht, wird nie jemand verstehen, der nicht ähnliches durchgemacht hat. Ich vermisse ihn sehr und selbst jetzt könnte ich weinen, weil er mir so fehlt. Liebe Bebbel, das einzige, was ich weiß ist, das er und in deinem Fall Sie wollen würden, das wir weitermachen, nicht die Hoffnung aufgeben und niemals den Kopf hängen lassen. Und das hilft mir ungemein.

Gruß, B.
 
Liebe Bebbel,

Du bist mit absoluter Sicherheit nicht Schuld oder einen Teil Schuld am Tode Deiner Mama.

Hast Du das mal von einer anderen Warte aus gesehen???
Was wäre gewesen wenn du vielleicht eher nach Hause gekommen wärest, Deine Mama erher gefunden hättest und man hätte sie gerettet??? Als Pflegekraft weisst Du doch bestimmt das Patienten mit dieser Diagnose dann meisten schwere Schäden davon tragen. Deine Mama wäre jetzt ein Pflegefall wahrscheinlich, hätte einen geistigebn Schaden, läge eventuell im Koma / Wachkoma. Deine Mama wäre dann mit Sicherheit nicht glücklich in ihrem hohen Alter noch so leiden zu müssen.

Seih dankbar das Du deine Mama so lange auf Erden behalten durtest, das ihr so ein schönes Verhältnis hattet und Du sie die letzten Jahre bei Dir hattest. Du hast ihr damit viel gegeben und sie wird Dir sehr dankbar sein dafür und wollte gewiss nicht das Du jetzt da sitzt und trauerst. Sie wollte bestimmt das Du an sie denkst, mit Freude an die Zeit mit ihr zurück blickst aber Dein Leben lebst und glücklich bist. Das wünscht sich doch jede Mutter für ihr Kind.

Nicht so traurig sein Bebbel. versuche froh zu sein darüber, daß Deiner Mama ganz viel Leid erspart wurde. Manchmal sieht man vor lauter Trauer die Kehreite einer Rettung gar nicht, denn nicht immer ist sie ein Segen.

Fühle Dich umarmt
Shelti
 
Hallo Liebe Bebbel,
ich kenne die Situation nur zu gut wenn man einen lieben Menschen verliert. Ich war 5 als meine Mutter an Krebs gestorben ist und noch heute macht es mir sehr zu schaffen dass ich sie verloren habe.. Natürlich habe auch ich mir vorwürfe gemacht bzw meine Schwester machte sie mir! Aber ich bin darüber eigentlich hin weg. Ich denke die erste Zeit also die ersten Jahre ist es schwer aber mit der Zeit kommt man damit klar. Man sollte es nur nicht überstürzen! Es ist schon schwer jemanden zu verlieren. Also Kopf hoch! und wenn du tipps brauchst was du dagegen machen kannst sag einfach bescheid 🙂
LG
 
Ihr seid einfach alle spitze, ganz herzlichen Dank.
Nie hätte ich gedacht, dass man im Internet von wildfremden Leuten so viel Hilfe, Trost und Unterstützung erfährt.
Danke Euch allen.

LG Bebbel
 
Schuldgefühle.......... Ja, sie dürfen auch sein. Man denkt ja ständig nach, was wäre gewesen, wenn.....

Abe Du weißt ja selber vom Verstand her...... dass es für Deine Mutter wahrscheinlich ein Segen war, dass sie zu spät gefunden wurde und nicht mehr gerettet werden konnte. Der Tod war wenigstens natürlich und sauber. Besser als jetzt 1 Jahr im Koma im Pflegeheim mit den ganzen Geräten auf das Ende warten.....

Und klar, wenn es der Tod sein muss, wünscht man sich beim letzten Atemzug dabei zu sein..... Und Hand halten... Und jetzt geht das nicht mehr......

Hast Du von Deiner Mutter ordentlich verabschieden können? Vielleicht kannst Du dir was ausdenken. Also, nicht nur in Gedanken, sondern handfest was machen.
 

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