S
susanna
Gast
Also, dann erzähl ich mal. Geheiratet haben wir vor 19 Jahren. Ich liebte ihn- sah in ihm den Mann meiner Träume- seine großen Gefühle mir gegenüber wirkten manchmal schon irgendwie übertrieben- als hätte er die worte auswendig gelernt.-aber ich wollte ihm wohl glauben- er sich selbst vielleicht auch. Als ich schwanger wurde, haben wir geheiratet - und dann begann schleichend irgendetwas:von Freunden isolieren,Telefon abstellen, Haustüre abschließen, so daß ich nicht raus kam - damals glaubte ich noch an Mißverständnis, jetzt weiß ich, daß es der Anfang war. Geschlagen hat er mich das erste Mal als ich mit dem zweiten Kind schwanger war,so nach zwei Jahren Ehe. Kopf gegen die Heizung- ich hatte Angst um mein Kind - nur still sein, nicht provozieren- und: das Gefühl: das muß ein Mißverständnis sein, das ist nicht wirklich. Es gab Zeiten, da ging es besser, Zeiten in denen es chaotisch war. Aber immer wieder: Schläge- und die erklärung, daß ich Schuld sei, weil ich ihn provoziert hätte. Jeder Mann hätte in seiner Situation zugeschlagen.Trotzdem:Betroffenheit, Versprechen, Versöhnung. Anfangs war er: `fasziniert von meiner Begeisterungsfähigkeit, Lebendigkeit, Ideen- ´dann, zunehmend, machte ich alles falsch- oder er konnte, wußte alles besser: Beruf, Kindererziehung, Kochen, Schwanger sein, stillen - Er wurde zunehmend: der tolle Vater, besorgte ehemann, der neben dem Job auch noch seine Frau so großartig unterstützt- das alles,wenn andere zusahen. Ohne Publikum: ChaosAlkohol und Geschrei.Und ich wurde: immer kleiner, unsicherer und: immer gieriger nach etwas Anerkennung und Lob- und immer abhängiger von ihm. Er erklärte seine Ausbrüche mit seiner schwierigen Kindheit- ich verstand ihn : gemeinsam schaffen wir das! Ich schlug eine Eheberatung vor-er wollte nicht, er hatte ja kein Problem. Also ging ich allein zur Beratung - ohne allerdings von der gewalt zu erzählen- weil ich mich schämte..Er unterstützte das mit der psychologischen Beratung und begrüßte es- problematisch wie ich in seinen Augen war.
Er erklärte mir,warum meine Wünsche unlogisch seien, meine Traurigkeit hysterisch.`Ich mach doch gar nichts, ich bin der friedlichste Mensch von der Welt, ich habe mit keinem ´Menschen Probleme- es muß an dir liegen...
Und immer wieder: Ich liebe dich doch
warum ich nicht schon damals gegangen bin: Weil ich ihm geglaubt habe, weil er sehr überzeugend war-( und ist), weil ich ihn trotz allem immer noch liebte- und weil ich dachte daß er wiedergutmachen und heilen lassen könnte, was
er mir immer wieder angetan hat- und zwar nur er. Weil ich an meinen Gefühlen zweifelte, an meinem Verstand, an meiner Wahrnehmung, an mir als Frau, als Mutter, an meinen Fähigkeiten im Beruf.Und weil ich mit niemandem drüber reden konnte. Niemand hätte mir geglaubt. Er war- und ist- so nett, so einnehmend ,so überzeugend und charmant. Der schlägt doch seine Frau nicht.Da muß er aber einen Grund haben. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, wenn er einmal so zugeschlagen hätte, daß es unübersehbar gewesen wäre- aber nur blaue Flecke, Abschürfungen und ein verheultes Gesicht? -Ich dachte:das glaubt dir doch keiner. Ich bin bei ihm geblieben- und habe mich geschämt für das was er immer wieder mit mir machte.
Dafür, daß er mich auslachte und demütigte, wenn ich weinend am boden lag. Selbstachtung und Selbstbewußtsein wurden immer weniger.
Als wir dreizehn Jahre verheiratet warenwurde bei mir Krebs festgestellt.
Operation, Chemotherapie Bestrahlungen. Als er mich noch schlug, als ich nach der Chemotherapie am Abend völlig fertig nach Hause kam-
als er mir sagte, daß es mein Problem sei, wenn ich sterbe,da müsse ich allein durch- da habe ich ihn eines Tages rausgeschmissen.
Schluß? Nein.Monatelanges Hin und her- heulen , betteln, flehen- (Ich! nicht er!)
Bis er sich neu verliebte. Schluß? Nein: Beschimpfungen am telefon, beleidigende Briefe, Unterhalt nicht klären wollen, Konten nicht klären wollen, Krankenversicherung (!) blockieren,Kinderumgang nicht regeln wollen ...(Er).Macht eben .
Langsam und mühsam hab ich mich freigekämpft. Die kinder haben endlich gelernt, daß es unrecht ist, wenn sie schlagen, und begründen nicht mehr : der hat mich provoziert.Wir haben - nach Ihm- ein paar schöne Jahre miteinander gehabt, denke ich- ruhiger, miteinander Sachen unternommen,waren anders ,aber wieder eine glückliche Familie Ich weiß aber nicht , ob sie jemals wirklich Respekt haben werden vor mir- sie haben zu viel mitgekriegt- und mich zu oft verzweifelt und klein gesehen.was all das in ihnen angerichtet hat weiß ich nicht.Ich wünsche mir, daß sie irgendwann einmal verstehen, warum ich auch die letzten Jahre oft noch traurig war, mein größter Wunsch ist, daß sie irgendwann einmal sogar ein bißchen stolz auf mich sein könnten - dazu muß ich aber selber noch mehr zu dem zurückfinden, wie ich mal war.
Vor vier Monaten ist meine vierzehnjährige Tochter zu ihrem Vater gezogen - über Nacht,nach einem Sommer voller Machtkämpfe und Pubertätsmotzereien. Seither ist sie sehr abweisend,kühl zu mir- als wäre ich eine Fremde. Heute hat sie mir erklärt: Vater ist total nett, er kommt mit jedem gut aus, wenn er dich geschlagen hat, muß er wohl einen Grund gehabt haben-Du hast doch selber schuld. ...und und und - lauter Sätze, die ich von ihm kenne, und bei mir kommt alles wieder hoch und ich hatte gerade geglaubt, ich hätte es jetzt endlich hinter mir.
Und ich renne ihr hinterher,mach mich lächerlich, will nicht,daß sie so geht.Es tut weh, sie ist meine Tochter und ich liebe sie sehr.
Er erklärte mir,warum meine Wünsche unlogisch seien, meine Traurigkeit hysterisch.`Ich mach doch gar nichts, ich bin der friedlichste Mensch von der Welt, ich habe mit keinem ´Menschen Probleme- es muß an dir liegen...
Und immer wieder: Ich liebe dich doch
warum ich nicht schon damals gegangen bin: Weil ich ihm geglaubt habe, weil er sehr überzeugend war-( und ist), weil ich ihn trotz allem immer noch liebte- und weil ich dachte daß er wiedergutmachen und heilen lassen könnte, was
er mir immer wieder angetan hat- und zwar nur er. Weil ich an meinen Gefühlen zweifelte, an meinem Verstand, an meiner Wahrnehmung, an mir als Frau, als Mutter, an meinen Fähigkeiten im Beruf.Und weil ich mit niemandem drüber reden konnte. Niemand hätte mir geglaubt. Er war- und ist- so nett, so einnehmend ,so überzeugend und charmant. Der schlägt doch seine Frau nicht.Da muß er aber einen Grund haben. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, wenn er einmal so zugeschlagen hätte, daß es unübersehbar gewesen wäre- aber nur blaue Flecke, Abschürfungen und ein verheultes Gesicht? -Ich dachte:das glaubt dir doch keiner. Ich bin bei ihm geblieben- und habe mich geschämt für das was er immer wieder mit mir machte.
Dafür, daß er mich auslachte und demütigte, wenn ich weinend am boden lag. Selbstachtung und Selbstbewußtsein wurden immer weniger.
Als wir dreizehn Jahre verheiratet warenwurde bei mir Krebs festgestellt.
Operation, Chemotherapie Bestrahlungen. Als er mich noch schlug, als ich nach der Chemotherapie am Abend völlig fertig nach Hause kam-
als er mir sagte, daß es mein Problem sei, wenn ich sterbe,da müsse ich allein durch- da habe ich ihn eines Tages rausgeschmissen.
Schluß? Nein.Monatelanges Hin und her- heulen , betteln, flehen- (Ich! nicht er!)
Bis er sich neu verliebte. Schluß? Nein: Beschimpfungen am telefon, beleidigende Briefe, Unterhalt nicht klären wollen, Konten nicht klären wollen, Krankenversicherung (!) blockieren,Kinderumgang nicht regeln wollen ...(Er).Macht eben .
Langsam und mühsam hab ich mich freigekämpft. Die kinder haben endlich gelernt, daß es unrecht ist, wenn sie schlagen, und begründen nicht mehr : der hat mich provoziert.Wir haben - nach Ihm- ein paar schöne Jahre miteinander gehabt, denke ich- ruhiger, miteinander Sachen unternommen,waren anders ,aber wieder eine glückliche Familie Ich weiß aber nicht , ob sie jemals wirklich Respekt haben werden vor mir- sie haben zu viel mitgekriegt- und mich zu oft verzweifelt und klein gesehen.was all das in ihnen angerichtet hat weiß ich nicht.Ich wünsche mir, daß sie irgendwann einmal verstehen, warum ich auch die letzten Jahre oft noch traurig war, mein größter Wunsch ist, daß sie irgendwann einmal sogar ein bißchen stolz auf mich sein könnten - dazu muß ich aber selber noch mehr zu dem zurückfinden, wie ich mal war.
Vor vier Monaten ist meine vierzehnjährige Tochter zu ihrem Vater gezogen - über Nacht,nach einem Sommer voller Machtkämpfe und Pubertätsmotzereien. Seither ist sie sehr abweisend,kühl zu mir- als wäre ich eine Fremde. Heute hat sie mir erklärt: Vater ist total nett, er kommt mit jedem gut aus, wenn er dich geschlagen hat, muß er wohl einen Grund gehabt haben-Du hast doch selber schuld. ...und und und - lauter Sätze, die ich von ihm kenne, und bei mir kommt alles wieder hoch und ich hatte gerade geglaubt, ich hätte es jetzt endlich hinter mir.
Und ich renne ihr hinterher,mach mich lächerlich, will nicht,daß sie so geht.Es tut weh, sie ist meine Tochter und ich liebe sie sehr.