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Hat jemand Erfahrungen bei Fazenda Esperanza?

Ich sehe da zwei einander gegenüberstehende Argumentationslinien, die ich beide nachvollziehe.

Auf der einen Seite ein Mensch, der dringend Hilfe braucht und der so verzweifelt ist, dass ihm der radikalste Ansatz recht ist. Diese Verzweiflung gilt es, sehr ernst zu nehmen.

Auf der anderen Seite eine Einrichtung, der ich skeptisch gegenüberstehe. Wo Verzweiflung ist, da ist oft auch schnell jemand, der sich diese Verzweiflung zunutze machen will. Mich stört dieses "christlich, christlich, christlich". Entweder, jemand will helfen, oder er will bekehren. Eine Hilfe, die beinhaltet, jemandem einen Glauben, ein Gedankenkonstrukt überzustülpen, ist für mich keine uneigennützige Hilfe. Und genau diese Uneigennützigkeit ist es doch, die von Christen und Christentum immer wieder so betont wird. Für mich ist das ein echtes Problem: Menschen, die leer sind, die verzweifelt sind, wird eben nicht erlaubt, diese Leere für sich wieder neu zu füllen, sondern sie werden mit "Spiritualität" gefüllt.

Ich würde lieber auf etwas weniger Ideoligisches warten als sofort mich dieser Indoktrination auszusetzen.

Um meinen Standpunkt einschätzen zu können: Ich bin aus der Kirche ausgetreten und auch kein gläubiger Mensch und lehne Frömmelei ab. Deshalb bin ich hier bestimmt nicht unparteiisch.
 
Gut wäre wirklich, Du würdest jemanden finden, der dir aus erster Hand sagen kann wie es dort ist.

Mir stößt diese massive Isolierung auf. Abschotten von allem und jeden ist fast wie die Käseglocke in der Psychiatrie. Wo ist die Lebensrealität? Die Abstinenz muss mit der Realität verinbar sein. Es muss Situation geben, die dich damit konfrontieren, damit du stark dagegen werden kannst. So abgeschottet finde ich das fragwürdig. Kein eigenes Geld, nichts - wenn ich es richtig verstehe? Die absolute Abhängigkeit, die Potential zum Missbrauch hat. Wie gesagt, ich kenne die nicht, ich möchte dir aber meine Gedanken dazu mitteilen.
300 Euro - Lässt sich vielleicht auch gut abkassieren? Viele brechen schnell ab und sind wieder weg.

Manchmal reicht schon die räumliche Distanz zu den Menschen und dem Milieu?

Ich würde es mir auf jeden Fall anschauen, bevor ich da irgendwas machen würde. Entgiftung ist ja auch keine Therapie. Würde es eher Entzugsaufbewahrung nennen.

Mein Tip: Such dir lieber eine gute Klinik oder Work & travel und Spar dir die 300 Euro.
 
Ich war gestern selbst sehr aufgebracht, weil ich zur Zeit in der Entgiftung bin.
Kein Thema.
Aber gut das du bereits bei der Entgiftung bist. Ist doch schon ein guter Schritt nach vorne und in die richtige Richtung.

Auch wenn ich dieser Einrichtung eher skeptisch gegenüberstehe und irgendwie ein komisches Gefühl habe, lasse ich mich trotzdem gerne eines Besseren belehren bzw. würde mich sehr interessieren, wie der Aufenthalt dort war (falls du tatsächlich dorthin gehst). Vielleicht magst du dich nach dem Aufenthalt nochmal hier melden und berichten.

Pass auf dich auf und falls es dir dort nicht gefällt, dann geh und lass dich nicht aufhalten. Vor allem, wenn Konsequenzen oder Bestrafung droht, wenn du Erwartungen nicht erfüllst. Oder wenn du merkst das du ständig kontrolliert wirst und dich beobachtet fühlst. Such dir (einfach nur vorsichtshalber) Kontaktdaten von Beratungsstellen und von Ämtern / Behörden raus bevor du dahin gehst. So hast du für den Fall, das es dort nicht klappt, schon etwas in der Hand und weißt wo du Hilfe findest / an wen du dich wenden kannst und stehst nicht auf verlorenen Posten, oder nur bleibst weil du sonst keine Ahnung hast wohin mit dir. So etwas ist wichtig, vor allem, wenn man dort von der Außenwelt isoliert ist.
z.Bsp. https://iuvenes.eu/

Ich drücke dir die Daumen für die Zukunft, wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg und alles Gute.
 
Zuletzt bearbeitet:
Eine rein logische Frage eines Laien: Gelernt werden muss doch, in der echten Welt, in der Suchtmittel verfügbar sind, ohne diese zu leben. Inwiefern kann man das lernen, wenn man, über die akute Entgiftung hinaus, in einer künstlichen Welt lebt, in der Suchtmittel überhaupt nicht verfügbar sind?

Das ist für mich, neben der (mir persönlich!) unangenehm erscheinenden fundamentalistisch-religiösen Anmutung dieser Einrichtungen, die zentrale Frage.
 
Hallo Herr_J
mit großem Interesse habe ich Deine Frage hier gelesen und die Antworten verfolgt.
Es ist still geworden seit Deinem letzten Kommentar im Dezember und ich hoffe, es ist kein schlechtes Zeichen, sondern es geht Dir besser - zumindest nicht schlechter.

Ich persönlich bin Vater eines suchterkrankten Sohns, der mit 13 in die Drogenproblematik eingestiegen ist und seit nun 10 Jahren bis auf Herion und Cristal ziemlich viel ausprobiert hat. Mittlerweile ist er bei Opioiden gepaart mit Benzos usw. angekommen.
Stationäre Aufenthalte und Tagesklinikaufenthalte haben bisher nichts genutzt. Nach anfänglicher Euphorie gab es leider immer wieder Rückfälle, die auch zum Abbruch der Therapien führten. Nun wird es aufgrund einer schlechten Prognose, immer schwieriger entsprechende Therapien bewilligt zu bekommen.
Aus diesem Grund bin ich ebenfalls auf die "Fazenda da Esperanca" (FE) gestoßen und wollte ihm das vorschlagen, weil es einen vollkommen anderen Ansatz bietet als das, was in der Vergangenheit immer wieder gescheitert ist.
Über ein christliches Netzwerk bin ich mit dem Chefarzt einer österreichischen Kinder- und Jugendpsychatrie im Gespräch gewesen, der mir von sehr guten Erfolgen der Cenacolo-Organisation berichtet hat. Der Ansatz ist derselbe christliche Grundgedanke wie bei FE. (Die Österreicher schauen übrigens ein wenig neidisch auf Deutschland, weil bei uns die Drogenproblematik bei Jugendlichen sehr viel mehr im Fokus der Medizinier steht als dort). Auch diese Information bestärkt mich bzgl. FE.
Wenn es also tatsächliche Erfahrungsträger in dieser Sache mit FE gibt, wäre auch ich über eine Rückmeldung dankbar. Auch wenn Du Herr_J Erfahrungen machen durftest, freue ich mich über eine Rückmeldung. Danke!

P.S.: An Diskussionen bzgl. Glaube oder dem deutschen Gesundheitssystem werde ich mich nicht beteiligen.
 
Hallo Toto,
ja, seit meinem letzten Kommentar ist einige Zeit vergangen. Leider scheint es hier niemanden zu geben, der dort Erfahrungen gesammelt hat.
Ich habe mich gegen einen Aufenthalt bei FE entschieden.
Das war jedoch eine rein persönliche Entscheidung. Um diese Erkrankung in den Griff zu bekommen muss ich mich den Problemen des Lebens stellen und das Jahr bei FE wäre (für mich) wieder nur eine Flucht vor eben diesen gewesen.
Ich hätte meinen Job und meine Wohnung verloren und die Ungewissheit "danach" wäre immer da gewesen...
Der (Mail)Kontakt mit FE Boppard war immer sehr freundlich und hilfsbereit und alle meine Fragen wurden prompt beantwortet.
Wie gesagt, ich entschied mich gegen einen Aufenthalt, habe meine Arbeit wieder aufgenommen, BeWo beansprucht und besuche seit einigen Wochen eine Selbsthilfegruppe. Abstinent bin ich seit etwas mehr als einem Monat. Das ist nicht viel, aber ein Anfang. Meine persönliche Situation ist immer noch schwierig aber mit der Unterstützung bin ich mir sicher, dass ich ohne Suchtmitte die Dinge wieder hinbekomme.
Ich wünsche dir und deinem Sohn viel Kraft und vor allem wünsche ich deinem Sohn, dass es bei ihm Klick macht, wenn du verstehst.
Vielleicht kann ihm ein Aufenthalt helfen.
Es besteht die Möglichkeit sich vorab ein Bild von FE zu machen und einfach mal ein Haus zu besuchen.
 
Hallo Herr_J
ganz herzlichen Dank für Deine freundliche und zugewandte Rückmeldung, die mir auch weiterhilft.
Ich freue mich sehr für Dich, dass Du Dich auf den Weg gemacht hast - weiter so! Sei mutig und stark, Dich den Herausforderungen zu stellen.
Ich habe gestern Abend für meinen Sohn und für Dich gebetet. Schaden kann es nicht...
Ich würde mich sehr freuen, wenn es bei Dir dauerhaft und nachhaltig "Klick" gemacht hat.
Alles Liebe und Gute Dir - und vor allem viel Kraft!
Herzliche Grüße Thorsten
 

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