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Gedicht einer Mutter: Der Pubertist

CupCoffie

Aktives Mitglied
Wie viele hier habe auch ich ein "Kind" in der Pubertät. Das habe ich nun bedichtet.
Mein Gedicht sollte eigentlich lustig werden, aber beim Schreiben habe ich bemerkt, dass es mir auch ernst ist. Ich habe ein Problem mit dem Los-Lassen.

Aber lest selbst, vielleicht erkennt Ihr Euch wieder.
Auch Pubertisten und Pubertistinnen sind zum Lesen eingeladen (Ja, so fühlen sich Mütter zuweilen!)

Der Pubertist oder: Zeit der Entfremdung

Ein Mensch, der wirklich schwierig ist,
und das vermerk ich ohne Wonne,
das ist und bleibt der Pubertist –
einst war ich seine ganze Sonne…

Mein Man beruhigt mich stets: „Laß los!
Auch dieses Alter gibt sich!“
Doch ich frag mich: Was mach ich bloß
Mit diesen fremden Einssechundsiebzig?

Will ich was, hat er niemals Zeit.
Die Zimmertür ist fest verriegelt.
Ernst schaut er, ohne Heiterkeit,
seine Lippen wie versiegelt.

Sind seine Kumpel zu Besuch,
hör ich ihn laut und herzhaft lachen.
Liegt denn auf mir ein böser Fluch,
bin ich auf mal ein mieser Drachen?

Der Blick ist kühl, er macht ganz zu,
ist wie die Türe ganz verschlossen.
Wo ist mein offener Junge hin?
Ach, wie hab ich den genossen…

Jetzt ist da dieses große Trumm,
samt Pickeln, Jeans und Überheblichkeit.
Geht weg und schau sich nicht mal um –
Ich denk: Jetzt ist es auch bei uns so weit.

Ich nöl, er geht die Wände rauf,
ich mecker und er knallt die Türe.
Er räumt nun mal kein Zimmer auf,
und ich werde zur Walküre.

Ich will Gehorsam, bin voll Zorn,
und er beharrt auf Eigen-Sinn.
Vor Wut schwillt dann auch ihm das Horn,
man knallt sich’s gegenseitig hin.

Und wenn ich dann recht traurig bin,
mag keine Mutter länger sein,
mich frag: Wo führt das alles hin?
Kommt er aufs Mal ins Zimmer rein.

Steht krumm, so Marke „Eierdieb“:
„Der Streit von vorhin tut mir leid!
Ich hab dich eigentlich ganz lieb,
und ich will nicht dauernd Streit!“

Da weicht das Herz mir wie die Butter
In der legendären Sonne.
Da bin ich gerne wieder Mutter –
und er ist wieder meine Wonne.

Dann nehme ich ihn in den Arm –
- er riecht schon wie ein Kerl nach Schweiß -
Genieß den Pubertisten-Charme
und denke: Fuffzehn! Watt’n Scheiß!



CC
Ich habe nichts dagegen, wenn hier andere Mütter (und Pubertisten) ihre diesbezüglichen Gefühle auch ungereimt hinschreiben!!
 
Zuletzt bearbeitet:
hallo,
erstmal - ich finde dein gedicht echt toll, hat mir so gut getan und gefallen, wie du die einzelnen situationen in worte gefasst hast.
und erst das loslassen...........oh je, oh je......
ist schon manch eine träne gerollt und das gebeutelte mutterherz hat sich gekrümmt.

obwohl mein sohn schon schon länger das akute pubertistenstadium hinter sich gelassen hat ( er ist 21 und fängt gerade an zu studieren), werde ich den strengen verdacht nicht los, daß auch ein postpubertistische stadium existiert, wann werden er und ich dieses tal verlassen können?
möchte mich doch endlich mal auf schwer verdienten lorbeeren ausruhen......
vielleicht würde mir dann aber auch etwas fehlen?

aber was ich dir sagen kann, jedenfalls aus meiner erfahrung - der offene junge ( den ich gerade auch wegen seiner offenheit so liebe), der war soo lange verschwunden, daß ich schon total hoffnungslos wurde. ich dachte, daß darf doch nicht war sein - ist das der mensch, den ich als meinen sohn schon soviele jahre zu "kennen" glaubte?
jedenfalls dieser junge ist wieder zurückgekommen, offen, und wir können reden..und reden...und reden........solange es seine zeit erlaubt -natürlich!!!
geduld und mut und vertrauen, das mußte ich echt lernen, bin auch immer noch dabei, aber wie schon mal gesagt, das loslassen können ist für mich heute noch mehr zu lernen, als damals - in seinem süßen alter von 15.😀

liebe grüße von zelda
 
😀! mein Sohnemann ist auch 15... Kann dich da ganz gut verstehen. Auch was das loslassen betrifft. Ganz üble Krisen bekomm ich, wenn ich dran denke, dass er bald Auto fährt!!! Ojeh!! Nicht, dass ich es ihm nicht zutraue, aber ich hab wahnsinnige Angst, dass ihm was passiert.
Was ich ganz nett finde ist, dass er die Musik mag, die ich auch in seinem Alter gehört habe und dass er mittlerweile Bücher auch tatsächlich liest. Und zwar gerne!!
Er ist echt klasse, mein kleiner-großer Pubertist....!!
 
Ja, viele von ihnen sind großartig und lassen das Beste hoffen! Da sieht man jetzt schon, dass die mal prima, im Leben brauchbare Männer werden (wenn sie noch lernen, dass man Sachen vom Fussboden SOGAR wieder aufheben kann, natürlich nur😛)


Und was wir in den vergangenen Jahren alles richtig gemacht haben, wird auch noch zu Tage treten...aber die Durststrecke bis dahin....*soifz*

Meinem Mann fällt das Los-Lassen viel leichter als mir, der unterstützt das innerlich ganz anders.
Mich rettet zuweilen nur, dass ich mir innerlich sage:
Das muss der so machen - ohne Ablösung kein Erwachsenwerden -ohne Widerstand kein Erwachsenwerden - ohne Loslösung kein Erwachsenwerden...so ist das abgrundtief richtig - die Entwicklung stimmt -...

*Mantra-mässig innerlich runterleiere*

CupCoffie
 
das los-lassen ist mir verdammt schwer gefallen, ich konnte es bis vor kurzem nicht wirklich.
und so kam ich bei deinem text ins grübeln, ob man sich als mutter, da nicht wieder zu viel zumutet und etwas erzwingen will, was man gar nicht kann.
denn jetzt, da mein kind wirklich selbstständig lebensfähig ist, ist es plötzlich ganz leicht (mit der leere habe ich noch zu kämpfen😱).

also, vielleicht nicht loslassen, sondern lockerlassen, möglicherweise fällt das leichter, denn sonst ist man wieder diejenige, die nicht "richtig" ist und sich so fühlt.

lg lydia
 
also, vielleicht nicht loslassen, sondern lockerlassen, möglicherweise fällt das leichter, denn sonst ist man wieder diejenige, die nicht "richtig" ist und sich so fühlt.

Lydia, was bist du doch für eine kluge Frau! Und ganz heimlich wollen sie ja im Hintergrund auch noch Eltern haben...
außerdem kennen wir ja den Spruch: "Wehe, wenn sie los gelassen...."😀

Das Lockerlassen gefällt mir, und dabei ganz locker bleiben und auf bessere Zeiten vertrauen.

LG, CupCoffie
 

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