@meli:
natürlich stört mich der link nicht im geringsten. ich bin offen für die kunst, wie du dich vielleicht noch erinnerst.
die "beziehung" zu meiner therapeutin lief anfangs rein auf der verstandesebene. es war ein hin und her, ein abwägen von pro und contra, ein feststellen des nutzens oder dessen fehlen. irgendwann kam ich aber auf dieser ebene zu der erkenntnis, dass es mehr das pro als das contra ist, mehr der nutzen als dessen fehlen. das war der punkt an dem ich mich drauf einließ und nach einiger zeit wurde es möglich die problematik auch auf weniger rationaler ebene zu bearbeiten. das war ja schließlich auch absolut notwendig, denn ein nicht-rationales problem ist rational nur schwer zu begreifen und daher auf diese weise kaum zu beheben. ...ich bin mir natürlich durchaus darüber im klaren, dass "beheben" hier eindeutig der falsche begriff ist, aber ich weiß keinen besseren.
nun...so lief das dann eine weile vor sich hin und nun bin ich an dem punkt, an dem ich in der lage bin zu fühlen...fühlen im sinne von empfinden und identifizieren von emotionen, die ich eine lange zeit vorher überhaupt nicht kannte. ein mitgefühl z.b. kannte ich nur vom hörensagen- jetzt kann ich es wahrnehmen.
paradox, dass man sich bereichert fühlt, wenn man seinen horizont um eine fähigkeit, die das eigene wohlbefinden einschränkt, erweitert. das hätte ich mir vorher niemals vorstellen können. es widerspricht dem oberflächlichen verständnis von "wohlbefinden".
einen neuen thread eröffnen werde ich noch nicht. auf diesen seiten hat das ganze seinen anfang genommen, und deshalb möchte ich, dass man auch hier verfolgen kann, dass ein unschöner beginn durchaus zu einem besseren ergbnis führen kann. ich denke, das könnte anderen hoffnung geben.
sicherlich werde ich aber irgendwann ein neues thema aufgreifen und mich aktiver hier beteiligen.
@ susi:
die zeit ohne mich gab es für ihn praktisch nicht. ich war nicht lange 24h/d in betreuung, sodass er insgesamt vielleicht drei wochen ohne mich gelebt hat. der rest lief bzw. läuft ambulant.
ich habe nun bessere methoden, um mich wieder in die "gute welt" zurück zu bringen, wenn mal alte gedanken durch mein hirn jagen. nämlich die oben erlernte fähigkeit. sie ist es auch, die es ermöglicht, diese gedanken als abstoßend zu empfinden. das geht weit über das wissen, dass sie es sind hinaus- es fühlt sich tatsächlich abstoßend an. mitgefühl funktioniert viel besser als jede ablenkung.
manchmal sehe ich menschen, die dinge tun, die eine ungeheure wut in mir auslösen. dann kommt mir oft der gedanke, die phantasie, diese menschen auf ganz bestimmte weise zu "eliminieren". im selben moment aber meldet sich auch das mitgefühl in dem sinne, dass ich mich in die lage der person versetzt sehe und feststellen kann, dass mein gedanke unsinnig und eines menschen, eines ach so begabten, intelligenten wirbeltieres zutiefst unwürdig ist.
was ich dann verspüre ist im wesentlichen eine mixtur aus angst, ekel, abscheu und einem hauch stolz, dass ich das nun erkennen kann.