Was treibt einen Goldsucher, einen Schriftsteller, einen Müllmann, eine Architektin, eine Frau an der Ladenkasse oder eine Ärztin an? Warum rackern sich Menschen ab, stehen immer wieder auf und "berappeln" sich jeden Tag aufs Neue? Vielleicht, weil es gerade noch dafür reicht, wenn man seinen Mut, seinen Rest an Hoffnung, seinen Trotz und sein bisschen Irrsinn zusammenkratzt.
Was ist besser: die Welt um sich und die eigene Situation zu akzeptieren, den Blick zu senken und nur noch hoffen, dass einen keiner anfährt? Oder immer wieder trotzig seinen Kopf zu heben, hoffen, dass die inneren und auch die anderen Schmerzen weniger werden und weiter nach Schritten zu suchen, die einem die Hoffnung nähren helfen?
Auf dieser Welt macht nur dann etwas einen Sinn, wenn ihm Lebewesen einen Sinn verleihen. Mäuse zu jagen macht für eine Katze Sinn, Gras fressen für Kühe. Geschichten schreiben bringt SchriftstellerInnen ihrem Sinn ein Schritt näher. Ein freundliches Wort zu einer jungen Kellnerin und ihr Lachen macht für mich Sinn, weil zwei Menschen eine freundliche Sekunde teilen können, ohne dass V***, Mörder und Sadisten darauf Einfluss hätten und ich in dieser Sekunde daran denken müsste.
Wenn ich nicht will, macht nichts für mich einen Sinn, wenn Du nicht willst, dann ist es ebenso. Wenn ich mich nicht inspirieren, von Ideen infizieren und von Hoffnung anstecken lassen möchte, warum dann die eigene Misogynie, den eigenen Missmut und die eigenen dunklen Seiten in die Welt tragen? Warum jemandes Hoffnung klein reden, statt sie zu fördern? Warum sich nur auf das konzentrieren, was NICHT funktioniert, anstatt nach anderen Wegen zu suchen? Warum den Verein "Klugscheißer für das Versagen" gründen, wenn man doch selbst nicht Mitglied werden möchte und jede Eignung abstreitet?
Meine Tochter zu bitten, die Wäsche in die Waschmaschine zu stopfen und sie einzuschalten ist an manchen Tagen sinnlos. Aber sollte ich dann morgen gleich garnicht fragen? Ist alles sinnlos? Heute hat sie es gemacht. Macht Sinn.