Ich frage mich nach der Motivation.
Hier ein Artikel von 2008
Glücksspiel: Wie der Staat beim Lotto arme Leute abzockt - Nachrichten Geld - WELT ONLINE
"Wie der Staat beim Lotto arme Leute abzockt
Menschen, die zum unteren Einkommensfünftel in Deutschland gehören, geben rund drei Prozent ihres verfügbaren Monatseinkommens für die Teilnahme an Lotterien aus. Jetzt zeigt eine neue Studie, wie der Staat versucht, vor allem armen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Wer regelmäßig mittwochs und samstags abends vor dem Fernseher sitzt und die Ziehung der Lottozahlen verfolgt, wird es längst geahnt haben: Beim Lottospielen gewinnen fast immer nur die anderen.
Wie ungerecht das Glücksspiel um die richtigen sechs aus 49 Ziffern wirklich ist, haben nun zwei Forscher vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln untersucht. Demnach ist Lotto sogar noch viel unsozialer, als das der Gelegenheitsspieler auf den ersten Blick meinen könnte. Das liegt unter anderem daran, dass der Studie zufolge Lottospieler tendenziell aus den unteren Mittelschichten stammen, über geringere Bildung verfügen, ein höheres Alter aufweisen oder ethnischen Minderheiten angehören, während umgekehrt die Nutznießer der staatlichen Lottoförderung in der Regel eher in höheren Einkommens- und Bildungsschichten zu finden sind.
So geben der Studie zufolge Bürger, die zum unteren Einkommensfünftel in Deutschland gehören, rund drei Prozent ihres verfügbaren Monatseinkommens für die Teilnahme an Lotterien aus. Am oberen Ende der Einkommensskala beträgt die Ausgabenquote für das Glücksspiel hingegen nur ein Prozent. Da rund 39 Prozent des Spieleinsatzes an den Staat fließen, tragen die Bezieher niedriger Einkommen wesentlich stärker zu den staatlichen Einnahmen aus dem Glücksspiel bei als andere Bevölkerungsgruppen. „Lotterien stellen damit eine Form der regressiven Abgabenbelastung da“, so die Forscher. „Es findet eine Umverteilung von unten nach oben statt.“
Insgesamt nimmt der Staat jährlich etwa fünf Milliarden Euro aus Glücksspielen ein, das entspricht 1,1 Prozent der Steuereinnahmen. Rund die Hälfte dieses Geldes, das größtenteils den Ländern zugute kommt, stammt aus dem Lottospiel. Etwa 20 Prozent dieser Lottoeinnahmen wiederum fließen in Kunst- und Kulturprojekte oder in die Förderung des Breitensports.
Damit allerdings kommen viele Angebote, die von dem Lottogeld gesponsert werden, nicht unbedingt jenen zugute, die sie zum größten Teil finanziert haben. So weisen die Forscher nach, dass Nicht-Lottospieler etwa von der Förderung des Breitensports sehr viel stärker profitieren als jene, die regelmäßig ihrer Spielsucht frönen. Die Umverteilung durch das Lotteriespiel werde dadurch noch verstärkt, heißt es in der Studie weiter.
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Um das zu vermeiden, schlagen die Wissenschaftler unter anderem vor, den Jackpot zu senken und dadurch den Spielanreiz beim Lotto zu verringern. Auch könnten mehr als die ausgezahlten 48 Prozent der Einsätze wieder als Gewinne an die Spieler ausgeschüttet werden. Vor allem aber könnten staatliche Einnahmen aus dem Glücksspiel „gezielt zur Förderung der Bevölkerungsgruppen genutzt werden, die hauptsächlich Lotto spielen“. Dazu zählt für die Experten etwa die finanzielle Unterstützung von Bildungsangeboten für sozial benachteiligte Schüler. "
Das stand im Artikel, ab hier beginnt mein eigener Kommentar. Wenn tendentiell die untere Schicht Lotto spielt und der Staat knapp 40 % des Spieleinsatzes kassiert, dann frage ich mich, warum Hartz-IV-Empfänger kein Lotto mehr spielen sollen.
Wer wenig Geld hat, der hat doch tendentiell viele Träume und möchte umbedingt sich auch mal was leisten können - dazugehören. Als ist er dem Lottospielen doch nicht so abgeneigt? Vor allem in so einem chancenarmen Staat wie Deutschland.
Wenn die 7-8 Mio. in Deutschland lebenden Hartz IV. nun nicht mehr spielen dürfen, kostet dass den Staat dann nicht sehr viel Geld? Er kassiert doch 39 % des Spieleinsatzes. Bei weniger Mitspielern kann der Staat auch weniger verdienen.
Was veranlasst also den Staat so eine Maßnahme durchzuführen? Die Mehrwertsteur liegt noch nicht bei 39 %. Dort kann sich der Staat das nicht zurückholen.
Die Angst vor der Spielsucht? Warum lässt man dann Lotto überhaupt zu? Da steckt was anderes dahinter. Das ist "Hartz-IV-Bashing". Man möchte mal wieder auf jedem rumhacken und jemanden ans Bein pinkeln. Warum immer nur die Schwachen? Ist das nicht asozial?