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hilfe für suizid-hinterbliebene?

  • Starter*in Starter*in debbie
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    hilfe
D

debbie

Gast
hallo,

ich hoffe hier vielleicht ein paar hilfestellungen zu finden, wie ich meiner freundin besser helfen kann.
zur erklärung:
der mann meiner freundin hat sich vor 2 jahren das leben genommen. sie waren über 20 jahre miteinander verheiratet und nun hat sie ihr leben zwar nach aussen hin ganz gut im griff, aber innerlich vergeht sie vor selbstvorwürfen.
Sie sagt es hätte so viele notsignale von ihm gegeben, die sie nicht als solche erkannt und einfach ignoriert hätte. sie hätte ihn mehr entlasten müssen, da er viel zu viel arbeit gehabt hätte.
sie gibt sich die schuld an seiner entscheidung. er ist ohne abschied völlig überraschend gegangen und das auf eine sehr brutale art für hinterbliebene.
nun muß ich meiner freundin zwar recht geben, daß sie ihn wirklich in vieler hinsicht überfordert hat und ich kann ihre gedanken und schuldgefühle schon nachvollziehen, aber so kann sie ja schließlich nicht weiterleben. sie ist so unendlich traurig und leer. sie trägt ein fast übermenschliches pensum an arbeit nun ganz alleine. die selbe arbeit, mit der er sich überfordert fühlte, obwohl sie sich damals das ganze teilen konnten.
sie macht alles ohne murren und ihr ganzes umfeld bewundert ihre tatkraft und verurteilt natürlich auch seinen abgang - und daß er sie mit dem ganzen berg alleine gelassen hat. nur sie nicht. sie sagt, er trägt keine schuld. er hätte eben keinen ausweg mehr gewußt und wäre spontan in einer notsituatuion gewesen, die schnelles handeln erfordert hätte und sie wäre ja mal wieder nicht für ihn dagewesen. sie sagt, sie hätte ihn förmlich dazu getrieben und diese gedanken lasten schwer auf ihr.
ich kann sie zwar nicht freisprechen, aber dennoch denke ich, daß er als erwachsener mann diese entscheidung ganz alleine getroffen hat. vielleicht haben ungünstige umstände dazu geführt, aber dennoch war es SEINE bewußte entscheidung und nicht ihre.
wie kann ich ihr helfen, daß sie sich nicht so schuldig fühlt?
das erste wäre sicherlich eine art "neues leben". eine neue umgebung usw, aber selbst das ist einfach nicht möglich. sie lebt ständig in ihrer gemeinsamen welt; teils glücklich weil sie ihm so noch nah sein kann, teils unglücklich, weil sie sich auch gefangen fühlt.
ich kann sie zwar nicht aus allem rausholen, aber ich möchte ihren horizont öffnen, daß sie auch sieht, daß sie nicht alleine an allem schuld ist.
ach, daß klingt jetzt hier alles so kompliziert und verworren - vielleicht steigt aber doch einer von euch halbwegs durch meine vagen angaben hindurch und kann mir einen brauchbaren hinweis geben?
das beste wäre vielleicht ein therapeut zu dem sie gehen müsste, aber das wird sie (glaube ich) nicht tun. zu einer selbsthilfegruppe für suizid-hinterbliebene habe ich sie zwar mal begleitet, aber sie sagte, daß sie diese treffen einfach seelisch immer wieder völlig runterreissen und sie dort nicht mehr hingehen möchte. mit einem therapeuten wäre es deshalb wahrscheinlich nciht anders, denke ich.
vielen dank für hoffentlich viele antworten -

debbie
 
Hi,

ich wollte dir sagen, dass tut mir schrecklich leid, viel mehr kann ich auch nicht sagen.

Habe ein paar links gesucht, vielleicht helfen sie weiter:

http://www.agus-selbsthilfe.de/

http://www.kondolenz.info/buecher07.htm (bücher zum Thema)

http://www1.uni-hamburg.de/joh-th//TnS/trauer.htm

http://www.hospiz-leipzig.de/cm/seiten/seiten.taf?nav=trauerarbeit&id=3

http://suizid-forum.ch.vu/

Vielleicht hilft dir irgendetwas weiter.
Ich hoffe für dich, dass hier noch mehr menschen antworten, die bessere ratschläge geben können als ich.

Alles Gute

Feli
 
Hallo debbie.

erteinmal mein Beileid...
.
.
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finde ich super klasse wie Du Dich um Deine Freundin kümmerst, wirklich sehr schön 🙂

Ihre Dankbarkeit darüber, auch wenn sie vielleicht nicht so spürbar ist, wie sie es gerne vermitteln würde, ist bestimmt riesig.

Trauerarbeit ist ein schwieriges Thema, und wie der Name schon sagt, es bedeutet Arbeit, viel Arbeit.

Zur Schuld Frage, kann ich, weil ich da eine sehr schwierige "Beziehung" zu diesem Thema habe, erstmal nur sagen: Schuld kann man nicht geben, man kann sie zwar vermitteln, das wars dann aber auch. Das Schuldgefühl , Schuld an sich, kann man annehmen!

Das klingt vielleicht etwas verworren, aber es soll wohl so sein. Dann, wenn man es als Gefühl an-sich-nimmt. Wie die Liebe z.B.

Du sagst, Du kannst sie nicht frei Sprechen! Das verwirrt mich etwas! Wie soll sie frei kommen, wenn Du Schuld gibst? Ich verstehe zwar den Grund dieser Ausage, nur, siehst Du an meiner Frage wie verstrickt das alles ist.
Es ist wie Du sagst, seine Entscheidung gewesen. Punkt.

Schuldgefühle sind wie Sand im Getriebe. Sie hemmen , blockieren, hindern das Leben und sind Ursache für viele Krankheiten. Eigentlich sollte man dieses Gefühl abschaffen. Nun ist es aber da, und man muß versuchen welche Art von Schuldgefühl sie hat.
Zitat von Erica Sonnenberg: Es ist notwendig, zwischen belastenden Gefühlen und schuldhaften Handeln zu unterscheiden. Zitat ende.

Erica Sonnenberg´s Buch: Immer diese Schuldgefühle (vom schletem Gewissen zur inneren Freiheit) Ist zwar ziemlich Kirchlich angehaucht (bin kein Fan davon) , aber sehr interesant. Kann ich nur empfehlen. Es sind auch greifbare Beispiele drin, von denen ich meine, sie könnten ihr etwas bringen.

Der ISBN zum Buch 3-501-07121-3 Erika Sonnenberg
Immer diese Schuldgefühle (vom schleten Gewissen zur inneren Freiheit)

Vielleicht bringt Euch das weiter.

Lieben Gruß
Knut
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo -

ich danke für die Links... werde mich mal durchforsten.

@ ruhelosem Knut

zur Erklärung: "Du sagst, Du kannst sie nicht frei Sprechen! Das verwirrt mich etwas! Wie soll sie frei kommen, wenn Du Schuld gibst?"
Ich persönlich denke, daß es ganz alleine die Entscheidung ihres Mannes gewesen ist, sich umzubringen. Wenn er überlastet und depressiv gewesen ist, so bleibt es (unter schlechten Umständen) trotzdem sein eigener Entschluß.
Aber sie gibt sich nun die Schuld an seiner Entscheidung, weil sie meint, sie hätte ihm zuviel zugemutet und hätte seine Bitten um mehr Mithilfe von ihr einfach ignoriert. Auch an seinem Todestag hätte sie sich um 1000 andere Dinge gekümmert, nur nicht richtig um ihn, obwohl sie da schon wußte, daß es ihm nicht gut geht. Daß er Selbstmord begehen könnte, daran hat sie sicherlich nicht gedacht, aber im Nachhinein meint sie, sie hätte es erahnen müssen.
Ich kann ihr keine Schuld zuweisen. Natürlich hat sie ihm viel aufgeladen und er mußte mehr ertragen, als manch anderer - so kann ich ihre Schuldgefühle schon verstehen. Wahrscheinlich würde ich in ihrer Situation genauso empfinden, aber als Außenstehende denke ich immer noch, daß ER sich das Leben genommen hat und sie ihn nicht dazu gezwungen hat.
Es ist wirklich eine schwierige Sache.
Ich weiß, daß diese 2 vergangenen Jahre noch recht kurz sind, als das es ihr besser gehen könnte. Ich kann ihr keine Hilfe in ihrer Trauerarbeit sein, aber ich wünschte, sie könnte es auch so sehen wie ich - daß sie nicht die Schuld an seinem Tod trägt.

Ich danke Euch für Eure Antworten

debbie
 
Hallo Darkside,

er hat ihr nicht gesagt, daß er sich umbringen würde, aber er hat ihr immer wieder gesagt, daß er mit allem, was das private Leben der beiden betrifft überlastet ist.
Sie sagt, sie wäre nicht wütend auf ihn. Sie mache ihm keinen Vorwurf, daß er sie mit allem allein gelassen hat. Sozusagen ist das nun ihre Bürde, die sie tragen muß, da sie ja vorher nicht für ihn dagewesen ist.
Nachvollziehen kann ich ihre Gedanken, aber dennoch denke ich auch, daß ER SIE schließlich mit dem ganzen Mist sitzen gelassen hat. Es kamen krankheitsbedingt Gründe hinzu, aber dennoch grolle ich schon ein wenig mit ihm, weil ich die Art und Weise wie er sie zurück gelassen hat, nicht verstehe. Aber andererseits ist es immer einfach, einen Menschen und seine Entscheidungen zu verurteilen, wenn man selber nicht in der Situation gesteckt hat.
Aber Dein Satz: "Denn sie ist wütend, sie ist zornig und verzweifelt, und weil sie das nicht gegen ihn richten kann, richtet sie es gegen sich selbst." hat mich nachdenklich gemacht. So wird es wohl unbewußt bei ihr sein.


Danke für Deine Nachricht,

debbie
 
Liebe Debbi,

ich habe vor knapp vier Wochen meinen Mann Nils (32) verloren. Wir kennen uns seit fast 15 Jahren. Wir haben uns gemeinsam entwickelt und viele Höhen und Tiefen überwunden. Ich dachte ich kenne ihn so gut, wie ihn kein anderer kennt. Wir liebten uns beide sehr und hatten diese ganz besondere innere Verbundenheit. Auch, wenn er sich oft zurückgezogen hat und seinen Freiraum brauchte und vielleicht ab und zu in sich gekehrt war, ich dachte wir waren glücklich und wir hatte noch soooooooooo viel vor. Einige Stunden vor seinem Suizid habe wir noch miteinander telefoniert und alles schien OK. Ich hätte nie erahnt, niemals erahnt das er auch nur an soetwas denken würde. Er ist zu einem Moment plötzlich und unerwartet aus meinem/unserem Leben geschieden wie es plötzlicher und unerwarteter nicht hätte sein können.

Ich mache mir fast die gleichen Gedanken wie Deine Freundin. Du hast das alles so gut beschrieben, daß ich mich in Vielem wiedererkenne. Ich durchlebe unsere letzen 15 Jahre Tag für Tag und alle Bilder ziehen einfach ungefragt vorbei. Bei jeder Situation versuche ich meine Reaktionen und Aktionen zu analysieren und bin manchmal erschrocken darüber, wie unsensibel oder egoistisch ich war. Ich mache mir Vorwürfe und schäme mich, manchmal hasse ich mich. Ich bin erschrocken und schokiert über den Suizied meines Mannes und frage ihn jeden Morgen warum dieser Suizied, warum nicht irgendeine andere Lösung.

Gerade weil ich es mir nicht erklären kann wie er auf diese Idee gekommen ist und ich selbst nicht untergehen darf, habe ich mir sofort Hilfe bei einem Psychotherapeuten gesucht. Er muss mir einfach helfen, damit ich weiterleben kann. Ich muss weiterleben, weil ich meinen Mann so sehr liebe und all unsere gemeinsamen Erinnerungen in mir trage, weil ich seine Seele wach halten und sein Andenken bewahren muss. Bitte sorge dafür, daß Deine Freundin sich Hilfe holt. Professionelle Hilfe ist leider unabdingbar. Sie soll doch halbwegs heil aus der Sache rauskommen oder? Liebe Freundin von Debbi - Bitte gib nicht auf!

Susanne
 

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