Hallo Leute!
Ich sitze hier an meinem Arbeitsplatz und bin in meiner Verzweiflung auf diese Seite gestossen, nachdem ich aus lauter Frust bei Google meiner seelischen Verfassung entsprechend "Alles Schei??e" eingegeben hatte.
Wir haben gestern unseren Leo, einen fast 9jährigen Berner Sennenhund-Rüden, einschläfern lassen müssen. Vor drei Wochen waren wir das erste mal mit ihm wegen seiner Probleme mit der Hüfte beim Tierarzt. Der hat ihm eine Vitamin B-Spritze gegeben und ein Schmerzmittel gespritzt (nachdem er schon seit einem knappen Jahr ein homöopathisches Mittel gegen sein Leiden, HD, bekam). Danach war wieder alles ok mit ihm, er konnte wieder lange spazieren gehen und fraß auch wieder vernünftig. Am Freitag letzter Woche ging es ihm dann plötzlich sehr schlecht, nachdem er noch am Vorabend mit meinen Eltern einen langen Spaziergang gemacht und eine Katze über ein Feld gejagt hatte (das machte ihm immer besonders viel Spass). Freitags hat er dann bei jeder Bewegung nur noch jämmerlich und herzzerreißend geweint. Am Samstag Morgen sind wir wieder mit ihm zum Tierarzt gefahren und haben die Hüfte und die Wirbelsäule röntgen lassen. Dass er HD hatte war uns schon klar und machte uns immer Sorgen, aber jetzt zeigte sich, dass er zusätzlich unter einer fortgeschrittenen Arthrose im Knie und unter einem Bandscheibenvorfall litt.
Die Tierärztin machte uns kaum noch Hoffnung für unseren lieben Wuffi, aber wir wollten nichts unversucht lassen, ihm noch ein paar schöne Wochen zu machen und wenigstens noch das Weihnachtsfest mit ihm gemeinsam verbringen zu können. Dieser Wunsch sollte sich nicht mehr erfüllen (jetzt muss ich mir mal wieder die Tränen wegwischen).
Leo konnte am Samstag abend wieder schmerzfrei laufen und rannte regelrecht los, sodass wir ihn sogar stoppen mussten, weil er offensichtlich einen "Freudensprint" hinlegen wollte, was in unseren Augen das denkbar schlechteste für ihn war. Die ganze Entwicklung im Vergleich zum Morgen machte uns aber Hoffnung, dass es ihm sicherlich bald wieder besser gehen würde.
Am Sonntag allerdings zeigte sich, dass er kaum mehr aufstehen konnte und beim Spaziergang torkelte er wie besoffen hin und her, zog seine Pfötchen nur noch über den Boden. Das Schlimmste aber war, dass er bei jedem Versuch das Bein zum Pipi machen hochzuheben, immer wieder umfiel und kaum mehr hoch kam.
Am Montag morgen, ich werde diesen 12.12. niemals in meinem Leben vergessen, konnte er nicht mehr. Er konnte nur noch mit größter Mühe aufstehen, fiel direkt wieder um. Die linke Vorderpfote konnte er nicht mehr bewegen, weil sie scheinbar gelähmt war. Mit dem zweiten Versuch hatte er es zu einem Busch im Garten geschafft und sah uns, nachdem er dort wieder umgefallen war, nur noch an als wollte er sagen: "Bitte erlöst mich endlich von diesem Leid."
Wir (die Familie mit Eltern, Bruder und ich) mussten einsehen, dass er sich nur noch quälte, das konnten wir uns nicht mehr länger ansehen und ihm so etwas auch nicht mehr antun, es war einfach kein Leben mehr für ihn. Um 10.45Uhr legten wir ihn in den Kofferraum und nahmen unter Tränen Abschied, knuddelten noch einmal mit ihm, gaben ihm noch ein Küsschen auf die Nase und genossen es noch einmal, sein herrliches Fell zu kraulen. Dann fuhr mein Vater los, und Wuffi richtete sich noch einmal mit seinen letzten Kräften auf um aus der Heckscheibe zu schauen. Es war, als hätte er gewusst, dass es kein Wiedersehen mehr geben würde. Oh mein Gott, ich werde diesen Blick in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Aber ich hätte nicht mit zum Tierarzt fahren können und meinem Leo beim Sterben zusehen können, ich wäre dabei zusammengebrochen.
Mein Bruder und ich gruben derweil hinter dem Wasserfall an unserem Gartenteich "Duggis" letzte Ruhestätte aus. Ich glaube, selbst dieses Loch wäre zu klein gewesen um meine Tränenmenge des Wochenendes aufzunehmen. Wir fragten uns immer wieder, was wir da eigentlich täten, der Hund war sicherlich noch auf der Hinfahrt zum Tierarzt und lebte noch - und wir gruben bereits sein Grab. Aber wir wollten den leblosen Körper schnellstmöglich bestatten, solange er noch warm und ihm der Tod noch nicht allzusehr anzusehen war.
Gegen 11.30 kam mein Vater mit roten, nassen Augen zurück. Im Kofferraum lag unser nun leblsoer Liebling, und er sah so friedlich aus, als würde er schlafen und man müsste ihn nur rufen, dann wäre er wieder wach. Aber das war natürlich Blödsinn. Wir hoben ihn in seiner grünen Decke aus dem Kofferraum, streichelten und knuddelten ihn noch mal, sprachen noch mal mit ihm, kontrollierten noch mal ob sein Herz wirklich nicht mehr schlug, und legten ihn in das mit Stroh ausgelegte Grab. Ich wäre fast kollabiert, als mein Wuffi dort unten so friedlich lag, ich wäre am liebsten mit ihm unter die Erde gegangen. Als er dort so friedlich lag, fingen plötzlich die Glocken der Dorfkirche an zu läuten und nach drei nebeligen Tagen zeigte sich plötzlich und unerwartet die Sonne am Himmel. Ich hoffte, dies sei ein höheres Zeichen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten und unser Leo nun nicht mehr leiden musste - es war eine komische Situation. Es war so schwer, ihn in seine Decke einzurollen und ihn mit Stroh zu bedecken. Wir wollten, dass er es für immer weich und warm hatte. Ich konnte es alles nicht fassen, als wir das Grab schlossen.
Mein Bruder und ich saßen noch lange vor dem geschlossenen Grab und redeten darüber, wie sehr sich jetzt alles ändern würde - Leo war unser bester Freund und unser "Kind", hatten wir ihn doch seit seiner 7. Lebenswoche bei uns. Es war zu einem großen Teil mein alter feiner Leo, der mich immer wieder am Wochenende den Weg aus dem hohen Norden in die ostwestfälische Heimat antreten ließ. Was soll das dieses Jahr nur für ein trauriges Weihnachtsfest werden. Ich hatte mich so auf meinen Weihnachtsurlaub gefreut, um mit ihm lange und weit durch unsere heimische Wald- und Wiesenlandschaft zu laufen. Nie mehr werde ich sehen können, wie er im Sommer in den See springt um sich abzukühlen, nie wieder wird er mich freudig begrüßen, wenn ich am Wochenende nach Hause kommen werde, nie wieder werde ich sein Hecheln hören, nie wieder mt ihm auf dem Rasen "kämpfen", ihn nie wieder knuddeln, nie wieder............
Leo war mein Kind, mein bester Freund, der mich nie verarscht, nie hintergangen hat. Ihm habe ich Sachen erzählt von denen niemand weiß, habe ihn im Arm gehalten und geweint, wenn ich in einer scheinbar ausweglosen Situation steckte, habe ihn geknuddelt und mich gefreut. Er war einfach mein/unser Liebling, und er hinerlässt ein riesengroßes Loch, das auch nicht zu füllen ist. Ich bin ein Teil von Wuffi und er ist ein Teil von mir, und er ist gegangen - aber er lebt in mir weiter. Wie oft hat er in einsamen Nächten unter einem herrlich klaren Sternenhimmel neben mir am Teleskop gelegen und auf mich aufgepasst. Ich frage mich, ob ich in Zukunft noch Spaß an der Astronomie haben werde, jetzt wo er nicht mehr dabei ist.
Jetzt sitze ich hier vor meiner Doktorarbeit und kann nicht mehr, ich bin am Boden zerstört, habe die letzten Tage kaum feste Nahrung zu mir genommen und wenig geschlafen. Ich bin am Ende, weiß nicht wie ich diesen ganzen vorweihnachtlichen Stress aushalten und meine Arbeit vernünftig erledigen soll - es tut so unglaublich weh, es zerreißt mir fast das Herz.
Leo, ich vermisse Dich und Du wirst mir/uns immer fehlen. Aber ich hoffe, dass wir uns eines Tages wieder sehen, wenn ich dort hin gehe wo Du jetzt bist, und dann machen wir nichts anderes mehr als losgehen und knuddeln. Ich habe Dich sooooooo lieb, alter Feiner!
Mathias