Liebesbrief für Inge
Liebe Inge,
ich habe einen Stein nach dir geworfen, ich habe dich zweimal auf die Ignorier-Liste gesetzt und ich bin mehrmals richtig zornig über dich geworden, wie du mit anderen Menschen umgehst. Jetzt schreib ich dir einen Liebesbrief. Warum? Erstens weil du mich über meine eigene Grenze hinaustreibst, zweitens weil du mir einen Spiegel vorhältst und drittens weil du im Forum Liebe suchst.
Ich selbst habe erst einmal Rat gesucht - bei dem, an den wir beide glauben. Danach hat sich meine Sicht verändert, ich bin über meine bisherige Grenze hinausgekommen. Jetzt sehe ich dich als einen Menschen, dem der Schmerz noch immer bis zum Halse steht, der so laut im Forum herumplätschert, weil er innerlich am Ertrinken ist, und der Hilfe für sich selbst sucht, indem er anderen aus der Position der Überlegenen Hilfe anbietet und oft geradezu aufdrängt.
Inge, ich kenn das: Weil man sich als Nichts fühlt, versucht man, irgendwie jemand zu sein, als Helfer aufzutreten und auf diese Weise Anerkennung zu bekommen. Und du zwingst mich im Moment, mich danach zu fragen, wieweit das noch immer in mir selbst steckt. Nur: Anerkennung ist noch keine voraussetzungslose Liebe, wie man sie eigentlich braucht. Und wie man sie als Kind erhält, wenn in der Kindheit alles gut läuft. Eigentlich erhoffst und wünschst du dir immer noch diese voraussetzungslose Liebe. Natürlich musst du jetzt antworten, dass du die schon längst von Gott erhältst. Aber Inge, das würde ich dir nicht abnehmen, das kannst du mir nicht weismachen, das spürt man nicht an dir.
Ich kenne die Kreise, in denen du dich bewegst. Da gibt es Menschen, die diese Liebe wirklich erfahren haben und abstrahlen. Aber es gibt da auch den Druck für die anderen, die das noch nicht so erlebt haben, so zu tun als ob. Damit sie nicht dumm dastehen als weniger Begnadete. Und dann bietet es sich an, sich fromme Phrasen anzugewöhnen und damit den eigenen Zustand zu vertuschen - auch vor sich selbst. Aber hinter der Phrasenfassade steckt noch unerfüllte Sehnsucht und die schmerzhafte Frage, warum der liebende Gott, an den man mit aller Gewalt zu glauben versucht und der so viele Versprechungen macht, einen selbst bislang außen vor gelassen hat.
Liebe Inge, dich scheint dieses Forum magisch anzuziehen. Du lässt dich nicht vertreiben. Und du hast dich hier nahezu zwanghaft in die Lage gebracht, dass fast alle auf dir rumhacken. Ich denke, du stellst hier eine alte Situation wieder her, die es früher für dich gab, wo du von anderen Menschen viel Härte erfahren hast. Aber dahinter steckt der Wunsch, nun endlich auch noch das Gegenteil zu erleben, nämlich Verständnis und voraussetzungslose Liebe. Und du hast dir unbewusst genau dieses Forum dafür ausgesucht, weil hier Menschen ehrlicher miteinander umgehen als in deinen Kreisen und weil es hier auch viel ehrliche Wärme gibt.
Inge, ich habe hier erst einmal nur mir selbst einen Weg zu dir freizutrampeln versucht. Du hast alle Freiheit der Welt, wie du damit umgehen willst.
Es grüßt dich
Ulf