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hilfe! - bei den eltern bleiben oder ins ungewisse ausziehen?

  • Starter*in Starter*in sigarni
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S

sigarni

Gast
hallo, ich bins nochmal 😱

ich habe mein Anliegen diesmal genauer gefasst und stelle es nun in diesen passenderen Bereich.
Ich entschuldige mich nochmal wegen der Länge des Beitrags. Ich weiß nicht, wie ich den Inhalt noch mehr splitten oder kürzen könnte, ohne dass der Zusammenhang verloren geht.


Ok, erstmal zu meiner Familiensituation:

Mein Vater wird bald 73 und arbeitet täglich von 14-22h in einer Fabrik und trägt zusammen mit meiner Mutter (55) nachts Zeitungen aus. Er spart bereits zum dritten Mal auf ein neues Auto und kümmert sich am WE um den kleinen Garten vor dem Haus, es kommt niemand bei ihnen vorbei und sie pflegen auch keine Kontakte. Meine Mutter hat sich mit diesem Leben abgefunden, es tut ihr aber nicht gut. Sie isoliert sich, geht so gut wie nicht nach draußen, verbringt sehr viel Zeit im Internet. Sie kocht zwar regelmäßig, das Essen ist aber oft fade, recht künstlich und ohne jede Abwechslung. Die ganze Wohnung scheint steril, es findet sich nichts lebensbejahendes. Es scheint, als wollte sie damit sich und ihr Leben konservieren.

Meine Eltern lieben sich nicht, sie streiten aber auch nicht mehr so wie früher, sondern existieren einfach nur nebeneinander her, einander durch meine Existenz und die aussichtslose Zukunft verplichtet. Bloß die Verbitterung und Hilflosigkeit merke ich manchmal ihren Augen an, wenn sie mich anschauen. (Sie kommen ursprünglich aus der UDSSR und sind wegen der Perestroika nach Deutschland „ausgewandert“.) Sie haben bis auf die Familie meines Vaters kein soziales Netz.
Hinzu kommt, dass unsere mangelnde Integration in die dorfähnliche Stadt, die Bewohner derselben nicht auf unsere Seite bringt. Unsere Balkonpflanzen, die Auto- und Fahrradreifen haben dran glauben müssen. Die hässigen Bemerkungen, die ich im Vorbeigehen aufschnappe oder die Unfreundlichkeit und das Misstrauen bei den anderen, wenn sie mit mir und meinen Eltern interagieren, machen uns deutlich, dass wir nicht dazugehören. Ich weiß nicht, wer genau uns so sehr hasst und wegekeln will. Aber es macht meine Eltern verbittert und starrköpfig und mich fertig. Der Einzige Ausweg scheint die Isolation in den eigenen vier Wänden. Sie und das gemeinsame Dach über dem Kopf halten uns drei zusammen. Auch wenn der menschliche Halt untereinander wegen all der Belastungen nicht zum Tragen kommt.

Ich wohne nur deshalb bei meinen Eltern, weil ich dadurch finanziell weitestgehend unbesorgt mein Fernstudium betreiben kann, um langsam auf meinen späteren Beruf hinzuarbeiten. Bis vor wenigen Monaten hatte ich das Ziel Innenarchitektin vor Augen. Aber genau da liegt mein größtes Problem. Ich kann mich nicht festlegen. Was für mich heute richtig erscheint, ist schon nächste Woche anders. Ich will einerseits endlich mein eigenes Geld verdienen, weiß aber nicht, ob ich mental einer Lehre gewachsen bin. Ich habe das Gefühl ein Studium anfangen zu müssen, um gleich viel "wert" zu sein wie viele Gleichaltrige, habe aber derzeit keinen Nerv auf das (partygeile) Studentenleben, das mich wieder nur Zeit und Geld kostet.
Ich spüre täglich diesen Druck im Nacken, dass ich endlich wissen muss, was ich studieren oder welche Ausbildung ich machen will. Oder wenigstens einen Job finden, um nicht einfach nur eine Last zu sein. Bei meinen Eltern finde ich aber keinen Ratschlag, sie sind mindestens ebenso überfragt wie ich. Aber sie hegen stillschweigend Erwartungen an mich und ich setze mich deswegen selber unter Stress.

Ich habe immer öfter den Gedanken, dass ich von hier fort muss, um wieder zu mir zu finden, um was aus mir zu machen und mich nicht weiter zu isolieren. Es bringt mir nichts, wenn ich mich für meine Eltern aufopfere, zu ihrem Ideal von einer Tochter auflebe. In ihrem Alter lassen sich Ansichten oder Erwartungennur schwer verändern. Andererseits habe ich Angst, Zeit und Geld zu verlieren, wenn ich von heute auf morgen ins Ungewisse aufbreche. Wie soll ich den Sprung aus der Isolation in ein dynamisches eigenständiges Leben schaffen, wenn ich Ansätze sozialer Phobie aufweise und heute keine Kraft und Lust finde, mich auf neue Menschen einzulassen? Außerdem bin ich mit meiner WE-Anstellung in der Küche für die Sommerssaison "verpflichtet" und habe Anfang September einen OP-Termin.

Die Lage meiner Eltern und deren Lebensweise bereiten mir Kopfzerbrechen und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie gerne ich sie trotz allem habe und wie stark es mich mitnimmt, dass ich ihnen in ihrer Lage nicht helfen kann. Gleichzeitig kann ich ihnen meine Betroffenheit und mein Mitfühlen nicht in Worten mitteilen, weil ich es von ihnen nie gelernt habe und schlechte Erfahrungen damit gemacht habe, mich (spontan) verbal mit ihnen zu verständigen. So fresse ich immer mehr meinen Unmut und meine Verzweiflung in mich hinein, kann aber immer weniger das Aufbegehren gegen ihre Lebensweise, die ja auch mich mit einschränkt und verplichtet, unterdrücken.

Ich habe in den letzten Tagen immer mehr das Gefühl, dass ich bald die Selbstbeherrschung verliere. Jede Kleinigkeit bringt mich fast zum Ausrasten, ich laufe ständig entweder mit Musik oder Stöpseln in den Ohren, um nicht das Gekreische im Fernseher oder selbst die Küchenuhr hören zu müssen; Rauch, der von außen in mein Zimmer kriecht bringt mich zur Weißglut. Ich ziehe mich immer mehr von meinen Eltern zurück. Ich bin eine tickende Bombe geworden...

Ich will endlich raus aus diesem Irrgarten von negativen Gedanken, schaffe es aber nicht mehr alleine. Ich brauche eine frische Sicht auf die Dinge und bin für jeden Beitrag dankbar...

Eine nach Hilfe rufende
Sigarni
 
Zieh aus. Mit 21 kann man das ruhig. Ich bin mit 20 ausgezogen.
Worum machst du dir Sorgen?
 
Hallo Sigarni,

ich bin ja auch kein Experte und aus der Ferne ist das alles sehr schwer zu beurteilen. Sicher werden andere Dir die besseren Tips geben, als ich, aber Du hast die grundsätzliche Lösung doch schon selbst aufgeschrieben:

Erfolg hat drei Buchstaben:

TUN


das ist es doch! Du bist doch dort nicht glücklich, kommst mir wie eine Gefangene Deiner Situation vor. Ich glaube wenn Du da rauskommst, dann wirst Du auch aufatmen und neue Kraft und Energie bekommen. Deine Eltern sind doch grundsätzlich für ihr Leben selbst verwantwortlich, oder?

Meine Großeltern sind auch aus Gewohnheit zusammengblieben, obwohl sie sich hassten. Was sollte, was konnte da mein Vater schon großartig machen? Nichts, das ist und kann doch nicht Deine Aufgabe sein!

Wenn Du das irgendwie gebacken kriegst, würde ich mir ein Appartment suchen. es heisst ja nicht, daß Du den Kontakt mit Deinen Eltern abbrechen sollst.

Ich wünsche Dir Kraft bei Deine Entscheidung und hoffe das du das richtige tust.

PS: Ich bin mit 22 ausgezogen.
 
erstmal vielen lieben dank für eure antworten! es tut echt gut, angehört und gefeedbackt zu werden.


@peter123123:
gut erkannt, nicht umsonst ist es mein leitspruch 😉 er soll mir helfen, den stein ins rollen zu bringen

@strohmhalm:
das größte problem, das ich bei meinem fluchtwunsch habe, ist dass es mir schwerfällt anhaltende kontakte zu knüpfen und ich somit angst habe, alleine zu sein.

ich bin mit 19 zur familie meines freundes gezogen, ab 20 war ich in unterschiedlichen studi-wgs. ich bin alleine und mit einem ehemaligen schulkollegen mit rucksack durch deutschland und nach barcelona gereist. ich habe kein problem damit, oberflächlichen kontakt herzustellen und eine eigene wohnung ist einer meiner größten träume.
aber ich habe angst davor, alleine zu leben, alleine auf andere zuzugehen. ich habe nicht das durchhaltevermögen, um neue bekanntschaften aurechtzuerhalten, sodass daraus evtl. eine freundschaft entstehen könnte. vielleicht habe ich bislang einfach nicht die richtigen leute getroffen und es kommt alles noch.

aber ich habe mich im letzten jahr stark verändert. ich habe gelernt, wie wichtig familie für mich ist. mit einem mal fällt es mir schwer, auf teufel komm raus auszuziehen und mein ding durchzuziehen. ich bin ein anderer mensch geworden und finde nicht meine rolle auf der bühne des lebens. wegen meiner veränderung konnte ich auch nichts mehr mit meinen alten kontakten anfangen und habe jeden einzelnen abgebrochen. nun bin ich völlig allein und habe mich an das alleinesein (bis auf meine eltern) gewöhnt.

ich habe oft nicht die kraft, mich regelmäßig mit den anderen menschen zu treffen und bin auch nicht der mensch, der gerne oft unterwegs ist oder ausgeht. ich habe wohl einfach nur angst, weg von allem, was mir vertraut ist nur auf mich alleine gestellt zu sein. früher hat es enormen reiz auf mich ausgeübt, nichts wollte ich mehr. heute will ich nichts anderes als ein funktionierendes familienleben und beschaulichkeit.
einerseits sehne ich mich nach einem partner, mit dem ich durch dick und dünn gehen kann und nach freunden, die so sind wie ich. andererseits bin ich zu schüchtern und zu faul, um alleine rauszugehen und mich aktiv mit fremden auseinanderzusetzen. um herauszufinden, ob sie meine freunde werde könnten. ich habe angst auf gruppen zuzugehen, ich verliere dabei jede natürlichkeit.


ich habe es während meiner gesamten schulzeit nicht geschafft, mich i-wo hineinzuintegrieren. während meines studiums habe ich das (massen)verhalten der anderen mehr analytisch betrachtet, als mich in das geschehen gestürzt und mich eingeklinkt. ich bin in einer relativ großen familie aufgewachsen: großeltern, drei tanten, insg. vier cousins und cousinen, die im mittelpunkt meines lebens standen. mit 10 wurde ich von ihnen allen losgerissen, um dafür einen vater in deutschland zu haben, den ich in meiner kindeheit vielleicht einige monate gesehen habe, wenn es hochkommt. plötzlich war ich völlig allein. meine mutter, die mich als kind gerne mal geschlagen hatte, weil sie mit dem leben nicht zurechtgekommen ist, und sich gerne in den mittelpunkt setzt, war so ziemlich die einzige mir nahestehende person. in der haupt- und realschule wurde ich einerseits freundlich aufgenommen und andererseit richtig durchgemobbt. die sprachbarriere hat mich zusätzlich isoliert.

ich bin quasi damit aufgewachsen, alleine zu sein und mich nicht an die anderen heranzutrauen. in den darauffolgenden jahren habe ich immer wieder versucht dagegen anzukämpfen. aber immer wieder endete ich in der einsamkeit. und ich will andere menschen nicht als platzhalter in meinem leben benutzen, wenn ich mich nach nähe sehne, sie aber nur alle paar tage oder wochen sehen will. mein wille, mich auf andere einzulassen ist zu schwach, als dass mir jemand wirklich nahekommen könnte. es tut mir leid und weh, aber gleichzeitig komme ich nicht gegen diesen inneren "schweinewachhund" an.

eine andere herausforderung ist: woher soll ich die kraft nehmen, mir in einer fremden stadt einen job zu suchen und dabei gleichzeitig meine miete zu bezahlen? ich will finanziell völlig unabhängig von meinen eltern sein, das wäre ein antrieb. ich möchte gerne in einer größeren stadt leben, das wäre schon eine idee. aber ich fühle mich zu schwach für meine eigenen anforderungen und ohne emotionale unterstützung sacke ich im moment noch wie ein leerer kartoffelsack zusammen.

ich möchte die welt nicht nur in schwarz sehen, ich bin im grunde ein unverbesserlicher optimist. aber ich bin emotional anscheinend völlig unselbständig und deswegen leicht lahmzulegen. mir ist bewusst, dass ich das fehlverhalten meiner eltern nacherlebe, aber in meinem denken und fühlen findet sich kein raum für alternativen.

welch eine entwicklung...

wie kann ich meine haltung ändern? wie kommen die anderen gegen ihre selbstzweifel und einzelgänger-allüren an? wie habt ihr ohne größere unterstützung den sprung aus der teils freiwilligen isolation in das gemeinschaftsleben geschafft?
 
Zuletzt bearbeitet:
oh gott...
es tut mir leid, dass meine beiträge so furchtbar lang sind.

aber dieses thema beschäftigt mich unterbewusst schon seit jahren und bricht sich jetzt langsam bahn.

vielen dank an alle, die sich die mühe machen, sich alles durchzulesen und sogar zu antworten!
 
Sieh es doch mal so: Es wird sich doch nicht ändern, wenn du weiter bei deinen Eltern der Einsamkeit huldigst.
Miete zahlen geht einfach mit einem Nebenjob, ich mache das auch so. Natürlich kannst du dann nicht gleich eine 100m²-Wohnung nehmen.
Die Kontakte kommen dann von alleine, im Job, Studium , Nachbarn etc. Eine gute Lösung wäre auch eine WG. In einer größeren Stadt wird deine Herkunft auch niemanden großartig stören. Wohin willst du denn gerne? Finanzielle Unabhängigkeit ist natürlich schwer, kann aber machbar sein 😉
Wie du deine Haltung ändern kannst? Also das musst du einfach TUN.
Und emotionale Unterstützung haste ja von uns 😉
Hast du noch Fragen? Dann meld dich einfach! Viel Erfolg!
 
Wegziehen!

MIT den Eltern dort wegziehen?!
In eine tolerante, vielgestaltige Gegend-- an den Rand einer Großstadt -wo es bereits eine große Zahl von auch Landsleuten gibt,vielleicht für Deine Eltern eine Kirchengemeinde ?
(Hier gibt es das--es gibt auch Kulturvereine!)

Zwei Wohnungen organisieren--getrennt aber nah genug beieinander!

Nimm es in die Hand--frag nicht--stell sie vor die Wahl.
(Ich würde zu "leichter Erpressung" raten!)

In spätestens 5 Jahren wird auch der Papa nicht mehr "Vollzeit arbeiten" können.

Du mußt das Kunststück schaffen,für DICH eine Perspektive zu schaffen,aber auch die Eltern nicht "im Stich" zu lassen--es sollte für Euch alle passen.
Der ganze "Organisationskram" ist in einer Großstadt IMMER leichter zu klären!

Sobald Ihr nicht mehr DIREKT aufeinanderhockt in einer Wohnung,wird die Lage sich SOFORT entspannen!

Einen besseren Rat wirst Du nicht bekommen-- alles andere wäre für Dich oder die Eltern schrecklich.

Etwas ähnlich hatte ich :

--hab meine einsiedlerische Oma aus einer kaltherzig-ignoranten Gegend (mittelalterliche Zustände-- Plumpsklo +Kaltwasserhahn im Flur--DAS war ihr e "Wohnungslage")

zu mir geholt (ein ganzes Dorf mied sie!) --weil auch die "Tochter"(also meine "Mutter") sich nicht kümmerte--meine Oma war VÖLLIG verwahrlost...krank...zugemüllt... und ALLE klopften nur saublöde Sprüche-- damit sie selbst eine AUSREDE hatten..
"BEI UNS GEHT DAS NICHT,WEIL...."

"Einen alten Baum verpflanzt man nicht"---

NIEMAND hätte gemerkt,wenn sie auf ihrem Plumpsklo gestorben wäre...
"Man" (also ihr einziges Goldkind!) erschien gnädigerweise ein-zweimal IM JAHR für MAXIMAL 2 Stunden...
(Fremdschämen für solche "Menschen" ,die erfanden in all den Jahren nur "wilde Geschichten", WARUM ich der Oma half...klar)

Die Fehler machte ich:
ich trennte die Wohnung nicht --sie lebte direkt in meinem alten EFH---logo kam nicht mal zum Renovieren IHRER RÄUME das "Tochter-Goldkind" oder sonstwer...mir halfen IMMER nur meine Freunde--und meine wahnsinnstollen Kinder ,
ich war da völlig blauäugig--
gab auch dem Willen der schon dementen Oma zu oft nach (ja--ich war wirklich sehr selbstschädigend)

und ich nahm NICHT die zahlreiche "Verwandschaft" ins Boot (THEORETISCH hab ich 3 sehr gut verheiratete,supergut finanziell dastehende "Geschwister" mit vollljährigen Kindern ---die sind ALLE gesund--im Unterschied zu mir)--irgendwann konnte ich die dämlichen "Grußbriefe" und "netten" Postkarten und "besorgten" Anrufe nicht mehr ertragen -ich brach komplett die "Pseudo-Kontakte" ab.
((Auch zu spät--und VIEL zu SACHLICH...))

--war zu höflich gegenüber einer Heuchlersippe---
(Hab immer gehofft,ich wäre gar nicht wirklich blutsverwandt mit denen...)

hab die Oma 15 Jahre ALLEIN gratis betreut
--vom 80.- 95.Lj.--bei mir aber war die Lage eh schlimm--alleinerziehend,krank,selbst genug Probleme...

aber-- jede Alternative hätte ich mir nie im Leben selbst verziehen.
Dafür hatte ich mein Ohmchen mal zu sehr geliebt.

In erster Linie also tat ich es für MICH.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Es ist etwas anderes,als bei Euch,logo--ich wollte nur damit sagen--ich kann mich in "komplizierte Familiengeschichten" einfühlen.


Ich hab zwangsweise sehr umfangreiche pragmatische Erfahrungen gemacht.


Mit 21 bist Du alt genug,Dir zumindestens fundierten Rat zu holen,wie Du es am besten "notwendig" machst--damit die Eltern nicht blocken.

Wenn sie NICHT zustimmen,suche für Dich eine Einraumwohnung,besser noch WG(!) --in einer Stadt,wo Deine Eltern leicht "integrierbar" wären!
Meine Stadt ist perfekt für sowas-- preiswertes Wohnen, wirklich tolerante Stadtteile,
Ruhe,Kultur,Lebendigkeit, Ausbildungseldorado,Natur überall ringsrum...kann ich nur jedem jungen Menschen empfehlen--und genug "Zugewanderte" gibts hier auch!

Wohnt Ihr jetzt zur Miete?
Welchen Raumbedarf hättet Ihr(die Eltern) ?

Du kannst mich gern (sobald das geht bei Dir) per PN fragen....

Gruß!

Micky
 
Zuletzt bearbeitet:
@strohmhalm:

deine unverschämte fröhlichkeit hat mich angesteckt 😀. auch wenn ich nicht das gefühl habe, dass du mein inneres problem und meine anhänglichkeit an meine eltern ganz erfasst hast, hast du mich goldrichtig aufgebaut. danke =)
ich bin mittlerweile auf der suche nach wohnungen in nrw. ist nicht so einfach, weil ich nicht einfach so mal kurz zur besichtigung hochfahren kann, aber ich glaube fest daran, dass sich in den nächsten wochen etwas findet.
und je mehr ich mir meine eltern anschaue, umso mehr sehe ich, dass sie mich nicht mir klaren augen sehen. wenn ich etwas erreichen will, kann ich nicht blind auf ihre offenen oder insgeheimen wünsche eingehen. nicht, wenn es darum geht, dass ich bei ihnen in der nähe bleibe oder deren berufsvorstellungen zu meinen mache.
dieser schritt ist nicht einfach für mich. aber er ist richtig und gibt meiner inneren stimme recht.
 
und hier nochmal ein letzter langer beitrag 🙂

@Micky:

ich danke dir für dein einfühlen und achte dich für das, was du für deine großeltern getan hast. das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich und es freut mich persönlich, dass es noch diese art von menschlichkeit gibt :blume:

ich habe zwar schon etliche feuchte und lautstarke "unterhaltungen" mit meiner mutter gehabt, warum sie sich die ganze kacke antut und warum sie beide nicht endlich wegziehen geführt, ohne zu einem ergebnis zu kommen. meine eltern können und wollen einfach nicht wegziehen. in derem alter und bei der finanziellen lage kann ich es mittlerweile nicht nur verstehen, sondern ihre momentane entscheidung auch respektieren.

ich habe mir nämlich vor augen geführt, dass mein vater, ein ehemaliger bauingenieur mit nicht zu geringer projekt-verantwortung im alter von 58/59 in ein für ihn vollkommen fremdes land ausgewandert ist, um seine familie vor den folgen der perestroika halbwegs zu bewahren. wenn ich mir anschaue, wie konservativ und teilweise patriotisch er ist, sehe ich ihn damals vor einer riesigen entscheidung mit weitreichenden konsequenzen stehen. ich achte ihn für seinen mut. und es tut mir u.a. deswegen so weh ihn jetzt am fließband zu sehen, wie er selbst imalter von 72 jahren körperlich rackert, um uns dreien finanziell die zukunft abzusichern. ich kenne nicht den genauen betrag seiner rente, aber dass sie recht mickrig ist, steht außer frage.
meine mutter war ebenso in leitender position als architektin tätig, bis die perestroika ihr die lebensgrundlage zu zerstören drohte und sie sich freiwillig nach anderen jobmöglichkeiten umgeschaut hat. damals war ich vielleicht drei oder vier und mein vater hatte woanders seine verpflichtungen, sodass meine mutter bis ich neun wurde alleinerziehend war. in einer zeit, in dem kein job sicher scheint war es für sie bestimmt kein zuckerschlecken. was ich teilweise bis oft am eigenen leib erfahren habe. aber ich habe ihr verziehen, denn sie hatte einfach zu wenig halt im leben und in sich selbst, als dass ich ihr (immer noch) größere vorwürfe machen wollte.

ich habe schon lange den verdacht, dass ich mehr oder weniger aus missgeschick entstanden bin, denn zu dem zeitpunkt, als ich gezeugt wurde, hatte mein vater bereits eine frau und zwei töchter, die fast so alt waren wie meine mutter. der mann einer von denen war der ausschlaggebende grund, warum unsere ganze sipe (väterlicherseits) nach und nach nach deutschland übergesiedelt sind. wäre ich nicht gewesen, meine eltern hätten sich früher oder später getrennt. da ich aber auf der welt war und mein vater eben konservativ und konsequent ist, hat er sich dafür entschieden, bei meiner mutter und mir zu bleiben. zumindest offiziell. denn bis ich mit zehn nach deutschland gekommen bin, habe ich ihn oft nur einige male im monat bzw. im jahr gesehen.

d.h. meine eltern sind nicht ganz freiwillig zusammengeblieben. in den jahren, die ich hier verbracht habe, haben wir es alle immer deutlicher gespürt. familiendramen mit gekreische und in früherer zeit auch handgreiflichkeiten zwischen meinen eltern waren an der tagesordnung. ich stand oft zwischen den stühlen, habe ich doch meinen vater furchtbar lieb gehabt, meine mutter durch den intensiveren kontakt aber auch. i-wann gab es einen knacks und es wurde alles still. streit gab es immer noch in fülle. aber die herausforderung, in einem vollkommen fremden land, dessen sitten und bräuche man bis dahin nicht kannte, deren dialekte zum verständnis vom hochdeutsch erst abgeleitet werden mussten, hat uns letzten endes mehr auseinandergebracht, als zusammengeschweißt.
ab 13/14 wurde ich immer wieder depressiv, kam in die teenagerphase und habe meine eltern und mich oft an den rand des wahnsinns gebracht. eine zeitlang hatte ich ernsthaft erwägt, selbstmord zu begehen. das wissen um meine familie, die ich in der heimat noch hatte, hielt mich aber davon ab. aber von meinen eltern habe ich mich endgültig abgekehrt und lebte nur bei ihnen, weil ich während meiner schulzeit nirgendwohin konnte, um abzuhauen. die ganze zeit war ich voller wut, hass und enttäuschung.

diese unheile zeit haben wir drei in der stadt verbracht, in der wir immer noch leben. alle, die hier ortsansässig sind, haben alles mitverfolgt. wir sind mehrere male von einer straße in die andere umgezogen. überall hinterließen wir verbrannte erde. darum wollte ich, dass meine eltern hier wegziehen. sich was besseres gönnen. wieder menschen sind und die lebensfreude neu entdecken.
aber sie haben ganz einfach angst. also blieb ich in den letzten monaten bei ihnen. habe frischen wind in unsere familie gebracht. aber es hat nur an der oberfläche gekratzt. es ist alles beim alten geblieben. die gewohnheiten haben sich nicht geändert. sie haben mich sogar eingeholt. bis sich mein körper immer heftiger gewehrt hat und ich innerlich nach hilfe schreiend das internet nach kummerkästen durchsucht habe.

hier habe ich gute hilfe erfahren.

und möchte auch deinen vorschlag bedenken, Micky. ich werde meine eltern nicht mit mir mitnehmen können. ich will es auch nicht, denn sie leben anders als ich. sie in einer anderen wohnung sich selbst überlassen, ohne, dass mein vater arbeiten gehen kann, ist schlicht unvorstellbar.

aber ich kann selber von hier wegziehen. auf mein herz hören, statt diesen "du-solltest"-stimmen in meinem kopf gehör zu schenken. und mich nicht blind für jemand anders aufopfern, und seien es auch meine eltern. dann werde ich wieder zu mir finden. und aus dieser kraft heraus kann ich dann erneut einen anlauf starten.
wie du sagst, kann mein vater nicht ewig arbeiten. darauf werde ich bauen. wenn es dann soweit ist, und die beiden nur noch nachts zeitungen austragen, werde ich ihnen vorschlagen, doch in meine nähe zu ziehen. ich werde vermutlich immer noch mit bitterbösem widerstand rechnen müssen. aber im moment sind weiterführende gedanken reine spekulationen.

den ersten schritt gehe ich hier und heute.


vielen dank an alle für euren beistand!


sigarni
 

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