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Nicht zu vergessen zu erwähnen: Die Gegenbibel:
Die Welt der Encyclopédie - Die Bibel der Aufklärung
Neue Rundschau » Die Welt der Encyclopédie – “Bibel der Aufklärung”
Das Buch, das es im 18. Jahrhundert geschafft hat, dass die Kirche erstmals in großem Umfang hinterfragt wurde. Ein Buch, das es geschafft hat, die Bibel in dieser Zeit voller Neugier und voller Fragen sogar mühelos aus vielen Bücherregalen zu verdrängen. Natürlich wurde dieses umfangreiche Werk mit allen Mitteln bekämpft. Hier mal ein Ausschnitt aus dem Artikel:
Die Welt der Encyclopédie - Die Bibel der Aufklärung
Neue Rundschau » Die Welt der Encyclopédie – “Bibel der Aufklärung”
Das Buch, das es im 18. Jahrhundert geschafft hat, dass die Kirche erstmals in großem Umfang hinterfragt wurde. Ein Buch, das es geschafft hat, die Bibel in dieser Zeit voller Neugier und voller Fragen sogar mühelos aus vielen Bücherregalen zu verdrängen. Natürlich wurde dieses umfangreiche Werk mit allen Mitteln bekämpft. Hier mal ein Ausschnitt aus dem Artikel:
Das Gute ist, die damaligen Urheber dieses Buches, das wir eine Bombe einschlug, sahen die sehr wichtige Aufklärung der Menschen als einen fortlaufenden Prozess an, der ohnehin nicht enden wird. Das Buch wird auch heute noch fortgesetzt:Unvergessen hingegen bleibt ihr befreiender Gestus gegen den absolutistischen Staat und gegen die Kirche. Die Jesuiten und Jansenisten heulten nicht erst auf, als im Juni 1751 der erste Band der Encyclopédie erschien. Der Brief über die Blinden zum Gebrauch für die Sehenden , der nicht nur vom Sehen, sondern auch von den Schwierigkeiten, ja Unmöglichkeiten eines Gottesbeweises handelt, brachte Diderot schon 1749 für drei Monate in das Gefängnis von Vincennes. Spätestens damit wurde klar, daß sich das Programm der Aufklärung nicht selbstverständlich und offen formulieren ließ.
Die Enzyklopädie entwickelte deshalb eine Schreibkunst, die die gefährlichen Wahrheiten – ganz im Sinne von Leo Strauss’ Persecution and the art of writing – an der Zensur vorbeimanövrieren sollte: die Technik der Verweise und versteckten Anspielungen. In seinem Artikel zum Begriff der “Enzyklopädie” gibt Diderot Auskunft über dieses Verfahren: zur Typologie der Querverweise zählt er die sogenannten “renvois satyriques”, satirische Anspielungen also, deren Zweck es sei, “das Lächerliche und das Schlechte” verdeckt bloßzustellen. So liefert etwa der Artikel “Eucharistie” eine scheinbar mustergültige Abhandlung über die heilige Kommunion, nur am Ende findet sich der merkwürdige Hinweis “siehe Menschenfresser”. Daß dies nicht etwa ein Versehen ist, sondern System hat, wird wiederum am Ende des Artikels “Menschenfresser” deutlich: er schließt mit dem Hinweis “siehe auch Eucharistie, Kommunion, Altar, etc.”
Das Erscheinen des ersten Bandes rief dennoch unweigerlich die staatliche und kirchliche Autorität auf den Plan, der König Ludwig XV setzt den Aufseher Malesherbes zur Überwachung der weiteren Publikation ein – ein Glücksfall, wie sich erweisen sollte, denn dieser warnte Diderot wiederholt vor der Durchsuchung durch seine eigenen Leute, versteckte gar heikle Papiere. Nach dem Erscheinen des zweiten Bandes Anfang 1752 spitzte sich die Lage zu: Die Encyclopédie wurde auf Befehl des Königs verboten, mit folgender Begründung:
wegen mehrerer Maximen, die darauf abzielen, die königliche Autorität zu zerstören, den Geist der Ungläubigkeit und die Revolte zu befestigen und, mit dunklen und zweideutigen Begriffen, die Grundlagen des Irrtums, der Sittenverderbnis und des Unglaubens zu errichten.
Malesherbes erreichte, daß die Arbeit dennoch fortgesetzt werden konnte. So entstand unter externen, aber auch internen Kämpfen das Organ der französischen Aufklärung, geschrieben von seiner intellektuellen Elite: Zu Diderots und d’Alemberts Mitarbeitern zählten u.a. Rousseau, Voltaire, Buffon, Marmontel, Montesquieu, Condorcet, d’Holbach, Turgot.
Das Vorhaben aber, die Encyclopédie nicht bloß zu feiern, sondern auch ins 21. Jahrhundert fortzuschreiben, ist dem Band des Eichborn-Verlags zweifellos gelungen: das Feuer jenes Buches, das Welt verändern will, ist darin zu finden.
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