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Gescheiterte Studienexistenz

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 121028
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G

Gelöscht 121028

Gast
Hi alle zusammen,
ich wollte erst dafauf verzichten diesen Thread zu erstellen, allerdings weiß ich nicht, was ich in meiner derzeitigen Lage sonst dagegen unternehmen sollte als dagegen anzuschreiben. Ich hatte meine persönliche Situation bereits mal dargelegt in einem Thread "Es ist zwar nicht so dringend, aber", weswegen ich darauf verzichten werde sie hier nochmals ausführlichst zu erläutern. Nun wollte ich kurz einen anderen, für mich herausragenden Aspekt beleuchten, und zwar meine Studienzweifel und einmal anonym wissen, was euch dazu einfallen möge.

Ich studiere zur Zeit in den zwei Hauptfächern Geschichte und Powi in Heidelberg an der Uni, welche mir auch beide liegen, ich könnte mir im Anschluss an den folgenden Master auch eine Promotion vorstellen, ich wünsche mir sie gar. Abseitsvon den erwähnten psychischen Auffälligkeiten hege ich jedoch generell Zweifel an meiner intellektuellen Eignung, da meine absolute Fixiertheit auf dieses Promotionsthema mich bei jeder schlechten Zensur emotional in die Kellerstuben wandern lässt. Zwei, eher drei konkrete Ereignisse haben diese Gedanken, oder besser Gedankenschleifen ausgelöst. Zunächst eine 2,7 in einer weiterführenden Geschichtsvorlesung für ein Modul im Hauptstudium, die andere eine 4 in einer essayistischen Klausur der Einführung in die IB. Nun absolviere ich derzeit zusätzlich einen (freiwilligen) Englischkurs am hiesigen Sprachzentrum der Uni und habe zweimal eine, sowohl für meine schriftliche als auch meine mündliche Leistung, eine 4 erhalten auf dem C1.1-Level, obwohl ich nur ein Level darunter, B2.2, auf einer glatten 1 stand. Dort hatte die Dozentin zwar den gleichen Hang zu komplexem Satzbau im Sprachlichen festgestellt, aber mich wohl ungeschoren davonkommen lassen. Er hielt meine, Zitat: "Thomas-Mann-Sätze", für unverständlich. Nach all den Erlebnissen mit schlechten Noten in Studiengängen, bei welchen alles im Abschluss schlechter als eine 2 zum Scheitern verurteilt ist, schimmert unterschwellig das Gefühl durch, dass selbst das Letzte, was ich ein wenig beherrschen würde, mündliches Englisch (für welches ich im mündlichen Abi 12 Punkte erhalten sowie dafür von manchen Credit bekommen habe), sei nichts weiter als eine Farce gewesen, ein seeliger Wunschtraum meinerseits. Ein Traum, den ich zu träumen gewagt hatte. Ebenso wie die anderen beiden Noten, welche mich stark an meinen intellektuellen Fähigkeiten als Mensch zweifeln lassen. Ich sollte möglicherweise anfügen, dass ich mich sehr stark über Unileistungen und Vergleiche mit Kommilitonen definiere, gerade, da ich in ihnen vor allem zukünftige Konkurrenten im Kampf um die rar gesäten Promovendenplätze im Fach Geschichte nach dem Master sehe, obwohl ich erst in der Mitte des Bachelors bin. Schulisch war ich nie so erfolgreich, wie ich es gerne gewesen wäre, aber wie sagt man so schön: Dumm bleibt dumm. Ich dachte verwegen notentecgnisxh nun endlixh durchzustarten. Was für ein Irrglaube. Dieses Semester stehen außerdem ein Essay für eine Übung in Geschichtsphilosophie im Theoriemodul an, bei dem ich zur Zeit überlege, ob ich die Prüfungsleistung abmelden soll, da ich mir unsicher über die Tragweite meiner Entscheidung machen bin. Bei den Diskussionen in dieser Veranstaltung, welche auch von Masterstudierenden besucht wird, kommen mir meine Beiträge häufig redundant vor. Als ich den Dozenten darauf ansprach, erwiderte er nur: " Das müssen sie selbst wissen." Jedoch zieht sich dies fort durch viele Veranstaltungen, die ich besucht habe. Relativ viel Interpretationsspielraum also. Ich bin bei sowas ein Freund der klaren Worte. Dies soll nicht fortgesetzt werden, damit sich dies nicht auf mein Essay, das über die Modulnote entscheidet, überträgt. Nächstes SS 22 steht ein vierwöchiges Praktikum in einem Archiv an, was neben zwei Hausarbeiten in Powi und Geschichte bewältigt werden müsste. Von daher wäre Schieben reichliche Erzeugung von Termindruck. Allerdings zweifle ich an meinen Fähigkeiten zur Anfertigung eines guten Essays. Die diessemestrige Hausarbeit in Alter Geschichte lasse ich in der Rechnung mal außen vor, da sie meine geringere Sorge darstellt. Naja, es steht diesen Februar auch noch die Ergänzung des Latinums an, wird wohl auch lustig werden.
Zur Bemerkung des Archivpraktikums: Ich würde gerne später als Archivar arbeiten, wofür eine Promotion sehr zuträglich zu sein scheint.
Zum Abschluss: Ich möchte kein Mitleid einheimsen, auch wenn dieser Post förmlich danach stinkt, sondern konstruktives Feedback. Ich schreibe diesen Post um 10 vor 6 morgens an einem Samstag im Bett liegend.

An jeden, der dieses Monster von Post liest:
Vielen Dank vorab für die Rückmeldung!

Beste Grüße

Rikers
 
Ich erinnere mich gut an deinen ersten Faden hier und möchte dir mit diesen Infos im Hinterkopf dringend von der Fixierung auf die Promotion abraten. Weder ist sie ein Karrieregarant, noch solltest du dir den Bachelor versauen mit überzogenen Notenängsten.
Arbeite dich in kleinen Schritten vor - mach den Bachelor und orientiere dich parallel dazu beruflich.
Bearbeite deine sozialen Phobien im Rahmen einer Therapie. Deine Fächerkombi ist nicht gerade ein Türöffner, überlege dir also gut, was du damit anfangen möchtest. Du bist politisch aktiv und könntest versuchen, eine politische Laufbahn einzuschlagen. dazu muss man aber soziale skills entwickeln und anwenden.
Versuche, an der Uni einen HiWi-Job zu bekommen. Vergleiche dich nicht permanent mit anderen, sondern lerne andere kennen.
Hast du mittlerweile Freunde?
Wenn nicht, such dir einen ebenso schüchternen, isolierten Jungen und frage nach einem Lerntandem. Es ist sinnlos, von einem Leben nach der Promotion zu träumen, wenn du nicht in der Lage bist, soziale Kontakte aufzubauen.
Ich finde die Idee mit der Arbeit im Archiv gut. Aber dafür brauchst du weiß Gott keine Promotion. Da kommt man auch mit einer soliden Ausbildung rein.
Setz dich nicht weiter unter Druck.
 
Ich finde schon der Titel des Threads ist völlig falsch gewählt.

Das ist ja noch lange weg... von scheitern. Nur weil es mal nicht so glatt läuft.

Sei mir nicht böse... aber für mich hören sich deinen beiden Themen insgesamt so an:

Du versuchst durch die Fiktion auf diese Promotion vor den realen momentanen Schwierigkeiten zu fliehen.

Der Traum vom "Archivar" klingt für mich nach:
"ich kann allein irgendwo vor mich hin wurschteln... Hauptsache ich muß mich nicht mit Menschen auseinandersetzen [auch wenn ich ja eigentlich drunter leide, dass ich so wenig echte Kontakte habe und nirgendwo dazu gehöre]

Was ist denn das für ein "Berufstraum" ?

Kannste denn noch was anderes mit Geschichte und PoWi anfangen?
Überlege dir doch mal welche Berufsrichtungen noch möglich wären?

Bist du mit deiner Zwangsstörung in Behandlung?
Hast du mal überlegt dich wieder bei einem Fußballverein anzumelden?

Du mußt dich mehr unter "normalen Leuten" bewegen.... dich in irgend ein Archiv verkriechen kannst du immer noch wenn du 50 bist 😉

Guck ob du irgendwo eine Werkstudentenstelle versuchen kannst... selbst wenn du dann etwas länger studieren würdest. Arbeite am besten irgendwo, wo auch andere, junge Menschen sind.

Damit könntest du dir ein Zimmer in einer WG organisieren und wenigstens "die Woche über ausziehen" !? ( wohnen deinen Eltern in Heidelberg?)

Du wirkst auf mich durchaus intelligent aber viel zu unreif... für dein Alter... sammel Lebenserfahrung, trau dich was... was ganz Reales.
Es ist für die Persönlichkeitsentwicklung + Kontaktchancen zu jungen Frauen nicht förderlich noch die nächsten 6 Jahre bis du "Herr Doktor" bist zu Hause im Nest der Eltern zu leben.

Deine ganzen Unsicherheiten kommen auch daher das du ja nix außer der "Schule" bewältigen muß, keine weiteren Erfolgserlebnisse hast.

Ob du in irgendeinem Fach eine Note besser oder schlechter bist... fragt dich später keine Mensch mehr. Nimm es als Erfahrung und gerade in Fächern die immer sehr vom Geschmack des Bewertenden abhängen... kannst du das ohnehin nicht so gut vergleichen. (ist ja kein Physik)
 
Teil 1:

Hallo Rikers

Konstruktive Rückmeldung: Ich lese bei dir weniger "Thomas Mann"-Sätze, als mehr einen relativ unstrukturierten, stellenweise sogar inkohärenten Text mit teilweise Satzbaufehlern, unvollendeten Sätzen und so wenigen Absätzen, dass es für mich, der ich viel lese, anstrengend war, ihn zu lesen. Ich kann also zumindest einen Teil der Gründe sehen, die dir in den Essays die schlechten Noten eingebracht haben.

Ich habe dabei den Eindruck, dass du so zwanghaft versuchst, den Text sprachgewandt zu formulieren, dass du dich selbst mit deinem eigenen Text überforderst und Satzbau bzw. innere Kohärenz gar nicht mehr beachten kannst.

Praktische Tipps zum Schreiben von Essays:
  • Thematisch brauchen Essays ein fokussiertes und bloss nicht zu breit gewähltes Thema - du beantwortest in deinem Essay z.B. eine bestimmte (fokussierte) Frage oder verteidigst eine bestimmte (fokussierte) These, du kannst auch eine bestimmte (fokussierte) These eines anderen Autors angreifen oder diskutieren, was aus einer bestimmten These folgt bzw. logisch folgen muss, wenn man sie zu Ende denkt. Im Studium können Essays auch mal die Implikationen und Bedeutung eines bestimmten Begriffs in der Theoriearchitektur eines bestimmten Autors untersuchen. Wichtig ist: Sprich deine Themenwahl *immer* mit dem Dozenten ab! Er kann dich ggf. in der Suche nach einem passenden Thema unterstützen und merkt in der Regel, wenn dein Thema zu breit oder zu schwierig ist für deinen Wissensstand.
  • Hast du ein passendes Thema, überlege dir vorher genau, worum es in deinem Essay ganz konkret geht und wie du argumentieren willst (im Detail).
  • Erstelle daraufhin einen detaillierten (!) Schreibplan, in dem du dir insbesondere die Struktur und innere Kohärenz deines Textes deutlich machst. Entscheidende Argumente kannst du dabei in Stichpunkten bereits ausformulieren. Du erstellst quasi einen fertigen Bauplan für deinen Essay, sodass du ihn nur noch niederschrieben musst...
  • Fast am wichtigsten in Essays sind letztlich auch die s.g. Präliminarien, sprich "Was ich zeigen werde..." und "Wie ich gezeigt habe...". Sie machen im Endeffekt die Argumentation an sich aus, weil sie sie für den Leser sprachlich explizit machen. Du solltest also anfangs in deinem Essay in der Einleitung die kommende Struktur und das, was du machen bzw. zeigen willst, deutlich machen, d.h. du gibst einen Überblick über den Essay, bevor du die einzelnen Punkte im Hauptteil dann ausführst. Aber auch im Hauptteil musst du die Aspekte, auf die du dich beziehst, auch deutlich aufeinander beziehen, d.h. du musst die Struktur immer und immer wieder sprachlich explizit machen. So bringst du Kohärenz und Struktur sprachlich für Leser sichtbar in deinen Essay ein.
  • In Essays solltest du grundsätzlich anstreben, so gut wie alles, was du tust und sagst, zu begründen (manche Selbstverständlichkeiten müssen natürlich vorausgesetzt werden). Jeder Satz muss eine Funktion haben. Kein Satz sollte "einfach nur so" formuliert werden, weil er gerade so schön klingt.
  • Essays sind keine Ausbreitung deines Wissens - du führst nur das Wissen a us, das du für deine Argumentation auch wirklich brauchst. Du musst also etwas mit dem Wissen machen, mit deinem Wissen arbeiten, nicht nur aufzählen und zeigen, dass du dies und das weisst.
  • Essays sind kein Selbstbekenntnis - deine persönlichen Intuitionen, Meinungen und Gefühle haben darin keinen Platz. Was du glaubst und fühlst, ist uninteressant. Deine Thesen und Argumente müssen sachlich begründet und sachlich nachvollziehbar sein.
  • Essays sind keine Sammlungen der Standpunkte mehrerer Autoren - du stellst in einem Essay nicht einfach nur die Thesen von verschiedenen Autoren nebeneinander, sondern du formulierst immer selbst eine Position.
  • Mach deine inhaltliche Struktur durch Absätze deutlich - so ein Textblock ist zu anstrengend zu lesen und müsste ich deine Essays so korrigieren, würde ich die absolute Krise kriegen und dir alleine deshalb Punkte abziehen. Und ja, das darf man, auch die Form einer Arbeit darf und sollte bewertet werden.
Ein konkretes Beispiel für fehlende Kohärenz und Struktur in deinem Text:
Die diessemestrige Hausarbeit in Alter Geschichte lasse ich in der Rechnung mal außen vor, da sie meine geringere Sorge darstellt.
Es ist für einen aussenstehenden Leser völlig unklar, von welcher Hausarbeit du sprichst und warum du sie aussen vorlässt, welche Bewertung diese Hausarbeit hatte, etc. - die Hausarbeit in "Alter Geschichte" kommt so sprachlich explizit an dieser Stelle in deinem Text überhaupt erstmalig vor. Ich kann mir zwar als geübter Leser denken, dass sie wahrscheinlich weiter oben mit einer der genannten Noten zusammenhängt (womöglich mit der 2,7?), wissen kann ich das allerdings nicht, da das aus deinem Text nicht eindeutig so hervorgeht.

Für die Verständlichkeit deines Textes wäre es hilfreich gewesen, zumindest einen Hinweis in Klammern anzufügen, um welche oben genannte Note es sich handelt oder eine der oben genannten Leistungen vorweg als "Alte Geschichte" zu benennen.

So, jetzt zu deiner Gesamtsituation.

Du schreibst ganz viel von Noten und Promotion und darüber, dass du dich über deine akademische Leistung definierst. Kann man machen, habe ich auch gemacht, mache ich bis heute. Es stellt sich mir aber die Frage: Brennst du denn für dein Fach? So sehr, dass du dich am liebsten Tag und Nacht damit befassen möchtest und dir vorstellen kannst, dich bis ans Ende deines Lebens damit zu befassen? Was machst du in deiner Freizeit? Macht es dir Spass zu studieren?

Oder brennst du nur für die formalen Konsequenzen einer Promotion, dass du dann einen Doktortitel vorzuweisen hast und dir erhoffst, entsprechende Anerkennung im Aussen zu bekommen? Dass du vorweisen kannst, "was geschafft" zu haben im Leben?

Kann dir an dieser Stelle schon mal verraten, dass den Deppen, die dich früher verspottet und ausgeschlossen haben, deine Promotion scheiss egal sein wird - Deppen bleiben Deppen, die Anerkennung bekommst du da eher in anderen Milieus, die Deppen werden dich nie anerkennen. Dafür solltest du es nicht machen, diese Hoffnung darfst du nicht haben.

Die Frage ist eher, ob du intrinsisch oder extrinsisch motiviert bist. Natürlich ist man mit einem Studium immer auch extrinsisch motiviert, aber wenn so gar keine intrinsische Motivation vorhanden ist, wird es schwierig. Das merkt man in der Regel daran, dass man eigentlich keinen Bock auf die Inhalte hat bzw. sie höchstens "ganz okay" und "ganz interessant" findet. Eine Promotion ist dann nicht unmöglich, aber mit mehr Stress und Frustration verbunden, denn eigentlich möchtest du der Tätigkeit an sich (das Promovieren) ja nicht nachgehen, sondern nur gerne den Outcome haben.

Nach all den Erlebnissen mit schlechten Noten in Studiengängen, bei welchen alles im Abschluss schlechter als eine 2 zum Scheitern verurteilt ist, schimmert unterschwellig das Gefühl durch, dass selbst das Letzte, was ich ein wenig beherrschen würde, mündliches Englisch (für welches ich im mündlichen Abi 12 Punkte erhalten sowie dafür von manchen Credit bekommen habe), sei nichts weiter als eine Farce gewesen, ein seeliger Wunschtraum meinerseits. Ein Traum, den ich zu träumen gewagt hatte.
Ich verstehe diese Gedanken und die Belastung, die sie verursachen. Mir fällt aber auch auf, dass du viel von schlechten Bewertungen deiner akademischen Leistungen und solchen Gedanken der Unzulänglichkeit erzählst, aber nichts davon, wie viel du für diese Leistungen gearbeitet hast. Hast du erwartet, dass du dir gute Leistungen aus dem Ärmel schüttelst? Dass gute Leistungen aufwandslos zu erreichen sind, wenn man nur begabt genug ist?

Santinos Lebensweisheit an dieser Stelle: Letztlich fliegt einem im Leben nichts zu - egal, wie begabt man ist, man lernt nicht "wie von selbst". Wenn du merkst, dass du nicht gut genug bist, musst du daran arbeiten, dass du besser wirst.

Das gilt auch für:
Ebenso wie die anderen beiden Noten, welche mich stark an meinen intellektuellen Fähigkeiten als Mensch zweifeln lassen.

Du wirst nicht besser dadurch, dass du dich mit Kommiliton*innen vergleichst. Du wirst besser durch Lesen (gerade in Fächern wie PoWi und Geschichte) und Arbeit an den Stellen, an denen es dir an Wissen und Können fehlt. Wenn du darauf absolut keinen Bock hast, solltest du dich fragen, ob ein Studium wirklich das Richtige für dich ist.

Dieses Semester stehen außerdem ein Essay für eine Übung in Geschichtsphilosophie im Theoriemodul an, bei dem ich zur Zeit überlege, ob ich die Prüfungsleistung abmelden soll, da ich mir unsicher über die Tragweite meiner Entscheidung machen bin. Bei den Diskussionen in dieser Veranstaltung, welche auch von Masterstudierenden besucht wird, kommen mir meine Beiträge häufig redundant vor. Als ich den Dozenten darauf ansprach, erwiderte er nur: " Das müssen sie selbst wissen." Jedoch zieht sich dies fort durch viele Veranstaltungen, die ich besucht habe.
Diesen Absatz verstehe ich nicht ganz. Du möchtest dich von der Prüfung in Geschichtsphilosophie abmelden, weil dir die Beiträge der Kommiliton*innen im Seminar redundant erscheinen? Was hat das denn mit dir und deinen Fähigkeiten zu tun?

Und natürlich musst du im Studium selbst wissen, welche Prüfungsleistungen du wann machen möchtest oder nicht. Dozenten bringen dir die Inhalte im Studium bei - sie sind nicht dafür da, dich bei der Studiumsorganisation zu unterstützen, entsprechend hat der Dozent ganz Recht damit, dass du das selbst wissen musst.
 
Zuletzt bearbeitet:
Teil 2:

Relativ viel Interpretationsspielraum also.
Ich glaube, dass dir das nur so vorkommt, als gäbe es da "ganz viel Interpretationsspielraum" in den Seminaren.

Gerade in sozialwissenschaftlichen, kultur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen gibt es meist kein eindeutiges fachwissenschaftliches (theoretisches) "Paradigma" (siehe "Normalwissenschaft" und "wissenschaftl. Revolutionen" bei Thomas Kuhn), das als "State of the Art" die herrschende Meinung der Disziplin bestimmt, sondern es gibt mehrere verschiedene "Schulen", die ganz unterschiedliche Theorie- und Methodenperspektiven einnehmen.

Es ist dabei z.B. hilfreich, sich auch mit der Wissenschaftsgeschichte des eigenen Faches auseinanderzusetzen und mit Wissenschaftsgeschichte im Allgemeinen - daran wird oft deutlich, warum sich bestimmte Theorieperspektiven wann entwickelt haben, worauf sie reagiert haben, woher sie also kommen und wo sie warum hin wollten, etc., und so lassen sich die verschiedenen Perspektiven folglich besser einordnen in eine Art Gesamtperspektive darauf, wie in einer wissenschaftlichen Disziplin gearbeitet wird.

Es geht im Studium geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Fächer also weniger darum, die *richtigen* Inhalte zu verstehen, sondern vielmehr darum, verschiedene Perspektiven und ihre jeweiligen Konsequenzen für den Blick auf die jeweiligen Forschungsgegenstände kennenzulernen. Beispiel: In der Soziologie gibt es unterschiedliche Definitionen von "Gesellschaft", je nach Theorieschule. Im Studium sollte man möglichst viele Theorieperspektiven auf "Gesellschaft" kennenlernen. Mit der Zeit merkt man, dass man eine bestimmte Perspektive besser findet als andere Perspektiven. Und zum Ende des Studiums sollte man im besten Fall auch begründen können, warum das so ist.

Das heisst nicht, dass man keine "klaren Worte" wählen kann. Das kann man durchaus, wenn man z.B. die eigene Perspektive von anderen Perspektiven abgrenzt oder zwei unterschiedliche Perspektiven vergleicht und diskutiert. Ich glaube, dass dir die "klaren Worte" nur nicht offensichtlich werden, weil du noch zu wenig über die unterschiedlichen Theorieschulen in deinen Fächern weisst.

Versteh mich nicht falsch, ich glaube nicht, dass alle deine Kommiliton*innen klare Worte über verschiedene Theorieperspektiven sagen - das sicherlich nicht, gerade in Geistes- , Kultur- und Sozialwissenschaften gibt es sie, die Laberstudierenden, die mit manchen Beiträgen auch einfach gern zeigen, dass sie besonders viel wissen oder einfach nur etwas sagen, um etwas zu sagen. Ich glaube aber nicht, dass *alle* Wortbeiträge so sind. Ich glaube, dass du das nur nicht unterscheiden kannst.

Zur Bemerkung des Archivpraktikums: Ich würde gerne später als Archivar arbeiten, wofür eine Promotion sehr zuträglich zu sein scheint.
Das erscheint mir als sinnvolle Praktikumswahl, wenn du später gerne als Archivar arbeiten möchtest. Brauchst du dazu denn zwingend eine Promotion?

Ich hoffe, der ein oder andere hilfreiche Gedanke war für dich dabei.

Liebe Grüsse
Santino
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin promoviert und kenne wirklich viele, die es ebenfalls sind, denn ich arbeite an der Uni.
Ich wollte Dich nur darauf hinweisen, dass die Noten für eine Promotionszulassung nicht alles sind, tatsächlich spielen sie eigentlich keine Rolle, denn in nahezu jeder Promotionsordnung, die ich kenne, heißt es dass wenn zwei/drei ordentliche Professoren des Hauses für den Promovenden sprechen, die formalen Kriterien (Noten...) ausgehebelt werden können.
So könnte theoretisch auch jemand promoviert werden, der nicht studiert hat, was aber natürlich nur theoretisch möglich ist, da ihm ja das Handwerkszeug dazu fehlt.

Worauf kommt es an,
ob jemand promovieren kann oder nicht?
networking, fachliche Kontakte, Engagement im wissenschaftlichen Bereich, Job als Hiwi, damit man jemanden auffällt, Tätigkeiten außerhalb (!!!) der Uni, die Impulse IN die Uni bringen, auf denen ein betreuender Professor aufbauen kann.
Bring etwas, was dem Betreuer als WERTVOLL erscheint, was er verwerten kann, evtl. in ein Projekt verwandeln, für das er Geld eintreiben kann.
Resilienz, Freundlichkeit, Kontaktfähigkeit, Organisation....
DAS ist wichtig bei Promotion.
Nicht die Noten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Oder brennst du nur für die formalen Konsequenzen einer Promotion, dass du dann einen Doktortitel vorzuweisen hast und dir erhoffst, entsprechende Anerkennung im Aussen zu bekommen? Dass du vorweisen kannst, "was geschafft" zu haben im Leben?
Das ist ja an sich nicht verkehrt,
das war bei mir und vielen anderen, die kein gerades oder eifnaches Leben haben, auch der Fall.
Der Titel ist eine Art Schutz, ein Symbol, dass man in einem bestimmten Gebiet in der Lage war, was zu leisten,
was nicht jeder konnte. Die Gefahr, für doof oder unfähig gehalten zu werden, ist damit zumindest mal deutlich reduziert.
 
mmen mir meine Beiträge häufig redundant vor. Als ich den Dozenten darauf ansprach, erwiderte er nur: " Das müssen sie selbst wissen."
das muss nicht an Dir liegen,
sondern liegt tendenziell eher am Dozenten, der nicht richtig zuhört oder das Seminar in dem Moment, in dem er den Raum verlässt, schon vergessen hat.
Oder er hat keine Lust auf eine Diskussion mit Dir. Geh´ in die Sprechstunde, wenn Du ihn schnappen willst 🙂
 
Das ist ja an sich nicht verkehrt,
das war bei mir und vielen anderen, die kein gerades oder eifnaches Leben haben, auch der Fall.
Der Titel ist eine Art Schutz, ein Symbol, dass man in einem bestimmten Gebiet in der Lage war, was zu leisten,
was nicht jeder konnte. Die Gefahr, für doof oder unfähig gehalten zu werden, ist damit zumindest mal deutlich reduziert.

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Kann dir an dieser Stelle schon mal verraten, dass den Deppen, die dich früher verspottet und ausgeschlossen haben, deine Promotion scheiss egal sein wird - Deppen bleiben Deppen, die Anerkennung bekommst du da eher in anderen Milieus, die Deppen werden dich nie anerkennen. Dafür solltest du es nicht machen, diese Hoffnung darfst du nicht haben.

Sprich - ja, in einigen Milieus wird man seltener für doof oder unfähig gehalten. In den Milieus, über die man sich am meisten ärgert, allerdings leider eher nicht. Für die zählt akademische Leistung nichts. Deppen bleiben Deppen bleiben Deppen bleiben Deppen... ist meine Erfahrung.

Ich wollte Dich nur darauf hinweisen, dass die Noten für eine Promotionszulassung nicht alles sind, tatsächlich spielen sie eigentlich keine Rolle, denn in nahezu jeder Promotionsordnung, die ich kenne, heißt es dass wenn zwei/drei ordentliche Professoren des Hauses für den Promovenden sprechen, die formalen Kriterien (Noten...) ausgehebelt werden können.
In vielen Promotionsordnungen ist das so in Deutschland tatsächlich möglich, kommt in der Regel aber in der Praxis so gut wie nie vor... Wie du auch schreibst: den Leuten fehlt's an Handwerkszeug und letztlich muss man sich schon ordentlich einschleimen (via Charisma, soziale Fähigkeiten etc), um ohne ausreichende fachliche Leistung die Gunst von gleich zwei oder drei Professoren zu erlangen. Da warten fünf andere Typen, die die fachliche Leistung erbringen und mindestens vergleichbar Charisma und soziale Fähigkeiten haben.

Die beschriebene Promotionsregelung wird meiner Erfahrung nach in der Praxis eher auf Ausnahmetalente angewandt, die zeitgleich zum Master und/oder direkt nach dem Bachelor z.B. schon mit der Promotion beginnen wollen oder die aus dem Ausland (früher) keine anerkannten Abschlüsse mitbringen konnten, diese vielleicht (auch heute noch) aufgrund biographischer Umstände nicht mehr nachweisen können/konnten, aber die trotzdem sehr gute Leistungen zeig(t)en.
Insgesamt angewandt wird es wohl eher bei Personen, bei denen es durch deutlich herausragende fachliche Leistungen und/oder besondere Lebenstumstände sinnvoll ist, dass formale Kriterien ausser Kraft gesetzt werden. Die beschriebene Regelung ist nicht gedacht für Leute mit weniger guten Noten, die halt auch so gern einen Doktortitel hätten. Wenn Papi Professor ist und seine Freunde um Zustimmung gebeten hat, kam das vielleicht schon mal vor, aber für den Durchschnittsstudierenden ist das jetzt wohl eher keine Option.

Richtig ist, dass man kein Überflieger sein muss. Falsch ist, dass man fachlich eine Nulpe sein kann - meiner Erfahrung nach ginge das nicht einmal in den wirtschaftlichen Studiengängen richtig gut, in denen die wenigsten Studierenden Interesse an einer akademischen Laufbahn haben. Ein solches Bestreben wird ohne ausreichend fachliche Leistung eher eine Sackgasse sein, weil's da ganz viel mindestens durchschnittlich gute Konkurrenz gibt. Zumal der TE sozial jetzt auch nicht gerade in der popular In-Group unterwegs oder ausseruniversitär mega engagiert zu sein scheint (siehe sein alter Thread).
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi, erstmal danke für die ganzen Rückmeldungen. Hilft auch mal, fachliche Oerspektiven zu hören, die schlechte Einschätzungen meineseits eher bestätigen denn einfach wegwischen.
Zu sozialem Engagement: Ja, ich engagiere mich als Pressesprecher unserer Juso-Ortsgruppe und bin auch zur Zeit im Vorstand einer HS-Gruppe. Zumi dest versuche ich es also.

Zum Punkt des fachlichen Lesens: Ja, durchaus vorhanden, aber wohl nichts exzessiv genug. Jedenfalls lese ich nicht fünf Bücher vor Veranstaltungsbeginn zum Seminarthema.

Ob ich fachlich eine Nulpe bin, vermag ich nicht zu sagen. Dabei spielen so viele Kriterien mit hinein, dass ich mich derzeit (noch) außer Stande sehe dies zu beurteilen. Jedenfalls habe ich selten Anerkennung seitens meiner Dozenten erfahren (wenn direkt, waren es wohl kleine Glücksmomente). Könnte ein Hinweis auf die von @Santino erstellte These sein, möchte mich darauf aber nicht direkt festlegen, wie ich ja vorhin erläutert habe. Ich denke, das wird man früher oder später im Studium selbst feststellen, wenn im direkten Vergleich mit den ganzen Rohdiamanten alias Stipendienempfängern (vermutlich vor allem Studienstiftung oder Cusanuswerk) bewertet werden wird, oder vielleicht auch anderen Überfliegern.

Es ist schön Träume zu haben, aber gleichzeitig stellt es eine Kunst zu wissen, wenn man sie begraben muss. Nochmals danke für die Rückmeldungen.
 

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