S
sigarni
Gast
hallo, ich bins nochmal 😱
ich habe mein Anliegen diesmal genauer gefasst und stelle es nun in diesen passenderen Bereich.
Ich entschuldige mich nochmal wegen der Länge des Beitrags. Ich weiß nicht, wie ich den Inhalt noch mehr splitten oder kürzen könnte, ohne dass der Zusammenhang verloren geht.
Ok, erstmal zu meiner Familiensituation:
Mein Vater wird bald 73 und arbeitet täglich von 14-22h in einer Fabrik und trägt zusammen mit meiner Mutter (55) nachts Zeitungen aus. Er spart bereits zum dritten Mal auf ein neues Auto und kümmert sich am WE um den kleinen Garten vor dem Haus, es kommt niemand bei ihnen vorbei und sie pflegen auch keine Kontakte. Meine Mutter hat sich mit diesem Leben abgefunden, es tut ihr aber nicht gut. Sie isoliert sich, geht so gut wie nicht nach draußen, verbringt sehr viel Zeit im Internet. Sie kocht zwar regelmäßig, das Essen ist aber oft fade, recht künstlich und ohne jede Abwechslung. Die ganze Wohnung scheint steril, es findet sich nichts lebensbejahendes. Es scheint, als wollte sie damit sich und ihr Leben konservieren.
Meine Eltern lieben sich nicht, sie streiten aber auch nicht mehr so wie früher, sondern existieren einfach nur nebeneinander her, einander durch meine Existenz und die aussichtslose Zukunft verplichtet. Bloß die Verbitterung und Hilflosigkeit merke ich manchmal ihren Augen an, wenn sie mich anschauen. (Sie kommen ursprünglich aus der UDSSR und sind wegen der Perestroika nach Deutschland „ausgewandert“.) Sie haben bis auf die Familie meines Vaters kein soziales Netz.
Hinzu kommt, dass unsere mangelnde Integration in die dorfähnliche Stadt, die Bewohner derselben nicht auf unsere Seite bringt. Unsere Balkonpflanzen, die Auto- und Fahrradreifen haben dran glauben müssen. Die hässigen Bemerkungen, die ich im Vorbeigehen aufschnappe oder die Unfreundlichkeit und das Misstrauen bei den anderen, wenn sie mit mir und meinen Eltern interagieren, machen uns deutlich, dass wir nicht dazugehören. Ich weiß nicht, wer genau uns so sehr hasst und wegekeln will. Aber es macht meine Eltern verbittert und starrköpfig und mich fertig. Der Einzige Ausweg scheint die Isolation in den eigenen vier Wänden. Sie und das gemeinsame Dach über dem Kopf halten uns drei zusammen. Auch wenn der menschliche Halt untereinander wegen all der Belastungen nicht zum Tragen kommt.
Ich wohne nur deshalb bei meinen Eltern, weil ich dadurch finanziell weitestgehend unbesorgt mein Fernstudium betreiben kann, um langsam auf meinen späteren Beruf hinzuarbeiten. Bis vor wenigen Monaten hatte ich das Ziel Innenarchitektin vor Augen. Aber genau da liegt mein größtes Problem. Ich kann mich nicht festlegen. Was für mich heute richtig erscheint, ist schon nächste Woche anders. Ich will einerseits endlich mein eigenes Geld verdienen, weiß aber nicht, ob ich mental einer Lehre gewachsen bin. Ich habe das Gefühl ein Studium anfangen zu müssen, um gleich viel "wert" zu sein wie viele Gleichaltrige, habe aber derzeit keinen Nerv auf das (partygeile) Studentenleben, das mich wieder nur Zeit und Geld kostet.
Ich spüre täglich diesen Druck im Nacken, dass ich endlich wissen muss, was ich studieren oder welche Ausbildung ich machen will. Oder wenigstens einen Job finden, um nicht einfach nur eine Last zu sein. Bei meinen Eltern finde ich aber keinen Ratschlag, sie sind mindestens ebenso überfragt wie ich. Aber sie hegen stillschweigend Erwartungen an mich und ich setze mich deswegen selber unter Stress.
Ich habe immer öfter den Gedanken, dass ich von hier fort muss, um wieder zu mir zu finden, um was aus mir zu machen und mich nicht weiter zu isolieren. Es bringt mir nichts, wenn ich mich für meine Eltern aufopfere, zu ihrem Ideal von einer Tochter auflebe. In ihrem Alter lassen sich Ansichten oder Erwartungennur schwer verändern. Andererseits habe ich Angst, Zeit und Geld zu verlieren, wenn ich von heute auf morgen ins Ungewisse aufbreche. Wie soll ich den Sprung aus der Isolation in ein dynamisches eigenständiges Leben schaffen, wenn ich Ansätze sozialer Phobie aufweise und heute keine Kraft und Lust finde, mich auf neue Menschen einzulassen? Außerdem bin ich mit meiner WE-Anstellung in der Küche für die Sommerssaison "verpflichtet" und habe Anfang September einen OP-Termin.
Die Lage meiner Eltern und deren Lebensweise bereiten mir Kopfzerbrechen und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie gerne ich sie trotz allem habe und wie stark es mich mitnimmt, dass ich ihnen in ihrer Lage nicht helfen kann. Gleichzeitig kann ich ihnen meine Betroffenheit und mein Mitfühlen nicht in Worten mitteilen, weil ich es von ihnen nie gelernt habe und schlechte Erfahrungen damit gemacht habe, mich (spontan) verbal mit ihnen zu verständigen. So fresse ich immer mehr meinen Unmut und meine Verzweiflung in mich hinein, kann aber immer weniger das Aufbegehren gegen ihre Lebensweise, die ja auch mich mit einschränkt und verplichtet, unterdrücken.
Ich habe in den letzten Tagen immer mehr das Gefühl, dass ich bald die Selbstbeherrschung verliere. Jede Kleinigkeit bringt mich fast zum Ausrasten, ich laufe ständig entweder mit Musik oder Stöpseln in den Ohren, um nicht das Gekreische im Fernseher oder selbst die Küchenuhr hören zu müssen; Rauch, der von außen in mein Zimmer kriecht bringt mich zur Weißglut. Ich ziehe mich immer mehr von meinen Eltern zurück. Ich bin eine tickende Bombe geworden...
Ich will endlich raus aus diesem Irrgarten von negativen Gedanken, schaffe es aber nicht mehr alleine. Ich brauche eine frische Sicht auf die Dinge und bin für jeden Beitrag dankbar...
Eine nach Hilfe rufende
Sigarni
ich habe mein Anliegen diesmal genauer gefasst und stelle es nun in diesen passenderen Bereich.
Ich entschuldige mich nochmal wegen der Länge des Beitrags. Ich weiß nicht, wie ich den Inhalt noch mehr splitten oder kürzen könnte, ohne dass der Zusammenhang verloren geht.
Ok, erstmal zu meiner Familiensituation:
Mein Vater wird bald 73 und arbeitet täglich von 14-22h in einer Fabrik und trägt zusammen mit meiner Mutter (55) nachts Zeitungen aus. Er spart bereits zum dritten Mal auf ein neues Auto und kümmert sich am WE um den kleinen Garten vor dem Haus, es kommt niemand bei ihnen vorbei und sie pflegen auch keine Kontakte. Meine Mutter hat sich mit diesem Leben abgefunden, es tut ihr aber nicht gut. Sie isoliert sich, geht so gut wie nicht nach draußen, verbringt sehr viel Zeit im Internet. Sie kocht zwar regelmäßig, das Essen ist aber oft fade, recht künstlich und ohne jede Abwechslung. Die ganze Wohnung scheint steril, es findet sich nichts lebensbejahendes. Es scheint, als wollte sie damit sich und ihr Leben konservieren.
Meine Eltern lieben sich nicht, sie streiten aber auch nicht mehr so wie früher, sondern existieren einfach nur nebeneinander her, einander durch meine Existenz und die aussichtslose Zukunft verplichtet. Bloß die Verbitterung und Hilflosigkeit merke ich manchmal ihren Augen an, wenn sie mich anschauen. (Sie kommen ursprünglich aus der UDSSR und sind wegen der Perestroika nach Deutschland „ausgewandert“.) Sie haben bis auf die Familie meines Vaters kein soziales Netz.
Hinzu kommt, dass unsere mangelnde Integration in die dorfähnliche Stadt, die Bewohner derselben nicht auf unsere Seite bringt. Unsere Balkonpflanzen, die Auto- und Fahrradreifen haben dran glauben müssen. Die hässigen Bemerkungen, die ich im Vorbeigehen aufschnappe oder die Unfreundlichkeit und das Misstrauen bei den anderen, wenn sie mit mir und meinen Eltern interagieren, machen uns deutlich, dass wir nicht dazugehören. Ich weiß nicht, wer genau uns so sehr hasst und wegekeln will. Aber es macht meine Eltern verbittert und starrköpfig und mich fertig. Der Einzige Ausweg scheint die Isolation in den eigenen vier Wänden. Sie und das gemeinsame Dach über dem Kopf halten uns drei zusammen. Auch wenn der menschliche Halt untereinander wegen all der Belastungen nicht zum Tragen kommt.
Ich wohne nur deshalb bei meinen Eltern, weil ich dadurch finanziell weitestgehend unbesorgt mein Fernstudium betreiben kann, um langsam auf meinen späteren Beruf hinzuarbeiten. Bis vor wenigen Monaten hatte ich das Ziel Innenarchitektin vor Augen. Aber genau da liegt mein größtes Problem. Ich kann mich nicht festlegen. Was für mich heute richtig erscheint, ist schon nächste Woche anders. Ich will einerseits endlich mein eigenes Geld verdienen, weiß aber nicht, ob ich mental einer Lehre gewachsen bin. Ich habe das Gefühl ein Studium anfangen zu müssen, um gleich viel "wert" zu sein wie viele Gleichaltrige, habe aber derzeit keinen Nerv auf das (partygeile) Studentenleben, das mich wieder nur Zeit und Geld kostet.
Ich spüre täglich diesen Druck im Nacken, dass ich endlich wissen muss, was ich studieren oder welche Ausbildung ich machen will. Oder wenigstens einen Job finden, um nicht einfach nur eine Last zu sein. Bei meinen Eltern finde ich aber keinen Ratschlag, sie sind mindestens ebenso überfragt wie ich. Aber sie hegen stillschweigend Erwartungen an mich und ich setze mich deswegen selber unter Stress.
Ich habe immer öfter den Gedanken, dass ich von hier fort muss, um wieder zu mir zu finden, um was aus mir zu machen und mich nicht weiter zu isolieren. Es bringt mir nichts, wenn ich mich für meine Eltern aufopfere, zu ihrem Ideal von einer Tochter auflebe. In ihrem Alter lassen sich Ansichten oder Erwartungennur schwer verändern. Andererseits habe ich Angst, Zeit und Geld zu verlieren, wenn ich von heute auf morgen ins Ungewisse aufbreche. Wie soll ich den Sprung aus der Isolation in ein dynamisches eigenständiges Leben schaffen, wenn ich Ansätze sozialer Phobie aufweise und heute keine Kraft und Lust finde, mich auf neue Menschen einzulassen? Außerdem bin ich mit meiner WE-Anstellung in der Küche für die Sommerssaison "verpflichtet" und habe Anfang September einen OP-Termin.
Die Lage meiner Eltern und deren Lebensweise bereiten mir Kopfzerbrechen und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie gerne ich sie trotz allem habe und wie stark es mich mitnimmt, dass ich ihnen in ihrer Lage nicht helfen kann. Gleichzeitig kann ich ihnen meine Betroffenheit und mein Mitfühlen nicht in Worten mitteilen, weil ich es von ihnen nie gelernt habe und schlechte Erfahrungen damit gemacht habe, mich (spontan) verbal mit ihnen zu verständigen. So fresse ich immer mehr meinen Unmut und meine Verzweiflung in mich hinein, kann aber immer weniger das Aufbegehren gegen ihre Lebensweise, die ja auch mich mit einschränkt und verplichtet, unterdrücken.
Ich habe in den letzten Tagen immer mehr das Gefühl, dass ich bald die Selbstbeherrschung verliere. Jede Kleinigkeit bringt mich fast zum Ausrasten, ich laufe ständig entweder mit Musik oder Stöpseln in den Ohren, um nicht das Gekreische im Fernseher oder selbst die Küchenuhr hören zu müssen; Rauch, der von außen in mein Zimmer kriecht bringt mich zur Weißglut. Ich ziehe mich immer mehr von meinen Eltern zurück. Ich bin eine tickende Bombe geworden...
Ich will endlich raus aus diesem Irrgarten von negativen Gedanken, schaffe es aber nicht mehr alleine. Ich brauche eine frische Sicht auf die Dinge und bin für jeden Beitrag dankbar...
Eine nach Hilfe rufende
Sigarni