Hallo,
du machst dir eine falsche Vorstellung von Therapie.
Für dich würde eine Traumatherapie in Frage kommen. Erst einmal wird der Therapeut mit dir gar nicht über die traumatischen Ereignisse sprechen. Stattdessen wirst du lernen, wie du mit den Albträumen umgehen kannst und was du machen kannst, wenn dich am Tag Erinnerungen an früher überfluten.
Auch geht es darum dich im Alltag zu stabilisieren. Gemeinsam mit dem Therapeuten wirst du dir anschauen, welche Themen jetzt in deinem Leben anstehen. Das wäre also deine Chance darüber zu reden, wie unsicher du im Hinblick auf dein Kind bist.
Erst wenn diese Dinge geregelt sind, du stabil im Alltag bist, wird der Therapeut dich fragen, ob du so weit bist auch mal die traumatischen Erlebnisse anzuschauen. Dann kannst du immer noch entscheiden, ob das für dich in Frage kommt oder nicht.
Vielleicht magst du mal bei Wildwasser oder dem Frauennotruf anrufen und mit den Sozialarbeiterinnen dort darüber sprechen, wie so eine Therapie aussehen könnte. Da kann man dir auch Therapeuten empfehlen.
Oder du versucht es auf eigene Faust:
www.traumatherapie.de: EMDR, Institut für Traumatherapie Oliver Schubbe
EMDR Institut Deutschland
Jeder, der beruflich mit dem Thema Gewalt zu tun hat, weiß durch welche Hölle du gehst, wenn du darüber sprechen sollst und wie sehr du dich schämst. Man wird sehr vorsichtig und behutsam mit dir umgehen und keinen Schritt machen, den du nicht vorher abgesegnet hast. Allein dein Tempo gibt den Weg vor. Du entscheidest, wie viel du wann erzählen willst.
Du musst ja auch hier nicht über deine Erlebnisse sprechen. Hier kommen täglich so viele Frauen an, denen es ganz ähnlich wie dir ergangen ist. Jeder, der hier schreibt und versucht Unterstützung zu geben, weiß sehr wohl, durch welche Hölle du gegangen bist, ohne dass du ins Detail gehen musst. Was du geschrieben hast, reicht bereits aus, um dir Tipps geben zu können.
Die meisten Klienten machen es übrigens so, dass sie all das, was sie nicht aussprechen können dem Therapeuten schreiben. Eigentlich haben die heute alle einen E-Mail-Account. Auch das ist eine Möglichkeit das loszuwerden, was einem auf der Seele brennt.
Die Krankenkasse genehmigt dir fünf Stunden zum Kennen lernen bei jedem Therapeuten. Diese sind schon mal finanziert. In der Zeit kann man sich ein ganz gutes Bild machen, ob man jemandem vertrauen kann oder nicht.
Danach muss der Therapeut einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Der wird in der Regel auch gewährt.
Du kannst dir also Zeit lassen, den richtigen Therapeuten für dich zu finden. Ich zum Beispiel habe eine sehr warmherzige und mütterliche Therapeutin gefunden, zu der ich gleich in der ersten Stunde einen guten Draht bekommen habe.
Vielleicht hast du ja den Mut dir einfach mal ein paar Leute anzuschauen und dann passiert es, dass du eines Tages in eine Praxis kommst und du spontan das Gefühl hast, dieser Mensch könnte mein Verbündeter werden.
Das ist es auf jeden Fall, was ich dir wünsche.
Tuesday