Die intensivste Trauer und den verstorbenen Partner kommt erst, nachdem alles Organisatorische erledigt ist und die lieben Mitmenschen schon längst wieder zur Tagesordnung übergegangen sind. Es wird dann auch keine Rücksicht mehr auf die Trauer genommen, sondern erwartet, dass man funktioniert.
Ich habe meinen Partner vor neun Monaten plötzlich und unerwartet verloren und weiß, wovon ich rede.
Es kommen spätestens nach 2 Monaten schon Phrasen, man müsse nun wieder nach vorn schauen, es wird ausgenutzt, dass man verletzlicher ist als sonst etc. Viele Menschen ziehen sich auch zurück oder melden sich selbst in den ersten Monaten nach dem Todesfall nicht häufiger als vorher.
Der Gipfel der Taktlosigkeit in meinem Fall war ein Anruf meiner etwa gleichaltrigen Cousine am Abend des 2. Weihnachtstages, um mir mitzuteilen, dass ihr langjähriger Lebensgefährte (wenige Tage jünger als mein verstorbener Partner) ihr nun nach den 26 Jahren, die sie zusammen seien, einen Heiratsantrag gemacht habe und dabei sogar vor ihr auf die Knie gegangen sei. Sie weiß, dass ich allein lebe, (unfreiwillig) keine Kinder habe und es mein erstes Weihnachtsfest ohne meinen Partner war.
Zu dem Zeitpunkt ihres "Weihnachts"anrufs stand noch nicht mal ihr Hochzeitstermin fest. Dieser wurde mir vor 14 Tagen mit gespielter Gleichgültigkeit als eine Art Nachtrag ("Ach ja: Merk dir schon mal den ... Juni vor....") zu einer anderen Nachricht mitgeteilt, aber ich habe meine Teilnahme bereits abgesagt. Dabei habe ich keine Notlüge verwendet, sondern offen gesagt, dass ich aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Trauerbewältigung bis auf Weiteres nicht in der Stimmung sei, an Hochzeiten und ähnlichen Familienfeiern teilzunehmen. Und ich gehe zu der Person, die sich obendrein für wer weiß wie sensibel und empathisch hält, jetzt auch noch stärker auf Distanz. Diese Heuchelei widert mich an. Mehr als floskelhafte Grüße zu Festtagen oder vielleicht noch aus dem Urlaub hat sie von mir nicht mehr zu erwarten. Soll sie doch wegen ihrer Hochzeit triumphieren - auch sie und ihr zukünftiger Ehemann haben nicht das ewige Leben für sich reserviert. Alles nur eine Frage der Zeit..... Und sollte er eines Tages vor ihr sterben, wird das Geschrei groß sein. Das weiß ich jetzt schon.
Ich wünsche dir, dass auf deine Trauer um deinen Mann mehr Rücksicht genommen wird.
Auch, dass du von den Menschen in deinem Umfeld nicht mehr oder weniger deinem Schicksal überlassen wirst. Von Menschen, die wissen, dass du und dein Mann auch schon euren einzigen Sohn verloren hattet, sollte man das eigentlich erwarten können. Leider ist selbst so etwas nicht selbstverständlich.
Es ist aber trotz des schweren Schicksalsschlages, den du tragen musst, auch eine einmalige Gelegenheit, zu erfahren, welchen Menschen in deinem Umfeld wirklich an dir gelegen ist.
Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit zum Austausch in diesem Forum und, falls es bei dir zeitlich möglich ist, in einer Trauergruppe. Nach allem, was ich darüber gehört habe, sollte man da aber besser erst nach frühestens drei bis vier Monaten hingehen. Viele fühlen sich dort anfangs noch nicht wohl, weil die anderen schon weiter in ihrer Trauerbewältigung sind und ihnen die Stimmung zu fröhlich ist.
Hier kannst du, wenn du möchtest, auch schreiben, was dein Mann dir bedeutet hat und wie deine jeweilige Stimmung ist. Nach meiner Erfahrung kommt Trauer in Wellen.
Man braucht auch Menschen, die offen dafür sind, sich darüber auszutauschen. Menschen, die dafür ein offenes Ohr haben, obwohl sie gerade nicht selbst um einen geliebten Menschen trauern, gibt es zwar, aber sie sind äußerst rar gesät.