hirnundherz
Aktives Mitglied
Liebes Forum,
es ist nun einige Jahre her, dass ich in diesem Forum geschrieben habe. Damals war meine Mutter an Krebs erkrankt und gleichzeitig meine Schwester an einer akuten Angststörung. Damals war ich 26, jetzt bin ich 30.
Inzwischen ist meine Mutter verstorben, meine Schwester wechselt zwischen guten und nicht so guten Phasen.
Ich muss im Nachhinein sagen, durch die schwere Zeit eine eher positive Entwicklung durchgemacht zu haben. Krankheit und Tod haben mich mehr das Leben spüren lassen. Ich stolperte irgendwann über das Zitat:
"Im tiefsten Winter erkannte ich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt." Das beschreibt gut, wie ich mich die letzten Jahre gefühlt habe. Ich habe mehr Dankbarkeit für das Leben entwickelt, wurde gelassener, beendete eine extrem ungesunde Beziehung in der ich eine schlechte Partnerin war. Mein damaliges Ich war eifersüchtig, kontrollierend, sogar gewalttätig, streitsüchtig, brauchte dauernd Aufmerksamkeit, vorwurfsvoll, nachtragend...Ich hatte eine Therapie begonnen und die Krise als Anlass genommen Dinge aufzuarbeiten.
So habe ich mich in den letzten Jahren selbst besser kennengelernt, Hobbies begonnen, Freundschaften geschlossen, bin alleine auf Reisen gegangen, entdeckt wie glücklich man auch mit sich selbst sein kann. Ich bin in dem Umgang mit meinen Mitmenschen offener und liebenswürdiger geworden. Habe aber auch viele weitere Hürden gemeistert.
Zumindest über ein langweiliges Leben kann ich mich nicht beschweren. Oft scheinen sich Zufälle und Umstände immer seltsamen zu verschwören...In dem Jahr nach dem Tod meiner Mutter wurde mir meine Anstellung gekündigt und ich musste aus meiner Wohnung ausziehen. Ein paar Monate später hatte ich selbst einen recht schweren Fahrradunfall und war einige Wochen außer gefecht gesetzt, ich hielt aber immer an dem "Sommer" in mir fest. Ich machte mich selbstständig, nächtigte die ersten Wochen bei Freunden auf dem Sofa solange ich mich noch nicht finanzieren konnte. Ich war fest davon überzeugt weiter an meiner gewonnen Einstellung festzuhalten, dass nicht die äußeren Umstände für unser Glück verantwortlich sind, sondern es eine innere Entscheidung ist und wir immer Spielraum haben uns zu einer Situation so oder so zu verhalten.
Und nun haut mich ein scheinbar banaler Liebeskummer völlig aus der Bahn und scheint meine ganze Einstellung zum kippen zu bringen. Es ist ein schlimmes Wort aber passt leider gerade gut zu mir: Ich bin verbittert.
Nach 3,5 Jahren Single Dasein und etlichen negativen und enttäuschenden Dates und Begegnungen (Ghosting, vergebene Männer etc...) habe ich vor 4 Monaten einen Mann kennengelernt und alles war irgendwie anders als sonst. Es hat sich gesund angefühlt und richtig. Es hat eben Klick gemacht. Ich dachte sowas gibt es doch eh nicht - nur im Film - und auf einmal war es real. Diese Begegnung habe ich wohl als Belohnung für meine Mühen in den letzten Jahren interpretiert.
Und wie toll es war zu merken, dass ich mich tatsächlich so verändert habe und die Arbeit an mir sich gelohnt hat. Ich war nicht eifersüchtig sondern gelassen, ich hab nicht neurotisch Nachrichten gecheckt, ich hab vertraut.
Ganz easy going sollte es aber nicht sein und sozusagen wurde ich etwas auf die Probe gestellt. Kurz nachdem ich ihn kennengelernt hatte bin ich für einen Monat nach Mexiko gereist. Das war kein großes Problem, wir haben uns einfach ab und zu geschrieben und sind in Verbindung geblieben (was für ein toller Austausch das war...) ohne ständig zu chatten. Ich habe meine Reise gemacht für mich. Als ich wieder kam, freute ich mich darauf ihn weiter kennenzulernen.
Nach meiner Rückkehr sagte er, es wäre schön mich zu sehen, da er in ein paar Tagen für 5 Wochen nach Kambodscha reist um zu arbeiten. Und weiterhin hab ich gemerkt wie positiv ich mich entwickelt habe. Ich war traurig, ihn nur kurz sehen zu können, aber habe mich hauptsächlich für ihn und den Job gefreut. Ich hab mein Leben gelebt und wir haben uns alle paar Tage geschrieben. Es klingt lächerlich aber irgendwie war die Zeit für mich im Nachhinein auch wie eine Prüfung und ich hatte den Eindruck es locker zu meistern, kein Kopfkino wenn mal länger keine Antwort kam, nichts...als wäre ich einfach "gesund" und was so toll war....er auch! Und das in Berlin...Ich habe noch nie einen Mann kennenlernt der so authentisch ist und ohne Spielchen seine Bedürfnisse ausdrückt.
Nun, kurz vor seiner Rückkehr hat es sich so zugetragen: Ich habe eine Freundin getroffen die mir recht aufgeregt sagte, sie müsse mir etwas zeigen. Sein Profil war ihr gestern in Tinder angezeigt worden, er ist also zurück und scheint mir nicht Bescheid zu sagen. Ich fand das schon sehr seltsam und dachte, das passt irgendwie garnicht. Habe am nächsten Tag einfach mal geschrieben "Hey na bist du zurück in Berlin?" Und dann hat mich am Ende das Spielchen der digitalen Kommunikation doch noch um den Finger gewickelt. Die Nachricht wurde zugestellt, er war auch online, hat sie aber nicht gelesen. Für mich war klar, der Typ ist zurück in Berlin, hat eben keine Lust mehr mich zu treffen, aber nicht den Mut mir das einfach zu schreiben. Nach einem Tag warten schrieb ich ihm dann, dass ich es irgendwie nicht cool finde nach monatelangem Kontakt einfach nicht mehr zu antworten und er mir doch bitte einfach sagen sollen, wenn er nicht mehr will. Und damit bin ich dann letztendlich doch in die Falle getappt.
Seine Antwort war, dass er nach 24 Stunden reisen angekommen ist, ziemlich platt ist und meine Nachricht etwas unfair findet. Habe mich erklärt, für die Reaktion entschuldigt, das war wohl ein Missverständnis...sorry.
Er meinte, er muss nachdenken und letztendlich kam die Antwort: "Ehrlich gesagt fand ich deine Reaktion garnicht so schlimm und auch verständlich. Sie hat aber etwas in mir ausgelöst, dem ich mir vorher nicht bewusst war. Ich war die letzten Jahre immer in festen Beziehungen und habe jetzt das tiefe Bedürfnis für mich zu sein. Ich denke es ist sehr schade, aber es ist einfach nicht die richtige Zeit für mich. In absehbarer Zukunft möchte ich mich keiner Beziehung annähern. Auch wenn es traurig ist." Das muss man natürlich schlichtweg akzeptieren. Mich quält aber jeden Tag die Frage, wie wäre es ohne dieses Missverständnis ausgegangen, wenn wir uns wieder gesehen hätten. Es war wirklich eine besondere Verbindung zwischen uns, nach so vielen Wochen Trennung durch die Reisen war das natürlich etwas verblasst aber ich denke einfach sicher, wenn wir uns wieder gesehen hätte, wäre das nicht passiert. Für mich ist das auch keine Kleinigkeit, ich werde bald 31 und wie oft begegnet einem im Leben jemand mit dem es einfach passt und es eine Verbindung gibt? Mir sehr selten oder eben bisher noch nie. Ich möchte mal eine Familie und kann mir nun aber garnicht mehr vorstellen, dass mir nochmal so jemand über den Weg läuft.
Ja und jetzt....zuerst habe ich mich wochenlang fertig gemacht für diese Nachricht, aber ehrlich gesagt, so schlimm war die jetzt auch wieder nicht. Ich bin wütend auf das Leben, bin mit ihm beleidigt, fühle mich vom Leben verarscht und absichtlich reingelegt. Gerade so, als hätte mir das Leben eine Falle gestellt, in die ich tappen sollte. Einen Köder gelegt um mich anzulocken, ein bisschen spielen zu lassen und dann zuzuschnappen. Michelle Houellebecq sagt: Bei den Verletzungen, die es uns zufügt, wechselt das Leben zwischen Brutalität und Heimtücke. Recht hat er.
Ich hab echt keinen Bock mehr jetzt wieder wie ein Phoenix aus der Asche zu steigen, aus Sch*** Gold zu machen, irgendwas sinnvolles in der Krise zu finden. ich hab das schon hundertmal gemacht und mir reicht es einfach. Das geht doch auch immer nur so weiter. Tod, Krankheit, Jobverlust usw...hab das alles in den letzten 3 Jahren durch und mir reicht es jetzt irgendwie. Wieder die strong independent funny single Lady zu sein
Ich würde mich über ein paar neutrale Sichten auf die Situation freuen, da ich nun seit vielen Wochen im Nebel rumlaufe.
Der "was wäre wenn" Gedanke ist sehr belastend und die Zufälle sind einfach so bescheuert zusammengefallen, es fühlt sich an wie Absicht.
es ist nun einige Jahre her, dass ich in diesem Forum geschrieben habe. Damals war meine Mutter an Krebs erkrankt und gleichzeitig meine Schwester an einer akuten Angststörung. Damals war ich 26, jetzt bin ich 30.
Inzwischen ist meine Mutter verstorben, meine Schwester wechselt zwischen guten und nicht so guten Phasen.
Ich muss im Nachhinein sagen, durch die schwere Zeit eine eher positive Entwicklung durchgemacht zu haben. Krankheit und Tod haben mich mehr das Leben spüren lassen. Ich stolperte irgendwann über das Zitat:
"Im tiefsten Winter erkannte ich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt." Das beschreibt gut, wie ich mich die letzten Jahre gefühlt habe. Ich habe mehr Dankbarkeit für das Leben entwickelt, wurde gelassener, beendete eine extrem ungesunde Beziehung in der ich eine schlechte Partnerin war. Mein damaliges Ich war eifersüchtig, kontrollierend, sogar gewalttätig, streitsüchtig, brauchte dauernd Aufmerksamkeit, vorwurfsvoll, nachtragend...Ich hatte eine Therapie begonnen und die Krise als Anlass genommen Dinge aufzuarbeiten.
So habe ich mich in den letzten Jahren selbst besser kennengelernt, Hobbies begonnen, Freundschaften geschlossen, bin alleine auf Reisen gegangen, entdeckt wie glücklich man auch mit sich selbst sein kann. Ich bin in dem Umgang mit meinen Mitmenschen offener und liebenswürdiger geworden. Habe aber auch viele weitere Hürden gemeistert.
Zumindest über ein langweiliges Leben kann ich mich nicht beschweren. Oft scheinen sich Zufälle und Umstände immer seltsamen zu verschwören...In dem Jahr nach dem Tod meiner Mutter wurde mir meine Anstellung gekündigt und ich musste aus meiner Wohnung ausziehen. Ein paar Monate später hatte ich selbst einen recht schweren Fahrradunfall und war einige Wochen außer gefecht gesetzt, ich hielt aber immer an dem "Sommer" in mir fest. Ich machte mich selbstständig, nächtigte die ersten Wochen bei Freunden auf dem Sofa solange ich mich noch nicht finanzieren konnte. Ich war fest davon überzeugt weiter an meiner gewonnen Einstellung festzuhalten, dass nicht die äußeren Umstände für unser Glück verantwortlich sind, sondern es eine innere Entscheidung ist und wir immer Spielraum haben uns zu einer Situation so oder so zu verhalten.
Und nun haut mich ein scheinbar banaler Liebeskummer völlig aus der Bahn und scheint meine ganze Einstellung zum kippen zu bringen. Es ist ein schlimmes Wort aber passt leider gerade gut zu mir: Ich bin verbittert.
Nach 3,5 Jahren Single Dasein und etlichen negativen und enttäuschenden Dates und Begegnungen (Ghosting, vergebene Männer etc...) habe ich vor 4 Monaten einen Mann kennengelernt und alles war irgendwie anders als sonst. Es hat sich gesund angefühlt und richtig. Es hat eben Klick gemacht. Ich dachte sowas gibt es doch eh nicht - nur im Film - und auf einmal war es real. Diese Begegnung habe ich wohl als Belohnung für meine Mühen in den letzten Jahren interpretiert.
Und wie toll es war zu merken, dass ich mich tatsächlich so verändert habe und die Arbeit an mir sich gelohnt hat. Ich war nicht eifersüchtig sondern gelassen, ich hab nicht neurotisch Nachrichten gecheckt, ich hab vertraut.
Ganz easy going sollte es aber nicht sein und sozusagen wurde ich etwas auf die Probe gestellt. Kurz nachdem ich ihn kennengelernt hatte bin ich für einen Monat nach Mexiko gereist. Das war kein großes Problem, wir haben uns einfach ab und zu geschrieben und sind in Verbindung geblieben (was für ein toller Austausch das war...) ohne ständig zu chatten. Ich habe meine Reise gemacht für mich. Als ich wieder kam, freute ich mich darauf ihn weiter kennenzulernen.
Nach meiner Rückkehr sagte er, es wäre schön mich zu sehen, da er in ein paar Tagen für 5 Wochen nach Kambodscha reist um zu arbeiten. Und weiterhin hab ich gemerkt wie positiv ich mich entwickelt habe. Ich war traurig, ihn nur kurz sehen zu können, aber habe mich hauptsächlich für ihn und den Job gefreut. Ich hab mein Leben gelebt und wir haben uns alle paar Tage geschrieben. Es klingt lächerlich aber irgendwie war die Zeit für mich im Nachhinein auch wie eine Prüfung und ich hatte den Eindruck es locker zu meistern, kein Kopfkino wenn mal länger keine Antwort kam, nichts...als wäre ich einfach "gesund" und was so toll war....er auch! Und das in Berlin...Ich habe noch nie einen Mann kennenlernt der so authentisch ist und ohne Spielchen seine Bedürfnisse ausdrückt.
Nun, kurz vor seiner Rückkehr hat es sich so zugetragen: Ich habe eine Freundin getroffen die mir recht aufgeregt sagte, sie müsse mir etwas zeigen. Sein Profil war ihr gestern in Tinder angezeigt worden, er ist also zurück und scheint mir nicht Bescheid zu sagen. Ich fand das schon sehr seltsam und dachte, das passt irgendwie garnicht. Habe am nächsten Tag einfach mal geschrieben "Hey na bist du zurück in Berlin?" Und dann hat mich am Ende das Spielchen der digitalen Kommunikation doch noch um den Finger gewickelt. Die Nachricht wurde zugestellt, er war auch online, hat sie aber nicht gelesen. Für mich war klar, der Typ ist zurück in Berlin, hat eben keine Lust mehr mich zu treffen, aber nicht den Mut mir das einfach zu schreiben. Nach einem Tag warten schrieb ich ihm dann, dass ich es irgendwie nicht cool finde nach monatelangem Kontakt einfach nicht mehr zu antworten und er mir doch bitte einfach sagen sollen, wenn er nicht mehr will. Und damit bin ich dann letztendlich doch in die Falle getappt.
Seine Antwort war, dass er nach 24 Stunden reisen angekommen ist, ziemlich platt ist und meine Nachricht etwas unfair findet. Habe mich erklärt, für die Reaktion entschuldigt, das war wohl ein Missverständnis...sorry.
Er meinte, er muss nachdenken und letztendlich kam die Antwort: "Ehrlich gesagt fand ich deine Reaktion garnicht so schlimm und auch verständlich. Sie hat aber etwas in mir ausgelöst, dem ich mir vorher nicht bewusst war. Ich war die letzten Jahre immer in festen Beziehungen und habe jetzt das tiefe Bedürfnis für mich zu sein. Ich denke es ist sehr schade, aber es ist einfach nicht die richtige Zeit für mich. In absehbarer Zukunft möchte ich mich keiner Beziehung annähern. Auch wenn es traurig ist." Das muss man natürlich schlichtweg akzeptieren. Mich quält aber jeden Tag die Frage, wie wäre es ohne dieses Missverständnis ausgegangen, wenn wir uns wieder gesehen hätten. Es war wirklich eine besondere Verbindung zwischen uns, nach so vielen Wochen Trennung durch die Reisen war das natürlich etwas verblasst aber ich denke einfach sicher, wenn wir uns wieder gesehen hätte, wäre das nicht passiert. Für mich ist das auch keine Kleinigkeit, ich werde bald 31 und wie oft begegnet einem im Leben jemand mit dem es einfach passt und es eine Verbindung gibt? Mir sehr selten oder eben bisher noch nie. Ich möchte mal eine Familie und kann mir nun aber garnicht mehr vorstellen, dass mir nochmal so jemand über den Weg läuft.
Ja und jetzt....zuerst habe ich mich wochenlang fertig gemacht für diese Nachricht, aber ehrlich gesagt, so schlimm war die jetzt auch wieder nicht. Ich bin wütend auf das Leben, bin mit ihm beleidigt, fühle mich vom Leben verarscht und absichtlich reingelegt. Gerade so, als hätte mir das Leben eine Falle gestellt, in die ich tappen sollte. Einen Köder gelegt um mich anzulocken, ein bisschen spielen zu lassen und dann zuzuschnappen. Michelle Houellebecq sagt: Bei den Verletzungen, die es uns zufügt, wechselt das Leben zwischen Brutalität und Heimtücke. Recht hat er.
Ich hab echt keinen Bock mehr jetzt wieder wie ein Phoenix aus der Asche zu steigen, aus Sch*** Gold zu machen, irgendwas sinnvolles in der Krise zu finden. ich hab das schon hundertmal gemacht und mir reicht es einfach. Das geht doch auch immer nur so weiter. Tod, Krankheit, Jobverlust usw...hab das alles in den letzten 3 Jahren durch und mir reicht es jetzt irgendwie. Wieder die strong independent funny single Lady zu sein
Ich würde mich über ein paar neutrale Sichten auf die Situation freuen, da ich nun seit vielen Wochen im Nebel rumlaufe.
Der "was wäre wenn" Gedanke ist sehr belastend und die Zufälle sind einfach so bescheuert zusammengefallen, es fühlt sich an wie Absicht.
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