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Hänge sehr stark an meiner Mutter ...

Hush93

Mitglied
Hallo ihr,


ich hoffe ich kann mir hier einfach mal alles von der Seele schreiben. Es kann ein bisschen lang werden.


Ich bin vor kurzem 19 Jahre geworden und bin knapp 1,50 m groß. Ich wohne bei meiner Mum und mache zurzeit eine Ausbildung im sozialen Bereich...


Also..hm, wo soll ich anfangen?
Letzte Nacht konnte ich nicht einschlafen, das ist leider oft so, wenn ich Urlaub/Ferien habe (wie jetzt). Ich lag bis 4 Uhr nachts wach und habe geweint und gegrübelt. Mir kommen dann immer die Gedanken, was wäre wenn ich allen wäre, wenn meine Mum oder mein Bruder nicht mehr wäre...
Die Gedanken sind wirklich schlimm, bei meiner Mum sind sie eigentlich eher unbegründet.
Aber mein Bruder leidet seit seiner Geburt an einer unheilbaren Krankheit, - Muskeldystrophie Typ Duchenne - seit seinem 10. Lebensjahr ist er an den Rollstuhl gefesselt und seine Lebensdauer ist gering. Er ist mittlerweile (17 Jahre) voll und ganz auf Hilfe von anderen angewiesen.


Ich erzähl jetzt erstmal von Anfang an... also meine Kindheit denke ich war ganz ok. Ich kann mich eigentlich an vieles nicht mehr erinnern, nur, dass ich als Kind alles mit meinem Bruder gemacht habe. Ohne ihn ging gar nichts. Wir waren wie ein Herz und eine Seele. Wir wurden früher auch gefragt ob wir Zwillinge sind, da wir fast gleich alt waren und gleich aussahen.
Als er dann immer weniger machen konnte, da er in seiner Bewegung immer mehr eingeschränkt wurde und ich dann auch langsam in die Pupertät kam, haben wir uns nicht mehr wirklich gut verstanden. Wir haben oft gestritten und ich habe die Schläge - tschuldigung, so darf ichs ja nicht nennen - Haue von meinem Vater abbekommen, wenn mein Bruder irgendetwas angestellt hatte. Ihn konnte er nicht hauen, als ers einmal getan hat, hab ich ihm gedroht es meiner Mama zu erzählen. Seitdem hat er das auch nicht mehr getan und ich musste eben herhalten. Er hat mich auch grundlos mal gehauen, wenn ihm was nicht gepasst hat, ohne zu fragen...


Da gibts eine Situation, die mir bis heute in Erinnerungen geblieben ist - meine Mam war auf Arbeit und sie hatte mir den Auftrag gegeben, die Konsole meines Bruder um 15 Uhr auszuschalten. Mein Vater machte seinen Mittagsschlaf. Als es so weit war, ging ich meinem Auftrag nach. Mein Bruder hat fürchterlich geschrien und ich hab ihn gebeten sich zu beruhigen und wollte ihm erklären, dass unsre Mutter gesagt hat, dass ich es machen soll. Er hat natürlich weiter geschrien. Ich hörte, wie die Schlafzimmertür aufgerissen wurde und das dumpfe Stampfen. Mein Vater kam ins Zimmer, hat nicht lange gezögert und mich gehaun...
So verlief es oft.
Meine Mum hatte immer gemeint, dass mein Vater das doch nicht so meint. Und ich solle das was er tut nicht "Schläge" nennen, es seien nämlich Haue/Klapser. Andere Kinder würden viel schlimmer geschlagen werden als ich.
Sie hat es irgendwie immer rechtfertigen wollen, wenn mein Vater irgendwas getan/gesagt hat.
Ich muss dazu sagen, dass meine Mum immer hinter meinem Vater stand, leider auch nur weil sie von ihm untergebuttert wurde, er sie seelisch auch so fertig gemacht hat wie mich damals.
Sie leidet auch schon seit langem an Depressionen.
Irgendwann mit 11 Jahren hab ich dann auch angefangen mich selbst zu verletzten, an Armen und Beinen. Hab mich immer mehr zurück gezogen, von meiner Familie und Freunden und habe mich sowieo von meiner Mum im Stich gelassen gefühlt.


Mit 13 Jahren fing dann auch noch langsam das Mobbing in der Schule an. Nicht durch Schüler, sondern durch die Lehrer & Direktor. Ich bin in der Schule wegen dem Stress zu Hause einmal zusammen gebrochen und der Direktor, den wir in einem Fach hatten, hatte mich deswegen dann vor der ganzen Klasse immer aufgezogen und blosgestellt. Wenn er mich an die Tafel gebeten hat, hat er immer so Sätze wie "Aber pass auf, geh langsam vor - nicht dass es dich noch umhaut". Dann hat er andere Lehrer wohl schon vorgewarnt, wenn sie mich in die Klasse bekamen und wenn ich dann auffällig wurde, wegen zb Hausaufgabenvergessen hatten sie mich ewig aufm Kicker. Irgendwann wollte ich die Schule wechseln, weil ichs nicht mehr ausgehalten hatte. Meine Eltern hatten das aber nicht als so schlimm empfunden wie ich damals. Meine Mama ist ein paar mal rein, hat geschimpft, dass kann ja wohl nicht angehen dass man so mit Kinder umgeht und als sie dann beim Direktor drin saß und wieder rauskam, war sie selbst wieder ganz klein. Und hat mich eigentlich nur noch mehr in den Sch... reingeritten..Da wareb noch mehrer solcher Situationen...
Mit 15 wollte ich dann nicht mehr in die Schule, hatte schlechte Noten, jeden Morgen vor der Schule bekam ich Übelkeit. Meine Mama dachte das wäre alles nur gespielt, aber als sich das ein halbes Jahr so gezogen hat, und mein Vater in der Zeit auch rausgefunden hatte, dass ich mich selbst verletzte, hat sie mich zum Arzt geschickt, und der mich wiederrum zur Psychologin.
Die war am Anfang ganz nett, aber ich konnte sie nicht leiden. Sie hat mich nie über meine Kindheit gefragt oder sowas, sie hat mir eigentlich eher das Gefühl gegeben, dass ich an so vielem Schuld gewesen wäre. Deswegen habe ich irgendwann angefangen sie anzulügen, ihr und meiner Familie etwas vorzumachen. Ich habe so getan als ginge es mir besser und von dem Moment an zeige ich bis heute keinen außenstehenden mehr, wie es mir wirklich geht. Bis heute versuche ich nach außen hin fröhlich zu wirken. Meistens klappts.


Meine Mama hatte sich während meiner Therapie, nachdem sie selbst auf Kur war von meinem Vater getrennt. Deshalb ist es mir gelungen mich selbst irgendwie zu heilen, mir ging es besser, meine Mum und ich verstanden uns viel besser und in der Schule ging es mit den Noten auch wieder ein bisschen bergauf.
Meiner Mum wurde es irgendwann zu viel - alleinerziehend, die Krankheit meines Bruders und zusätzlich arbeiten. Sie hat von einem Wohnheim für behinderte Kinder gehört. Dort sind mehrere Wohngemeinschaften, mit Kindern der selben Krankheit o.äh Krankheiten, mit Betreuer und Ärzten. Da mein Bruder sich dort wohlfühlte ist er seit dem dort und kommt jedes 2. Wochenende zu uns.


Mein Vater ist glücklich geworden. Hat seit der Trennung sofort ne andre Frau gefunden, die eine kleine Tochter hat und zu der er sehr liebevoll ist und die ihn sogar Papa nennen darf.


Meine Mum hatte auch einen neuen Typ gefunden, der aber nicht so liebevoll ist. Er trinkt bzw bis vor kurzem angeblich nicht mehr und meine Mum schlecht behandelt. Leider hat sie sich noch nicht ganz von ihm abwenden können, da sie nicht alleine sein will.


Im Dezember letzten Jahres wurd alles nur wieder noch schlimmer. Meine Mum hat ihre Tabletten abgesetzt, hat mich wieder im Stich gelassen und nur noch versucht es ihrem Kerl recht zu machen. Sie hat gemeint, ich hänge ihr zu sehr am Rockzipfel und sie kann ihr Leben so leben wie sie es gefälligst will. Sie hat von ihrer damaligen Arbeit zwei Monatsgehälter nicht bekommen und so rutschten wir ins Minus. Sie war gezwungen Hartz4 anzunehmen, sich von einem Bekannten Geld zu leihen und fand keine neue Arbeit. Sie hat sich einen Anwalt gesucht, ist auch vors Gericht usw.
Seit dem - fragt mich nicht, wie - habe ich meine Mum finanziell unterstützen können mit meinem Geld was durch die Ausbildung verdiene (300,-/Monat), sie konnte nicht mehr auf ihr Konto zugreifen und hat mich immer gefragt, ob ich ihr Geld geben kann..


Vor kurzem hat sie zum Glück das Geld bekommen und neue Arbeit gefunden. Es geht also langsam wieder ein bisschen bergauf in dem Sinne..


Allerdings gehts mir noch immer schlecht. Ich verletzte mich seit einiger Zeit aber nicht mehr. Ich find die Narben die jetzt zurückgeblieben sind einfach zu hässlich und schrecken mich davor immer ab, es wieder zu tun. Ich habe zwar ein paar Freunde, aber keine, denen ich irgendwie mitteilen möchte, wies mir geht. Ich möchte keinen Freund, und wiederrum doch. Aber so wie ich die Vorstellung von einem Freund habe gibts ihn wohl leider nicht.
Mit Jungs, die ne tolle Familie haben, Geld verdienen und glücklich sind in ihrem Leben will ich eigentlich nichts zu tun haben. Da fühle ich mich dann nur Fehl am Platz. Bei Freunden genau so, meine "Freunde" gehen gerne auf Partys, jeden Abend weg, treffen sich mit Jungs, haben ne tolle Familie usw. Aber irgendwie.. weiß nicht...
Es gibt jemanden, den ich liebe, wo es aber aussichtslos erscheint, dass wir jemals Zukunft haben werden. Ein Junge den ich vor 6 Jahren im Internet kennen gelernt habe, wir haben uns bisher aber nur aus verschiedenen Gründen ein paar Mal sehen können. Er sagt, er liebt mich auch, aber möchte mich lieber gehen lassen, damit ich mit jemand andres glücklich werden kann, mit dem ich eine Zukunft haben kann. Auch weil er selbst viele Probleme hat, aus denen er auch kaum rauskommt. Allerdings kann ich es mir mit keinem andren vorstellen..
Ich habs ein paar mal mit anderen versucht, es ging eine zeitlang gut, aber irgendwas war immer. Ich finde es mittlerweile sogar einfach... eklig, Sex zu haben. Ich wurde schon ein paar Mal von einem Kerl überredet bzw. gezwungen sexuelle Handlungen auszuüben.
Ich hab einfach das Gefühl das ist nicht meine Welt...


Ich hänge sehr viel an meiner Mum, ich bin nur daheim, wenn ich nicht grad arbeiten muss. Geh hin und wieder meinen Babysitterjobs nach. Kinder, finde ich, sind die einzigen, die es ehrlich mit einem meinen und mich wirklich für eine Weile glücklich stimmen können mit ihrem Wesen und ihrer Art.
Meine Mum hat ja recht, ich klebe sehr an ihr, ich will das ja auch gar nicht. Aber ich mache mir oft Gedanken, was ist, wenn sie geht. Ich könnte das niemals irgendwie ertragen, ich brauche meine Mutter wirklich sehr. Und ich weiß nicht woran es liegt, dass ich so eine Angst habe, ohne sie zu sein.
Wenn sie am Wochenende weggeht, muss ich immer wissen, wohin sie geht, wann sie wieder kommt etc. Und wenn sie für 2 Tage am Wochenende zu ihrem Kerl geht fühl ich mich echt allein. Ich umarme dann meine Mama ganz oft, knutsch sie ab und sie sagt "ich bin doch nur 2 Tage weg", aber es fällt mir da trotzdem schon so schwer. Und wenn sie dann weg ist fühl ich mich einfach nur allein und leer.


Die Krankheit mit meinem Bruder geht mir im Moment auch sehr nahe. Da er wirklich nur noch an Rollstuhl und Bett gefesselt ist, sich nicht mehr wirklich von alleine bewegen kann und es ihm nur noch schlechter geht. Ich habe Angst, dass er irgendwann vielleicht schon bald nicht mehr da sein wird. Ich ertrage es kaum, wenn ich ihn sehe, wenn er mal bei uns ist. Ich gehe ihm manchmal absichtlich aus dem Weg, weils mir zu weh tut. Und trotzdem möchte ich ihn am liebsten jeden Tag sehen, weil ich ihn so sehr vermisse.. :(
Meine Narben an den Armen belasten mich auch noch, sie schränken mich in vielen Dingen im Alltag ein. Da ich meine Narben nicht und niemanden zeigen möchte, trage ich immer langärmlige Sachen, auch im Sommer. Ich habe Angst, dass die jemand sieht. Jetzt vorhin musste ich schon einer Mama absagen, die mich gefragt hat, ob ich mit ihr und den beiden Kindern ins Schwimmbad gehen kann zur Unterstützung. Ich musste passen und es ärgert mich... Die Mutter von den Kindern ist total lieb, hat jetzt das zweite erst vor kurzem bekommen, aber ich traue mich nicht ihr von meinen Narben am Arm zu erzählen. Ich habe Angst vor den Reaktionen und vor den Blicken..




Naja... ich hab jetzt wirklich recht viel geschrieben. Tut mir sehr Leid, dass es so lange geworden und auch, wenn es manchmal etwas durcheinander geschrieben ist. Ich erzähle das alles eigentlich sonst keinem, aber mittlerweile geht's mir eigentlich nur noch schlechter, von Tag zu Tag.. und deswegen musste ich das einfach los werden.


Vielleicht weiß einer Rat... :wein:
Danke schon mal fürs Lesen.


Liebe Grüße,
Hush93
 

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L

Lenja

Gast
Liebe Husch,

dein Beitrag hat mich sehr berührt.. Erst 19 bist du und schon eine Menge Leid hast du (er)tragen müssen! Trotzdem wirkst du auf mich sehr sanft, gutmütig, ohne Trotz, Groll und Wut für all das, was dir passiert ist.

Ich frage mich, ob es gut ist für dich und ob du diese lebhaften, kraftvollen und oft uns selbst beschützenden Gefühle nicht zu tief in dir vergraben hast... Diese Gefühle erinnern uns doch daran, dass wir und unser eigenes Leben uns wichig sind, zwingen uns dazu, es zu verteidigen, uns von negativen Einflussen abzugrenzen, uns in Sicherheit zu bringen, für uns zu sorgen.

Du machst auf mich auch den Eindruck, dass du dich emotional mit deinem Bruder und deiner Mutter stark identifizierst und vielleicht dadurch dich nicht ausreichend als eine von ihnen getrennte, eigene Person wahrnimmst, dich nicht genug spürst, dich innerlich von ihnen zu sehr vereinahmen und leiten lässt. Kann es sein? Soll das sich-selbst-Verletzen, der dabei empfundene Schmerz, dir helfen, dich selbst wieder besser zu spüren, vielleicht?

Mir scheint, dass du einfach dir selbst, deinen eigenen Wünschen, Bedürfnissen, Zielen, Vorlieben, Abneigungen, deiner eigenen Freude und Traurigkeit näher kommen solltest: offen und aufrichtig, all das verstehend und mit dir mitfühlend... Und vielleicht bräuchtest du dabei eine therapäutische oder pschychologisch-beratende Unterstützung. Hast du schon mal darüber nachgedacht?

Liebe Grüße :)
Lenja
 

MadWolf

Aktives Mitglied
Hallo Hush.

Es ist absolut keine Schande seine Mutter zu lieben, im Gegenteil es ist löblich und schön. Hast du Angst vor dem Verlust oder eher davor dann alleine dazustehen und die Situation nicht zu bewältigen? Wenn es das zweite ist dann kann ich dir eines sagen: Wäre sie nicht mehr da würdest du es auch schaffen, denn du musst. Manchmal muss man stark sein und wird es durch eine ganz, ganz harte Lehre oder durch Zeit. Es gibt vieles zu lernen, ich hoffe es ist dir gegönnt dass du es nicht alleine lernen musst.

Ich habe meine Mutter auch sehr geliebt. Als sie an Krebs starb dachte ich eigentlich nur: "Wie soll es denn jetzt bitte weitergehen? Sie war doch meine Familie, mehr hatte ich doch garnicht. Macht das Leben ohne Familie Sinn?".
Das erste Jahr war die Hölle. Ihr Freund wohnte noch bei mir in der Wohnung, die ich ja übernommen hatte von meiner Mutter. Ich war 18 und eben so unerfahren und naiv wie man eben sein kann. Der Kerl wollte einfach nicht ausziehen und zahlte auch keine Miete. Eigentlich war er nur dafür da Dreck zu machen und sich zu beschweren. Durch den Verlust meiner Mutter hatte ich aber auch nie die Kraft ein echtes Machtwort zu sprechen.

So blöd das klingt, im darauffolgeneden Winter verlor ich meine Katze. Sie war einfach weggerannt und der Lebensgefährte meiner Mutter sagte irgendetwas falsches, ich weiss nicht mehr was. Ich sah rot, zerdepperte mit der bloßen Hand fast den Tisch, schrie ihn an und er wurde um einen Meter kleiner vor Angst. Von da an war ich nicht mehr zu bremsen, und ich denke 3 Monate später musste er ausziehen. Jetzt war ich alleine in der Wohnung, ohne irgendeine Ahnung von Finanzen, dem Leben und Arbeit. Ich hatte meiner Mutter am Sterbebett versprochen mein Abitur zu schaffen, das war ihr immer sehr wichtig. Also lernte ich meine Finanzen kennenzulernen, mit Geld umzugehen, ja sogar meine Wohnung endlich auf Vordermann zu bringen und trotzdem nicht zu vereinsamen und meine Freunde zu verlieren. Ich schaffte mein Abitur und war ziemlich gut. Dann kam das Bundesheer, auch diese Zeit habe ich überstanden. Meine Mutter war immer bei mir, zwar nicht mehr körperlich, aber die Liebe die sie mir ihr Leben lang entgegengebracht hatte gab mir die Kraft nie aufzugeben.

Ich war nie allein, dachte es nur manchmal. Sie war immer da, und wird es auch immer sein. Ich bin sehr glücklich.
Auch du würdest nicht aufgeben, würdest weiterkämpfen, da bin ich ganz sicher. Vielleicht ist es dir gegönnt, eine lange Zeit mit ihr zu erleben und von ihr zu lernen. Wenn es aber nicht so ist, hab keine Angst. Den Schmerz, am Anfang und der immer wieder kommen wird, kann man dir allerdings nicht nehmen.

Es ist jetzt schon vier Jahre her dass meine Mutter gestorben ist und es gab bisher noch keinen Tag an dem ich nicht an sie dachte. Traurig bin ich dabei meistens nicht, aber es ist wirklich so dass es keinen einzigen Tag gibt an dem ich nicht mindestens einmal kurz an sie denke. Eigentlich sehr beeindruckend.
 
Zuletzt bearbeitet:

Hush93

Mitglied
Hallo Lenja,


danke erstmal für deine Antwort. Es hat mich eben sehr nachdenklich gemacht.


...Erst 19 bist du und schon eine Menge Leid hast du (er)tragen müssen! Trotzdem wirkst du auf mich sehr sanft, gutmütig, ohne Trotz, Groll und Wut für all das, was dir passiert ist.

Ich weiß nicht. Früher war ich oft sauer, vor allem auf meinen Vater. Nachdem sich meine Eltern getrennt haben war ich ja erleichtert und habe den Kontakt zu meinem Vater voll und ganz verweigert. Er kam hin und wieder kurz vorbei (zB u, Briefe abzuholen oder sowas), dann bin ich immer sofort abgehaun, entweder raus oder in mein Zimmer. Wenn es unangekündigt war, wars dann leider doof. Aber er hat manchmal versucht mich an sich zu drücken oder mich anzufassen (nicht sexuell!), mein Haar streicheln oder sowas. Aber ich konnte das da einfach nicht zulassen. Es hat mich geekelt und wütend gemacht, dass ers immer wieder versucht hat. Da war mal ne Situation, da kam er zur Tür rein, hat "hallo" gesagt und kam auf mich zu, wollte mich wohl drücken, aber ich bin quasi wirklich vor ihm weggelaufen, um den Tisch herum und er mir hinterher. Von außen sah das vielleicht lustig aus, aber mir war es immer total unangenehm wenn er mir nur ein bisschen näher kam.
Bis vor einem halben Jahr hatten wir (fast) keinen Kontakt, weil ich nicht wollte. Aber seit einem halben Jahr - ich weiß nicht - ich habs wohl irgendwie akzeptiert, dass es einfach nun so ist wies ist. Das man die Vergangenheit nicht mehr ändern kann. Und mittlerweile reden wir auch hin und wieder. Ich bin auch eigentlich nicht mehr direkt wütend auf ihn. Ich akzeptier ihn halt, nenne ihn aber immer noch nicht Papa. Wird sich auch glaub auch nicht mehr ändern, da wohl zu viel negatives zwischen uns war...das ist wohl einfach so.


...Ich frage mich, ob es gut ist für dich und ob du diese lebhaften, kraftvollen und oft uns selbst beschützenden Gefühle nicht zu tief in dir vergraben hast... Diese Gefühle erinnern uns doch daran, dass wir und unser eigenes Leben uns wichig sind, zwingen uns dazu, es zu verteidigen, uns von negativen Einflussen abzugrenzen, uns in Sicherheit zu bringen, für uns zu sorgen.

Ich kann dir das nicht genau sagen...ich lasse auf jeden Fall keinen Kerl an mich ran, soweit ich weiß. Das ist sehr extrem geworden habe ich gemerkt. Wenn ich mich mit einem Jungen zB gut verstehe, dann wollen sie alle irgendwann immer mehr. Egal wie lange ich jemanden kenne, sobald er irgendwie Andeutungen macht, dass er mehr will, auch wenns nicht mal böse gemeint ist, hat ers bei mir vermasselt. Dann hab ich kein Interesse mehr daran die Freundschaft bzw. den Kontakt aufrecht zu erhalten. Ich weiß nicht, dann ists bei mir einfach vorbei. Ich denke vor irgendwas schütze ich mich also schon..glaub ich..oder? Vielleicht verstehe ich dich aber auch nur falsch...:confused:


Manchmal habe ich auch eine Phase - die geht vielleicht so ein paar Tage, manchmal auch 1-2 Wochen - wo ich dann einfach nichts spür. Da bin ich dann kalt. Kalt zu denen, die ich eigentlich liebe. Mir ist dann egal, ob ich sie verletze und da weine ich dann auch nicht. Meistens ist die Phase immer nachdem ich mich mit jemandem gestritten habe. Danach ist mir dann einfach alles egal, auch diejenigen, die mir nichts getan haben. Da ist es dann so als... als hätte ich keine Gefühle mehr, als wäre alles weg. Ich spüre dann auch kein Schmerz. Einfach eben nichts. Und das macht mir oft Angst... ich will nicht gefühlskalt und/oder ein schrecklicher Mensch werden...:(


...Du machst auf mich auch den Eindruck, dass du dich emotional mit deinem Bruder und deiner Mutter stark identifizierst und vielleicht dadurch dich nicht ausreichend als eine von ihnen getrennte, eigene Person wahrnimmst, dich nicht genug spürst, dich innerlich von ihnen zu sehr vereinahmen und leiten lässt.

Ich weiß nicht. Ehrlich nicht, keine Ahnung was ich dir dazu sagen kann.


...Kann es sein? Soll das sich-selbst-Verletzen, der dabei empfundene Schmerz, dir helfen, dich selbst wieder besser zu spüren, vielleicht?

Wenn ich sauer war oder Angst hatte, und ich geweint habe und es schlimmer wurde, ss hat dann immer richtig gestochen in mir, ich hab dann immer fast geschrien beim weinen und irgendwann hab ich alles einfach nicht mehr richtig wahrgenommen, dann hab ich einfach immer irgendwas spitzes genommen, meistens wars eine Scherbe oder ein Rasiermesser gewesen und hab mich eben einfach geschnitten. Ich war immer sauer. Oder wütend. Und habe mich gehasst. Ich weiß nicht, es liegt auch schon eine Weile zurück, ich kann dir auch nicht genau sagen, was in dem Moment immer in mir vorgeht, aber da denke ich dann nicht nach, ich tus eben einfach.. danach beruhige ich mich dann wieder, da ists dann halt immer wieder gut geworden.
Nun mache ichs ja nicht mehr, ich hab alle Rasierklingen und Scherben die ich hatte sozusagen symbolisch weggeworfen. Wenn der Moment kommt, in dem ich mich am liebsten wieder schneiden würde, schau ich immer meine Narben an und das schreckt mich dann eigentlich in dem Moment ab. Wenns wirklich schlimm ist und ichs nicht mehr aushalte dann schlag ich mich eigentlich selbst. Bzw haue meinen Kopf gegen iwas oder drücke irgendnen Nerv so fest ab ich füge mir halt irgendwie anders diese Art ... Schaden zu. Die keine Narben hinterlassen... Ich weiß auch nicht.


Wie gesagt, dein Beitrag hat mich sehr nachdenklich gemacht. Und jetzt ists wieder so viel geworden, tut mir Leid, aber das kam mir alles zu deinem Beitrag.


Ach ja - ich weiß nicht, ob und was ich für eine Therapie bräuchte. Ob ich zum Psychologen, Therapeuten, Psychotherapeut oder sonst wem muss. Kenne mich da nicht aus, wer mir bei sowas helfen könnte. Außerdem bin ich da eher skeptisch. Also wenn alle so sind, wie meine Psychologin damals, dann glaube ich nicht das es etwas bringt.


Liebe Grüße,
Hush93
 

Hush93

Mitglied
Hallo MadWolf,


danke dir auch, für deine schnelle Antwort. Entschuldigt beide, dass ich erst jetzt schreibe, konnte nicht früher.


...Es ist absolut keine Schande seine Mutter zu lieben, im Gegenteil es ist löblich und schön. Hast du Angst vor dem Verlust oder eher davor dann alleine dazustehen und die Situation nicht zu bewältigen? Wenn es das zweite ist dann kann ich dir eines sagen: Wäre sie nicht mehr da würdest du es auch schaffen, denn du musst. Manchmal muss man stark sein und wird es durch eine ganz, ganz harte Lehre oder durch Zeit. Es gibt vieles zu lernen, ich hoffe es ist dir gegönnt dass du es nicht alleine lernen musst.

Ich habe einfach Angst, dann endgültig alleine zu sein. Meine Mutter ist die einzige, bei der ich weiß, dass ich sie wirklich liebe, die ich an mich ranlassen kann, die ich ohne zögern umarmen und kuscheln kann. Meine Schwestern nicht. Die sind beide schon ausgezogen und einige Jahre älter als ich. Und eine von ihnen habe ich auch gern, aber die liebe ich nicht, so wie meine Mum. Und die andere - naja - mit der kann ich nichts anfangen, sie hat einen sehr komischen Lebensstil und merkwürdige negative Art. Wir beide haben sehr unterschiedliche Ansichten vom Leben.
Außerdem kann ich mir nicht vorstellen alleine zu leben. Ich weiß nur sobald ich alleine bin und ein paar Tage sturmfrei hab, lasse ich mich gehen. Ich weine dann hin und wieder einfach plötzlich los und bin schlecht drauf, fast schon deprimiert denke ich. Ich kann einfach nicht mit sowas umgehen. Ich versuche mich dann immer abzulenken, mit Hausarbeit, auch um meine Mum dann zu überraschen wenn sie wieder kommt. Aber ich bin trotzdem einfach irgendwie überfordert mit sowas glaube ich.
Ich möchte meine Mum auch nicht verlieren. Manchmal denke ich mir, dass meine Mum noch viel länger leben muss, weil sie ja vorher noch richtig glücklich werden soll. Meine Mum war nie wirklich glücklich und musste so viel durchmachen. Sie hatte selbst nie eine schöne Kindheit, wurde geprügelt, Depressionen, musste 4 Kinder alleine groß ziehen (mein Vater war ständig auf Arbeit) und gleichzeitig arbeiten, hatte einen kranken Sohn, durfte keine Freunde haben von meinem Vater aus, wurde von seiner Familie nicht akzeptiert und und und....aber sie war trotz allem immer so gut sie konnte die beste Mama. Sie hat so oft geweint und war traurig wegen meinem Vater, und ich hab sie immer trösten müssen. Und ich wünsche mir einfach nur, dass sie einmal wirklich glücklich ist. Ich habe ihr auch alles verziehen, dass sie mich damals im Stich gelassen hat. Irgendwie war das dann okay für mich..
Ach - ich weiß auch nicht.


...Es ist jetzt schon vier Jahre her dass meine Mutter gestorben ist und es gab bisher noch keinen Tag an dem ich nicht an sie dachte. Traurig bin ich dabei meistens nicht, aber es ist wirklich so dass es keinen einzigen Tag gibt an dem ich nicht mindestens einmal kurz an sie denke. Eigentlich sehr beeindruckend.

Das tut mir wirklich Leid. Mir tut es Leid, weil es sich für mich anfühlt, dass es doch eigentlich wirklich schrecklich sein muss, ohne seine Mama. Und das kann ich mir eben gar nicht vorstellen. Ich kann es mir nicht vorstellen, ohne meine Mama zu leben. Ich habe auch oft überlegt und ausgemalt, wie ich mir das Leben neben könnte. Ich tus nur nicht, weil ich große Angst davor hätte und weil ich meine Mama ja nicht alleine lassen will und ihr nicht weh tun möchte.
Einmal dachte ich auch, wenn mein Bruder stirbt, dann möchte ich auch nicht mehr sein, da wäre der Schmerz doch dann viel zu groß. Vor allem weil meine Mama dann traurig wäre, und das auch sehr lange und es ihr sicher noch schlechter gehen wird. Das würde ich nicht aushalten. Das würde mich ganz kaputt machen. Trauer und Depressionen machen Menschen ja doch wirklich sehr krank. Und meine Mama lässt sich sehr schnell sehr einfach von kleinen Dingen mal runterziehen und wenn ihr keiner hilft, bleibt sie so auch. Sie ist dann hilflos. Wie ein Kind. Eine ganz andere Person. Sie kann dann nicht mehr denken und lässt sich gehen. Und wenn mein Bruder geht... nein, will ich mir nicht vorstellen. Meine Mama wäre zu traurig. Todunglücklich, würde ich sagen....

Es ist wirklich beeindruckend, dass du es und wie du es geschaffst hast.
 
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