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Gewalt, Verschuldung und finanzieller Missbrauch durch die Eltern

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Gast

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Hallo zusammen,

ich wende mich in der Hoffnung an euch, dass ihr mir/uns vielleicht weiterhelfen könnt oder uns jemanden/eine Institution nennen könnt, an die wir uns wenden können oder die uns beraten kann.
Meine Freundin und ich sind schon einige Zeit zusammen. Mit der Zeit bekam ich mit, dass in ihrer Familie vieles schiefgelaufen ist. Die Situation spitzt sich immer weiter zu, meiner Freundin geht es immer schlechter und sie lässt sich auch nicht ohne weiteres helfen, sondern ist der Meinung, dass sich die Probleme nicht lösen lassen. Zwischen uns ist soweit alles in Ordnung.
Die Probleme haben mit psychischer und auch physischer Gewalt zu tun. Verschuldung spielt aber auch eine große Rolle.

Also, ihr Vater hat sich vor Jahren selbstständig gemacht und ihre Mutter arbeitet in der Firma (ist denke ich auch als Mitinhaberin eingetragen). Das Haus ist nicht abbezahlt. Meine Freundin hat einen Job, verdient aber nicht gerade prächtig (erstes Berufsjahr). Ich bin noch Student.

Die Firma ihres Vaters läuft schon länger mies, seit rund einem Jahr gibt es aber heftige Probleme. Ihre Eltern sind hochverschuldet und sie hat bereits einen Kredit über 20.000 Euro aufgenommen, um ihren Eltern aus der Patsche zu helfen. Es kommt weiterhin unregelmäßig Geld rein (auch durchaus beträchtliche Summen), aber die Ausgaben sind nunmal hoch, auch durch die sehr hohen Schulden. Meine Freundin muss immer wieder regelmäßig finanziell aushelfen und kann daher nicht von zu Hause ausziehen.

Die Beziehung zwischen den Eltern ist vollkommen hinüber. Der Vater ist extrem cholerisch, überfordert, sehr schwierig und kann aggressiv und unberechenbar werden. Beide haben Angst vor ihm und das zu Recht. Er schlägt wohl auch seine Ehefrau ab und an, wenn er ausrastet. Meiner Freundin ggü. ist er auch schon handgreiflich geworden. Fachlich ist er super, aber er kann nicht mit Menschen, traut keinem und ist ignorant. Daher hat er die Firma auch gegen die Wand gefahren (und wegen einem Rechtsstreit).

Die Mutter ist Alkoholikerin, gibt ihre Sucht aber nicht zu und säuft heimlich. Sie regelt das finanzielle und zwar mehr schlecht als recht. Sie hat keinen Überblick über Kosten und Rechnungen. Finanzielle Probleme verheimlicht sie vor ihrem Mann aus Angst und pumpt stattdessen immer wieder meine Freundin an, damit es nicht raus kommt. Sie hält auch dicht.
Als die Sache mit dem 20.000 Euro Kredit bevorstand - der Mutter war klar, dass es Probleme gibt, hat sie Magengeschwüre bekommen, auch wegen der Trinkerei. Die Geschwüre wurden immer schlimmer und schmerzhafter. Sie ließ sich nicht helfen (wollte wohl sterben - sie spricht auch häufiger davon "vor einen Baum zu fahren"). Irgendwann hat sie das Trinken eingestellt (auch weil die Geschwüre so schmerzhaft waren) und ist zu Hause fast verdurstet. Meine Freundin hat sie, mehr oder weniger im letzten Moment, gerettet, indem sie einen Notfallwagen rief. Sie musste notoperiert werden (Nierenversagen) und braucht seitdem eine Gehhilfe. Der Vater war währenddessen zu Hause und hat sich nicht drum gekümmert. Sie wäre fast krepiert und hatte den Willen zu sterben.
Die Mutter verheimlicht derzeit, dass meine Freundin regelmäßig Geld zuschießen muss, um wenigstens die nötigsten Rechnungen irgendwie zahlen zu können.

Die Angst meiner Freundin ist, dass sie ihr Leben lang weiterzahlen muss. Ihre Eltern werden wohl nicht vorgesorgt haben und die Mutter ist irgendwann in absehbarer Zeit ein Pflegefall. Ihre Angst ist nie ausziehen zu können. Sie hat auch das Gefühl, dass sie aufpassen muss, dass zu Hause nichts passiert. Ihre Eltern schätzt sie als extrem unfähig ein. Zu Hause ist auch noch ständig Ärger. Auch zwischen ihrer Mutter und ihr kracht es heftig, woran auch beide schuld sind.
Nun lässt sich in dieser Familie nichts klären und auch nicht normal reden. Vernunft spielt auch keine Rolle. Die Eltern wollen ja nicht einmal ihre grundlegenden Probleme einsehen. Das Motto ist immer weiter (so lange es geht) und die Augen zu machen. Beide leben in ihren Traumwelten. Die Mutter ist depressiv, trinkt und schaut Heimatfilme. Der Vater ist ständig auf wochenlangen Dienstreisen und arbeitet unheimlich viel.
Und meine Freundin zahlt weiter, weil sie Angst vor den Konsequenzen hätte. Ihrer Meinung nach wäre das (im Falle von Insolvenz z.B.):

-> Der Vater verprügelt beide, wenn das Thema angesprochen wird. Sie kann sich auch vorstellen, dass er seine Frau umbringt.
-> Oder die Eltern nehmen sich das Leben.

Ihre Eltern im Stich lassen möchte sie nicht. Obwohl die beiden sich nicht einmal für die Hilfen bedankt haben.

Ich versuche sie seit Monaten zu überzeugen mal zum Psychologen oder zu einem Anwalt zu gehen. Sie nimmt das alles auch sehr mit.

Wisst ihr, was man da machen kann?
Was würde passieren, wenn meine Freundin die fehlenden Beträge nicht mehr ausgleichen kann?
Was würde im Falle einer Insolvenz passieren?
Wie sieht es mit der Rente aus?

Meine Plan wäre, dass meine Freundin ihren Vater informiert, dass sie immer wieder Geld reinsteckt und dass sie das nicht mehr tut. Im Moment wäre ein guter Zeitpunkt dafür, weil der Vater im Ausland ist.
Sie scheut sich das zu tun.
 

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Gast

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Hallo Tränenarm,

sie ist Ende 20.
Leider hat sie auch große Verlustängste. Eine jüngere Schwester, die mitten im Studium ist, gibt es auch noch.
 

Daoga

Sehr aktives Mitglied
Lebt diese Schwester auch mit bei den Eltern oder ist sie woanders? Ist deren Verhältnis zu den Eltern vielleicht besser, lassen sie sich von ihr was sagen, wenn nicht von der anderen Tochter?
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
1. Die Mutter soll der Tochter schriftlich das Darlehen bestätigen, wenn das noch nicht geschehen ist. Mit allen Bedingungen und Rückzahlungsplan. Auch wenn ich davon ausgehe, daß sie das Geld abschreiben kann, aber wer weiß, vielleicht ändert sich die finazielle Situation eines Tages oder es gibt überraschend einen Lottogewinn, dann ist ganz wichtig, daß die Forderung dokumentiert ist. Denn es gibt ja noch weitere Gläubiger, die mit den Hufen scharren werden.

2. Auf gar keinen Fall weitere Beträge in das überschuldete Unternehmen stecken. Das Geld sollte dazu dienen, sich was eigenes aufbauen zu können. Eigene Wohnung etc. Wenn sie immer wieder schwach wird, verlängert sie nur das Elend und geht selbst dabei drauf.

3. Deine Freundin muß aus dem ungesunden System raus. Sie wird von den beiden instrumentalisiert, erpresst und parentisiert. Es ist nicht die Aufgabe der gerade flügge werdenden Tochter, die Probleme der noch tatkräftigen Eltern in ihren mittleren Lebensjahren zu lösen. Auf gar keinen Fall. Da werden komplett die Rollen vertauscht. Vermutlich wird Deiner Freundin nur mithilfe eines unbeteiligten Dritten (das bist nicht Du, sondern vielleicht ein Psychotherapeut) klar, daß sie nicht in der Verantwortung für die Familie ist, sondern daß das die Verantwortung ihrer Eltern ist. Ihre Verantwortung ist, ihren Weg in die Selbständigkeit und die Eigenverantwortung zu finden, sich von der Ursprungsfamilie abzunabeln, um evtl. eines Tages eine eigene Famile gründen zu können.

3. Es ist auch nicht Aufgabe der Tochter oder Deine Aufgabe, sich Gedanken zu machen, was im Falle der Insolvenz geschieht. Versuch das Ganze systemisch zu betrachten. Die Verantwortung liegt bei den Eltern nicht bei Euch. Die Aufgabe von Euch jungen Leuten ist, Euren Weg in das Leben zu finden.
 
G

Gast

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Ihre kleine Schwester hat einen besseren Draht zur Mutter. Das wäre eine Idee. Nur so recht dran glauben tue ich nicht, weil beiden die Stärke fehlt und alle Angst vorm Vater haben. Eine geordnete Insolvenz oder sonstige Lösungen sind nur über ihn möglich und er sieht die Firma als sein Lebenswerk und -inhalt. Für ihn ist sie alles.
Mich nervt es ehrlich gesagt auch, dass nicht mal versucht wird mit ihm zu reden, aber ich bekomme meine Freundin da nicht weich. Ich könnte sie beschützen und für die Mutter ließe sich auch eine Übergangslösung (Frauenhaus?) finden.
Aber keiner möchte so wirklich. Alle sind gut im ertragen. Und dann ist da dieser Stolz (aber wir doch nicht, wir scheitern nicht). Es sind viele menschliche Schwächen die überhaupt zu der ganzen Misere geführt haben und eine Lösung verhindern.
Meine Idee wäre herauszufinden, wie ein Leben mit Insolvenz (ist eine GmbH) aussähe und ob es allen damit nicht besser ginge. Und ich müsste zuerst meine Freundin damit überzeugen. Aber ich bin kein Experte in solchen Dinge. Ich weiß ja nicht einmal, ob sie das Haus behalten könnten.
 
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1. Die Mutter soll der Tochter schriftlich das Darlehen bestätigen, wenn das noch nicht geschehen ist. Mit allen Bedingungen und Rückzahlungsplan. Auch wenn ich davon ausgehe, daß sie das Geld abschreiben kann, aber wer weiß, vielleicht ändert sich die finazielle Situation eines Tages oder es gibt überraschend einen Lottogewinn, dann ist ganz wichtig, daß die Forderung dokumentiert ist.

2. Auf gar keinen Fall weitere Beträge in das überschuldete Unternehmen stecken. Das Geld sollte dazu dienen, sich was eigenes aufbauen zu können. Eigene Wohnung etc. Wenn sie immer wieder schwach wird, verlängert sie nur das Elend und geht selbst dabei drauf.

3. Deine Freundin muß aus dem ungesunden System raus. Sie wird von den beiden instrumentalisiert, erpresst und parentisiert. Es ist nicht die Aufgabe der gerade flügge werdenden Tochter, die Probleme der noch tatkräftigen Eltern in ihren mittleren Lebensjahren zu lösen. Auf gar keinen Fall. Da werden komplett die Rollen vertauscht. Vermutlich wird Deiner Freundin nur mithilfe eines unbeteiligten Dritten (das bist nicht Du, sondern vielleicht ein Psychotherapeut) klar, daß sie nicht in der Verantwortung für die Familie ist, sondern daß das die Verantwortung ihrer Eltern ist. Ihre Verantwortung ist, ihren Weg in die Selbständigkeit und die Eigenverantwortung zu finden, sich von der Ursprungsfamilie abzunabeln, um evtl. eines Tages eine eigene Famile gründen zu können.

3. Es ist auch nicht Aufgabe der Tochter oder Deine Aufgabe, sich Gedanken zu machen, was im Falle der Insolvenz geschieht. Versuch das Ganze systemisch zu betrachten. Die Verantwortung liegt bei den Eltern nicht bei Euch. Die Aufgabe von Euch jungen Leuten ist, Euren Weg in das Leben zu finden.
Volle Zustimmung. Ich sehe das sehr ähnlich und meine Freundin prinzipiell auch.
Haken: Nichts ist davon ist machbar, weil meine Freundin blockiert, weil sie Angst hat, dass ihre Eltern dann sterben. Ich habe ihr versucht klarzumachen, dass das unwahrscheinlich ist, aber sie lässt sich nicht überzeugen. Darum will ich auch, dass sie zu einer Beratungsstelle geht, aber selbst dahin kann ich sie nicht bewegen. Sie kann da genauso bockig sein, wie ihre Alten.
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
Du läßt Dich schon von der eingeschränkten Sicht Deiner Freundin anstecken. Alle Fragen der Firma und der Insolvenz, ob sie das Haus behalten können oder nicht, sind in der Verantwortung der Firmeninhaber und der Hauseigentümer.

Ihr zieht Euch einen Schuh an, der nicht der Eurige ist. Wenn die beiden Firmeninhaber den Weg bis zum bitteren Ende gehen wollen, ist das ihre Angelegenheit. Die beiden dürfen auch in ihr Unglück rennen. Es sind erwachsene Menschen, die ihre Entscheidungen treffen.

Ihr könnt den beiden einen Rat geben. Das wars dann aber auch schon. Ob sie den annehmen möchten oder nicht, ist deren Entscheidung. Auf die Ebene der Eltern gehört die Verantwortung und da solltet ihr sie auch lassen.

Deine Freundin hat einen Beruf, einen job. Sie kann für sich selbst sorgen. Und das muß sie auch.
 
G

Gast

Gast
Okay, Deine Freundin ist erwachsen und das eine Weile schon, sie lebt noch zu Hause bei ihren Eltern. Sie muss da raus.

Könntet ihr beide Euch eine eigene gemeinsame Wohnung leisten? Wenn ja, dann versuche Deiner Freundin das schmackhaft zu machen. Sucht gemeinsam im Internet oder in der Tageszeitung, beschäftigt Euch damit.

Weißt Du, ihre Mutter muss an ihrem Leben nichts ändern, warum auch sie hat ja eine Tochter die sogar 20.000€ Kredit aufnimmt. Ist doch gut so, die Schulden haben ja dann nicht die Eltern, sondern die (entschuldige) doofe Tochter, ist doch deren Problem.

Echt Deine Freundin muss zu Hause ausziehen, sie braucht Abstand zu ihren Eltern. Das Abnabeln wird sehr schwer werden, beide Seiten haben sich schon zu sehr an diese Rollenverteilung gewöhnt.

Was meinst Du, hasz Du die Kraft und ist Deine Liebe so groß, das Du es schaffen könntest Deine Freundin da rauszuholen? Bedenke aber, sie wird nach Gründen suchen und die auch finden, das sie nicht ausziehen kann.
Ja, die Liebe ist groß und die Kraft auch.
Ich belaber sie ständig, bin wirklich hartnäckig und wir hatten schon einige heftige Konfrontationen, wo wir alles beredeten. Ich habe Argumente jeglicher Art gebracht, aber ich habe das Gefühl meine Freundin kann nur auf emotionaler Ebene überzeugt werden. Sie ist generell mehr gefühlsgesteuert und ich bin eher ein Kopfmensch.
Das Abnabeln dürfte ihr eigentlich so schwer nicht fallen. Ihren Vater sieht sie sowieso kaum und als sie im Ausland studiert hat und mal einen 1-jährigen Auslandsaufenthalt hatte, war das für sie kein Problem. In dieser Zeit war ihre Schwester zu Hause und hat sich "gekümmert".
Aber sie hat dieses Verantwortungsgefühl. Zum Teil gehört es zu ihrem Selbstbild und manchmal denke ich sie gefällt sich ganz schön mit ihren aufopferungsvollen Gebaren. Ein weiterer Punkt ist, dass sie nicht "schuld" sein möchte, wenn ihren Eltern deswegen etwas zustößt. Sie ist da unheimlich von Angst getrieben, v.a. von Verlustangst (hängt vielleicht auch mit dem Tod ihrer Oma zusammen). Und schlussendlich hat sie Angst davor, was andere denken. Sie hat Angst, dass ihre Familie als "asozial" gilt.
Ich gehe als Freund schon ziemlich weit und bin manchmal hart zu ihr, wenn wir über sowas reden. Ich denke aber, sie bräuchte noch mehr Menschen, die auf sie einreden. Aber ich kann auch nicht einfach eine Freundin einweihen. Das wäre ein riesiger Vertrauensbruch.
Und wenn ich sie noch stärker bedränge, wird das nichts. Sie möchte auch keine Hilfe von mir annehmen (bei mir in die WG vorübergehend einziehen z.B.).

Naja, vielleicht klärt sich alles insofern von alleine, als das sie die Liquiditätsprobleme der Eltern irgendwann nicht mehr decken kann. (Auch wenn sie ernsthaft in Erwägung zog einen Zweitjob aufzunehmen! Oh man. Von der Belastung her ist sie sowieso schon, aus gesundheitlicher Sicht, am Limit.)
Und zweitens, könnte es eventuell so kommen, dass sie irgendwann so richtig zusammenbricht. So zynisch das klingt, aber das könnte ein Wendepunkt sein.
 

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