Theodor Storm, Meeresstrand
Ans Haff nun fliegt die Möwe, Auftakt. Jambus, Jambus, Jambus.
Und Dämmerung bricht herein; Auftak, Daktylus, Daktylus.
Über die feuchten Watten Daktylus, Trochäus, Trochäus.
Spiegelt der Abendschein. Daktylus, Daktylus.
Graues Geflügel huschet
Neben dem Wasser her;
Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.
Ich höre des gärenden Schlammes
Geheimnisvollen Ton,
Einsame Vogelrufe-
So war es immer schon.
Noch einmal schauert leise
Und schweiget dann der Wind;
Vernehmlich werden die Stimmen,
Die über der Tiefe sind.
Im Gedicht ist kein einheitliches Metrum vorhanden, dafür jedoch eine konstante, feste Abfolge der Kadenzen (=Versausgänge: weiblich oder männlich). Das nichtvorhandene Metrum deutet den natürlichen Sprachgebrauch an, welcher ungebunden an metrische Regeln unbewusst eingesetzt wird und daher keinen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Beginnend mit einer unbetonten weiblichen Kadenz wechseln sich männliche und weibliche Kadenz ausnahmslos ab, sodass die gerade erwähnte Objektivität und Detailfülle weiter unterstützt wird. Zusätzlich kommt die natürliche, ungezwungene Wortfolge hinzu.
Das Reimschema in „Meeresstrand“ ist ein unreiner Kreuzreim, der sich in alle vier Strophen als Reim der Form ‚abcb’ darstellen lässt, wodurch ein Kompromiss zwischen strikter Gliederung und uneingeschränkter Freiheit geschaffen wird, wie es auch im wirklichen Leben ist. (Realismus!)
Einige grundsätzliche Merkmale Storms Gedichtes werden im folgenden dargelegt. Als grundlegendes Thema greift Storm, wie für seine Werke typisch, die Beschreibung von Situationen des bereit in der Überschrift dargelegten Ortes des Meeresstrandes auf. In der Abenddämmerung nimmt das lyrische Ich verschiedenste Eindrücke am Strand war und gibt diese wieder. Der Text vermittelt eine leicht melancholische Grundstimmung, die sich ebenfalls mit einem Hauch von Heimweh mischt.
Zur strukturellen Gliederung des Gedichtes ist festzustellen, dass es sich um 4 Strophen handelt, welche von der Versanzahl her jeweils den klassischen Vierzeiler darstellen und somit der Volksliedform entsprecht. Dies ist ein erstes Anzeichen dafür, dass sich Storm auf die Ebene des Realismus begibt, da die klar und mit Bedacht strukturierten Strophen und Verse bereits ein Anzeichen für die geordnete, objektive, realistische Wiedergabe der Ereignisse ist.
Im Gedicht ist kein einheitliches Metrum vorhanden, dafür jedoch eine konstante, feste Abfolge der Kadenzen. Das nichtvorhandene Metrum deutet den natürlichen Sprachgebrauch an, welcher ungebunden an metrische Regeln unbewusst eingesetzt wird und daher keinen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Beginnend mit einer unbetonten weiblichen Kadenz wechseln sich männliche und weibliche Kadenz ausnahmslos ab, sodass die gerade erwähnte Objektivität und Detailfülle weiter unterstützt wird. Zusätzlich kommt die natürliche, ungezwungene Wortfolge hinzu.
Das Reimschema in „Meeresstrand“ ist ein unreiner Kreuzreim, der sich in alle vier Strophen als Reim der Form ‚abcb’ darstellen lässt, wodurch ein Kompromiss zwischen strikter Gliederung und uneingeschränkter Freiheit geschaffen wird, wie es auch im wirklichen Leben ist.
Die von Storm gewählte Zeitform des Präsens stellt die Unmittelbarkeit der Ereignisse dar, welche dadurch zusätzlich objektiviert und real erscheinen.
Das lyrische Ich befindet sich an einem Meeresstrand, was durch einen tatsächlich vorhandenen, realen Schauplatz bereits ein erster Hinweis auf ein Gedicht des Realismus ist und belauscht, wie es in der 3. Strophe im ersten Vers „Ich höre ...“ deutlich wird, und beobachtet das Meer und die Tiere, was durch eine Beschreibung der Umgebung ersichtlich wird. Die für Storm typische Naturverbundenheit und Liebe zur Natur kann in dem Gedicht ebenfalls in Form der Naturverbundenheit des lyrischen Ichs wiedergefunden werden.
Bezüglich des Inhalts in „Meeresstrand“ ist festzustellen, dass in der ersten Strophe der Einbruch der Dämmerung beschrieben wird (1. Strophe, 2. Vers: „Und Dämmerung bricht herein;“), welcher durch das Herannahen einer Möwe ans Haff sowie feuchte Wiesen über die der Abendschein ‚spiegelt’ bildhafter dargestellt wird. Die erste Strophe ist den realistischen ‚Richtlinien’ getreu verarbeitet worden.
In der zweiten Strophe nutzt Storm den Begriff „Geflügel“, welches neben dem Wasser vorbeihuscht, was bereits ein Anzeichen dafür ist, dass es sich nicht um ein Gedicht des ‚klassischen Realismus’ handeln, kann. Unterstützt wird diese Hypothese durch die letzten beiden Verse der zweiten Strophe, in welchen die Lage der Inseln im Meer mit Hilfe eines Vergleich deutlich gemacht wird. Im dem dritten Vers „Wie Träume liegen die Inseln“ ist besonders das Wort ‚Traum’ von Bedeutung, da so eine gewisse Uneindeutigkeit und Subjektivität in das Gedicht gebracht wird, sodass sich die reine, wertungsfreie, detailgetreue Wiedergabe des objektiven Geschehens nicht mehr erfolgt und das Gedicht an Subjektivität gewinnt. Im nachfolgenden Vers „Im Nebel auf dem Meer“ ist ein weiteres Zeichen für die zumindest teilweise vorhandene Subjektivität des Gedichtes vorhanden. Mit dem Wort ‚Nebel’ erfolgt automatisch die Assoziation von etwas ungewissen, mystischen, da die Sichtverhältnisse im Nebel relativ schlecht sind und nicht alles ist wie es zu sein scheint, sodass der Anteil an Subjektivität unserer Wahrnehmung in der Situation vorhandenen Nebels stark zunimmt.
Die weitere Steigerung der Subjektivität erfolgt in der dritten Strophe, in der mit dem ersten Vers bereits die individuelle Wahrnehmung des lyrischen Ichs direkt angesprochen wird, indem Storm die Worte „Ich höre“ wählt. Das weitere entfernen von der Objektiven, lediglich faktenbezogenen Schilderung lässt sich durch den Ausdruck des „Geheimnisvollen Ton“ im zweiten Vers der dritten Strophe feststellen. Durch den im letzten Vers dieser Strophe eingebrachten Kommentar „So war es immer schon.“ kommt die stets fortschreitende Subjektivität des lyrischen Ichs weiter heraus, indem dessen Erfahrungen und Gewohnheiten als nichtobjektive Fakten einbezogen werden.
Die vierte Strophe stellt nun den Höhepunkt der Subjektivität dar. Die in den ersten beiden Versen verwendeten Verben „schauert“ und „schweigt“ erreichen beim Leser eine große emotionale Beteiligung und stellen die Gefühle des lyrischen Ichs heraus. Zusätzlich wird in den beiden letzten Versen der vierten Strophe mit dem Ausdruck, dass „Stimmen“, welcher Art auch immer, „vernehmlich“ werden und der ungewissen Beschreibung des Ortes, von dem diese Stimmen kommen, welcher nur noch mit der „Tiefe“ belegt ist, der Höhepunkt der Subjektivität erreicht.
Es lässt sich also feststellen, dass von der rein objektiven Beschreibung der Natur in der ersten Strophe, was den Richtlinie des ‚klassischen Realismus’ entspricht, ein Wandel zur eindeutigen Subjektivität in der letzten Strophe erfolgt.
Fortsetzung im nächsten Beitrag. ;-)