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Gast

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Unser Sohn ist sensibel und hat inzwischen in der Schule jede Motivation verloren. Die Lehrer haben ihm dem Stempel "Aufmerksamkeitsdefizit" aufgedrückt und er zieht sich immer weiter zurück, macht im Unterricht nicht mit, sagt er hat Angst vor dem neuen Lehrer, weil der so viel schreit. Das wiederum führt dazu, dass er noch weniger macht (Vermeidungsverhalten) um nicht wegen möglichen Fehlern angeschrien zu werden.

Zu Hause macht er seine Hausaufgaben sorgfältig und selbständig, beherrscht ganz offensichtlich den Unterrichtsstoff, macht sich teilweise bei den Hausaufgaben Musik an und schafft es trotzdem.

Nun "bereitet" uns die Schule darauf vor, ihn von der zweiten in die erste Klasse zurückstufen zu wollen, sprich der Lehrer betont, dass er nicht in der Lage sei, erfolgreich am Unterricht teilzunehmen usw. Unser Sohn stört dabei nicht den Unterricht sondern verhält sich ruhig.

Aufgrund der Problematik waren wir bereits beim Kinderarzt (spezialisiert auf ADHS), der auch was dieses Thema angeht genau hingeschaut, am Ende aber jedwede Störung ausgeschlossen hat. Unser Sohn sein intelligent und es läge auch kein Aufmerksamkeitsdefizit vor.

Unser Sohn gerät dabei immer mehr unter Druck, will nun nicht mehr in die Schule und vor allem nicht zu diesem Lehrer. Er will die Klasse wechseln obwohl er in der Paralellklasse keinerlei Freunde hat und sich eigentlich schwer tut, sich auf neue Gruppen einzulassen.

Heute kam er aus der Schule und meinte, er musste in der letzten Stunde Kopfhörer tragen - er selbst wollte das nicht, hat sich allerdings auch nicht getraut, das zu sagen. Einige Kinder haben deswegen über ihn gelacht.

Der Lehrer beharrt fest darauf, dass unser Sohn "nicht in der Lage ist" und weigert sich, genauer hinzuschauen. Reden ist mit ihm nur sehr schwierig - er hat eine laute und unruhige Klasse (muss man ihm zugute halten) und muss nur noch wenige Jahre abreißen, man gewinnt den Eindruck, dass er mit Problemen einfach nicht behelligt werden will.

Heute nachmittag hatten wir dann ganz spontan ein Gespräch mit der Schulleitung. Es wurde gleich gemauert - dass unser Sohn aus Angst nicht schreiben würde, könne man sich bei diesem Lehrer (der übrigens bekanntermaßen sehr viel schreit) nicht vorstellen und das mit den Kopfhörern - ja, das sei in der Schule gang und gäbe, viele Kinder würden diese Kopfhörer sehr gerne nutzen, weil sie sich damit besser konzentrieren könnten.
Unsere Frage nach einem Klassenwechsel wurde mit ebendiesen Argumenten und dass ja gar kein Problem vorliege (außer den angeblichen Unzulänglichkeiten meines Sohnes) sogleich niedergeschmettert.
Die Diskrepanz zwischen Schulleistung und Leistung zu Hause wird mit dem Argument mangelnder Konzentrationsfähigkeit abgehakt obwohl das längst ausgeschlossen wurde.

Wie bewertet ihr die Situation und was sollen wir nun weiter machen?
 
Wenn die Schulleitung Eure Sorgen nicht ernst nimmt und mit dem Lehrer konform geht ,habt Ihr es schwer.
Natürlich könntet Ihr Euch an`s Schulamt wenden ,fraglich ist,ob es letztendlich nicht zu Lasten des Jungen geht.
Käme für Euch ein Schulwechsel in Betracht,quasi,um noch mal die Chance auf einen Neuanfang zu haben?
 
Hallo Gast,

ich rate in diesem Fall dringend zu einem Schulwechsel. Wahrscheinlich ist Euer Sohn hochsensibel. Diese Thematik kennen leider nicht viele. Selbst wenn davon Kenntnis erlangt wird, ist selten jemand bereit,hierauf Rücksicht zu nehmen. Tja, und wenn sogar schon die Schulleitung mauert... .

Ich habe aufrichtiges Mitleid mit Eurem Sohn. Stärkt ihn und sagt ihm, dass nichts falsch/ schlecht an ihm ist.
 
Erstmal vielen Dank, wir können im Moment wirklich jede Unterstützung gebrauchen.

Ja, wir haben einen Schulwechsel in Betracht gezogen - als letztes Mittel. Unser Sohn will das nicht, er hat Angst weil er dort dann niemanden kennt. Aber da muss er dann wohl durch. Wie stelle ich das mit dem Schulwechsel am Besten an? Einfach in den Schulen anrufen und fragen ob dort ein Platz frei ist?

Und das mit der Hochsensibilität stimmt - er spürt, was man von ihm hält und passt sich dem an. Soll ich das im Gespräch mit den anderen Schulen ansprechen oder wäre das genau falsch?
 
Hallo Gast,

erstmal finde ich es gut, dass ihr so zu euerm Sohn haltet 🙂

Einen Schulwechsel würde ich auch richtig finden. Das könnte aber aus zwei Gründen schwierig sein. Ich glaube in der Grundschule kommt es noch auf das Gebiet an, in dem man wohnt. Ob sich das mittlerweile geändert hat, weiß ich leider nicht.

Der zweite Nachteil ist natürlich, dass dein Sohn sich mit den Kindern, die er morgens in der Schule sieht, nicht mehr so einfach nachmittags verabreden kann. Das ist vielleicht jetzt noch nicht wirklich wichtig, aber in der 3. und 4. Klasse schon.

Wenn der Lehrer viel schreit, dann muss dein Sohn nicht besonders sensibel sein, um davor Angst zu haben. Nach meiner Erfahrung gehen viele Eltern damit nur anders um. Die machen dem Kind solange Druck bis der Lehrer mit dem Kind zufrieden ist. Oder reagieren einfach nicht.

So richtig einen klaren Tipp zu geben ist sehr schwer. Vielleicht ist es eine Mischung von ein paar Dingen. Also erst mal zu wissen, was darf/sollte der Lehrer machen. Hat er in seiner Ausbildung gelernt zu schreien und welches pädagogische Ziel wird damit verfolgt.

Ich würde auch mal mit dem Schulpsychologen reden. Der ist nicht an jeder Schule, den gibt es leider nur für viele Schulen auf einmal.

Und ich würde mir Unterstützung bei einer Beratungsstelle holen. Nicht mit eurem Sohn. Für euch.

Sicher nicht, weil ihr etwas falsch macht. Einfach, weil es bisschen leichter wird, wenn man Unterstützung hat 🙂

Eine Sache fällt mir noch ein. Meine Kinder konnte ich ein Stück weit schützen, indem sie mir alles erzählt haben (sie wussten, dass ich sie ernst nehme und ihnen glaube) und ich es dann bei der Lehrerin 'fallen gelassen' habe.

Ein so 'ach heute waren sie wohl sehr aufgeregt beim Lesen/Schreiben/Malen, meinem Sohn hat das Angst gemacht, brauchen sie Unterstützung?' kann Wunder wirken. Die Lehrerin hat einmal direkt meinen Sohn gefragt, ob er denn wirklich Angst gehabt hätte und er war ganz ehrlich und hat es bejaht 🙂 Allerdings war er da schon in der dritten Klasse.

So konnte ich wenigstens meine Kinder schützen.

Es gibt wirklich viele Eltern, die noch Mitte und Ender der 90er Jahre den Lehrern gesagt haben, sie sollten ihre Kids ruhig schlagen, wenn sie nicht hören.

Ich muss sagen, als meine Kids damals in die Schule kamen, war ich tatsächlich geschockt, was da teilweise gelaufen ist. Ich hätte das nie und nimmer geglaubt, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte.

Meine Kids haben sogar einmal das Gymnasium wegen unhaltbarer Zustände bei den Lehreren wechseln müssen. Das war z.B. eine extrem gute Entscheidung 🙂 Heute studieren beide erfolgreich.

Aber ich kann deine Ängste, die du jetzt hast, sehr gut verstehen. Die hatte ich damals auch sehr viele Jahre lang.

Lieben Gruß
Fragende
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo, auch dir vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Eine Beratungsstelle bzw. Lerntherapeutin wurde uns auch von Seiten des Kinderarztes angeraten - als Hilfe für uns, wie wir mit der Situation umgehen können, als Training für unseren Sohn und auch als Unterstützung gegenüber der Schule. Ich war gestern dort, die Dame meinte, sie würde mir derzeit nicht empfehlen, mit unserem Sohn zu arbeiten, weil man ein falsches Zeichen setzen würde - er würde so das Gefühl bekommen, dass er nun auch noch außerhalb der Schule Hilfe braucht. Da derzeit kein Lerndefizit vorliegt, sieht sie dieses das Training in den empfohlenen Punkten (Motivation wiederfinden, Zeitmanagement, Umgang mit Aufgaben und Anforderungen) als zweitrangig. Sie meinte, sobald wir merken, dass er im Schulstoff zurückbleibt, sollen wir uns melden. Das Training würde sie persönlich dann empfehlen, wenn eine Änderung der Schulsituation keine Besserung bringt.

Nun steht ja die Frage mit dem Schulwechsel im Raum. Zum Einen hören wir von den Grundschulen im Umkreis nichts Gutes - auch im Vorfeld zu dieser Geschichte schon. Das macht die Unsicherheit nun noch größer.

Unsere Tochter geht auf die gleiche Grundschule, ein Jahrgang unter meinem Sohn. Sie hatte Glück, eine tolle Lehrerin, kleine Klasse und gute Klassengemeinschaft. Die Beiden sind im Umgang wie Zwillinge, sehr eng beieinander, wobei sie immer auch mit anderen spielen und jeder trotzdem seinen eigenen Freundeskreis hat. Dass seine Schwester vor Ort ist, gibt unserem Sohn viel Halt - allerdings würde ich sie aus ihrer Klasse nicht herausnehmen, da sie sich dort wohlfühlt und es keine Veranlassung gäbe. Jetzt tun sich ein paar Probleme auf - ich hätte kein Problem damit, meinen Sohn zur Schule zu fahren und abzuholen, allerdings wird es dann schwer, wenn meine Tochter genau in dieser Zeit nach Hause kommt. Die Haustür bekommen die Kinder noch nicht aufgeschlossen, ich kann ihr also nicht einfach einen Schlüssel mitgeben. Ok, ist ein Problem, kann man aber sicher lösen. Jetzt auf eine andere Schule gehen zu müssen als seine Schwester, würde meinen Sohn derzeit hart treffen. Im ersten Schuljahr war er auch alleine und es war kein Problem, aber im Moment sind die Beiden wie Pech und Schwefel und ich denke er zieht aus dieser Nähe auch viel Nutzen. Ob er darauf in einer blöden Situation wie dieser verzichten kann, da bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich sage mir zwar, dass andere auch alleine klarkommen und er hat es in der ersten Klasse auch geschafft, aber so ganz beiseiteschieben kann ich den Gedanken nicht.

Nächster Punkt und hier brauche ich ganz dringend Erfahrungsberichte von Leuten, die das Ganze in der Grundschule durchgezogen haben: Meine Mutter arbeitet als Sekretärin an einer weiterführenden Schule. Sie hat gestern, als sie die Geschichte mit den Kopfhörern hörte, ihren Direktor darauf angesprochen. Der wiederum war der Meinung, dass ein Schulwechsel keine Lösung sei - man nehme das Problem mit, die Schule würde wissen wollen, warum der Wechsel stattfindet und das Kind habe gleich wieder einen Stempel aufgedrückt, sei es als überempfindlich oder schlichtweg dass wir Eltern als schwierig gelten würden.
Dann wäre das mit dem Thema Neuanfang natürlich gleich Essig.
Wie sind da die Erfahrungen, bringt der Schulwechsel oft wirklich Erfolg? Ich habe eine Heidenangst, die falsche Entscheidung zu treffen.

Ich werde nun noch einen Termin beim Schulpsychologen vereinbaren, mal sehen, was der sagt.
 
Dein Sohn hat ein Recht auf Bildung, und erhält diese an der jetzigen Schule nicht.
Desweiteren hat dein Sohn ein Recht darauf, verstanden zu werden - grade in so jungen Jahren.
Was steht also einem Schulwechsel im Weg?

Ich würde an eurer Stelle außerdem zum Psychologen gehen, und nachforschen was das eigentliche Problem ist. Hat er Angst davor, sich in der Klasse einzubringen? Hat er einfach keinen Bock auf den Lehrer? Ist er womöglich hochbegabt, und langweilt sich? (Grade Hochbegabung führt oft zu Trotzreaktionen, und nicht selten plädieren Lehrer darauf, solche Leute auf die Sonderschule zu verweisen...).
Du sagst selber, dass euer Sohn sensibel ist. Scheinbar liegt das Problem nicht an seiner Intelligenz, sondern an seinen Emotionen... Grade das sollte weiter erforscht werden - und ein Fachmann wird dort die beste Option bieten.

Würde er dieses Jahr durchfallen, wäre das für seinen Werdegang nicht so katastrophal. Es handelt sich schließlich nur um ein Jahr... Die Gefahr sehe ich eher daran, dass es seinem Selbstwertgefühl nicht grade zuträglich sein könnte.



Von diesem Lehrer sollte er jedenfalls definitv weg. Ich hatte in der ersten und zweiten Klasse auch eine laute Hexe, die mich auf dem Kicker hatte. Keine schöne Erfahrung, sag ich dir...
Und dass die Klasse laut ist, ist ja wohl ein Witz. Das sind dort Kinder im Alter von 7 bis 8; die sind naturgegeben etwas lauter. Wenn der arme Schreihals von Lehrer das nicht packt, sollte er einen Berufswechsel in Erwägung ziehen, bevor er sich bei seinem ganzen Stress und akkustischen Meisterleistungen einen Herzinfarkt zuzieht -.-
 
Nemo, danke, dein Beitrag hat wirklich gut getan 🙂

Ich habe heute mit der Schulaufsicht gesprochen - inoffiziell und einfach zur Information, wie es mit einem Schulwechsel aussehen würde, wann das möglich wäre (in der Regel nur zum Schuljahreswechsel) und ob ich an die Schulen innerhalb des Landkreises gebunden bin (wir wohnen im Grenzgebiet).

Natürlich wurde ich nach den Gründen gefragt und auch ob man sich einschalten sollte. Ich habe überlegt und dann erstmal abgelehnt, mit der Begründung, das nächste Gespräch abwarten zu wollen. Sollten wir dann wieder vor die Wand rennen, soll und werde ich mich wieder melden.
Die Frau hat mich auch über die Regelungen was das Zurücksetzen angeht, informiert. Dass beispielsweise bereits im letzten Jahr die Entscheidung gefällt wurde, ist nicht im Sinne des Gesetzes.

Mein Sohn musste heute diese Kopfhörer wieder tragen obwohl er klar gesagt hat, dass er das nicht möchte - zumindest ein Mädchen musste sich das Lachen verkneifen. Wir haben ein Schreiben aufgesetzt, das mein Sohn am Montag mit in die Schule nehmen wird. Sollte der Lehrer danach von dieser Methode, die in der Form eher eine Schikane ist, nicht ablassen, werden wir rechtliche Schritte einleiten, denn inzwischen ist klar, dass der Lehrer genau das nicht darf, schon gar nicht gegen den Willen des Schülers.

Da der Schulwechsel so schnell leider nicht möglich ist (Differenzen in der Einschätzung des Könnens reichen wohl kaum für eine Sonderregelung), müssen wir nun einige Kämpfe austragen. Montag habe ich einen weiteren Termin beim Kinderarzt, dort können wir auf schnelle Unterstützung hoffen. Im Moment sammle ich alles und führe Protokoll über solche Situationen wie die mit dem Kopfhörer.

Der Schulpsychologische Dienst ist denke ich absolut wichtig, damit mein Sohn in der Schule unterstützt wird. Da das Problem NUR dort auftritt und ansonsten auch bei schulähnlichen Situationen nicht, denke ich muss man auch dort ansetzen und ihn vor Ort gezielt aus der Arbeitsverweigerung herausholen. Leider sind die Wartezeiten dort zum Teil sehr lang und ob der Fall eine Dringlichkeit erhält, kann ich nicht beurteilen. Ich habe die Problematik geschildert, hatte auch bereits vorher Kontakt zu dieser Stelle, weil ein Junge aus unserer Klasse von Lehrer, Mitschülern und vielen Eltern gemobbt wird. Möglich, dass die Gesamtsituation ein schnelles Einschreiten nötig erscheinen lässt. Ich konnte bisher nur eine Mail schicken, telefonisch erreiche ich dort nur Montags zu bestimmten Zeiten jemanden.

Letztlich habe ich nun alle aufgescheucht, die ich aufscheuchen konnte, sogar das Jugendamt und alles wird nun seinen Gang gehen.
Vielen Dank an alle und nun müssen wir die nächsten Tage ersteinmal abwarten und sehen was seitens der Schule und der eingeschalteten Stellen passiert.
 
Hallo Gast,

frag in der Schule nach, was sie damit pädagogisch erreichen wollen.

Ich weiß, es klingt komisch, aber darüber kann man selbst Lehrkörper erreichen 🙄

Lass dir begründen, warum die Kopfhörer für den Unterricht sein sollen. Was sie bewirken sollen und warum - mit welchem Ziel - sie eingesetzt werden.

Das muss der Lehrer begründen können. Pädagogisch sinnvoll.

So schwer es ist 🙂 Frage nach dem pädagogischen Konzept und lass ihn reden. Merke dir, was er gesagt hat. So tritt zutage, dass er kein Konzept hat.

Oder anders gesagt, mit dem was er sagt, gehst du dann zur Rektorin und fragst nochmal nach.

Wir haben ein Schreiben aufgesetzt, das mein Sohn am Montag mit in die Schule nehmen wird.

Nein, bitte nicht, dein Kind hat damit Probleme. Der große starke Lehrer, der das gar nicht haben will... .

Könnt ihr das Schreiben nicht selbst der Schule zuschicken?

Hast du mal bei der Schulbehörde nachgefragt, was die dazu meinen?

Lieben Gruß
Fragende
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo!

Das mit den Kopfhörern hatten wir schon angesprochen. Als Antwort bekamen wir, dass das bei denen Gang und Gäbe sei, sehr viele Kinder würden die Kopfhörer sehr gerne tragen. Wenn es in der Klasse zu laut sei, würden sie selbständig ans Regal gehen und sich einen holen und damit einen geschützten, ruhigeren Raum erschaffen, in dem sie sich besser konzentrieren könnten.

Dass unsere Klasse sehr unruhig ist, ist übirgens eine Tatsache, da gibt es auch eine Vorgeschichte (Kindergarten hatte damals davor gewarnt, eine Gruppe von Kindern nicht zusammen in eine Klasse zu stecken, weil die dort schon sehr schwierig waren. Alle kamen in diese Klasse. Da sind in der ersten Klasse schon Tische umgetreten worden... Allerdings muss ich auch sagen, dass man viele Situationen mit der richtigen Reaktion in den Griff bekommen kann, was dort allerdings irgendwie niemand schafft.)
Zurück zum Thema Kopfhörer: Gerade vor diesem Hintergrund ist es doch eigenartig, dass die Kopfhörer in dieser Klasse bisher nicht eingesetzt wurden, wenn das doch so tagtäglich bei denen ist.
Wenn das zum Konzept gehört, warum weiß dann niemand der Eltern etwas davon, nichtmals die Pflegschaftsvorsitzende? Als wir gefragt haben, warum wir nicht darüber informiert wurden, hieß es, das sei bei denen so alltäglich, dass man da wahrscheinlich einfach nicht dran gedacht hätte.

Und mal ehrlich: Es handelt sich um Kopfhörer in der Art, wie sie auf Baustellen usw. getragen werden. Man hört von den Dingern nur, dass sie ein notwendiges Übel sind, aber sehr unangenehm zu tragen. Und die wollen mir erzählen, dass viele Kinder das gerne tragen? Aber ich kann ihnen das Gegenteil nicht beweisen, mit dieser Geschichte haben sie mir sämtliche Argumente genommen, sogar das des pädagogischen Sinns.

Zum Nutzen der Kopfhörer habe ich eine Lerntherapeutin gefragt. Sie meinte, sie habe einmal auf einer Fortbildung davon gehört. Die werden selten eingesetzt, in ganz bestimmten Fällen und in einem ganz engen Rahmen - noch nichtmals unbedingt im KLassenverband und WENN, dann vor allem nach sorgfältiger Vorbereitung von allen beteiligten Schülern UND Eltern. Das sah sie hier nicht gegeben und die Maßnahme damit als nicht sinnvoll. Die gesamte Situation bezeichnet sie als Mobbing. Ich muss sagen, der Begriff ist mir zwischenzeitlich auch schon gekommen, allerdings denke ich, dass das schlichtweg die Art des Lehrers ist, der weiß einfach nicht was er tut.

Zum Schreiben: Mein Sohn hat es geschafft, dem Lehrer zu sagen, dass er die Kopfhörer nicht will. Ich habe fast einen Luftsprung gemacht, als ich das gehört habe und er war sichtlich stolz. Wir haben darüber geredet und auch darüber, dass er keinen Erfolg hatte. Ich habe ihm erklärt, dass das trotzdem ein Erfolg war, weil wir jetzt etwas gegen den Lehrer in der Hand haben (der Direx an der Schule meiner Mutter sagte ganz klar, dass es unter Körperverletzung fällt, wenn er meinen Sohn gegen seinen Willen dazu zwingt). Sicher, ich kann es mal wieder nicht beweisen, aber ich kann dennoch zeigen, dass wir solche Geschichten nicht auf uns sitzenlassen.
Meinem Sohn merke ich sehr schnell an, wenn er sich nicht traut, manche Dinge anzusprechen und ich würde das mit dem Brief von ihm nicht verlangen, wenn er damit unter Druck geraten würde - jedenfalls nicht in dieser Situation. Aber solange er nicht unter Druck gerät, denke ich es ist sogar sinnvoll, ihn mit einzubeziehen. Die Postmappe abzugeben, ist in der Schule regelmäßiger Alltag. Ich möchte meinen Sohn jetzt nicht unnötig in Watte packen, weil ich ihm gerade damit vermittle, dass er noch mehr Angst vor dem Lehrer haben muss. Und wir arbeiten gerade daran, dass genau diese Angst geringer wird, dass die Kritik des Lehrers mit mehr Distanz gesehen wird usw. Seine Angst vor dem Lehrer bezieht sich eher auf Unterrichtssituationen und davor, etwas falsch zu machen und angeschrien zu werden. Das kommt im Schriftverkehr bislang nicht vor, soviel muss ich dem Lehrer zugute halten.
Eine Kopie des Schreibens wird noch an die Schulleitung gehen. Das werden wir selbst regeln, weil es eine fremde Situation für meinen Sohn wäre.

Ich habe ihn jetzt auch ein wenig geimpft, dass wir jetzt kämpfen - unsere Aufgabe ist es, die Sachen zu besprechen und auszufechten, sein Recht zu erkämpfen. Seine Aufgabe ist es, im Unterricht so gut es geht mitzumachen und es dem Lehrer so zu zeigen. Er muss nicht mit allem fertig werden, es ist auch egal wenn er Fehler macht und wenn der Lehrer motzt, sagen wir jaja und denken uns unseren Teil. Das Ganze habe ich lustig aufgebaut mit Schlachtruf usw. Mein Sohn hat daraufhin gestern in Deutsch wieder etwas mehr geschrieben und war dann ganz stolz und ausgelassen, als ich ihm sagte, dass wir die erste Schlacht gewonnen haben. Er meinte, das sei ihm leicht gefallen und wir haben zusammen beschlossen, die nächste Schlacht am Montag auch versuchen zu gewinnen. Ok, er hat trotzdem sehr wenig geschrieben - aber mehr als in der letzten Zeit und das zählte in dem Moment.
In Mathe hat er auch mitgemacht, aber für Mathe nur sehr wenig - da hatte er die Kopfhörer auf.
Natürlich kam auch die Frage, was ist wenn wir mal eine Schlacht nicht gewinnen - da habe ich ihm gesagt, das ist dann eben Pech und wir versuchen es dann mit der nächsten wieder. Eine verlorene Schlacht bedeutet noch nichts.
Ich habe das Gefühl, dass er jetzt etwas weniger Druck hat. Hoffentlich hält die Tendenz an. Zu Hause sorge ich für Entspannung. Bisher habe ich noch dafür gesorgt, dass er die Sachen, die er nicht fertig hatte, zu Hause nachholte (was von der Schule so auch gefordert war). Jetzt, wo ich damit rechnen muss, dass er die Klasse eh wiederholt, sehe ich da wenig Sinn drin. Ich glaube kaum, dass wir das wirklich aufhalten können. Ich lasse ihm die Entscheidung nun selbst ob er da etwas nacharbeiten möchte. Einmal hat er sogar immerhin eine Zeile freiwillig geschrieben - ist nicht viel, aber er hat es ganz von sich aus gemacht und auch aufgehört, als er keine Lust mehr hatte. Ich merke immer wieder, dass er ohne Leistungsdruck viel besser arbeitet. Zeitdruck ist etwas anderes, der scheint eher nützlich zu sein - die Hausaufgaben fangen wir jetzt erst um vier oder noch später an, er hat Zeit bis zum Abendessen und arbeitet seitdem viel schneller - da reicht der eigene Antrieb, dass er die Aufgaben fertig bekommen will. Hat er zu viel Zeit, schaltet er auch zu Hause ab und trödelt. Seit wir das so machen, reizt er auch die Zeit, die er hat, nur noch sehr selten aus.

LG und ein schönes Wochenende 🙂 Schreiben tut gut, sortiert die Gedanken und Feedback hilft
 

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