Ich will das machen , weil ich darin am besten bin.
Nicht gerade meine Lieblingsantwort (klingt ein bißchen so wie: "Na, ich mach' halt den Scheißjob weil ich nichts anderes besser kann", auch wenn es so wahrscheinlich nicht gemeint war). Die Version gefällt mir besser:
Ich mag es komplexe Lösung zu finden ,wofür ich auch teilweise Monate für brauche und ein Papierbedarf von etwa dem Amazonas habe.
Genau so etwas sollte die Motivation für eine Beschäftigung mit etwas sein - daß man Spaß an derselben hat. Ich habe in Deinem Blog schon einiges zum Thema Selbstzweifel geschrieben (weil das für mich sowohl im Hinblick auf meine Profession als auch mein Studium ein sehr entscheidendes Thema ist); aber es ist vollkommen egal, in welchem Bereich Du tätig bist: Fehler sind essentiell. Und die Fehler die Du machst sind nicht Deine Feinde - vielmehr solltest Du Dich tatsächlich über jeden Fehler freuen (klappt bei mir aber auch nicht immer ... *lach*), weil er Dir die Möglichkeit gibt, weiterzukommen. Was meine ich damit? Du weißt, woran Du noch arbeiten mußt. Die meisten Leute, unabhängig von dem Bereich worüber wir sprechen, gehen mit ihren Fehlern ähnlich um, wie Hochverschuldete mit ihren Mahnungen; sie sehen sie, dann betreiben sie ein bißchen Bitch-slapping oder lassen ihre Selbstzweifel das für sie übernehmen, und danach vergessen sie den Fehler.
Sinn der Übung ist es, den Fehler zu analysieren und zu verstehen. (Wenn man ihn partout nicht verstehen sollte, einen "Lehrer" oder jemand anderes fragen, der mehr Ahnung hat als man selbst). Danach einiges über den Fehler aufschreiben, sich Gedanken darüber machen, weshalb man ihn gemacht hat (manchmal weiß man auch alles, und macht Flüchtigkeitsfehler - oder man hat sich in der Analyse vertan, etc.). Wenn man den Fehler einen gesamten Bereich seines Arbeitsgebietes zuordnen kann, dann weiß man immerhin, was man die nächsten Wochen zu tun hat: Das Arbeitsgebiet noch einmal durchzugehen. Hat man dies getan, nimmt man sich den oder die Fehler noch einmal einzeln vor, und schreibt, wie man nun an die Aufgabe herangehen würde.
"Fehler" sind kein Anlaß, uns selbst so zu behandeln, wie Du es u.a. auch auf Deinem Blog getan hast. Wenn Du die Hälfte des Tages damit verbringst, Dich selbst zu bitch-slappen oder gar fundamentalste Selbstzweifel ("ich bin allgemein scheiße") zuläßt, dann hast Du die meiste Zeit exakt damit verbracht: Dich selbst zu hassen. Gelernt hast Du nichts. Verbessert hast Du Dich nicht. Verstanden, warum Du einen Fehler gemacht hast, hast Du nicht. Du hast Dich halt ein bißchen selbst erniedrigt - nun, normalerweise braucht man für so etwas menschliches Fachpersonal - die Domina Deines Vertrauens wird Dir weiterhelfen. Die Domina in Deinem Kopf ist allerdings keine Hilfe.
So viel nochmals zu Deiner enormen Angst davor, Fehler zu machen. Diese Angst führt Dich dahin, Dich nicht mehr verbessern zu können. Teil eines positiven Perfektionismus' sollte es sein, daß Du willens bist, Dich zu verbessern. Wenn Du allerdings ein Anfänger im Stabhochsprung bist, und die Latte gleich auf 5.5 Meter hängst - was meinst Du wie dann Deine Karriere im Stabhochsprung aussehen wird? Sie endet wahrscheinlich am selben Tag, an dem Du angefangen hast.
Das ist kein Perfektionismus - das ist nichts weiter als eine Blockade. Und was Dich blockiert, solltest Du bekämpfen und über Bord werfen.
Ich will halt mal Anerkennung bekommen und nicht mit Spott und Hass verächtet werden.
Darauf möchte ich Dir sehr ehrlich antworten:
Es ist nicht die Aufgabe Deiner Kollegen oder der anonymen, Dir nicht bekannten Öffentlichkeit, Deine Egoprobleme zu lösen. Falls Du (ich weiß ja nicht, in welchem Bereich Du arbeiten willst) mit Kollegen arbeiten solltest, wirst Du sicherlich Lob und Anerkennung für gute Leistungen bekommen - aber niemand wird zu Dir heraufschauen oder dergleichen.
Du bist dafür verantwortlich, Dich selbst zu loben und zu motivieren - das wird Dir kein anderer jemals abnehmen können. Auch sollte die entstandene Genugtuung, ein Problem richtig gelöst oder viel gelernt und behalten zu haben, Lob genug für Dich sein. Ist dem nicht so, dann solltest Du Dir selbst Gedanken darüber machen, weshalb dem nicht so ist und dagegen anarbeiten.
Und solltest Du wirklich in einigen Jahrzehnten (wobei Du dann, da bin ich mir sicher, andere Probleme haben wirst, als Dein jetziges Egoproblem) irgendeinen großen Erfolg innerhalb Deiner Zunft feiern können, so kannst Du Dir sicher sein, daß Neider innerhalb der Zunft überwiegender vorhanden sein werden, als solche, die Dir diesen Erfolg gönnen.
Dich selbst zu loben und Deine Leistungen anzuerkennen kann Dir niemand anderes abnehmen.
Naja das erinnert mich an dem typen der Philosophie und Geschichte studiert hat und anschließend zum Arbeitsamt gerannt ist 😀
Der Typ scheint sich geklont zu haben *lach*... Was mich betrifft: Studieren ist für mich Privatvergnügen. Glücklicherweise verdiene ich mein Geld anders.
Gruß,
Kendall