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Haltlos in dieser Welt

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Gast

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Hallo an alle

Ich bin 19 und wende mich an euch, da ich mich seit einiger Zeit mit allem überfordert fühle.
Außerdem tut es mir vielleicht gut, das alles von der Seele zu schreiben.

Ich habe oft das Gefühl, dass mein Leben ein Scherbenhaufen ist. Ich habe kein Vertrauen in die Zukunft und ich fühle mich häufig allein.
Ich bin seit letztem April mit meiner Freundin zusammen, die ca. 200 km von mir entfernt wohnt. Anfangs war es so, dass wir ohne einander praktisch nicht mehr konnten, weshalb ich am Ende der 12. Klasse die Schule geschmissen habe, um eine Ausbildung in ihrer Nähe anzufangen, jedoch habe ich bis heute keine Zusage für einen Ausbildungsplatz bekommen. Ich hatte zu der Zeit als ich die Schule verlassen habe ziemlich viel Ärger mit meiner Jahrgangsleiterin, da die Jahrgangsfahrt am Anfang der 13 stattfinden sollte, ich mich aber sehr kurzfristig vor den Sommerferien abgemeldet hatte. Ich hatte die Anzahlung schon getätig, weil es damals noch nicht klar gewesen ist, ob ich nun noch weiter zur Schule gehe oder nicht. Deshalb wollte meine Jahrgangsleiterin, dass ich den fehlenden Betrag überweise, doch weigerte ich mich, da es eine Reisrücktrittsversicherung gab. Außerdem konnte ich mich offiziell erst nach dem Beginn der 13 abmelden, also praktisch nach den ersten Tagen, da mir die Abmeldung von zwei Lehrern, unter anderem ihr, verwehrt blieb mit Begründung, dass eine Abmeldung ohne Bescheinigung einer Folgebschäftigung (FSJ, Ausbildung, etc.) nicht möglich sei.
Mir wurde meine Abschlusszeugnis nicht ausgestellt und ich hatte immer Angst dort hinzugehen, da ich Angst hatte, mit meiner Jahrgangsleiterin und deren Fragen konfrontiert zu werden. Ich habe heute auch immer Angst, dass ich jemanden aus meiner alten Schule treffe, da ich Angst habe, dass ich gefragt werde, was ich jetzt mache und es ist mir so peinlich, dass ich weglaufe davor.
So habe ich das Zeugnis noch immer nicht, nachdem ich mich dazu durchgerungen habe, dort noch zwei Mal anzurufen um es einzufordern.
Ich habe daraufhin einen Brief meiner Jahrgangsleiterin bekommen, der einer Erpressung gleicht, da sie mir das Zeugnis nicht aushändigen würde, ehe der fehlende Betrag der Jahrgangsfahrt überwiesen ist.
Hinzu kommen meine Eltern bzw. meine Mutter und mein Stiefvater, denn meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich noch klein war. Sie unterstützen mich kaum. Ich habe irgendwann aufgegeben, ihre Hilfe zu erfragen, da ich nie auf viel Interesse gestoßen bin, sie spielen lieber ihre Onlinespiele nach der Arbeit. Zuessen ist auch meist nur da, was sie brauchen (ich bin Vegetarier und fruktoseintolerant), was mich oft ärgert, genauso wie meine Freundin, wenn wir hier sind. Sie sind mit der Zeit, so scheint es mir, immer egoistischer geworden. Ich brauche demnächst einen Laptop, da mein Computer schon vor einiger Zeit den Geist aufgegeben hat und meine Arbeit verrichte ich vom Computer, weshalb ich einen Laptop zum arbeiten brauche und es am praktischsten wäre. Den größten Teil werde ich von meinem Lohn bezahlen müssen und ich gehe nicht davon aus, dass meine Eltern etwas dazuzahlen würden.
Es interessiert sie nicht, was ich mache, wo ich mich bewerbe, wenn ich es ihnen nicht gerade unter die Nase reibe und selbst dann nur wenig.
Mein Stiefvater ist noch schlimmer, ihn kümmert das noch weniger. "Hauptsache nicht mein Problem" scheint seine Lebensdevise zu sein.
Noch ein Grund weshalb ich hier ausziehen möchte.
Im Moment läuft es auch in meiner Beziehung nicht so gut wie sonst.
Meine Freundin hat vor längerer Zeit eine Schulband wieder ins Leben gerufen. Nach einiger Zeit haben sich dann neben einer Gitarristin und zwei Sängerinnen noch ein Gitarrist, ein Pianist/Keyboarder, eine Sängerin und eine Violinistin gefunden. Und eben ich am Schlagzeug/Gitarre.
Die Violinistin gab die Violine schnell auf, weil es ihr zu schwer war, was ich gut verstehen kann bei dem Instrument, zumindest sitzt sie seitdem meist rum, ist aber immer voll dabei und setzt sich für uns ein. Sie ist sehr nett und eines Tages erfuhren wir, dass sie ziemliche Probleme hat.
Meine Freundin fragte sie irgendwann nach ihrer ICQ Nummer und sie schrieben immer häufiger.
Nun gab es aber ein bestimmtes Vorkommnis, das mich bis heute beeinflusst und das nicht wenig. Eines Tages machte uns ein Freund von uns mit seiner damaligen Freundin bekannt, es müsste vor 2 Monaten gewesen sein. Sie hatte wohl auch psychische Probleme und meine Freundin hat, ja, wie soll man sagen, ein Faible für psychische Macken. Sie beschäftigt sich gerne damit, hatte sogar mal überlegt, Psychologie zu studieren, aber das sei jetzt Nebensache.
Die beiden chatteten immer öfter und ich fühlte mich ausgeschlossen...ich sprach sie darauf an und sie wehrte es ab, dass ich ihr nicht vertraue.
Das ging eine Weile weiter so und die beiden flirteten auch ein bisschen "aus Spaß", doch mir war immer mulmig, doch ich blieb still und litt.
Irgendwann hatte sie dann ein Gespräch mit unserem Freund, wo sie mich aber bat, in ihrem Zimmer zu bleiben, während sie mit dem Laptop ins Wohnzimmer ging...irgendwann nach 1 Stunde kam sie heulend rein und schluchzte, dass es ihr leid tue. Ich war etwas vor den Kopf gestoßen und sagte, es sei okay, dass ich für sie da bin.
Später erfuhr ich dann von unserem Freund, dass meine Freundin dieser anderen Freundin geschrieben hatte, dass sie unsere Beziehung ins Wanken bringt und dass sie dabei sei sich in sie zu verlieben.
Das Ganze nagt jeden Tag an mir. Ich fühle mich paranoid, sehe in jedem Mädchen eine Bedrohung, eine Konkurrenz. Ich habe Angst, meine Freundin zu verlieren, dass ich ihr nicht gut genug bin, dass ich ihr nicht genug bin.
Es war heute besonders akut, ich habe die letzte Nacht sehr wenig geschlafen und heute kaum gegessen. ich fühlte mich den ganzen tag so, als müsste ich mich im nächsten Moment übergeben.
Ich bin deshalb heute raus gegangen, habe meine Gitarre mitgenommen und irgendwo in der Natur gespielt. Es war gut für den Moment, ich habe den ganzen Weg hin und zurück immer leise mit mir selbst geredet, habe mir versucht Mut zu machen, mich aufzuraffen. Es ging für den Moment, aber später als ich dann mit meiner Freundin sprach, waren die Gefühle wieder da.
Wir müssen einiges an unserer Beziehung ändern. Ich habe sie "eingesperrt" (ich glaube, dass ich einen possessiven Charakterzug habe), wollte sie allein für mich. Wir haben unsere Hobbies, unsere Freunde vernachlässigt, ich habe meine ganze Welt auf ihr aufgebaut und ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder jemand anderen zu lieben als sie, so naiv und lächerlich das auch klingen mag. Wir haben also gesagt, dass wir uns jeder wieder mehr Freiräume gönnen, doch war sie von Mittwoch bis heute fast ununterbrochen mit dieser ehemaligen Violinistin weg, was meine Eifersuchtsszenarien ins Unermessliche getrieben hat. Ich malte mir aus, wie sie sich küssten, zweifelte, ob meine Freundin es zulassen würde...ich stempelte sie in meinen Gedanken als die größte Fremdgängerin aller Zeiten ab - unbewusst. Sie schlief letzte Nacht bei ihr, was ich mir schon gedacht hatte...das machte mich fertig. Ich fühle mich in diesen Momenten, als könnte ich nicht mehr, ich fange an zu weinen und der Druck in meinem Kopf ist so groß, dass ich glaube, ich platze. Ich will dieses Gefühl wieder loswerden, ich weiß, dass ich ihr vertrauen kann, aber es ist schwierig wieder zu dieser Bedingungslosigkeit zurückzukehren.
Auch sitze ich eigentlich allabendlich vor dem PC, da ich meist, wie gesagt, arbeiten muss, aber auch meine Freunde haben keine Zeit, weil sie im Lernstress sind und ich bin leider niemand, der auf eine Party geht ohne jemanden zu kennen. Es fällt mir anfangs sehr schwer, Leute kennenzulernen.
Ich finde mich selbst nicht wirklich hübsch, ich bin zu dick (70 Kg bei 167) und ich verabscheue meinen Rücken...eine Sache, auf die ich ganz besonders nicht stolz bin.
Ich habe sehr, sehr viele Narben auf meinem Rücken, da ich meine Wunden aufkratze. Es geht mir bei dem Gefühl besser. Ich versuche es seit einigen Wochen mit Fingernägeln auf dem Innenarm - das gibt keine Narben, aber es hilft ganz gut. Der Schmerz hilft mir, meinen inneren Schmerz zu sublimieren, ihn besser zu ertragen, gleichzeitig ist es sowas wie eine Bestrafung.
Ich habe so häufig einfach das Gefühl, dass ich keine Ahnung vom Leben habe, keinen Plan, wie man ein leben lebt ohne Hilfe. Ich war nie ein Leader, immer nur ein Follower, außer es ging um Dinge von denen ich wirklich wusste wie sie gehen, wo ich mir ganz sicher war. ich habe immer Angst, etwas falsch zu machen, ich halte Gefühle, Meinungen zurück, stelle mich zurück, schlucke Schmerz, bis es nicht mehr geht.
Ich habe seit langem keinen Kontakt mehr zu meinem Vater, seit ich ihm meine Meinung sagte und er mich mit den ungefähren Worten "**** Dich" und "Vielleicht haben meine neue Freundin und ich nochmal Glück" belohnte. Seitdem hat er oft versucht, anzurufen oder so etwas wie "drohende" Sms zu schreiben, wie, dass er mich suchen kommt oder so etwas in der Art. Dennoch habe ich immer noch Gefühle für ihn, ich weiß nur nicht, wie ich mein ganzes Leben auf die Reihe bekommen soll. Ich fühle mich haltlos, hoffnungslos...

Entschuldigt den langen Text, ich glaube das wäre vorerst alles.
Ich freue mich auf eure Antwort und hoffe, dass ihr mir helfen könnt!

Liebe Grüße
 

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Halien

Mitglied
Das ist echt bewegend was du schreibst.
Aber bevor wir zum Emotionalen Zeug kommen: Schnapp dir dein Zeugnis! Geh zum Anwalt oder so; das kannst du da nicht liegen lassen. Egal wie herzlos das klingt, aber das geht vor alle anderen Sachen. Wenn du in dieser Sache zurückfällst, wird es dich auch psychisch dran kriegen.


Dann zu deiner Freundin: Man merkt schnell das du von zu Hause weg willst, sonst würdest du dir keinen Menschen 200 km entfernt suchen. Das ist nicht schlimm, aus meiner Sicht für einen Menschen wir dich ganz normal (ich könnte dich glatt noch übertrumpfen ;).


Und mal im Ernst, vielleicht hat deine Freundin recht? Wenn du deine Zukunft von ihr abhängig machst, natürlich erdrückst du sie damit. Das heißt für sie jede ihrer Entscheidung wiegt doppelt, einmal für sie und für dich. Das ist ein befremdendes Gefühl und da ihr noch jung seid, ist es zu früh sich derart verpflichtet fühlen zu müssen, auch wenn sie anscheinend gerne die Seelenklempnerin spielt. Es gibt Leute die gebraucht werden wollen, vielleicht ist deine Freundin so ein Typ. Anstatt dich an sie zu klammern, zu leiden und Angst zu haben sie zu verlieren, könntest du eure Beziehung ein wenig auf die Probe stellen. Geh ein Paar Schritte in dein Leben zurück und frage dich, wann du von ihr abhängig geworden bist. Viele Menschen sind von Sozialen Kontakten abhängig, dafür musst du dich nicht schämen. Aber du solltest es ausgleichen können mit anderen Beschäftigungen.
Ein Job mit Leuten deines gleichen, nicht zu offen aber auch keine Freaks, würde dir da weiterhelfen. Wie soll es beruflich mit dir weiter gehen? Wenn du ihr zeigst das du in dieser Sache, sowie in anderen auch alleine auf den Beinen stehen kannst und Freude bei dem empfindest was du tust, wird sie dich mehr achten können und du dich auch.


Fang an die Scherben aufzusammeln, es ist egal wo du anfängst, Hauptsache du tust es.


Zum Thema Beziehung auf die Probe stellen: Ich glaube du kennst sie nicht gut genug. Und vielleicht bist du ihr nicht mehr Drama genug? Wenn das so ist, dann mach dich wieder interessant indem du ihr ein neues Rätsel aufgibst, sie mit einem neuen Problem konfrontierst. Dabei gilt: Ein Problem sollte nicht nur negative Seiten haben, es ist gut wenn ein Problem auch neue Möglichkeiten mit sich bringt.


Mit dem eigenen Gewicht umzugehen ist schwer, wenn man nicht dazu steht. Ich weiß auch nicht wie das gehen soll, jedenfalls schadet diese Einstellung gewaltig deinem Selbstwertgefühl und nur das ist Grund um etwas daran zu ändern. Entweder du arbeitest an deiner Einstellung zu deiner Person, oder an deinem Gewicht. Bei zweitem: Angeblich machen Muskeln selbstbewusster, weniger Brot essen kann helfen, ansonsten musst du schauen was sich da sonst noch in deiner Sorgenschublade verbirgt was du versuchst aus zu kompensieren.


Haltlos … ich habe auch nichts wohin ich gehen kann, sollte mal alles schief laufen. Es ist manchmal schwer, doch es geht immer weiter. Glaub mir, immer wenn du ein Problem überstehst wird es dich stärker machen.
Schmerz mit Schmerz zu bekämpfen …
Probleme mit dem Vater … habe selbst schon seid fast einem Jahr nicht mehr mit meiner Mutter gesprochen. Wie schon gesagt, manchmal ist es besser schneller erwachsen zu werden, wenn man weiß das einem die Eltern nicht mehr helfen.


Alles gute =)


PS: Du bist noch verdammt jung, also nimm das mit deiner Freundin nicht so ernst. Echt, konzentriere dich auf DEIN Leben, nicht du und sie, sondern schau einmal nur auf deinen eigenen Weg.
 

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