Creep, es geht mir nicht um die Stärke einer Wertung, sondern die Universalisierung derselben. Und das kann ich beim besten Willen nicht als "generalisiert" anerkennen.
Zu der Zeit als es noch einen recht festen Dresscode gab, waren Wertungen ästhetischer Natur oftmals viel eher klassenabhängig (wie so vieles andere auch), heutzutage sind die Grenzen wesentlich weiter ausgeprägt; es gibt so viele unterschiedliche Gesellschaften, daß eine generalisierte Aussage über "die Gesellschaft" kaum möglich ist.
Faktisch besteht unsere Wahrnehmung der "Gesellschaft" hauptsächlich aus dem eingeengten Radius, den wir in unserer näheren Umgebung zu erleben imsatnde sind - vor einigen Jahrzehnten war dies weitesgehend die einzige effektive Möglichkeit, "Gesellschaft" außerhalb von Korrespondenzen und Zeitungen wahrzunehmen. Heutzutage kann man zwischen diversen Wahrnehmungen wählen, es gibt so viele unterschiedliche Szenen, Berufszweige und Verbindungen, denen man sich anschließen kann und die zum Teil die Wahrnehmung von Gesellschaft stark verändern können.
Die generalisierte Einteilung der "Gesellschaft" halte ich für einen Irrglauben. Aber es ist ein typisch menschlicher Irrglaube; wie Du schon andeutetest, ist der Mensch ein soziales Tier, das allerdings größtenteils hierarchisch funktioniert - es ist anfällig dafür, sich als Teil eines homogenen Kollektivs zu empfinden und dahingehende Muster zu erkennen oder ihm dargebrachte manipulative Informationen als gegeben anzuerkennen (einfachstes Beispiel: Leitung des Publikums und der Zuschauer durch den Moderator für oder gegen einen Gast in einer Nachmittagstalkshow). Aber gerade die heutige Gesellschaft ist dermaßen heterogen, daß solche Zuordnungen nur im Gröbsten zu machen sind (z.B. indem man Urinstinkte zur Formung eines gesellschaftlichen Konsens einsetzt: Niemand wird gerne ermordet und keiner kocht hocherfreut Kaffee, wenn ein Einbrecher sich am eigenen Haus zu schaffen macht - da ist es einfach einen Konsens zu erzielen). Darüber hinaus geht der Trend doch eher dahin, daß sich mehrere kleinere Gesellschaften herausbilden, die sich teilweise fundamental unterscheiden.