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"Gefühlsarmut" im Elternhaus

Vielleicht noch soviel Info dazu:

Der Sohn war damals schon gut 10 Jahre in der Psychiatrie. Und hat 1 oder 2 Jahre nachdem ich das so wie geschildert erfahren habe, Selbstmord begangen.

Nein, keine Drogen - eine "normale", gutsituierte Familie, die übrigen Kinder alle bis auf eine Ausnahme studiert.
Der Vater lebte schon nicht mehr. Und die Frau Mutter fand das völlig normal und in Ordnung.

Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Was fand die Frau normal und in Ordnung?
Dass ihr Mann tot war oder der Sohn solange in Psychiatrie und Selbstmord begangen hat?
Wäre mal interessant zu hören warum der Sohn 10 Jahre in Psychiatrie war...Diagnose? Vielleicht chronische Depressionen mit suizidalen Anteilen und bei nem neuen Schub wars dann soweit und er hats geschafft mit dem Selbstmord? Und interessant wäre zu erfahren, wie die Geschwister die Sache sehen, wie die so drauf sind...ich wittere da ein düsteres muffiges Familiengeheimnis...oder aber einfach ressourcen/kräftebedingtes Unmitleid mit einem anstrengenden und eher lästigen FAmilienmitglied.
Tchja..das Leben kann oft gnadenlos sein.
 
Hallo Tyra,

nun, das ihr Mann tot war, spielte dazu keine Rolle.
Es war eher dieses Unmitleid mit einem sensiblen Kind, und das eigene Statusdenken.
Mehr kann ich dazu auch nicht sagen, weil mein Verwandter inzwischen längst von seiner Frau (dem jüngsten Kind dieser Familie) geschieden ist, und ich nur zweimal kurz Kontakt hatte - bei seiner Hochzeit, wo auch die übrigen Kinder und die Mutter waren, und später halt bei dieser Feier.

Peter
 
also moment mal..kurz vor dem Abi war das Sensibelchen ja nun bereits ein Erwachsener oder, und zwar jemand der zu wenig Mitleid mit sich selber hatte...und leider auch nicht reif genug um sich abzugrenzen und abzulösen.

Ich war früher auch total sensibel..bin es immer noch..habe aber aus nem Überlebensinstinkt heraus nen guten Selbstschutz entwickelt....wer das natürlich versäumt und sehr unbewusst mit tiefliegenden Problemen umgeht, sich nicht auseinandersetzt und für sich selber kämpfen lernt, sich stets nur passiv verhält, der ist leider Gottes im Eimer.

Ich denke da der Mutter vorschnell nen Strick draus zu drehen, dass sie dem Umstand ihres toten Kindes (offiziell! wer weiss viell. heult sie sich zu Haus im stillen Kämmerlein die Augen aus?) wenig Aufmerksamkeit schenkt ist net angebracht..kommt ja auch drauf an wie alt die anderen Kids sind, wie eingespannt die Mutter im Alltag ist etc.

In Afrika werden Säuglinge aufgrund der hohen Kindersterblichkeit erst ab ca 1 Jahr als Person betrachtet. STirbt ein Säugling eher wird er auf den Müll geworfen und den Eltern Trauer untersagt...das hat die Funktion, dass die Leuts da vor Ort nicht ständig in Trauer sind und kaputt gehen an dem Leid ständig Kids zu verlieren...Vielleicht ist es in diesem Fall ja ähnlich..das Verhalten der Mutter sone Art Selbstschutz um an der Trauer nicht kaputt zu gehen?
 
Hi Tyra,
also moment mal..kurz vor dem Abi war das Sensibelchen ja nun bereits ein Erwachsener

Das war kurz vor Ende des Studiums. Angst, es nicht zu schaffen.

Und ich weiss, wie mein Verwandter von dieser Familie (der Vater war schon tot, als er seine Frau kennenlernte) behandelt worden ist. Einigermassen anerkannt erst, als er seine Meisterprüfung "vorweisen" konnte.

Nein, die Mutter hatte keine Erkenntnis. Ohne Abi/Studium oder sowas wie Meister kein Mensch. Jedenfalls keiner, der zählt. Da meine angeheirateten Verwandten einfache Menschen waren, hats mich gewundert, dass die Mutter überhaupt die beiden Male hergekommen ist.

Das Ganze ist schon einige Jahrzehnte her, die Mutter wird nicht mehr leben.

Peter
 
Hi Pete,

tja da schien ja dieser in dieser family wohl kaum ein Strahl Sonne und Herzlichkeit in deren Mitte gewesen zu sein, sondern eher STandesdünkel und rigides Leistungsethos. Und der Schwächste wurde wegselektiert...nunja wie bereits gesagt: Menschen sind irgendwo auch manchmal nur Tiere. Manche haben mehr, manche weniger Mitgefühl für ihre Mitmenschen.
Tut mir leid für den jungen Mann, dass seine Eltern nicht so drauf waren ihm zu sagen: Schatz, egal was du tust, egal was im Leben passiert, wir haben dich auch lieb, wenn du nur nen Hauptschulabschluss hast und zur Müllabfuhr gehst.
Oder auch schade dass der junge Mann in dem Alter nicht genügend abgegrenzt und anarchisch drauf war auf die Meinung seiner Eltern zu pfeifen und zu machen was er wollte...ich komme auch aus ner Mittelstandsfamily und in dem Alter war Halligalli angesagt..ich hab mich durchs Abi geboxt, aber auch mehr so nebenbei. An sich ist man in der Pubertät ja spontan Anti drauf...hätte ihm in seiner Situation nicht schaden können....naja wer weiss was da genau abgelaufen ist in der Familie.

Gruß
Tyra
 
Hi darkside,

ich denke das mit der noch offenstehenden REchnung in eurer family ist eng verzahnt mit deinen aktuellen Problemen und die Gelassenheit ggü deiner family eher gespielt als echt...denn wo REchnungen offen sind brodelt es untergründig gewaltig..und kann sich dann anderweitig nen Ventil suchen..ich fände es authentischer, wenn die in der family bestehende Bombe auch dort und nur dort gezündet würde...wenn du verstehst was ich meine...Zündung auf legale Weise versteht sich, Abrechnung auf legitime, zahme Art im Stil des guten braven Bürgers.

LG
Tyra

P.S Verrat der Eltern? Wie? Wussten die Bescheid und haben weggesehen, dir untersagt da Maßnahmen zu unternehmen? Ich wäre da ja an sich knallhart drauf und würde die auch mit über die Klinge springen lassen..nicht wortwörtlich natürlich, sondern eher mit Klage od. sowas wegen seelischer Grausamkeit und Schmerzensgeldforderung oder sowas..kopfschüttel....gibt doch echt manchmal richtige Elternbiester, was?
 
Zuletzt bearbeitet:
aha...ne noch größere Gelassenheit und Genugtuung und v.a. Ruhe in der Seele kommt ggf. auf wenn jeder für seine Sünden gezahlt hat? 😀
 
Hallo!
Wenn die Eltern regelrecht introvertiert sind und sich mit sich selbst zuviel befassen. Die materiellen Dinge im Vordergrund stehen und diese vorziehen und alles sich nur oberflächlich abspielt hat man daran auch ganz schön zu lecken. Man hat es auch später schwerer Emotionen zu zeigen. Erst mit zunehmendem Alter, fester Partnerschaft und grösserer Distanz zu den Eltern wird es leichter. Ganz schlimm ist wenn man nichts vermittelt bekommt und wenn vieles einfach selbstverständlich ist. Wie soll man dieses nicht vermittelte erlernt haben ? Wie soll man es weiter geben? Woher soll das kommen? Danach wird von den Eltern nicht gefragt. Vieles nimmt man als Kid in seiner Entwicklung einfach als gegeben hin. Woher soll man wissen das es auch anderes geht? So passiert es auch ,dass wenn ein Elternteil stirbt ,sich aber auch keine Emotionen bei einem abspielen. Keine Trauer. Kein Verlust.
Gruß
Frank
 
Hallo Tyra,

was Du schreibst, bringt es richtig gut auf den Punkt. Ich kann ich in Deinen Worten wieder erkennen, wobei ich allerdings fürchte, dass ich noch nicht so weit bin wie Du.

Ich habe auch Gefühlsarmut im Elternhaus erlebt, was mich als jungen Menschen sehr belastet hat und unterschwellig noch heute belastet. Leider erkenne ich auch bei mir selbst Ansätze von Gefühlsarmut, die von meinem Vater auf mich abgefärbt zu haben scheinen. Ich schreibe das ohne Vorwürfe, sondern nur als (bedrückende) Feststellung. Sehr gute Freunde haben das auch bei mir wahrgenommen und mich darauf hingewiesen, dass sie mich als emotionsarm wahrnehmen.

Wenn ich Emotionen sehr intensiv empfunden habe, dann waren das meistens negative Emotionen wie Angst.

Du hast in Deinem Text schon ein paar sehr interessante Ansätze aufgelistet, das Problem anzugehen. Hast Du diese Ansätze komplett selbst entwickelt oder irgendwo in Fachliteratur ausgegraben? Wenn das tatsächlich alles nur von Dir selbst stammt, dann möchte ich Dich hiermit animieren, ein Buch darüber zu schreiben ! 🙂

Für weiterführende Hinweise wäre ich Dir dankbar.

Gruss,

Guido


Hallo,

ich stamme auch aus einem emotionsarmen Elternhaus..bzw. es gab zwar Emotionen aber eher in Richtung Mißtrauen, MIßgunst, Terror und Gewalt, wenig Mitgefühl und Förderung, sondern eher Unterdrückung.
Ab der Pubertät habe ich mich jedoch recht erfolgreich da rausgeschält und im Laufe meines Lebens gelernt meine Emotionen auszudrücken..per Kunst, per Kontakt zu anderen Menschen als Familienmitgliedern, über Freunde etc.
Man hat es zwar dann irgendwie schwerer, wenn man sich das alleine beibringen muss, auch selber sowas wie ein Gerechtigkeitsgefühl oder gegenseitige Achtung beibringen muss, aber es geht. Wo ein Wille ist finden sich ja bekanntlich immer Wege.

Eine Zeitlang hat mir die elterliche Anerkennung sehr gefehlt..ich erinnere mich jedoch noch an die Tage, indenen ich meine Illusionen in der HInsicht quasi begraben hatte..damals so im Alter von ca. 11-14 Jahren..da machte es knacks und ich hab mir gesagt: o.k. hier ist nix zu holen, konzentrier dich also auf dich selber und andere Mitmenschen, die dich mehr achten und dir auch das geben, was du brauchst...nämlich Aufmerksamkeit, Achtung und Anerkennung ...und damit ging es dann recht gut...dieses Kapitel ewige Enttäuschung ggü den Eltern war abgeschlossen..ich denke das ist wichtig, ansonsten schleppt man da zu viel Depressionsmaterial huckepack mit sich rum. Man sollte da irgendwo hart sein um nicht zu viele weitere Härten/Enttäuschungen zu erleben..hier gilt es sich selber zu schützen. Witzigerweise hab ich wahrscheinlich grad dadurch dass ich emotional unabhängig geworden bin von meinen Eltern letztlich in den heutigen Tagen deren Anerkennung erhalten..aber nun ist mir die ehrlich gesagt ziemlich egal...ich hätte das damals brauchen können...hätte mir glaube ich damals so einige Irrfahrten und Schwierigkeiten im Leben ersparen können.

Ungerechte Ungleichbehandlung zwischen mir und meinen Schwester hab ich auf erlebt..aus Schiss vor meinem gewaltbereiten Vater hatte sich meine mittlere Schwester (anbiedernd aber irgendwo verständlich) auf die Seite meines Vaters geschlagen..war dann ne Zeitlang Haupterbin, was wieder so ein Machtspielchen war...das aber irgendwo nicht wirkte...bis ich dann mal so mit 25 Jahren, als die Zeit reif war ein Machtwort gesprochen hatte und meine Schwestern dazu überreden konnte egal was der EX-Despot arrangiert, wir den Streit lassen und gerecht aufteilen und fertig. Die emotionale Abhängigkeit zwischen uns Geschwistern ist immer noch stark genug um sowas auch durchzuziehen. Klingt alles ziemlich taktisch..aber ich denke wenn klare Verhältnisse herrschen und man auch offen über ALLE Dinge redet, dann kommt man am Besten miteinander klar.

In punkto Liebe geben können hatte ich bereits wie gesagt während meines Lebens meine Privatfortbildungen machen müssen und mache die immer noch.. Ich hab sehr viel durch Kinderbetreuung in der Hinsicht dazu gelernt, durch meine fünfjährige Nichte, die ich total liebe und die mir immer wieder zeigt wie man das auch mit einfachen GEsten und Worten einfach ausdrücken kann hat sich in mir nochmal mehr etwas gelockert und macht es mir nochmals ein stückweit leichter mich emotional auszudrücken...ist an sich ein prima Gefühl...
Die alten griechischen Philosophen Aristoteles und Platon schrieben über die reinigende Wirkung der Emotionen..den Katharsis-Effekt..indem man sämtliche menschlichen Gefühle durchlebt wird man zum vollständigen Menschen...wir lernen so viel über uns selber und in Sachen MItgefühl..wenn wir ein Theaterstück oder einen Film angucken können wir uns in die Protagonisten hineinversetzten und deren Gefühle mit durchleben..und dass soll uns nach Aristoteles läutern, innerlich reinigen...nun ja ich finde irgendwo ist da was dran...durch unser Mitgefühl anderen ggü, der Fähigkeit mitleiden zu können erkennen wir auch in uns immer wieder unsere weichen Seiten, was wichtig ist, damit unsere Kultur nicht allzusehr verroht. Leider ist unsere Gesellschaft der Individuen...Medienkultur derzeit dabei immer mehr zu verrohen..siehe das jüngste Beispiel des Schulattentäters in Emsdetten...ein vereinzelter Mensch, der mehr KOntakt zu Waffen und PC-Gewaltspielen hatte als zu seinen Mitmenschen..ehrlich gesagt wundert es mich, dass nicht öfters sowas passiert..grad die Jugendlichen sind ja am stärksten gefährdet..brauchen Anlehnung (amae...jap. Begriff dafür) um sich orientieren zu können, brauchen Struktur um ein vernünftiges Sozialverhalten zu erlernen und sich emotional auszudrücken...damit sie keine wandelnden Pulverfässer sind, die irgendwann hochgehen.
Da Emotionsarmut oder auch das Unvermögen sich emotional zu artikulieren sehr häufig in Gewalt ausarten kann ist es sehr wichtig hier seine Druckventile zu installieren, hier am Ball zu bleiben um nicht zu frustriert und demnach zu aggressiv ggü seinen Mitmenschen zu werden.

Ich denke im Leben gibt es immer wieder Situationen in denen man mal knallhart sein muss und mal butterweich..wenn man es schafft zwischen diesen beiden Polen einigermaßen elegant hin und her zu takten, dann ist man erst irgendwo menschlich, füllt das Spektrum der menschlichen Fähigkeiten besser aus. Liebe geben, aber auch Liebe annehmen zu können ist eine große Stärke, auf die man nicht verzichten sollte. Wobei allerdings natürlich drauf zu achten ist, dass der Liebesbegriff normal und nicht abnorm ist (wie bei vielen Gewaltopfern und auch Tätern z.b.)ne total selbstlose Liebe halte ich für Quatsch, eine einseitig egoistische Liebe ist auch net gut...Liebe ist wie die meisten Dinge im Leben eine Sache des richtigen Maßes...ein Ding des gegenseitigen Gebens und Nehmen, dass einigermaßen ausgeglichen sein sollte.

Gruß
Tyra
 

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