Hi Juni,
für Dich wäre also klar, dass Du das Kind behältst? Mag vielleicht an dieser Stelle unpassend klingen, aber dann freue ich mich für Euch. Naja, noch ist ja gar nichts sicher und ich gebe zu, dass alles einfacher wäre, wenn es gar nicht so weit gekommen ist.
Aber die Sache mit dem Vater finde ich gar nicht so dramatisch. Er ist Dein Ex. Ist so weit ja nichts Schlimmes. Aber was erwartest Du dann von ihm? Dass ihr wieder eine Beziehung führt? Dass er sich einfach als Vater "von außen" kümmert? Dass er sich fernhält? Jedenfalls ist es erst einmal grundlegend sein Problem, dass er seine Freundin betrogen hat, darüber solltest Du Dir zur Zeit am wenigsten den Kopf zerbrechen. Wie dann das Verhältnis zu Deiner besten Freundin wird, steht natürlich in den Sternen. Auf der einen Seite könntet ihr Euch super unterstützen, welche junge Mutter kann schon behaupten, dass sie eine Freundin hat, die sich in der gleichen Situation befindet? Also, wenn sie diese Freundschaft nicht bricht (und im grunde genommen hat sie ja nicht direkt was damit am Hut mit wem ihr Bruder was wann tut) habt ihr beiden einen ganz tollen Partner an der Seite. Aber nun kennen wir das Verhältnis von ihr zu ihrem Bruder und dessen Freundin nicht...
Zu der Frage wie Dein Leben weitergehen würde:
Es kommt sehr darauf an, wer Dich inwiefern unterstützen würde. Da wo der familiäre Rückhalt, also Eltern, Geschwister, evtl. Großeltern sehr gut ist, wird es für die junge Mutter nach wie vor natürlich nicht einfach - ein Kind ist eben ganz schön viel Verantwortung, Kraft, Zeit, Geld - aber in diesem Rahmen gibt es selten Probleme die Schule / Ausbildung zu beenden, sich allmählich ein eigenes Leben aufzubauen.
Fehlt dieser Rückhalt wird es deutlich schwerer, Rücksicht oder gar Verständnis darf man in dieser Gesellschaft nicht zu viel erwarten. In diesen Fällen ist es häufig so, dass Schulen/Ausbildungen abgebrochen werden müssen und dann liegt es an einem selber das ganze später, wenn das kind größer ist, nachzuholen. (Ich z.B. habe in dieser Situation auch das Gymnasium abbrechen müssen, war einige Jahre zu Hause, schlug mich mit Gelegenheitsjobs durch, machte mit 24 meine erste Ausbildung und heute hole ich am Abendgymnasium das Abi nach). In diesem Alter ist es deutlich schwerer, Firmen werden merkwürdiger Weise oft skeptisch, wenn man mit 24 für eine Ausbildung anfragt. - ja, da wären wir beim nächsten Thema:
Egal, wie groß die Unterstützung Deines Umfeldes ist, mit einem musst du ganz alleine klar kommen:
Andere Eltern werden Dich immer schief ansehen, in den meisten Fällen missbilligend. Hey, ich kanns heute verstehen (bei mir ist das heute noch so, obwohl meine Tochter schon 9 ist, dachte immer mit Eintritt meiner Tochter in die Schule würde das besser, also hier ist es nur noch schlimmer geworden). Die warten alle bis sie Karriere gemacht haben, bis sie verheiratet sind, das Häuschen gekauft oder gemietet ist, haben sich jahrelang den Kinderwunsch verkniffen und halten sich nun für unglaublich tolle Eltern und ach so reif. Da kommt man dann als so junger Hüpfer daher und nimmt es sich heraus "einfach mal so" ein Kind zu bekommen. Sie werden Dich deshalb immer ein bißchen genauer beäugen, ob man nicht doch was am kind findet, dass man sagen kann "da konnte ja nichts draus werden". Auch Einstellungen in die Richtung "wer zu doof zum verhüten ist...." oder "so sind die jungen Mädchen, denken sich, der Staat macht das schon..." werden Dir immer wieder begegnen. Da muss man sich einfach ein dickes Fell angewöhnen, tut trotzdem manchmal weh. Und hin und wieder gibt es Menschen, die Dir ihre Bewunderung für Deine "Leistung" aussprechen. Naja, ehrlich gesagt kot*t mich das ein bißchen an, denn davon gibt es reichlich wenig und etwas praxisnahe Hilfe wäre mir meistens echt lieber gewesen... Aber da hört die Bewunderung in den meisten Fällen auch schon auf :O)
Ja darauf solltest Du Dich einstellen, abgesehen von den alltäglichen Veränderungen.
Das wichtigste, was mir erst klar werden musste ist die enorme Verantwortung. Damit meine ich nicht die, dass das Kind versorgt wird, sondern die, dass dort ein kleiner Mensch ist. Ein Mensch, der genau wie jeder andere später sehr von seiner Kindheit geprägt sein wird. Und für diese kindheit und die Folgen daraus, die es sein Leben lang, als Erwachsener, als mutter, als Großmutter immer verfolgen werden - trägst Du die Verantwortung. Das ist eine ganze Menge.
ich klinge vielleicht wenig mutmachend. ich will kurz erklären warum:
Die schönen Seiten eines Kindes kann sich fast jeder bildhaft vorstellen, es sind die Situationen, die man im Kopf hat, wenn man an eigene Kinder denkt. Über die anderen Seiten wird seltenst gesprochen. Mir sagte man damals auch, dass es schwer würde (z.B. "Deine Freunde gehen weg und Du musst zu Hause bleiben"), aber auf die anderen Schwierigkeiten hat mich niemand vorbereitet. Ich dachte z.B. immer, wenn ich meine Ausbildung später mache, sagen die Arbeitgeber, dass ich eine Frau bin, die selbstbewusst ihren Weg geht, ich sei älter als die anderen, wüsste was Verantwortung ist, ja ich dachte das spricht alles für mich. Es ist aber nicht so. Auch die sehen einen schief an und stecken einen in die Schublade, trauen einem noch weniger zu, weil man ja schon zu "blöd" zum Verhüten war, außerdem bekommen ja auch nur soziale Unterschichten so früh Kinder. (Hier mal die offizielle Frage: Habt ihr eigentlich einen Knall???)
Liebe Juni, scheue Dich nicht davor einer oberflächlichen, leistungsorientierten Gesellschaft die Stirn zu bieten. Hast Du die familiäre Unterstützung? Dann wird es wirklich nur halb so wild. Hast Du sie nicht? Wende Dich an ein mutter-Kind-Heim. Ein Kind so jung zu bekommen macht stark, immens stark, aber es zeigt einem auch deutlich die eigenen Grenzen auf.
Nun lass Dich von mir nicht allzu verrückt machen. Ich würde es im nachhinein betrachtet trotzdem wieder tun!!!
Gel06